Hund (Wappentier)
| Hund | |
| Bild mit verschiedene Arten von Haushunden (1874) | (1305-1315: Hund/Dogge; jüngeres Wappen der Toggenburger |
Der Ausdruck Hund (französisch chien; englisch dog oder hound) ist in der Heraldik einerseits ein Sammel- oder Oberbegriff für sämtliche hundeartige Motive in Wappen, andererseits wird er zur Bezeichnung eines Wappentieres verwendet. Dabei wird zwischen
- einer unbestimmten (gemeinen) Hundefigur
- und spezifischen Darstellungsformen wie Bracke, Rüde, Windhund und ähnlichem
unterschieden. Alle Hundefiguren können in Wappen als gemeine Figur, als Schildhalter oder als Helmzier in Erscheinung treten.
Darstellung
Gemeiner Hund (unbestimmt)
Der im Wappen dargestellte, gemeine Hund ist nicht einer bestimmten Hundeform aus der Unterart der natürlichen Haushunde
nachgebildet. Vielmehr lehnt sich die Figur an ein Idealbild eines Jagdhundes
beziehungsweise Haushundes
an, das sich von empirisch durchschnittlich gegebenen Realtypen abgrenzt. Grundsätzlich wird der Hund springend, schreitend, sitzend oder spürend (Kopf gesenkt) gezeigt. Die Hauptblickrichtung ist nach heraldisch rechts (vorn). Wie bei allen Wappentieren ist eine heraldische Stilisierung üblich. Er kommt im Oberwappen häufig als Kopf- bzw. Rumpfdarstellung vor. Sind einem Hund Ohren und Schwanz verstümmelt, so wird das als geschändet oder gestümmelt blasoniert.
Hunde werden ohne oder mit Halsband in Wappen geführt. Die Halsbänder sind mit Edelsteinen und/oder Stacheln besetzt oder anders hervorgehoben. Sie kommen mit unterschiedlichen „Halsungen“ (Halsband, Leitring, Leitseil oder Kette) vor.
Klassische Hundefiguren (Kontinentaleuropa)
Nach Maximilian Gritzner kennt das klassische (kontinentaleuropäische) Wappenwesen neben dem unbestimmten (gemeinen) Hund folgende bestimmte Hunde-Grundtypen:
„Hunde: Hier unterscheidet die Heraldik dreierlei:
1. den Windhund,
2. den Bracken (Leithund),
3. den Rüden (Dogge).“
| Artikel | entspricht in etwa | Anmerkungen | Muster | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
Spitze (umgelegte) Ohren und betont schlanker Körper
– Siebmacher/Gritzner (1889)[1] |
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Schlappohren sowie kein oder nur ein einfaches Halsband
– Siebmacher/Gritzner (1889)[1] |
Aufrechter Bracke |
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Spitze (aufrechte) Stehohren und Stachelhalsband
– Siebmacher/Gritzner (1889)[1] |
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– Siebmacher/Gritzner (1889)[1] | ||||
Klassische Hundefiguren (Britische Inseln)
Im Zusammenhang mit dem Wappenwesen auf den Britischen Inseln zählen heraldische Autoren noch weitere bestimmte Hundetypen auf:
| Artikel | entspricht in etwa | Anmerkungen | Muster | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
| Talbot |
– Arthur Charles Fox-Davies (1909)[2] |
Aufrechter Talbot (nach Fox-Davies) |
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| Mastiff |
– Arthur Charles Fox-Davies (1909)[2] |
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| Alaunt |
– mistholme.com (2014)[3] |
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| Foxhound | Nach Burke erscheint im Crest von Isaac Todhunter
– Arthur Charles Fox-Davies (1909)[2] |
Neuere Hundefiguren
Als Einzelfall oder nicht etabliert, finden sich in der modernen Heraldik auch Darstellungen/Blasonierungen von zahlreichen anderen Hundefiguren. Insbesondere im kanadischen Wappenwesen erscheinen Hundefiguren, die in der Früh-/Blütezeit der Heraldik nicht gebräuchlich waren.
