Ferdinand I. (HRR)

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Ferdinand I.

Ferdinand I. (* 10. März 1503 in Alcalá de Henares bei Madrid; † 25. Juli 1564 in Wien) aus dem Geschlecht der Habsburger war von 1558 bis 1564 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Seit 1521 war er Erzherzog von Österreich und ab 1526/1527 König von Böhmen, Kroatien und Ungarn. Bereits zu Lebzeiten seines Bruders, des Kaisers Karl V., wurde er 1531 zum römisch-deutschen König gewählt.

Leben

Ferdinand wurde als viertes Kind von Philipp I. und Johanna von Kastilien in Alcalá de Henares geboren. Er war Enkel von Ferdinand II. von Aragonien und Isabella I. von Kastilien, sowie von Maximilian I. und Maria von Burgund. Sein Bruder war Karl V., dem er in der Kaiserwürde nachfolgte.

Als Lieblingsenkel von Ferdinand II. von Aragon wurde er nach dem Tode seines Vaters 1506 am spanischen Hof erzogen. Dieser wollte ihm den spanischen Thron vererben, hatte es allerdings versäumt, in seinem Testament entsprechende Regelungen für seinen Enkel zu treffen. Daher konnte der ehrgeizige Bruder Karl nach seiner Ankunft in Spanien 1517 seine Ansprüche sofort durchsetzen und schickte Ferdinand in die Niederlande. 1518 verließ Ferdinand Spanien für immer.

Sein anderer Großvater, Kaiser Maximilian, hatte mit König Wladislaw II. von Ungarn und Böhmen einen Vertrag geschlossen, demzufolge Ferdinand 1521 mit dessen Tochter Anna verheiratet wurde.

Ferdinand als junger Erzherzog

Nach dem Tode Maximilians gelang es Ferdinand, im Wormser Teilungsvertrag am 21. April 1521 gegen den Willen seines Bruders Karl, des neuen Kaisers, die „niederösterreichischen Länder“ (das Erzherzogtum Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol) zu erhalten.

Weil er die deutsche (bairische) Landessprache nicht beherrschte und die Rechte der Städte einzuschränken gedachte, hatte er mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Da insbesondere die Wiener Bürger ihm Widerstand entgegensetzten, ließ er die Anführer nach Wiener Neustadt vorladen und acht von ihnen hinrichten. Diese Episode ging als das Wiener Neustädter Blutgericht in die Geschichte ein.

1522 trat ihm sein Bruder Karl V. Württemberg ab, welches zur Finanzierung der Kriegskosten gegen Ulrich von Württemberg an Habsburg gefallen war. Erst 1534 gelang Ulrich die Rückkehr und Rückeroberung Württembergs.

1526 fiel König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn in der Schlacht von Mohács. Ferdinands Anspruch auf die böhmische Krone, durch Heirat bedingt, wurde in Preßburg von einer Ständeversammlung am 16. Dezember 1526 bestätigt und er wurde am 24. Februar 1527 gekrönt. Auch die mit der böhmischen Krone verbundenen Länder Mähren, Schlesien und die beiden Lausitzen kamen unter seine Regierung. In Kroatien wurde Ferdinand I. von Habsburg durch den kroatischen Adel 1527 zum König von Kroatien gewählt, als Gegenleistung für die Verteidigungsführung gegen die Türken. Der selbsternannte serbische Kaiser Johann Nenad unterstützte ebenfalls Ferdinand.

Im restlichen Ungarn dagegen sprach sich nur eine Minderheit für ihn aus, und gegen ihn wurde der Fürst von Siebenbürgen, Johann Zápolya, als Gegenkönig gekrönt. Dieser stellte sich unter türkischen Schutz und wurde 1529 nach der Eroberung von Buda dort vom siegreichen Sultan Süleyman als Vasallenkönig eingesetzt. Suleiman bedrängte in den Türkenkriegen auch Wien, wurde jedoch am 14. Oktober 1529 zum Rückzug gezwungen. Im Vertrag von Großwardein 1538 erkannte Ferdinand I. hierauf Johann Zápolya für die von diesem beherrschten Gebiete als König von Ungarn an. Das durch Ferdinand beherrschte Gebiet wurde als Teil der habsburgischen Lande festgeschrieben. Nach Johann Zápolyas Tod 1540 erhob seine Witwe Isabella, unterstützt von der Hohen Pforte, für ihren unmündigen Sohn Johann Sigmund Ansprüche auf das ganze väterliche Erbe, und Ferdinand konnte bis zum Friedensschluss mit den Türken 1562 nicht zum ungestörten Besitz Ungarns gelangen.

