Eucharius Gottlieb Rink

Aus Heraldik-Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
1745: Portrait von Eucharius Gottlieb Rink
(Kupferstich von Bernhard Vogel, nach Gemälde von Johann Kupetzky)
Leseprobe

Eucharius Gottlieb Rink (* 11. August 1670 in StötteritzW-Logo.png; † 9. Februar 1745 in Altdorf bei NürnbergW-Logo.png) war ein deutscher Heraldiker und Jurist.

Leben

Herkunft und Studium

Eucharius Gottlieb Rink stammte aus einer Familie, die von Kaiser Maximilian I. geadelt wurde. Ansässig war der Stamm in Stötteritz bei Leipzig als Erbherren des Ritterguts oberen Teils („Rink von Dorstig, Erbherrn auf Steteritz und der Mar. Magd. von Schmidefeld“)[1]. Vater von Eucharius Gottlieb war Johann Georg Rink, späterer „Kommissar“ des Kurfürstentums SachsenW-Logo.png und Amtmann von BelzigW-Logo.png.

Rink wuchs zunächst bei seinem Vater, zu dieser Zeit Regierungssekretär Christians I. von Sachsen-MerseburgW-Logo.png, dann bei seiner Großmutter in Leipzig auf. Bereits 1679 wurde er in die MatrikelW-Logo.png der dortigen UniversitätW-Logo.png aufgenommen, studierte aber erst ab 1687 wirklich. 1690 wechselte er an die Universität AltdorfW-Logo.png, wo er die Bekanntschaft mit dem Gelehrten Johann Christoph WagenseilW-Logo.png machte, und beendete schließlich an der Universität HalleW-Logo.png sein Studium.

Berufliche Tätigkeit

Durch Vermittlung des dort lehrenden Juristen Samuel StrykW-Logo.png wurde er in den 1690er Jahren als HofmeisterW-Logo.png bei einem Grafen von Löwenstein-WertheimW-Logo.png angestellt, mit dem er einige Reisen durch Europa unternahm. 1697 ging er allerdings wieder nach Altdorf zurück, wo er promovierte und Vorlesungen über öffentliches RechtW-Logo.png und „feine Lebensart“W-Logo.png hielt. Von 1700 bis 1703 hielt er sich in Wien auf und war dort am ReichshofratW-Logo.png tätig, verfasste aber gleichzeitig auch HuldigungsschriftenW-Logo.png auf das Haus Habsburg und veröffentlichte eine von der gelehrten Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommene Schrift über das Münzwesen. Obwohl er Angebote erhielt, in den Staatsdienst des Russischen ReichesW-Logo.png einzutreten oder HauptmannW-Logo.png eines Regiments der österreichischen Infanterie zu werden, entschloss er sich schließlich dazu, danach seine Gelehrtenlaufbahn fortzusetzen. Er kehrte nach Leipzig zurück und lebte dort, bis er 1707 auf den Lehrstuhl für öffentliches und kanonisches Recht in Altdorf berufen wurde. 1717 kam die Professur für Lehnrecht dazu.

1709 heiratete Rink und wurde 1732 zum Wirklichen Kaiserlichen RatW-Logo.png ernannt. 1739 wurde er als auswärtiges Mitglied in die Königlich Preußische Sozietät der WissenschaftenW-Logo.png aufgenommen.[2]

Heraldisches und sphragistisches Wirken

Rinks Sammlungen wurden 1747 von seinem Schwiegersohn Adam Friedrich GlafeyW-Logo.png publiziert.[3] Seyler und Oswald, die Rinks umfassendes Werk vermutlich nicht vollständig gelesen hatten, würdigten 1857 und 1984 dessen Forschungstätigkeiten im Bereich der Siegelkunde und hoben seinen mehr oder minder überflüssigen Erfindergeist im Zusammenhang mit unheraldischen Farben hervor:

„Rink macht von den damals publiciert gewesenen Siegelwerken einen fleissigen und guten Gebrauch (..) Er ist der Erfinder der (übrigens nutzlosen) Schraffierung für Eisen und Naturfarbe.“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[1]

„Er beschäftigte sich mit alten Siegeln als Quellen für seine heraldischen Studien (..) Rink war der Erfinder der heraldischen Schraffur für Eisen und für die Naturfarbe.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[4]

Ferner wiesen sie darauf hin, dass Rink sich bemühte, deutsche Wappenkunst vor jeder andere zu stellen (primus inter paresW-Logo.png).

