Hiérosme de Bara

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Leseprobe (Ausgabe von 1628)
Deckblatt von „Le blason des armoiries“ (1579)

Hiérosme de Bara (auch Hiérosme Bara; Hierosme de Bara, Hiérôme de Bara, Hierome de Bara; Jerome de Bara, Jérôme de Bara, Jérome Bara oder ähnlich genannt; * 1540 in Paris; † um 1600 [?] in Genf) war französischer Glasmaler, Goldschmied und Verfasser eines Werkes hauptsächlich der Fabelheraldik.

Leben

Über den Pariser Autor und Künstler ist wenig bekannt. Er erscheint nur in wenigen Verwaltungsdokumenten. 1569, nach seinem dem Beitritt zur reformierten Glaubensgemeinschaft, floh er wegen Repressionen in die kalvinistische Stadt Genf, wo er Arbeit fand. Aus Genfer Dokumenten wissen wir, dass er am Bau einer Fontaine d’Alliance beteiligt war (er gestaltete goldene Buchstaben und fügte wahrscheinlich das Wappen der Stadt bei). In Genf traf er mehrere Freunde. Er war unter anderem einer der Légataires des Malers François DuboisWp France moderne.png (1529-1584) und ein Freund des Mathematikers Jacques BessonWp France moderne.png (1530-1572), des ehemaligen Kollegen seines Vaters, beide ebenfalls Flüchtlinge in Genf. Im Juni 1571 verlor er seine Frau. Zwei Jahre später heiratete er erneut. Im Jahr 1579 hielt er sich in Lyon auf, wo er sein heraldisches Werk mehrmals veröffentlichen ließ.

Werk

Mit einem Privileg des Königs, das auf den 8. Juli 1578 und über eine Laufzeit von zehn Jahren datiert war, druckte er mehrere Ausgaben seines heraldischen Werkes

Blason des armoiries -- „auquel est montrée la manière de laquelle les Anciens & Modernes ont usé en icelles““

Beschreibungen von Wappen -- „zeigt auszugweise die Art und Weise, wie die Antiken und Modernen sie verwendeten““

Das Werk ist in der Ausgabe von 1579 mit ca. 237 Seiten mit Wappen (Format 16x24) ist Monsieur de Langes, dem Berater des Königs und Seneschal von Lyon gewidmet. Es wurde während Hugenottenkriege und der monarchischen Krise veröffentlicht. Es beklagt in gewisser Weise, dass Adlige ihr Ideale nicht mehr in sich tragen und die symbolischen Tugenden, die sich aus dem Wappen ergeben, aufgegeben haben. Bara bedauerte in seinen Ausführungen die unverantwortliche und inflationäre Verwendung von Wappen durch Emporkömmlinge:

„Et comme le temps a amené (en plusieurs choses) une forme d’ignorance, et aux hommes une volonté de faire selon leur désir, lesquels ayant trouvé aucuns obtempérants à leur vouloir, se sont ensemble donné licence, selon que l’on voit aujourd’hui, de faire ce que bon leur semble en armoiries (..) Ce que l’on voit en une infinité d’armoiries qui sont malfaites, et pirement armoyées de plusieurs sortes (..) [Quelqu’un, le] surnom étant Charpiot, portera d’azur, à un char à quatre roues de gueules, chargée d’une pie, ou agache, de sable, tenant en son bec un os d’argent (..)“

Hiérosme de Bara

Inhalt

Nach dem Heraldiker Bernhard Peter stellt das Werk eine „unerschöpfliche Schatztruhe imaginärer Wappen“ dar;[1] seinen Inhalt hat er 2009 bis 2010 auf seiner Internetseite „Fabelwappen und Phantasiewappen in alten Wappenbüchern und anderen Quellen“ folgendermaßen zusammengefasst:

