Überzwerch

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Adler [nach rechts] überzwerch [rechts (abwärts) sehend]
(PrattelnW-Logo.png)

Überzwerch (auch ueberzwarch, überzwarch; auseinander geschrieben „über zwerch“ oder nur zwerch; französisch posé en fasce [la tête à dextre/senestre] ‚überzwerch [quer nach rechts/links]‘; englisch fesswise [head to dextre/sinister] ‚überzwerch [Kopf nach rechts/links]‘ oder turned sideways) ist ein alter und mehrdeutiger Begriff, der in der Vergangenheit teilweise widersprüchlich verwendet wurde und in der modernen Heraldik nicht mehr benutzt wird.

Bedeutung

Allgemein

Der Ausdruck „überzwerch“ stand allgemein zum Beispiel für ...

  1. „überquer“, „überkreuz(t)“, „schräg“, „quer“, „diagonal“, „auf die Seite gerichtet“, „von der Seite her“, „quergestellt“, „querlaufend“, „kreuz und quer“, „durcheinander“, „ringsum“, „verkehrt herum“, „der Länge nach einen schiefen Winkel durchschneidend“
  2. „unbequem“, „ungeschickt“, „verkehrt“, „unpassend“, „nicht so, wie es sein sollte“
  3. „nebenbei“, „beiläufig“, „zufällig“
- Quellen: Diverse historische Wörterbücher[1]

Die Ausdrücke „über zwerch“ bzw. „zwerch-“ finden sich teilweise noch in Zusammensetzungen im aktiven Sprachgebrauch, z. B. in der Architektur („Zwerchgiebel“, „Zwerchhaus“) oder in der Anatomie („Zwerchfell“, das ist die „Querhaut“ unter der Lunge, Zwerchrippe o. ä.).

In der Heraldik

Im Wappenwesen wurde der Ausdruck überzwerch hauptsächlich in folgenden Bedeutungen verwendet:

Bedeutung Bemerkung Beispiel
(rechts) „überzwerch“
= quer nach rechts
= querrechtshin
Eine Wappenfigur, die aus ihrer normalen Position um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht ist (eine „nach rechts liegende“ Wappenfigur).
(Wappenbilderordnung Nr.: -665).
Adler nach rechts überzwerch
„linkshin überzwerch“
= quer nach links
= querlinkshin
Eine Wappenfigur, die aus ihrer normalen Position um 90° im Uhrzeigersinn gedreht ist (eine „nach links liegende“ Wappenfigur).
(Wappenbilderordnung Nr.: -666).
Lilie nach links überzwerch
„überzwerch“
= quer (geteilt)

„Quer getheilt, Querschnitt, zwerch gespalten, überzwerch des Schildes getheilt, in alten Wappenbriefen, in der Mitte in zwey Theile abgetheilt, coupé, scutum horizontaliter, transversaliter, transverse sectum“

Johann Christian Siebenkees (1789)[2]

Ueberzwarch oder überzwerch ist ein alter Ausdruck für quer (getheilt). „Ueberzwerch abwärts“ soll jedoch soviel heissen, als schräg (getheilt).“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[3]

Überzwerch, überzwarch: alte Ausdrücke für quer (getheilt)“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[4]
Überzwerch (geteilt) von Silber und Rot
(Wappen Hohenberg)
„überzwerch“ (gelegt o. ä.)
= überkreuz
Meist im Zusammenhang mit „überkreuz“ gelegten Wappenfiguren.
Überzwerchkreuz ist z. B. ein alter Ausdruck für das „Andreaskreuz“ bzw. für „Schragen“.
Überzwerchkreuz

Nach Siebmacher

„Der Adler in Tafel XVIII. Fig. 9 heisst überzwerch, muss aber als „linkssehend“ angesprochen werden. Würde der Schnabel abwärts gekehrt sein (Tafel XVIII. Fig. 16.) so würde dies die regulaire Stellung sein. Falls der Adler in derselben Ueberzwerchstellung den Schweif nach rechts kehrte, würde er als „linkshin überzwerch“ blasonirt, werden müssen und den Schnabel nach oben gewendet haben, andernfalls müssen er (wenn letzterer abwärts gekehrt wäre) noch als „linkssehend“ angesprochen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[5]

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: überzwerch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wappen Remshalden-Hebsack.svg Lemma: „überzwerch“   in historischen Lexika bei Zeno.org
Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Ueberzwerch. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (woerterbuchnetz.de).

Einzelnachweise

  1. Vgl. z. B.: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von Matthias Lexer, Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Pfälzisches Wörterbuch, Wörterbuch der elsässischen Mundarten u. a.
  2. Siebenkees, Johann Christian: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. 1789.
  3. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 163.
  4. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 402.
  5. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.