Ferdinand III. (HRR)

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Portrait Ferdinands in jungen Jahren (um 1620/25). Anonymer, zeitgen. Meister (Privatbesitz).
Ferdinand III., Portrait von Frans Luycx (um 1638). Öl auf Leinwand Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. GG8024 (Schloss Ambras)

Ferdinand III. (* 13. Juli 1608 in Graz; † 2. April 1657 in Wien), geboren als Ferdinand Ernst,[1] Erzherzog von Österreich aus dem Hause Habsburg, war von 1637 bis zu seinem Tode 1657 römisch-deutscher Kaiser, zudem bereits seit 1626 bzw. 1627 König von Ungarn, Kroatien und Böhmen.

Leben

Kindheit und Jugend

Ferdinand III. war der Sohn Ferdinands II. und Maria Annas von Bayern. Am Hof seines Vaters erhielt er durch Jesuiten seine religiöse und wissenschaftliche Ausbildung. Viel Einfluss auf die Erziehung des Erzherzogs übte auch der Johanniter Johann Jakob von Dhaun aus. Nach dem Tod seiner Brüder Karl (1603) und Johann Karl (1619) war er zum Nachfolger seines Vaters bestimmt.

Am 8. Dezember 1626 wurde er zum König von Ungarn, am 21. November 1627 zum König von Böhmen gekrönt. Ferdinand studierte Kriegswissenschaften. Nachdem er sich vergeblich um den Oberbefehl des kaiserlichen Heeres und die Teilnahme an Feldzügen bei Wallenstein bewarb, schloss er sich den Gegnern Wallensteins an und wirkte an dessen erneuter Absetzung mit.

Oberbefehlshaber

Nach dem Tod Wallensteins wurde er am 2. Mai 1634 Oberbefehlshaber unter dem Beirat der Generale Gallas und Piccolomini, eroberte Donauwörth und Regensburg, siegte im September 1634 in der Schlacht bei Nördlingen und vertrieb die Schweden aus Süddeutschland. Durch seine Siege gewann er auch an politischem Einfluss. In späterer Folge wurde die Kriegsführung von seinem Bruder Erzherzog Leopold Wilhelm geleitet.

Kaiser

Am 30. Dezember 1636 wurde er römisch-deutscher König, am 15. Februar 1637, nach dem Tod seines Vaters, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Der Krieg war nach dem Eingreifen Frankreichs erneut aufgeflammt, dessen schwedischer Verbündeter siegte in der Schlacht bei Breitenfeld 1642 und der Oberbefehlshaber Torstensson zog bis vor Wien. 1643 war Ferdinand gezwungen, mit Schweden einen Waffenstillstand abzuschließen, während Frankreich in die spanischen Niederlande vordrang. Seitdem arbeitete er ununterbrochen auf Friedensverhandlungen hin, die 1644 eröffnet wurden, aber erst 1648 zum Abschluss kamen. Die entschiedene Weigerung Ferdinands, die Religionsfreiheit in seinen Erblanden zuzulassen und die geflohenen Rebellen wieder aufzunehmen, trug wesentlich zur Verzögerung des Friedens bei. Im Verlauf dieser vier Jahre wurde Deutschland erheblich stärker verwüstet als in den 26 vorherigen Jahren des Krieges. Ferdinand verstand es, Fürst Georg I. Rákóczi von Siebenbürgen, einen Verbündeten Frankreichs und Schwedens, auf seine Seite zu ziehen.

Ferdinand überließ in späteren Jahren die Staatsgeschäfte weitgehend Graf Maximilian von und zu Trauttmansdorff und später Fürst Johann Weikart von Auersperg. Geistliche Ratgeber hatte Ferdinand nicht – obwohl von Jesuiten erzogen, stand er diesen skeptisch gegenüber.

„Die verfassungsmäßige Stellung des Kaisers im Reich nach dem Westfälischen Frieden ließ trotz aller Einbußen die Möglichkeit einer aktiven kaiserlichen Reichspolitik im Zusammenwirken mit einem Teil der Stände bestehen, und in der Habsburgermonarchie blieben die Voraussetzungen für die Entwicklung eines einheitlichen absolutistischen Gesamtstaates erhalten. Insofern kann man – trotz des Verfehlens so mancher ursprünglichen Verhandlungsziele – von einem Erfolg der kaiserlichen Politik bei den Westfälischen Friedensverhandlungen sprechen.“[2]

Ferdinand bewirkte auf dem Reichstag zu Regensburg 1653 die römische Königswahl seines Sohns Ferdinand IV., der jedoch 1654 und vor seinem Vater verstarb. Ferdinand begann sich daraufhin zurückzuziehen, sorgte jedoch noch für die Krönung seines zweitgeborenen Sohnes Leopold zum König von Ungarn und Böhmen. Auf diesem Reichstag schloss er auch ein Bündnis mit den Polen gegen Schweden ab. Ferdinand starb am 2. April 1657 und wurde in der Wiener Kapuzinergruft beigesetzt.

Der Sarkophag Kaiser Ferdinands III. in der Wiener Kapuzinergruft.