„(Er ..) vertrat die Ansicht, alle Wappen seien in deutschen Gebieten entstanden.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[4]

„Rinck ist der Meinung, dass Deutschland die Erfinderin der Wappenkunst sei, dass Deutschland die ersten Regeln derselben gegeben und das übrige Europa darin unterwiesen habe. Er stützt sich dabei auf die Autorität des Menestrier, der aber nicht von der Erfindung der Wappenkunst, sondern der Wappen spricht, - eine wesentlicher Unterschied. Diese edle Wissenschaft sei von den Deutschen auf die übrigen Völker Europas übergegangen; jede Nation habe sozusagen von ihrem Geiste etwas hinzugefügt und dadurch seien ehrhebliche Änderungen eingetreten. Den deutschen sei insbesondere die Sorgfalt für den Helm verblieben und zwar nicht unverdienter Weise, denn das Haupt sei die Zierde und der wichtigste Teil des ganzen Körpers. Dann spricht er von den verschiedenen in Deutschland gebräuchlichen Helmen: dem offenen Helm ohne Rost, dem offenen Helm mit Rost und dem geschlossenen Helm, ferner von der Stellung der Helme, den Helmdecken und Kronen.“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[1]

Nach Seyler sah Rink auch in der Verwendung der Helmzieren nationale Unterschiede:

„Der Gebrauch des Helmkleinods bilde den wesentlichsten Unterschied zwischen der französischen und der deutschen Heraldik. In Frankreich sei der Helmschmuck Tag für Tag veränderlich; dort würden nur Tiere oder gemeine Figuren gebraucht, während das deutsche Wappenwesen gewisser Hilfsmittel bediene, um auch die Heroldsbilder auf dem Helm anbringen zu können, zum Beispiel Luftwedel (i. e. Schirmbretter), Flügel (..)“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[1]

