Charles-René d'Hozier

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1691: Charles-René d'Hozier
(gemalt von Hyacinthe RigaudW-Logo.png)

Charles René d'Hozier (auch Carl Renatus d' Hozier, Karl Hosier oder ähnlich genannt; * 24. Februar 1640 in Paris; † 13. Februar 1732 ebenda) war französischer Historiker, Genealoge, Heraldiker, Conseiller du roi („Berater des Königs“) und in Paris nach seinem Vater und Bruder der 4. Juge d'Armes de la France („vierter Wappenrichter/-meister Frankreichs“) sowie Ritter vom Orden der hl. Mauritius und LazarusW-Logo.png.

Leben

Charles René d'Hozier war der jüngste Sohn des Historikers, Genealogen und Heraldikers Pierre d'Hozier (1592-1660) und der Yolande Marguerite de Cerini, die aus einem toskanischen Adelsgeschlecht stammte. Das Paar hatte insgesamt sieben (nach anderen Quellen sechs) Kinder. Sein Vater wurde 1641 nach François de Chevriers de Saint Mauris der zweite „Wappenrichter/Wappenmeister“ (Juge d'Armes) Frankreichs. Ein Wappenrichter war ein königlicher Beamter/Rat zur Überprüfung der (Wappen)Ansprüche des französischen Adels, zuständig für Wappenverleihungen/-beglaubigungen, dessen Hauptaufgabe es war ...

„(..) die Wappen aller adeligen Personen in öffentliche und officielle Register einzutragen.“

Der Deutsche Herold (1875)[1]

Louis-Roger d'Hozier half seinem Vater bei dieser Aufgabe; sein jüngerer Bruder Charles-Rene d'Hozier hatte sich bis zum Tod seines Vaters im Jahre 1660 nie mit heraldischen und genealogischen Werken beschäftigt. Das Amt des Wappenrichters wurde mit wenigen Unterbrechungen über rund 150 Jahre sozusagen innerhalb der Familie „vererbt/verkauft/weitergereicht“:

„Das Amt der Wappenrichter von Frankreich befand sich 1641 bis 1791 in der Hand von Mitgliedern der Familie d'Hozier aus dem Languedoc.“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[2]

Anfänglich ging das Amt vom Vater an seinen ältesten Sohn, Louis Roger d'Hozier (1634-1708) über, der dadurch der dritte Juge d'Armes wurde. Am 3. Januar 1666 bot man an, beide Brüder gemeinsam zu Wappenrichtern zu ernennen und es scheint, dass Charles entschlossen an diese Arbeit ging. Als der älterere Bruder erblindete, übernahm Charles 1675 alleinig und als vierter das Amt Juge d'Armes. Im Jahre 1696 entlies König Ludwig XIV.W-Logo.png ihn vorübergehend aus dem Amt und machte ihn statt dessen zum „Wächter/Bewahrer der Wappen“ (französisch Garde de l'Armorial Général). Im Jahre 1701 nahm als d'Hozier sein altes Amt als alleiniger Wappenrichter wieder auf.[1] Im Jahre 1682 heiratete er Edmée-Marie Terrier (1655-1733), Witwe von Eloy Rossignol. Die Ehe blieb kinderlos. Am 25. August 1685 erhielt er vom König den Militärorden der hl. Mauritius und Lazarus. Im Jahre 1710 übergab er das Wappenamt des Juge d'Armes an seinen Neffen Louis Pierre d'HozierWp France moderne.png (1685-1767), dem fünften „Wappenrichter“ von Frankreich.

Ämterfolge im Hause d'Hozier

Eastconf2.png Pierre d'Hozier (1592-1660): Sieur de la Garde, am 25. April 1641 zum 2. französischen Wappenrichter ernannt (nach François de Chevriers de Saint Mauris, 1. französischer Wappenrichter von 1615 bis 1641)[3][4]. Er war der Vater von:

Eastconf3.png Louis Roger d'Hozier (1634-1708): Im Jahre 1658 Versprechen der Amtsnachfolge; von 1660-1675 zum 3. Wappenrichter Frankreichs ernannt; übergab erblindet sein Amt an seinen jüngeren Bruder Charles René[3][4]; ihm folgen:
Eastconf5.png Louis Pierre d'Hozier (1685-1767: Im Jahre 1710 Versprechen der Amtsnachfolge; war bis zu seinem Tod 1767 der 5. Wappenrichter in Frankreich[3][4], ihm folgen:
Eastconf0.png Denis Louis d'Hozier (1720-1788): Präsident der Rechnungs-, Hilfs- und Finanzkammer der Normandie, ihm folgen:
Eastconf7.png Ambroise Louis d'Hozier (1764-1841): Am Oktober 1788 von seinem Onkel Antoine Marie d'Hozier de Sérigny, der sein Amt bis zu dessen Auflösung im Jahr 1789 innehatte, Versprechen zur Amtsnachfolge (7. und letzter Wappenrichter Frankreichs). 1814 wurde er im Zusammenhang mit Conseil du sceau des titresWp France moderne.png zum Prüfer der Wappen Frankreichs ernannt.[3][4]
Eastconf0.png Abraham Charles d'Hozier (1775-1846)
Eastconf6.png Antoine Marie d'Hozier de Sérigny (1721-1801): Im Jahre 1734 Versprechen der Amtsnachfolge; wurde zum 6. Wappenrichter in Frankreich ernannt. Er übte sein Amt bis zu dessen Auflösung im Jahre 1789 aus; versprach seinem Neffen Ambroise Louis Marie 1788 die Amtsnachfolge.[3][4]
Eastconf4.png Charles-René d'Hozier (1640-1732): Ab dem Jahre 1675 der 4. Wappenrichter Frankreichs. Er übte von 1663 bis 1696 gemeinsam mit seinem Bruder das Amt aus, das danach vorübergehend aufgelöst wurde. 1701 ließ er das Amt wieder herstellen und verkaufte es 1710 an seinen Neffen Louis Pierre.[3][4].