Titel

Der vollständige Titel Ferdinands III. lautete:

Wir Ferdinand der Dritte von Gottes Gnaden erwählter Römischer Kayser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien, zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien, und Sclavonien, etc. König, Ertzhertzog zu Oesterreich, Hertzog zu Burgund, zu Brabandt, zu Steyer, zu Kärndten, zu Kräyn, zu Lützenburg, zu Württemberg, Ober- und Nieder-Schlesien, Fürst zu Schwaben, Marggraff des H. Römischen Reichs, zu Burgau, zu Mähren, Ober- und Nieder-Laußnitz, Gefürsteter Graf zu Habspurg, zu Tyrol, zu Pfierd, zu Kyburg und zu Görtz, etc. Landgraff im Elsaß, Herr auf der Windischen Marck, zu Portenau, und zu Salins, etc.[3]

Wahlspruch: „Pietate et iustitia“, „Mit Frömmigkeit und Gerechtigkeit“

Zur Person

Ferdinand war eine große, stattliche Persönlichkeit, ebenfalls fromm, aber weniger fanatisch als sein Vater und national gesinnt, dabei ein Förderer der Künste und Wissenschaften, sehr musikalisch und selbst Komponist. Von seinen Tonsätzen ließ Wolfgang Ebner eine Arie mit 36 Variationen in Prag 1648 drucken; einen vierstimmigen Gesang mit beziffertem Bass, Melothesia Caesarea, gab Kircher im ersten Teil seiner Musurgie, und einen einfachen vierstimmigen Chorgesang über den Psalm Miserere findet man im 28. Jahrgang der Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung (1826). Auch schuf er eine Vertonung der im 17. Jahrhundert überaus populären Lauretanischen Litanei.

Nachkommen

Friedrich Stoll: Kaiserin Maria Anna mit Erzherzog Ferdinand Franz (um 1636). Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. GG3113 (Schloss Ambras).

In erster Ehe heiratete Ferdinand 1631 in Wien die Maria Anna von Spanien, Tochter des König Philipp III. von Spanien. Sie hatten folgende Kinder:

  1. ∞ 1666 Margarita Teresa von Spanien (1651–1673)
  2. ∞ 1673 Claudia Felizitas von Tirol (1653–1676)
  3. ∞ 1676 Prinzessin Eleonore Magdalene Therese von der Pfalz (1655–1720)
  • Maria (*/† 1646)

In zweiter Ehe heiratete Ferdinand 1648 in Linz Maria Leopoldine von Tirol (1632–1649). Mit dieser hatte er einen Sohn:

In dritter Ehe heiratete Ferdinand 1651 in Wien Eleonora Magdalena Gonzaga von Mantua-Nevers (1630–1686). Mit dieser hatte er vier Kinder:

  1. ∞ 1670 Michael Wiśniowiecki (1640–1673) König von Polen
  2. ∞ 1678 Karl V. (1643–1690) Herzog von Lothringen
  • Maria Anna Josefa (1654–1689) ∞ 1678 Johann Wilhelm (1658–1716) Kurfürst von der Pfalz, Herzog von Pfalz-Neuburg
  • Ferdinand Josef Alois von Österreich (1657–1658)

Vorfahren

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand I. (HRR) (1503–1564)
 
 
 
 
 
 
 
Karl II. (Innerösterreich) (1540–1590)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Anna von Böhmen und Ungarn (1503–1547)
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand II. (HRR) (1578–1637)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Albrecht V. (Bayern) (1528–1579)
 
 
 
 
 
 
 
Maria Anna von Bayern (1551–1608)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Anna von Österreich (1528–1590)
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand III. (HRR)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Albrecht V. (Bayern) (1528–1579)
 
 
 
 
 
 
 
Wilhelm V. (Bayern) (1548–1626
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Anna von Österreich (1528–1590)
 
 
 
 
 
 
 
Maria Anna von Bayern (1574–1616)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Franz I. (Lothringen) (1517–1545)
 
 
 
 
 
 
 
Renata von Lothringen (1544–1602)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Christina von Dänemark (1521–1590)
 
 
 
 
 
 

Einzelnachweise

  1. http://www.boehlau.at/main/book.jsp?bookID=3-205-77765-4
  2. Leopold Auer: Die Ziele der kaiserlichen Politik bei den Westfälischen Friedensverhandlungen und ihre Umsetzung. In: Heinz Durchhardt (Hrsg.): Der Westfälische Friede. Diplomatie, politische Zäsur, kulturelles Umfeld, Rezeptionsgeschichte. Historische Zeitschrift, Beiheft 26; München 1998; S. 172 f.
  3. Abschied des Reichstags zu Regensburg vom 17. Mai 1654 (Jüngster Reichsabschied/Recessus Imperii Novissimus, RIN)

Literatur

  • Koch, Matthias: Geschichte des Deutschen Reichs unter der Regierung Ferdinands III. Nach handschriftlichen Quellen, Wien 1865–66, 2 Bde.
  • Hengerer, Mark: Kaiser Ferdinand III. (1608-1657). Vom Krieg zum Frieden, Böhlau Verlag, Wien 2008, ISBN 3-205-77765-4 bzw. ISBN 978-3-205-77765-6
  • Höbelt, Lothar: Ferdinand III. 1608-1657 Friedenskaiser wider Willen, Ares-Verlag, Graz 2008, ISBN 978-3-902475-56-5
  • Kalina, Walter: Ferdinand III. und die bildende Kunst. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts, Dissertation Universität Wien 2003.
  • Felix Stieve: Ferdinand III. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 664–671.
  • Matthias Schnettger: FERDINAND III.. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 18, Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7, Sp. 423–429.

Weblinks

 Wikisource: Ferdinand III. – Quellen und Volltexte
 Commons: Ferdinand III., Römischer Kaiser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Ferdinand II. Römischer Kaiser
1637–1657
Leopold I.
Erzherzog von Österreich
1637–1657
König von Kroatien und Slawonien
1637–1657
König von Ungarn
1626–1657
Ferdinand IV.
König von Böhmen
1627–1657


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