1530 wurde er mit dem Herzogtum Württemberg belehnt, das der Schwäbische Bund 1519 dem Herzog Ulrich entrissen und an Österreich verkauft hatte. Als dann 1534 Ulrich sein Land wiedereroberte, kam zwischen ihm und Ferdinand der Vertrag von Kaaden zustande, wonach Ferdinand Württemberg als Reichslehen behielt, Ulrich es als österreichisches, also als Afterlehen, erhielt. Die Teilnahme Ulrichs am Schmalkaldischen Krieg gab Ferdinand Gelegenheit, dieses Afterlehen wieder zurückzuziehen. Der darüber entstehende Streit wurde erst 1552 unter Herzog Christoph zu dessen Gunsten beigelegt.

Am 5. Januar 1531 wurde Ferdinand in Köln von den deutschen Kurfürsten mit fünf Stimmen zum König gewählt und von Erzbischof Hermann V. von Wied in Aachen gesalbt. Als Stellvertreter seines Bruders Karl leitete Ferdinand seitdem die meisten Reichstage.

In Böhmen erhoben sich gegen Ferdinand die zahlreichen Anhänger der Reformation; doch wurden diese nach der Schlacht bei Mühlberg (1547) unterdrückt, worauf Ferdinand blutige Rache nahm.

Da sein Sohn Maximilian im Gegensatz zum katholischen Ferdinand Sympathien für den Protestantismus zeigte, verheiratete sein Vater ihn mit seiner Nichte Maria, der Tochter Karls V. Das Misstrauen ging so weit, dass es zur Ferdinandeischen Hausordnung kam, der Teilung der österreichischen Erblande.

1552 schloss Ferdinand den Passauer Vertrag und 1555 den Augsburger Religionsfrieden.

Karl V. dankte 1556 als Kaiser ab; solches war bisher noch nie geschehen, und nach langen Beratungen proklamierten die Kurfürsten trotz Einspruch von Papst Paul IV. am 26. Februar 1558 in Frankfurt am Main Ferdinand anstelle seines Neffen Philipp II. zum Kaiser. Philipp lehnten die Kurfürsten als hochmütigen Spanier und bigotten Katholiken ab.

Grabmal Kaiser Ferdinands I. im Veitsdom auf der Prager Burg

Ferdinand war zwar ein eifriger Katholik, jedoch hatte er früh schon die Unmöglichkeit erkannt, den Protestantismus zu unterdrücken, und sich so aus politischen Rücksichten für eine faktische Duldung der Protestanten erklärt. Als Stellvertreter Karls V. wie als Kaiser verfolgte er daher eine Politik der Kompromisse, Ausgleiche und gegenseitiger Duldung. Auch auf eine Einschränkung des päpstlichen Absolutismus und auf einige Reformen in der katholischen Kirche richtete sich sein Bemühen.

1562 brachte er die Wahl seines Sohnes Maximilian zum römischen König zustande und teilte seine Länder unter seine drei Söhne (Maximilian II., Ferdinand II. und Karl II.)

Ab 1563 immer öfter von Fieberanfällen geplagt, verstarb Ferdinand am 25. Juli 1564 in Wien und wurde im Veitsdom auf der Prager Burg begraben - neben seiner Frau Anna, mit der er rund 25 Jahre eine glückliche Ehe geführt hatte.

Ferdinands Wahlspruch lautete: „Fiat iustitia, et pereat mundus („Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe die Welt darüber zugrunde“).

Nachkommen

Seine Gemahlin Anna von Böhmen und Ungarn (1503–1547) gebar 15 Kinder, von denen drei Söhne und neun Töchter den Vater überlebten.

  1. ∞ 1557 Philippine Welser (1527–1580)
  2. ∞ 1582 Anna Katharina Gonzaga (1529–1595)
  1. ∞ 1549 Francesco III. Gonzaga (1533–1550) Herzog von Mantua-Montferrat
  2. ∞ 1553 Sigismund II. August (1520–1572) König von Polen

Seine Frau starb bei der Geburt ihrer jüngsten Tochter Johanna am Kindbettfieber.