| Artikel | entspricht in etwa | Anmerkungen | Muster | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
| Dachshund/Dackel | Im Wappen Kinseher erscheinen zwei Dackel. | |||
| Mops | Im Crest des Wappens von Ryan Whibbs erscheint eine Mobsfigur.[5] | |||
| Spitz |
– Walter Leonhard (1978/2003)[6] |
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| Basset | Im Wappen des William Black, Baron Black |
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| Dobermann | Im Wappen Schenke erscheinen im Schild zwei silbern-schwarze Dobermannköpfe (WMH-Nr. 043/13052). Einen wachsenden, rotbewehrten schwarzen Dobermann (Hund) führt die Familie Friedrich aus Debenke als Helmzier (ADW-Nr. 82103). | |||
| Neufundländer | Im Wappen von Mount Pearl |
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| Irischer Wolfshund | Im historischen Wappen der Ulster Bank |
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| Alaskan Malamute | Im Crest des Wappens von Yokon erscheint ein Alaskan Malamute. | |||
| Pudel | Im Schild des Familienwappens Bischoff aus Goslar erscheinen drei rotgezungte schwarze Pudelköpfe (ADW-Nr. 87354). | |||
| Rottweiler | Im Schild des Familienwappens Schröder aus Zehden (ADW-Nr. 82035) erscheint ein goldener Rottweilerkopf (Hundekopf).[9] | |||
| Dalmatiner | Einen wachsenden, naturfarbenen „Dalmatinerhund“ führt die Familie Schubert aus Krummau an der Moldau als Helmzier (ADW-Nr. 82204);[9] im Oberwappen der Familie Behninger aus Mörlach erscheint ebenfalls ein wachsender, schwarzgefleckter, rotgezungter silberner „Dalmatinerhund“ (Bracke), in den Vorderläufen eine schwarze Pflugschar haltend (DWR-Nr. 8775/87). | |||
| Bernhardiner | Im Schild des Familienwappens Hansel aus Deutsch Leippe erscheinen zwei silberne „Bernhardinerrümpfe“ (ADW-Nr. 81248). |
Besondere hundeähnliche Figuren
| Artikel | entspricht in etwa | Anmerkungen | Muster | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
| Orthos |
(doppelköpfiger Hund, im Muster als Bracke) | |||
| (dreiköpfiger Hund) | Ein Kerberos (dreiköpfiger Hund) erscheint im Wappen der Familie Röttger (im Muster wird der dreiköpfige Hund als Bracke dargestellt) | |||
| Geflügelter Hund | Im Wappen der Ulmer Familie Hutz (bzw. Huntfuss/Huntvusz) erscheint in Schwarz ein oberhalber goldener Hund mit Drachenflügeln. Die geflügelte heraldische Hundefigur ähnelt in gewisser Weise dem armenischen Mythenwesen |
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| In den Wappenbilderordnungen werden mitunter auch sämtliche Varianten der Seehundfiguren den Hundefiguren zugeordnet. |
Symbolik
Im Zusammenhang mit dem historisch verankerten Jagdprivileg des Adels ist die Bedeutung des Jagdhundes in der Heraldik zu sehen. Während der Hund traditionell als Symbol für Treue, Wachsamkeit und Zielstrebigkeit gilt, repräsentiert der Jagdhund üblicherweise das Recht der hohen Jagd oder kennzeichnet das Amt des Erblandesjägermeisters. So stellt beispielsweise das Gerichtssiegel der Stadt Eisighofen aus dem Jahr 1782 einen Reiter auf der Beizjagd in Begleitung eines Jagdhundes dar.
Verbreitung
Zum redenden Wappen hat der unbestimmte Hund es im Familienwappen der Familie Kanis geschafft. Canis ist der lateinische Name der Gattung Hunde.
Paraheraldik
In der Paraheraldik hielt der Hund zum Beispiel als Logo einer Tankstellengesellschaft
Einzug (im Beispiel: als schwarzer feuerspeiender, rückwärtsgewandt Hund mit sechs Beinen).
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Maximilian Gritzner: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie. Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 84
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Arthur Charles Fox-Davies: Chapter 12, S. 204: Dogs. A Complete Guide to Heraldry. London: T. C. & E. C. Jack. 1909. Abgerufen: 25. Mai 2025. Zitat:
- „The original English dog, the hound of early days, is, of course, the talbot (..)“
- „A mastiff will be found in the crest of Crawshay (..)“
- „Foxhounds appear as the supporters of Lord Hindlip (..)“
- ↑ Dog. 12. Januar 2014, abgerufen am 25. Mai 2025 (englisch, Internet: mistholme.com): „Zitat:
- „Period armory also gives us the »alaunt« or »alaund«, a short-eared mastiff, in the arms of Woode c.1460 (..)““
- ↑ Bernard Burke: The General Armory of England, Scotland, Ireland, and Wales. London, 1884. (Supplement:
TAL-TRE; Google)
- „Todhunter (Isaac Todhunter), M. A., F.R.S. St John’s College
, Cambridge). Vert on a fesse with cottises invected betw(een) three french horns ar(gent) a fox current (proper). Crest - in front of a gat sa(ble) a foxhound current proper.“
- „Todhunter (Isaac Todhunter), M. A., F.R.S. St John’s College
- ↑ Ryan Whibbs. In: The Public Register of Arms, Flags, and Badges of Canada (www.gg.ca). The Governor General of Canada, abgerufen am 27. Mai 2025 (englisch, Grant of Arms, Flags and Badge: 15. August 2023. Vol. VIII, S. 205).
- ↑ Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 230 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).
- ↑ Dale Palmer. In: The Public Register of Arms, Flags, and Badges of Canada (www.gg.ca). The Governor General of Canada, abgerufen am 27. Mai 2025 (englisch, Die Ankündigung des Wappenbriefes erfolgte am 25. März. 2017 in Band 151, Seite 1302 der Canada Gazette.).
- ↑ Douglas Graeme Bassett. In: The Public Register of Arms, Flags, and Badges of Canada (www.gg.ca). The Governor General of Canada, abgerufen am 27. Mai 2025 (englisch, Die Ankündigung des Wappenbriefes erfolgte am 12. Dezember 2009 in Band 143, Seite 3682 der Canada Gazette.).
- ↑ 9,0 9,1 Wappen-Herold Deutsche Heraldische Gesellschaft e. V. (Hrgs.): Allgemeine Deutsche Wappenrolle. Band 5. (1983). Seite 211. ISBN 3-924131-05-8 (Digitalisat: eHerold International. Abgerufen: 2. Juni 2025)
