Hund (Wappentier)

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Hund
Carnivora, or flesh-eating animals. Family-dogs LCCN2003664022.jpg
Bild mit verschiedene Arten von Haushunden (1874)
alternative Beschreibung
in der Heraldik
(1305-1315: Hund/Dogge; jüngeres Wappen der ToggenburgerW-Logo.png; nach Codex Manesse)

Der Ausdruck Hund (französisch chien; englisch dog oder hound) ist in der Heraldik einerseits ein Sammel- oder Oberbegriff für sämtliche hundeartige Motive in Wappen, andererseits wird er zur Bezeichnung eines Wappentieres verwendet. Dabei wird zwischen

  • einer unbestimmten (gemeinen) Hundefigur
  • und spezifischen Darstellungsformen wie Bracke, Rüde, Windhund und ähnlichem

unterschieden. Alle Hundefiguren können in Wappen als gemeine Figur, als Schildhalter oder als Helmzier in Erscheinung treten.

Darstellung

Gemeiner Hund (unbestimmt)

Der im Wappen dargestellte, gemeine Hund ist nicht einer bestimmten Hundeform aus der Unterart der natürlichen HaushundeW-Logo.png nachgebildet. Vielmehr lehnt sich die Figur an ein Idealbild eines JagdhundesW-Logo.png beziehungsweise HaushundesW-Logo.png an, das sich von empirisch durchschnittlich gegebenen Realtypen abgrenzt. Grundsätzlich wird der Hund springend, schreitend, sitzend oder spürend (Kopf gesenkt) gezeigt. Die Hauptblickrichtung ist nach heraldisch rechts (vorn). Wie bei allen Wappentieren ist eine heraldische Stilisierung üblich. Er kommt im Oberwappen häufig als Kopf- bzw. Rumpfdarstellung vor. Sind einem Hund Ohren und Schwanz verstümmelt, so wird das als geschändet oder gestümmelt blasoniert.

Hunde werden ohne oder mit Halsband in Wappen geführt. Die Halsbänder sind mit Edelsteinen und/oder Stacheln besetzt oder anders hervorgehoben. Sie kommen mit unterschiedlichen „Halsungen“ (Halsband, Leitring, Leitseil oder Kette) vor.

Klassische Hundefiguren (Kontinentaleuropa)

Nach Maximilian Gritzner kennt das klassische (kontinentaleuropäische) Wappenwesen neben dem unbestimmten (gemeinen) Hund folgende bestimmte Hunde-Grundtypen:

Hunde: Hier unterscheidet die Heraldik dreierlei:
1. den Windhund,
2. den Bracken (Leithund),
3. den Rüden (Dogge).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]
Artikel entspricht in etwa Anmerkungen Muster Beispiel
Greyhound4b.jpg
Spitze (umgelegte) Ohren und betont schlanker Körper

„Der Windhund zeichnet sich von den andern durch langfliegenden oder umgelegten spitzen Behang, schlanken glatten Körper und Ruthe aus. Er kommt laufend, aber auch aufrecht vor, zuweilen auch liegend, wie z. B. im Wappen der v. Poser.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]
Aufrechter Windhund (nach Gritzner)
(Burgwindheim)
2005-09 Zoran 1.jpg
Schlappohren sowie kein oder nur ein einfaches Halsband

„Der Bracke ebenfalls in beiden Stellungen, auch stehend, sitzend und liegend vorkommend, hat langen runden Behang, gedrungenen Körper und zottige Ruthe.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]
Aufrechter Bracke
(Altenried)
8675eds win.jpg
Spitze (aufrechte) Stehohren und Stachelhalsband

„Der Rüde endlich (ein Rüdenrumpf Wappen der Rüdt v. Collenberg) hat die Struktur des Bracken, aber wie der Windhund spitzen, jedoch nicht umgelegten Behang.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]
Aufrechter Rüde (nach Gritzner)
(Antiesenhofen)

„Sowohl Windhund wie Rüde tragen für gewöhnlich ein Halsband, theils einfach gelb, oder auch roth mit goldenen Borden, Ring und Buckeln.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Klassische Hundefiguren (Britische Inseln)

Im Zusammenhang mit dem Wappenwesen auf den Britischen Inseln zählen heraldische Autoren noch weitere bestimmte Hundetypen auf:

Artikel entspricht in etwa Anmerkungen Muster Beispiel
Talbot
TalbotHound Talbot Shrewsbury Book 1445.png

„Der ursprüngliche Englische Hund, der Hund der frühen Tage, ist natürlich der Talbot (..)“

Arthur Charles Fox-Davies (1909)[2]
Aufrechter Talbot (nach Fox-Davies)
Mastiff
Mastiff 2.jpg