Familienwappen

Blason Charles d'Hozier.svg
Blasonierung:
„D'azur à la bande d'or, accompagnée de 6 étoiles du même ordonnées en orle.“
-- Louis Roger d'Hozier (1634-1708)
-- Charles René d'Hozier (1640-1732)[5]

Werk

Zu den Projekten, die unter der Urheberschaft oder Federführung von Charles René d'Hozier ausgearbeitet wurden, zählen (Auswahl):

  • 1673: Veröffentlichung von Recherches sur la noblesse de Champagne (die „Recherchen über den Adel in der Champagne“ wurden vom Intendanten Le Fèvre de CaumartinWp France moderne.png von 1666 bis 1672 durchgeführt).
  • 1684/1686: Veröffentlichung und Kommentar von: Remarques sur l'Histoire de Charles IX („Bemerkungen zur Geschichte von Karl IX.W-Logo.png“) von Antoine VarillasWp France moderne.png
  • 1698: Kommentar zu Recherches des Armoiries de Bourgogne („Recherchen über die Wappen in Burgund“): Original signiert von d'Hozier, bestehend aus mehr als 600 Blättern und auf Pergament illuminierten Wappen; das Konvolut wurde früher in Dijon in der Bibliothek von Fevret de FontetteWp France moderne.png, einem burgundischen Parlamentarier des 18. Jahrhunderts, aufbewahrt.

Armorial général de France

Nach der Verkündung eines Erlasses im Jahr 1696, der alle in Frankreich anwies, die ein Wappen führten, dieses gegen Zahlung von mindestens 20 Livres zu registrieren, wurde Charles René d'Hozier damit beauftragt, die in den verschiedenen Provinzen zurückgegebenen Erklärungen einzusammeln und ein Armorial général de France („Allgemeines Wappenbuch Frankreichs“) zu erstellen. Die Zusammenstellung, die nicht nur die Wappen der Adligen, sondern auch die von Bürgern, Geistliche, Städten, Körperschaften und Gemeinschaften enthielt, blieb unvollständig, da sich viele weigerten, ihr Wappen registrieren zu lassen, um der Gebühr zu entgehen; andere versäumten die Registrierung womöglich aus Unkenntnis des Erlasses oder weil sie davon ausgingen, dass ihr Wappen bereits registriert sei. Die Arbeit an der Zusammenstellung sollte ursprünglich innerhalb von zwei Monaten erledigt sein; es wurden jedoch viele Fristverlängerungen nacheinander gewährt (..)

„(..) bis endlich im Jahre 1718 das Armorial général -- zu 34 Folio-Bänden angewachsen -- als vollendet betrachtet und im Cabinet des titresWp France moderne.png, einer Abteilung der Bibliothek des Königs, deponiert wurde. Von hier wurde es nach der Revolution in die Nationalbibliothek zu Paris translocirt, wo es im Laufe der Jahre von Tausenden aus Eitelkeit und Eigennutz zu Rathe gezogen wurde (..)“

Der Deutsche Herold (1875)[1]

Das Original, dass trotz Aufsicht auf „verschiedene Weise gefälscht wurde“, verlor „im Laufe der Zeit“ durch die Manipulationen „seinen offiziellen Charakter“ und ist von einer Kopie abzugrenzen, die im Hause d'Hozier blieb, „bis die Nationalbibliothek sie 1851 von dem letzten Nachkommen d'Hoziers kaufte“.[1] Das Armorial général de France (heute in der Bibliothèque nationale de France) besteht aus 34 Bänden mit Text und 35 Bänden mit farbigen Wappen. Das Armorial enthält 60.000 Namen, gruppiert nach Provinzen und Provinzunterteilungen. Die Abschnitte über Burgund und Franche-Comté wurden von Henri Bouchot (1875-1876) veröffentlicht; die über die Provinzen von Limoges von Moreau de Pravieux (1895); und die über die Wappen von Reims von P. Cosset (1903).