Schriften

  • Panegyricus quem dis manibus Johannis Georgii III, serenissimi ac potentissimi Saxoniae electoris. Altdorf 1692.
  • J. J. Mandata Cum Et Sine Clausula. Altdorfii Noricorum (Altdorf), Meyer. 1697 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
  • De Carrociis : Ex Iure Militari Medii Aevi. Altdorfii Noribergensium (Altdorf), Kohles. 1700 (korrekt: 1711)
  • De Veteris Nvmismatis Potentia Et Qvalitate Lucubratio : occasione Rubricæ Codicis de eodem Argumento; sive Cognitio Totivs Rei Nvmariae Ad Intelligentiam Ivris Accommodata ; Accessit Dissertatio Ivridica De Nvmo Vnico, Cum multis aliis cognitioni Numorum conducentibus. Lipsiae (Leipzig). 1701
  • Leopolds des Großen, Römischen Käysers, wunderwürdiges Leben und Thaten : aus geheimen Nachrichten eröffnet. 4 Bände. Leipzig, Bey Thomas Fritsch. 1708-1709 (Neuauflage: Aufs neue gedr. u. um vieles verm. Köln 1713)
  • Ludewigs des XIV. Königes in Franckreich wunderwürdiges Leben oder Steigen und Fall. 2 Bände. Franckfurt, Riegel. 1708-1709
  • De collisione legum naturalium.. Altdorf 1709
  • Das verwirrte Pohlen : In einer genauen Gegeneinanderhaltung der Geschichte des vorigen und jetzigen schwedischen Kriegs vorgestellet ... ; Diesem ist beigefügt eine Beschreibung aller polnischen und litthauischen Hertzoge und Könige nebst des Landes Städte und Provinzen. Franckfurth/Leipzig, Riegel. 1711 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
  • Analecta Historica De Origine Electorvm / Proponvnt Evcharivs Gottlib Rink Et Jacob Gottlib Linck Anno CICICCCXII Die XIV Maii (Rink, Eucharius Gottlieb és Linck, Jacob Gottlieb [1693-1761].) AltorfI Noribergensivm (Altdorf), Typis Kohlesii Acad. Typ., 1712
  • Josephs des Sieghafften Röm. Käysers Leben und Thaten : In zwey theile abgefasset, und mit bildnißen gezieret. 2 Bände. Köln, 1712
  • De aqua calda, occasione legis et gemmae. Altdorf. 1714
  • Dissertatio Academica De Speculo Saxonico Fonte Iur. Sax. Communis Vulgo vom Sachsen-Spiegel. Altorfii (Altdorf), Kohles. 1718 (Neuauflage ebenda 1725).
  • Theses ex iure publico et feudali. Altdorf 1718.
  • Das Königliche Böhmische Crönungs-Ceremoniel. Frankfurt 1723.
  • Imperatores primi, perpetui ac soli academiarum in Germania autore. Altdorf 1723 (Neuauflage: De Imperatoribus Primis Perpetuis Ac Solis Academiarum In Germania Autoribus : Anno M D CC XXIII. Publice Defensa Nunc Vt Multorum Desideriis Satisfiat Adcurate Recusa. Recusa. Lipsiae (Leipzig), Trog, 1736).
  • 1. Edition: De eo quod iustam est circa Galeam. Helmstedt, 1726 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
  • Dissertatio Iuridica De Clypeorum Ratione Habenda In Feudis Alienandis. Altorfii (Altdorf) Kohles. 1731
  • Orationem panegyricam gloriosissimae memoriae Friderici Augusti, serenissimi ac potentissimi Poloniarum regis et principis electoris Saxoniae. Altdorf 1733.
  • 2. Edition: De Eo Quod Iustum Est Circa Galeam / Eucharius Gottlib Rink [Präses]; Christoph. Andreas de Im-Hof [Resp.]. Altorfii Noric. (Alldorf), Grebner. 1742
  • Eucharii Gottlib Rinckii ... Commentatio Iuridica De Clypeorum Ratione Habenda In Feudis Alienandis : Daß man in Veräusserung der Lehngüter auf die Heerschilde zu sehen habe. (ohne Ort) 1746

Literatur

  • Rink (Eucharius Gottlieb). In: Georg Andreas WillW-Logo.png: Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon oder Beschreibung aller Nürnbergischen Gelehrten beyderley Geschlechts. Band 3, Lorenz Schüpfel, Nürnberg/Altdorf 1757, S. 336–345 (online).
  • Rink (Eucharius Gottlieb). In: Christian Conrad Nopitsch: Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon oder Beschreibung aller Nürnbergischen Gelehrten beyderley Geschlechts. Band 7 (Supplementband 3), P. J. Besson, Leipzig 1806, S. 269–271 (online).
  • Ernst LandsbergW-Logo.pngRink, Eucharius Gottlieb. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 645 f.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 642 f.
  2. Mitglieder der Vorgängerakademien. Eucharius Gottlieb Rink. Berlin-Brandenburgische Akademie der WissenschaftenW-Logo.png, abgerufen am 5. Juni 2015 (Kurzbiographie).
  3. Adam Friedrich GlafeyW-Logo.png: Bibliotheca Rinckiana, seu supellex librorum tam impressorum quam mstorum quos per omnia scientiarum genera collegit vir quondam illustris dominus Eucharius Gottlieb Rinck. Fritsch, Leipzig 1747 (online).
  4. 4,0 4,1 Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 331 f. (Digitalisat [abgerufen am 29. Februar 2020]).

Weblinks

Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Eucharius_Gottlieb_Rink“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 23. Januar 2018 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.