Betagleuchtet

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Ein betagleuchterter Zinnenturm
(1480: aus Grünenbergs Wappenbuch)

Der Ausdruck betagleuchtet (auch betagleuchtert) wird etwa ab dem 17. Jahrhundert in der Heraldik für Bauwerke (Türme, Burgen, Mauern, Häuser et cetera) verwendet, wenn durch eine oder mehrere Öffnungen in den Bauwerken (offene Fenster, Türe, Tore) die darunterliegende Tinktur/Schildfarbe oder das darunterliegende Wappenbild sichtbar sind.

„Die Thürme sind (..) betagleuchtet“

Claude-Francois Menestrier (1694)[1]

Kritik

Etwa ab dem 19. Jahrhundert halten Maximilian Gritzner und andere Heraldiker den Ausdruck für „veraltet“:

Betagleuchtert werden bei älteren Heraldikern Türme, Mauern, Häuser und so weiter genannt, wenn durch ein offenes Fenster oder Tor oder mehreren dergleichen in diesen Türmen und so weiter die Tinktur des Feldes hindurch gesehen wird, gleichsam wie das durch das Fenster dringende Tageslicht. (..)“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[2]

betagleuchtert = scheusslicher Ausdruck älterer Heraldiker, gebraucht von Thürmen, Burgen etc., wenn durch Fenster und Thür die Schildfarbe sichtbar ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Offen / Geöffnet

In der neueren Heraldik verwendet man in Wappenbeschreibungen statt „betagleuchtet“ weniger „geschwollene“ Ausdrücke. Stattdessen nennt man beispielsweise die heraldische Farbe, die das Teilelement einer Figur hat, ungeachtet des möglichen Umstands, dass die Feld/Schildfarbe bereits in der Wappenbeschreibung genannt wurde (zum Beispiel: „In Silber ein Turm mit silbernen Fenstern“). Den Umstand, dass die Schild-/Feldfarbe durch ein Fenster, eine Tür, ein Tor oder ähnliches sichtbar ist, trägt man gelegentlich auch Rechnung, wenn man ohne Zusatz von „geöffneten“ oder „offenen“ Türen, Toren, Fenstern redet (zum Beispiel: „Zinnenturm mit offenem Fenster“), wobei intendiert ist, dass in diesen Fällen die Türe, Tore, Fenster mit zusätzlicen Merkmalen aufgerissen werden (zum Beispiel mit offenen „Torflügeln“; vgl. WBO Nr. -697).

Einzelnachweise

  1. Menestrier, Claude-Francois: Wohlanständige Adels-Zierde, das ist, Neue Umleitung zu der sogenannten Herold- oder Wappen-Kunst. Kühn. 1694. S. 73, 74
  2. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 18, 19.
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 203