Clément Prinsault

Aus Heraldik-Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Leseprobe

Clément Prinsault war ein französischer Wappenkundler des 15. Jahrhunderts, über dessen Biographie nur wenig bekannt ist.

Leben

Prinsault war von dem Werk De Insigniis et Armis von Bartolus de Saxoferrato (~1313-1357) beeinflusst. Er verfasste vermutlich mindestens um 1444[1] (nach anderen Quellen 1465 bzw. 1468–1476; Angaben für das Jahr 1416 sind vermutlich nicht plausibel[2]) als einer der ersten Autoren überhaupt einen heraldischen Leitfaden beziehungsweise ein Traktat über das Wappenwesen (Traité du blason).

Werk

Das Werk Prinsaults gliederte sich in zwei Teile: Traité und Armorial. Teil 1 besteht aus 12 Kapiteln, deren Titel Gustav Adelbert Seyler etwa so angibt[3]:

  1. Von den Erfindern der Wappen
    (De ceulx qui premier trouvèrent armes): Das Kapitel legt dar, daß Alexander der Große, Hektor, Julius Cäsar und andere die ersten Wappenträger gewesen sein sollen.
  2. Auf welche Weise man Wappen macht; das Kapitel handelt davon, daß alle Wappen drei Dinge zugrunde gelegt werden können: Metall, Farbe und Pelzwerk
    (De quelle maniére on fait armes):
  3. Von den Arten der Metalle, der Farben und des Pelzwerks und wie man sie blasonieren soll
    (Quantes métax, quantes couleurs et quantes pennes il y a en armes et comment on les doit blasonner)
  4. Von den Tugenden, Temperamenten, (sieben) Planeten, (zwölf) Himmelszeichen, Edelsteinen, Wochentagen, (drei) Elementen und Metallen, welche jeder der genannten Metalle und Farben in den Wappen bedeuten
    (A quelle vertu, quelle complexion, quelle des sept planettes, quel des XII signes célestes, quelle pierre précieuse, quel jour de la sepmaine, quel des III élémens et quel métal signifie en armes chascun desdits métalxs et coleurs)
  5. Das 5. Kapitel benennt 9 Dinge, von denen jedes den dritten Teil des Schildes einnimmt, und wenn sie kleiner sind, ist der Schild geteilt. Wie man jedes der 9 Dinge blasonieren soll.
    Le chapittre contient IX choses dont chascune desquelles fait le tiers de l'escu, et quant elle est plus petile, c'est devise
  6. Kapitel 6., welches angibt, bis zu welcher Zahl man alle in den Wappen vorkommenden Dingen benennen und in welchen Fällen man die Zahl nicht benennen respektive „besät“ sagen muß.
    (Démonstre jusques à quel nombre on doit nombrer toutes choses... et quant on doit dire sans nombre ou semé)
  7. Kapitel 7. Von der Ordnung der Metalle und Farben und wie man die falschen von den echten Wappen unterscheiden kann (Fait mention de la disposition des métalx ou couleurs ou blason, et comment on peut discerner les faulses armes des vrayes)
  8. Kapitel 8. lehrt, bei welchem Teile des Schildes man mit dem Blasonieren beginnen soll
    (En quelle partie de l'escu on doit commencer à blasonner)
  9. Kapitel 9. behandelt gewisse Unterschiede der Vögel und Tiere im Blason der Wappen
    (De certaines différences d'oyseaux et bestes ou blason d'armes)
  10. Kapitel 10. erläutert, in welcher Weise die Löwen, Leoparden und andere Tiere zu blasonieren sind und den Unterschied zwischen Löwen und Leoparden.
  11. Von der Form der besans, torteaux, cotice, endente, engrelle, losenges, fusees, eschaquier, frete, gemelle, billete. Und von dem Unterschied zwischen crois patee, crois fichée, crois potencée, crois croisée und crois floronée
    (En quelle façon sont en armes besans, torteaux, cotire etc., et quelle différence il y a entre crois etc.)
  12. Blasonierung von 15 schwierigen Schilden, mit dem Beschluss dieses Buches.
    (Démonstre la maniére de blasonner XV escur difficilles cy aprés contenus avecques la conclusion de ce présent livre)

Bestand

Das Werk von Prinsault ist in verschiedenen französischsprachigen Manuskripten überliefert, die zum Beispiel zum Bestand der Bibliothèque nationale de France (BnF) gehören.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Torsten Hiltmann: Spätmittelalterliche Heroldskompendien. Referenzen adeliger Wissenskultur in Zeiten gesellschaftlichen Wandels (Frankreich und Burgund, 15. Jahrhundert). In: Deutsches Historisches Institut Paris (Hrsg.): Pariser Historische Studien. Band 92. Oldenbourg Verlag, München 2011, ISBN 978-3-486-59142-2, S. 69 (513 S.).
  2. Im Jahre 1887 gab Otto Titan von Hefner als Entstehungsdatum 1416 an (in Anlehnung an eine Zeitangabe, die der französischen Archivar Douët-d’Arcq festlegte). In der Folge wurde diese Angabe von zahlreichen weiteren Autoren wie Seyler, Scheibelreiter etc. übernommen.
  3. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 551 ff.
Muster-Kolbenkreuz.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Clément_Prinsault“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 20. Februar 2013 (Permanentlink: [1]). Er steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.