„Das nachträglich zu unbekanntem Zeitpunkt kolorierte Werk ist bis Folio 136 eine Blasonierungslehre, dann folgen rund 70 Seiten Fabelheraldik, zuletzt rund 50 Seiten zeitgenössische, echte Wappen. Mit 70 Seiten Fabelheraldik sprengt dieses Werk jeden üblichen Rahmen, es werden dabei nicht nur die "Klassiker" beschrieben, sondern die gesamte Mythologie der Antike, die legendären oder historischen Herrscher der Länder der bekannten Welt, die Ritter der TafelrundeW-Logo.png, selbst die ägyptischen Götter werden mit fiktiven Wappen ausgestattet. Dabei werden Elemente der bekannten Ikonographie "heraldisiert", so bekommt OsirisW-Logo.png das Auge mit ins Wappen, denn sein Name bedeutet übersetzt etwa "Sitz des Auges". Auch AnubisW-Logo.png wird vorwiegend als liegender schwarzer Hund, Schakal oder als Mensch mit einem Hunde- oder Schakalkopf dargestellt, ebenso ist sein Ideogramm der liegende Hund oder Schakal, und das wird heraldisiert zu einem schreitenden Hund.

Vielfach werden typische Elemente der antiken Heldensagen heraldisch umgesetzt, so findet sich in JasonsW-Logo.png Wappen natürlich das Goldene VliesW-Logo.png der ArgonautensageW-Logo.png zwischen den Köpfen seiner Krieger. Herkules wird gleich mit zwei Wappenschilden bedacht, beide mit Bezug zu seinen Heldentaten, das eine zeigt die Hydra, das andere den Eber. So wird die Person dadurch ikonographisch auf seine jeweilige Schlüsseltat reduziert, die ganze klassische Heldensage in ein einziges Bild gefaßt. Bei TelamonW-Logo.png finden wir das Ungeheuer, das Poseidon zum Angriff auf Troja sandte und welches Telamon gemeinsam mit Herakles und OiklesW-Logo.png tötete. Und TheseusW-Logo.png führt natürlich den MinotaurusW-Logo.png, halb Mensch, halb Stier, der Hintergrund ist die Sage vom kretischen König MinosW-Logo.png, dem Athen jeweils den Tribut von sieben Jünglingen und sieben Jungfrauen leisten mußte, bis Theseus mit Hilfe von AriadneW-Logo.png und ihrem Faden den Minotaurus im Labyrinth fand und besiegte. Nehmen wir MemnonW-Logo.png: Warum werden ihm drei Papageienköpfe angedichtet? Er, Neffe des PriamosW-Logo.png, griff in den Trojanischen Krieg mit einer Hilfsflotte ein und erschlug eine große Menge Griechen, bis er selbst von AchillesW-Logo.png besiegt wurde. Zeus wurde durch die Trauer von EosW-Logo.png, der Mutter, so gerührt, daß er dem Getöteten eine gewisse Form des Weiterlebens zubilligte: Aus der Asche des Scheiterhaufens des getöteten Helden ließ er sich eine Schar Vögel erheben, die sog. MemnonidenW-Logo.png, die sich über dem Totenhügel bekämpfen.

Ein weiteres Beispiel ist der Schild für Samson: Als Samson nach Timna zur Brautwerbung unterwegs war, zerriß er einen ihm dabei begegnenden Löwen mit den bloßen Händen. Im Kadaver fand er einen Bienenstock, und diese Geschichte hatte erhebliche Folgen. Ähnlich hat der Schild für GideonW-Logo.png mit dem Widderfell und den Tropfen einen Hintergrund in der Überlieferung: Er flehte Gott an, ihm ein Zeichen zu senden, und er legte nachts ein Widdervlies auf die trockene Tenne, das am nächsten Morgen naß von Tau war, eine Geschichte, die im Mittelalter als allegorisches Symbol für die unbefleckte Empfängnis gebraucht wurde.