„Ein Mastiff findet sich in der Crest von Crawshay (..)“

Arthur Charles Fox-Davies (1909)[2]
alternative Beschreibung
(Crest Crawshay)
Alaunt
British Alaunt side view.jpg

„Im historischen Wappenwesen finden wir auch den „alaunt“ oder „alaund“, ein kurzohriger Mastiff, im Wappen von Woode um 1460 (..)“

mistholme.com (2014)[3]
(Wappen Woode)
Foxhound
English Foxhound.jpg
Nach Burke erscheint im Crest von Isaac TodhunterW-Logo.png ein Foxhound;[4] Fox-Davies deutet die Schildhalter im Wappen Hindlip als Foxhounds:

„Foxhounds erscheinen als Schildhalter bei Lord Hindlip (..)“

Arthur Charles Fox-Davies (1909)[2]
alternative Beschreibung

Neuere Hundefiguren

Als Einzelfall oder nicht etabliert, finden sich in der modernen Heraldik auch Darstellungen/Blasonierungen von zahlreichen anderen Hundefiguren. Insbesondere im kanadischen Wappenwesen erscheinen Hundefiguren, die in der Früh-/Blütezeit der Heraldik nicht gebräuchlich waren.

Artikel entspricht in etwa Anmerkungen Muster Beispiel
Dachshund/Dackel
닥스훈트(단모종) (Dachshund (Short)).jpg
Im Wappen Kinseher erscheinen zwei Dackel.
Muster-Dachshund.png
alternative Beschreibung
Mops
Fawn pug 2.5year-old.JPG
Im Crest des Wappens von Ryan Whibbs erscheint eine Mobsfigur.[5]
Spitz
Un chien Spitz allemand.jpg

„Der Spitz, die älteste Hunderasse, ist eine seltene Schildfigur.“

Walter Leonhard (1978/2003)[6]
Basset
BassetHound profil.jpg
Im Wappen des William Black, Baron BlackW-Logo.png erscheint als (heraldisch rechter) Schildhalter eine Bassetfigur. Eine Crest mit Basset führen beispielsweise Dale Palmer[7] und Douglas Graeme Bassett[8].
Muster-Basset.png
Dobermann
European Dobermann.jpg
Im Wappen Schenke erscheinen im Schild zwei silbern-schwarze Dobermannköpfe (WMH-Nr. 043/13052). Einen wachsenden, rotbewehrten schwarzen Dobermann (Hund) führt die Familie Friedrich aus Debenke als Helmzier (ADW-Nr. 82103).
alternative Beschreibung
Neufundländer
Bearb josh04 07.JPG
Im Wappen von Mount PearlW-Logo en.png erscheinen zwei Neufundländer als Schildhalter.
Irischer Wolfshund
Irish wolfhound giaccomo.JPG
Im historischen Wappen der Ulster BankW-Logo en.png erscheinen zwei irische Wolfshunde als Schildhalter.
alternative Beschreibung
Alaskan Malamute
Alaskan Malamute.jpg
Im Crest des Wappens von Yokon erscheint ein Alaskan Malamute.
Coat of arms of Yukon.svg
Pudel
Bo the poodle retrieving a duck.jpg
Im Schild des Familienwappens Bischoff aus Goslar erscheinen drei rotgezungte schwarze Pudelköpfe (ADW-Nr. 87354).
Coat of arms family de Bischoff aus Goslar.png
Rottweiler
Rottweiler.jpg
Im Schild des Familienwappens Schröder aus Zehden (ADW-Nr. 82035) erscheint ein goldener Rottweilerkopf (Hundekopf).[9]
Coat of arms family de Schröder aus Zehden an der Oder.png
Dalmatiner
Prunella Fitzgerald de Puech Barrayre.jpg
Einen wachsenden, naturfarbenen „Dalmatinerhund“ führt die Familie Schubert aus Krummau an der Moldau als Helmzier (ADW-Nr. 82204);[9] im Oberwappen der Familie Behninger aus Mörlach erscheint ebenfalls ein wachsender, schwarzgefleckter, rotgezungter silberner „Dalmatinerhund“ (Bracke), in den Vorderläufen eine schwarze Pflugschar haltend (DWR-Nr. 8775/87).
Coat of arms family de Schubert aus Krummau.png
Bernhardiner
St Bernard Dog 001.jpg
Im Schild des Familienwappens Hansel aus Deutsch Leippe erscheinen zwei silberne „Bernhardinerrümpfe“ (ADW-Nr. 81248).
Coat of arms family de Hansel aus Deutsch Lippe.png