In der heraldischen Fachwelt wird die Bedeutung des Armorial général de France unterschiedlich und kritisch beurteilt. Stellvertretend für vielen Äußerungen zu dem „Projekt“ nachstehend nur zwei Meinungen dazu:

„Die rein fiskalischen Motive und die sich dabei ergebenden Streitigkeiten haben zwar dem ganzen Unternehmen geschadet, doch insgesamt gesehen war das Ergebnis für die Heraldik von unschätzbaren Wert.“

Ottfried Neubecker (1990)[6]

„Im allgemeinen kann man sagen, daß das Register von d'Hozier, das die am meisten befragte Handschrift der Bibliothèque Nationale in Paris ist, auf das Studium der Heraldik in Frankreich einen beklagenswerten Einfluß gehabt hat, da zu viele Leute sich mit seinen Angaben begnügen, ohne das Bedürfnis zu empfinden, ihre Forschungen weiterzutreiben. Wenn es für das Ende des Ancien Règime eine wertvolle Quelle war, so ist es und bleibt es noch lange eine Quelle von Irrtümern.“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[2]

Cave: Das Armorial général de France des Charles René d'Hozier ist vom Armorial de France bzw. vom Armorial (général,) ou Registre(s) de la Noblesse de France („Allgemeines Wappenbuch oder Register des Adels von Frankreich“; 1738-1741 bzw. 1738-1768) zu unterscheiden. Letztgenanntes ist ein ehrgeiziges genealogisches Werk in 10 Bänden, welches einen großen Teil der Familien des französischen Adels im 18. Jahrhundert umfasste und von seinem Neffen Louis Pierre d'Hozier und dessen Sohn Antoine Marie d'Hozier de Sérigny herausgegeben wurde. In der Allgemeinen Encyclopädie der Wissenschaften und Künste von 1853 wird die Herausgabe des letztgenannten Werkes folgendermaßen kolportiert:

„Beide (Charles René d'Hozier und sein Vater Pierre d'Hozier) arbeiteten (..) ein Werk unter dem Titel: Généalogies des principales familles de France avec beaucoup de titres servant de preuves, in 150 Folianten aus, welches die damalige königliche Bibliothek erhielt. Dieses bereits selten gewordene Werk gab erst Ludwig Peter d'Hozier, Enkel des obigen Peter, unter dem Titel Armorial général de France zu Paris 1736-1768 in 10 Folianten heraus.“

Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste (1853)[7]

Sammlung

Im Jahre 1717, als Folge eines Streits mit seinem Neffen Louis Pierre, dem Sohn von Louis Roger, verkaufte Charles eine Sammlung von 160 Portfolios genealogischer Papiere, die alphabetisch geordnet waren sowie 175 Bände mit Dokumenten und zahlreiche gedruckte Bücher, die reichlich kommentiert waren, an den König. Im Jahre 1720 wurde die Sammlung von Pierre ClairambaultWp France moderne.png inventarisiert, der eine gewisse Anzahl von Genealogien aus den Unterlagen von François Roger de GaignièresWp France moderne.png hinzufügte, wodurch sich die Gesamtzahl auf 217 Kartons und Portfolios erhöhte. Damit war der Grundstein für das Cabinet des titresWp France moderne.png der Bibliothéque Nationale gelegt. Charles versöhnte sich später mit seinem Neffen, dem er alle Papiere überließ, die er vom Datum des Streits bis zu seinem Tod am 13. Februar 1732 sammeln konnte.

Literatur

  • Hozier, Pierre d'. In: Encyclopædia BritannicaW-Logo.png. 11. Auflage. Band 13: Harmony – Hurstmonceaux. London 1910, S. 841–842 (englisch, → Volltext ansehen [Wikisource]).
  • Alain de Grolée-Virville: Les d'Hozier: juges d'armes de France. Paris, Éditions cardinales, 1978.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Das Armorial général Ludwig XIV. In: Der Deutsche Herold. 6. Jahrgang. Berlin, 1875. Nummer 1. S. 4 f.
  2. 2,0 2,1 Donald Lindsay Galbreath, Léon Jéquier: Handbuch der Heraldik. Battenberg Verlag, Weltbild Verlag, Augsburg 1990, ISBN 3-89441-259-3, S. 55 (französisch: Manuel du Blason. Lausanne, Lyon 1942. Übersetzt von Ottfried Neubecker).
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Dictionnaire de la noblesse française. 1975, S. 54 (französisch).
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Firmin-Didot (Hrsg.): Nouvelle biographie générale. 1861, S. 325–326 (französisch, Digitalisat).
  5. Armorial général de France: Digitalisat Internet: gallica.bnf.fr. Abgerufen: 28. Juni 2019
  6. Neubecker, Ottfried: Heraldik. Wappen - ihr Ursprung, Sinn und Wert. Battenberg Verlag im Weltbild Verlag, Augsburg 1990, ISBN 3-89441-275-5, S. 36 (© EMD-Service für Verleger. Luzern, Schweiz 1990. Deutsche Ausgabe: Genehmigte Lizenausgabe. Titel der amerikanischen Ausgabe: Heraldry. Sources, Symbols and Meaning.).
  7. Moritz Hermann Eduard Meier (Mitwirkung): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge: A-G. Band 57. Gellert-Genezareth. Leipzig, Brockhaus, 1853. S. 375. Google
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