So finden sich bei vielen fiktiven Wappenschilden zu einem Minimum kondensierte Merkmale der sich um den betreffenden Helden rankenden Sagen und Überlieferungen, andere wiederum entspringen mangels verwertbarer Überlieferungen einer blühenden Phantasie.“

-- Bernhard Peter (2009-2010)[1]

Rezeption

Obwohl Bara eine Vielzahl an Wappen frei erfunden hatte oder Erfindungen von anderen in seinem Werk wiederholte, gingen wohl einige Leser seines Werks davon aus, dass die Fabelwappen „echt“ seien. Seine Arbeit diente Heraldikern wie John Guillim, Henry Peacham und Marcus Vulson de la Colombière als Quelle. Leesenberg widmet Bara einen ganzen Absatz, wobei er dessen Lebensdaten allzu frei kolportiert (Bara ist weniger ein Mensch des 17., sondern eher des 16. Jahrhunderts):

„Der Sieur Jérome Bara, ein Pariser des 17. Jahrhunderts, der sehr schön auf Glas malte, spricht sich nicht in bestimmter Weise (über den Ursprung und das erste Vorkommen von Wappen -- Anmerkung der Redaktion) in seinem 1681 zu Lyon veröffentlichten blason des armoires aus, aber er scheint sich den Meinungen anzuschließen, welche einen sehr weit zurückgehenden Ursprung für diese „königliche Kunst“ in Anspruch nehmen, denn er beschenkt in diesem seltenen Buch Osiris, Herkules, Nimrod, Priamus, Josua, Simson, Mithridates, Pompejus, David, Alexander den Großen, Julius Cäsar, König Artus und selbst unseren Herrn Christus mit Wappen. Des Letzteren Wappen soll ihm zu Folge also gewesen sein: In Silber ein rothes Kreuz, das mit einem goldenen Cruzifix belegt ist und auf beiden Seiten von einer rothen Geisel begleitet ist. Aber da er in Allem nach Wahrheit trachtet, so giebt er sich die Mühe hinzuzusetzen, daß nach Anderen das Wappen ein silbernes Cruzifix in blau sei.“

August Leesenberg (1877)[2]

Galbreath/Jéquier würdigen im 20. Jahrhundert, dass sich Baras Werk nur bedingt zum wissenschaftlichen Studium von Wappen eignet, aber trotzdem für Freunde der Wappenkunst ein Vergnügen sein kann:

„Die Zitierung dieser zum wissenschaftlichen Studium der Heraldik wenig beitragenden (..) Leitfäden ist überflüssig. Eine Ausnahme verdient immerhin Le Blason des armoiries von Hierosme de Bara, Paris 1581, der kürzlich in einer anastatischen Kopie (Paris 1975) erneut pupliziert worden ist und den Lesern dadurch Vergnügen bereiten kann, daß er einer großen Zahl antiker und mythischer Helden Wappen zuschreibt. Seine Beschreibungen sind von der Klarheit seiner Nachfolger weit entfernt (..)“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[3]

Die wichtigsten Editionen von „Blason des Armoiries“

Genf 8. September 1572 (?)
Lyon 10. März 1579
Und 1580
(Claude Rauot) Gallica
Lyon 11. Februar 1581 (Barthélemy Vincent) Erweiterte Auflage, wohl endgültig, und am besten bekannt. e-rara.ch
Lyon 1604 (I. Gabiano & S. Girard) Google
Paris 1628 (Rolet Boutonné) Korrigierte Ausgabe, reich illuminiert und ergänzt durch „L'État et comportement des armes“ von Jean Scohier und „Le tableau des armoiries de France“ von Philippe Moreau Google
Paris 20. Januar 1975 (J. de Bonnot) Nach der Ausgabe von 1581 wiedergegeben.

Weblinks

 Commons: Hierosme de Bara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Fabel- und Phantasiewappen – in alten Wappenbüchern und anderen Quellen Erstellt: 2009-2010. Abgerufen: 03. Juli 2019
  2. August Leesenberg: Ueber Ursprung und erstes Vorkommen unserer heutigen Wappen. Berlin, 1877. S. 3
  3. Donald Lindsay Galbreath, Léon Jéquier: Handbuch der Heraldik. Battenberg Verlag, Weltbild Verlag, Augsburg 1990, ISBN 3-89441-259-3, S. 78 (französisch: Manuel du Blason. Lausanne, Lyon 1942. Übersetzt von Ottfried Neubecker).
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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Hiérosme_de_Bara“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 03. Juli 2019 (Permanentlink: [1]). Er steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.