Besondere hundeähnliche Figuren

Artikel entspricht in etwa Anmerkungen Muster Beispiel
OrthosW-Logo.png (doppelköpfiger Hund)
Orthos Staatliche Antikensammlungen 2620.jpg
(doppelköpfiger Hund, im Muster als Bracke)
Siebmacher Doppelköpfiger Hund.jpg
(dreiköpfiger Hund)
Giuseppe Arcimboldo - Sketch for a Cerberus - WGA00875.jpg
Ein Kerberos (dreiköpfiger Hund) erscheint im Wappen der Familie Röttger (im Muster wird der dreiköpfige Hund als Bracke dargestellt)
Zerberus.png
Coat of arms family de Röttger.jpg
Geflügelter Hund
alternative Beschreibung
Im Wappen der Ulmer Familie Hutz (bzw. Huntfuss/Huntvusz) erscheint in Schwarz ein oberhalber goldener Hund mit Drachenflügeln. Die geflügelte heraldische Hundefigur ähnelt in gewisser Weise dem armenischen MythenwesenW-Logo.png AralēzW-Logo.png, das ebenfalls hundeähnlich und mit Flügeln figuriert wird.
Coat of arms de family Huntfuss.jpg
Seehund2cele4.jpg
In den Wappenbilderordnungen werden mitunter auch sämtliche Varianten der Seehundfiguren den Hundefiguren zugeordnet.
Fox-Davies sea-dog 01.jpg
Kihnu vapp.svg

Symbolik

Im Zusammenhang mit dem historisch verankerten Jagdprivileg des Adels ist die Bedeutung des Jagdhundes in der Heraldik zu sehen. Während der Hund traditionell als Symbol für Treue, Wachsamkeit und Zielstrebigkeit gilt, repräsentiert der Jagdhund üblicherweise das Recht der hohen Jagd oder kennzeichnet das Amt des Erblandesjägermeisters. So stellt beispielsweise das Gerichtssiegel der Stadt Eisighofen aus dem Jahr 1782 einen Reiter auf der Beizjagd in Begleitung eines Jagdhundes dar.

Verbreitung

Zum redenden Wappen hat der unbestimmte Hund es im Familienwappen der Familie Kanis geschafft. Canis ist der lateinische Name der Gattung Hunde.

Paraheraldik

In der Paraheraldik hielt der Hund zum Beispiel als Logo einer TankstellengesellschaftW-Logo.png Einzug (im Beispiel: als schwarzer feuerspeiender, rückwärtsgewandt Hund mit sechs Beinen).

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Hund in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Maximilian Gritzner: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie. Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 84
  2. 2,0 2,1 2,2 Arthur Charles Fox-Davies: Chapter 12, S. 204: Dogs. A Complete Guide to Heraldry. London: T. C. & E. C. Jack. 1909. Abgerufen: 25. Mai 2025. Zitat:
    „The original English dog, the hound of early days, is, of course, the talbot (..)“
    „A mastiff will be found in the crest of Crawshay (..)“
    „Foxhounds appear as the supporters of Lord Hindlip (..)“
  3. Dog. 12. Januar 2014, abgerufen am 25. Mai 2025 (englisch, Internet: mistholme.com): „Zitat:
    „Period armory also gives us the »alaunt« or »alaund«, a short-eared mastiff, in the arms of Woode c.1460 (..)“
  4. Bernard Burke: The General Armory of England, Scotland, Ireland, and Wales. London, 1884. (Supplement: TAL-TRE; Google)
    „Todhunter (Isaac Todhunter), M. A., F.R.S. St John’s CollegeW-Logo.png, Cambridge). Vert on a fesse with cottises invected betw(een) three french horns ar(gent) a fox current (proper). Crest - in front of a gat sa(ble) a foxhound current proper.“
  5. Ryan Whibbs. In: The Public Register of Arms, Flags, and Badges of Canada (www.gg.ca). The Governor General of Canada, abgerufen am 27. Mai 2025 (englisch, Grant of Arms, Flags and Badge: 15. August 2023. Vol. VIII, S. 205).
  6. Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 230 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).
  7. Dale Palmer. In: The Public Register of Arms, Flags, and Badges of Canada (www.gg.ca). The Governor General of Canada, abgerufen am 27. Mai 2025 (englisch, Die Ankündigung des Wappenbriefes erfolgte am 25. März. 2017 in Band 151, Seite 1302 der Canada Gazette.).
  8. Douglas Graeme Bassett. In: The Public Register of Arms, Flags, and Badges of Canada (www.gg.ca). The Governor General of Canada, abgerufen am 27. Mai 2025 (englisch, Die Ankündigung des Wappenbriefes erfolgte am 12. Dezember 2009 in Band 143, Seite 3682 der Canada Gazette.).
  9. 9,0 9,1 Wappen-Herold Deutsche Heraldische Gesellschaft e. V. (Hrgs.): Allgemeine Deutsche Wappenrolle. Band 5. (1983). Seite 211. ISBN 3-924131-05-8 (Digitalisat: eHerold International. Abgerufen: 2. Juni 2025)