Vorfahren

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich III. (HRR) (1415–1493)
 
 
 
 
 
 
 
Maximilian I. (HRR) (1459–1519)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eleonore Helena von Portugal (1436–1467)
 
 
 
 
 
 
 
Philipp I. (Kastilien) (1478–1506)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karl der Kühne (1433–1477)
 
 
 
 
 
 
 
Maria von Burgund (1457–1482)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Isabelle de Bourbon (1437–1465)
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand I. (HRR) (1503–1564)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johann II. (Aragón) (1397–1479)
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand II. (Aragón) (1452–1516)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Juana Enríquez (1425–1468)
 
 
 
 
 
 
 
Johanna von Kastilien (1479–1555)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johann II. (Kastilien) (1405–1454)
 
 
 
 
 
 
 
Isabella I. (Kastilien) (1451–1504)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Isabella von Portugal (1428–1496)
 
 
 
 
 
 

Literatur

  • Franz-Bernhard von Bucholtz: Geschichte der Regierung Ferdinands I. 9 Bände, Schaumburg, Wien 1831–1838.
  • Karl Oberleitner: Österreichs Finanzen und Kriegswesen unter Ferdinand I. vom Jahre 1522 bis 1564. Hof- u. Staatsdruckerei, Wien 1859.
  • Paula Sutter Fichtner: Ferdinand I. Wider Türken und Glaubensspaltung. Styria, Graz 1986, ISBN 3-222-11670-9.
  • Tibor Simanyi: Er schuf das Reich: Ferdinand von Habsburg. Amalthea, Wien 1987, ISBN 3-85002-224-2.
  • Anita Ziegerhofer: Ferdinand I. und die steirischen Stände. Dargestellt anhand der Landtage von 1542 bis 1556. dbv, Graz 1996, ISBN 3-7041-9062-4.
  • Ernst Laubach: Ferdinand I. als Kaiser. Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V. Aschendorff, Münster 2001, ISBN 3-402-05165-6.
  • Alfred Kohler: Ferdinand I. 1503–1564. Fürst, König und Kaiser. C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50278-4.
  • Richard Reifenscheid: Die Habsburger in Lebensbildern, Piper Verlag 2007, ISBN 978-3-492-24753-5
  • Constantin von Wurzbach: Ferdinand I., deutscher Kaiser. Nr. 81. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 6 (1860). Theil. , Wien Bitte Band und Seitenzahlen korrekt angeben!, S. 181–184 ([http://Lua-Fehler in Modul:Vorlage:BLKÖ, Zeile 747: attempt to perform arithmetic on local 's' (a nil value) Digitalisat]).
  • Wilhelm Maurenbrecher: Ferdinand I. (deutscher Kaiser). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 632–644.
  • Matthias Schnettger: FERDINAND I.. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 18, Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7, Sp. 404–414.

Weblinks

 Commons: Ferdinand I. (HRR) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Constantin von Wurzbach: Eleonore von Oesterreich. Nr. 53. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 6 (1860). Theil. , Wien Bitte Band und Seitenzahlen korrekt angeben!, S. 161 ([http://Lua-Fehler in Modul:Vorlage:BLKÖ, Zeile 769: bad argument #2 to 'format' (number expected, got nil) Digitalisat]).
  2. Wurzbach: Margaretha, Erzherzogin von Oesterreich. Nr. 190. In: Biographisches Lexikon. 7 (1861). Theil. Wien Bitte Band und Seitenzahlen korrekt angeben!, S. 11 ([http://Lua-Fehler in Modul:Vorlage:BLKÖ, Zeile 769: bad argument #2 to 'format' (number expected, got nil) Digitalisat]).
  3. Wurzbach: Helene, Erzherzogin von Oesterreich. Nr. 111. In: Biographisches Lexikon. 6 (1860). Theil. Wien Bitte Band und Seitenzahlen korrekt angeben!, S. 277 ([http://Lua-Fehler in Modul:Vorlage:BLKÖ, Zeile 769: bad argument #2 to 'format' (number expected, got nil) Digitalisat]).


Vorgänger Amt Nachfolger
Karl V./I. Römisch-deutscher Kaiser
1558–1564
Maximilian/Maximilian II.
Erzherzog von Österreich
1521–1564
Ludwig II. König von Böhmen
1526–1564
König von Ungarn
1526–1564
König von Kroatien und Slawonien
1526–1564


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