Johann Anton Kroll von Freyen

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Porträt: Johann Anton Kroll von Freyen (nach Martin Tyroff)
1698: Schmuckblatt „Heraldica Curiosa“
Leseprobe

Der Erbherr Johann Anton Kroll Freiherr von Freyen auf Holdenstein und Rosenberg (Freyhen, Freyhan, auch Johann Anton Rudolphi; Pseudonym: J. A. Rudolphi, Rudolph; * 19. November 1666 in Lauf bei Nürnberg; † 9. November 1749 in Gandersheim) war ein Erzieher, Kammerrat, Oberhofmeister, juristischer Berater, Bauherr und deutscher Heraldiker.

Leben

Johann Anton Kroll von Freyen (Pseudonym: J. A. Rudolphi) war der Sohn des Erbherren und Stadtleutnant Johann Georg Kroll von Freyen auf Holdenstein und Rosenberg († 1673) und der Esther von Geissendorf, genannt Gröser († 1673). Nach dem frühen Tod der Eltern nahm ihn vorübergehend seine Tante zu sich, bevor er von 1677 bis 1686 durch Rechtsgelehrte an der Universität Altdorf unterrichtet wurde.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft wurde er kurze Zeit Hofmeister der Gräfin Weltz und Erzieher ihres Sohnes. Danach trat er als Erzieher in die Dienste des Grafen von Castell, mit dessen Sohn er sogenannte „Kavaliers-/Bildungsreisen“ ins europäische Ausland unternahm (1690 in die Niederlande, dann England, Frankeich). Als Erzieher diente er auch dem Grafen Bernhard I. von Sachsen-Meiningen, mit dessen Söhnen Friedrich Wilhelm und von 1702 bis 1708 mit Anton Ulrich er ebenfalls „Kavalierstouren“ unternahm (Holland, England, Schweiz, Italien und andere). In den Zeiten zwischen und nach den Kavalierstouren betätigte er sich als Diplomat.

Als Elisabeth Ernestine Antonie († 1766), die Schwester von Anton Ulrich, 1713 Äbtissin des Reichsstiftes Gandersheim wurde, berief sie Johann Anton Kroll von Freyen zum Hof- und Zeremonienmeister und Berater bei gerichtlichen und juristischen Fragen. In Gandersheim und Umgebung wirkte Johann Anton Kroll von Freyen als umtriebiger Bauherr, Architekt und Landschaftsgestalter.

Er war Zeit seines Lebens unverheiratet und starb 1749, 15 Jahre nach seiner Schwester, der Äbtissin Margarethe Esther Kroll von Freyen (* 12. Juni 1661, † 26. April 1734 in Gandersheim). Die beiden Geschwister waren die Letzten ihres Familienstammes.

Wappen

Blasonierung:
„In Rot ein schwarzer Schrägbalken, begleitet oben von einer schwarzen Lilie, unten einer schwarzen Rose. Auf dem Helm mit rot schwarzen Decken ein wachsender natürlicher Bock.“

Heraldisches Wirken

1698 veröffentlichte Johann Anton Kroll von Freyen unter dem Pseudonym J. A. Rudolphi das Buch „Heraldica Curiosa“, das als ein Standardwerk der Heraldik gilt und von späteren Heraldikern zitiert wurde. Gatterer bemerkt zu Rudolphis Methode, Wappen zu beschreiben:

„2. Rudolphi (oder vielmehr, wenigstens dem Stoffe nach, der geheime Rath Kroll von Freyen) blasoniert ungefähr wie Spener, von historischen Erläuterungen aber findet man kaum 3 bis 4 Beyspiele, und von Historie der Wappen gar nichts in seinem Werke. Er gehört also eigentlich gar nicht zu den historischen Beschreibern der Wappen, sondern nur zur Classe der Blasonisten.“

Schriften

  • Heraldica curiosa, Welche Der Wappen Ursprung, Wachsthum, Fortgang, und wie selbiger noch heutiges Tages bey denen Teutschen im Gebrauch ausfůhrlichen zeiget, Samt deren umståndliche Beschreibung, Wie solche in denen Wappen-Briefen, Alten Documenten, Fahnen, Sigillen etc. und verschiedenen Autorn hin und wieder eintzeln zu finden; Insonderheit auch Von denen Schildhaltern, Helm-Decken, Kronen, Hüten, Hauben etc. Beysammen nicht allein auf das zierlichste und Curioseste abgehandelt, sondern auch was sonsten zur Probation des Thurnier- und Stifft-mässigen Adels erfordert wird; Alles Historicè, Politicè und Juridicè mit XV. schönen Kupffer-Figuren, worinnen über 1200 Wappen vorgestellet. Von J. A. Rudolphi. Nürnberg, verlegt von Johann Leonhard Buggel, Buchhändler in der Froschau, 1698. (Digitalisat der BSBW-Logo.png, „Digitale Sammlungen“)
  • Neu vermehrte Heraldica curiosa, Bestehend in Zweyen Theilen, Deren Erster überhaupt der Wappen-Geschicht Ursprung, Wachsthum, Gebrauch, Rechts-Lehr, und andere zu der Herolds-Kunst und Wissenschaft dienende Stücke, und wie selbige noch heutiges Tags bey der Europäischen Nation im Gebrauch, in sich enthält; Samt deren umständlichen Beschreibung, Wie solche in denen Wappen-Briefen, alten Documenten, Fahnen, Sigillen etc. und verschiedenen Autorn, hin und wieder eintzeln zu finden; Insonderheit auch wird darinnen von denen Schild-Haltern, Helm-Decken, Hüten, Hauben etc. soviel deren zu haben, auf das gründlichste, sowohl Historicè, Politicè, als auch Juridicè, gehandelt. Deren Anderer Theil aber begreifft in sich ein special-kurtz-verfasstes Wappen-Buch, In welchem aller Europäischen Häupter, als Kayser, Königen, und anderer Potentien; ingleichen der Churfürsten, Ertz- und Bischöffe, Fürsten und Stände des H. Röm. Teutschen Reichs, wie auch der vornehmsten ausländischen Mächten, Wappen, Cronen und Ritter-Orden, nebst einer vollständigen Abbildung der meisten Nationen, und fürnehmer See- und Handels-Städte in allen Theilen der Welt gewöhnliche Schiff-Flaggen oder See-Zeichen, auf das accurareste in Kupffer vorstellig gemacht, und aufs deutlichste beschrieben worden von J. A. Rudolphi. Frankfurt und Leipzig, bey Johann Leonhard Buggel, Buchhändler in Nürnberg, 1718. (Google)

Literatur

  • Kronenberg, Axel Christoph: Johann Anton Kroll von Freyen – Oberhofmeister des Reichsstiftes Gandersheim In: Die Kurzeitung. Bad Gandersheim. Staatlich anerkanntes Heilbad. Heft 3/2005, S. 10, 11.
  • Kronenberg, Kurt: Gandersheimer Chronikblätter 5/1987.
  • Leichenpredigt für Kroll, Göttingen 1749.
  • Deutsches Biografisches Archiv I. Microfiche. München 1982-1985, Nr. 712, 116.

Einzelnachweise

  1. Johann Christoph Gatterer: Beurtheilung einiger fremden Methoden, Wappen historisch zu beschreiben. In: Allgemeine historische Bibliothek von Mitgliedern des Königlichen Instituts der historischen Wissenschaften zu Göttingen. Herausgeber: Johann Christoph Gatterer. 2. Band. Gebauer, Halle. 1767-71. S. 38 ff. (Digitalisat des Göttinger DigitalisierungszentrumsW-Logo.png)

Weblinks