Marcus Vulson de la Colombière

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Porträt von Vulson de la Colombière (aus seinem Buch La science Héroïque, Paris, 1644; Kupferstich von Robert NanteuilW-Logo.png; nach der Zeichnung von François ChauveauW-Logo.png)

Marcus Vulson de la Colombière (auch Wulson/Volson, Sieur de la Colombière; geboren in DauphinéW-Logo.png; † 1658) war ein französischer Historiker, Dichter, Günstling des königlichen Hofes und Heraldiker.

Leben

Seite 38 von Vulson de la Colombières Buch von 1644 mit seinem Schraffursystem

Über das Leben des franzöischen Historiker und Heraldikers Marcus Vulson de la Colombière ist nur wenig bis gar nichts Gesichertes bekannt. Selbst die großen Biographien des 19. Jahrhunderts liefern nur unvollständige Informationen über ihn. Er wurde Ende des 16. Jahrhunderts in Dauphiné in einer protestantischen Adelsfamilie als Sohn des Advokats François und der Michelle Odde de Bonniot geboren. [1] In seiner Jugend kämpfte er für Heinrich IV.W-Logo.png Einer seltsamen Anekdote zufolge ging er 1618 nach Paris und versuchte Gnade zu erflehen, nachdem er seine treuelosen Frau und ihre Liebhaber getötet hatte.[2]

Nach den Titelblättern seiner Bücher (siehe z. B. Le Vray Théâtre d´honneur et de Chevalerie, Paris, 1648) war er Mitglied des Pariser Parlaments und des Ordre de Saint-MichelW-Logo.png (gentilhomme de la Chambre du Roi et Décoré de l’Ordre de Saint-Michel). Wahrscheinlich blieb er bis 1635 in Grenoble, da er als königlicher Berater im Dauphiné-Parlament (conseiller du roi en la cour de parlement de Dauphiné) tätig war. In diesem Jahr veröffentlichte er in Genf ein Buch im Geiste des GallikanismusW-Logo.png. Es ist anzumerken, dass einige der protestantischen Priester und Studenten an der Universität Genf seine Verwandten waren. Der Gallikanismus dient als Deckmantel, um seine protestantischen Ansichten gegen den KatholizismusW-Logo.png auszudrücken. Er präsentierte sie so, dass sie vom staatlichen Establishment geschätzt wurden.

Die Ideen von Vulson de la Colombière entsprachen dem Geschmack des Königs, so dass er Grenoble verließ und sich in Paris niederließ, wo er seine ganze Energie dem Studium der Heraldik widmete. Nach den Katalogen der Bibliothèque nationale de FranceW-Logo.png erschien 1638 sein nächstes Buch in Paris.

Werk

Er veröffentlichte erfolgreich mehrere Bücher über Symbole, Prophezeiungen, Heraldik, Träume et cetera und fasste in seinem Werk alle ihm verfügbaren Kenntnisse und Traditionen zusammen, die mit der Ritterlichkeit verbunden sind. Im 17. Jahrhundert wurde die Ritterlichkeit nach ihrer Blütezeit (1100-1400) und ihrem Niedergang von zwei Genealogen am französischen Hof praktisch wiederentdeckt: Vulson de la Colombière und Claude-François Ménestrier, die ein idealisiertes Bild derselben entwickelten.

Ledige Schilde, anstelle der Farben mit Schraffuren aufgerissen, Colombière 1639

Heraldisches Schraffursystem nach Marcus Vulson de la Colombière

In der Literatur wird Vulson de la Colombières Leistung hervorgehoben, ein Wegbereiter eines einheitlichen heraldischen Schraffursystems für die Darstellung von monochromen Wappen zu sein. Grundprinzip des Systems ist es, für jede heraldische Farbe eine bestimmte Schraffur zu verwenden: Rot (gueules) wird mit senkrechten, Blau (azur) mit waagerechten, Schwarz (sable) mit gekreuzten Strichen bezeichnet. Für Grün (sinople) hat man Schräglinien, welche vom vorderen Obereck zum hinteren Untereck gehen, für Purpur (pourpre) ebensolche Schräglinien, doch gerade entgegengesetzt dem Grün, nämlich vom hinteren Obereck zum vorderen Untereck. Gold (or) bezeichnet man durch Bestreuung mit Punkten, Silber (argent) durch Leerlassung des Platze.

 
Rot
 
Blau
 
Schwarz
 
Grün
 
Gold
 
Silber
 
Purpur

Im Titel eines Werkes von 1639 erwähnt Vulson de la Colombière explizit, dass das Schraffieren eine „neue Methode“ zur Erkennung von heraldischen Farben und Metallen bei Kupferstichen ist („suivant l'art des anciens roys d'armes (..) et une nouvelle méthode de cognoistre les métaux et couleurs sur la taille-douce“). Außerdem merkte er an, dass Buchverlage und Kupfersticher Nutzen aus dem Schraffursystems ziehen könnten, indem sie diese Methode auf Abbildungen anwenden, die dann in gleicher Weise farblich interpretierbar wären. Das Buch wurde von Melchior TavernierWp France moderne.png herausgegeben, und das eingravierte FrontispizW-Logo.png wurde von Abraham BosseW-Logo.png entworfen. Vielleicht war er der Urheber der restlichen Stiche im Buch, wobei Vulson de la Colombière einen Teil zur Zeichnung und Gravur von Illustrationen beitrug, wie ein Monogramm unter der Wappentafel seines Anhängers Denys de Salvaing de BoissieuWp France moderne.png nahelegt.

Erstaunlichweise ist das Schraffurssystem von Vulson de la Colombières aus dem Jahr 1639 identisch mit dem von Silvester Petra Sancta von 1634/1638 (siehe → Heraldisches Schraffursystem nach Petra Sancta). In seinem Werk von 1639 erwähnte Colombiere Petra Sancta nicht. Der Grund dafür war womöglich, dass 1638 die Veröffentlichung seines Buches bereits im Gange war und/oder er nichts über die gleiche Schraffurmethode wusste, die 1634/1638 von Petra Sancta veröffentlicht wurde. Einige Autoren und er selber kolportierten, dass er ungeachtet seiner zeitlich späteren Veröffentlichung der „Erfinder“ desselben sei. Unstrittig ist, dass er eine umfangreiche Korrespondenz mit den renommiertesten Heraldikern seiner Zeit führte -- auch mit Silvester Petra Sancta. Aus diesem Grund könnte man vielleicht zu dem Schluss kommen, dass Vulson de la Colombière Recht hatte, als er den Titel „Erfinder des Schraffursystems“ für sich beanspruchte und Silvester Petra Sancta auf Seite 37 seines Werks Le vrai Théâtre d'honneur (1644) beschuldigte, seine Methode einfach und unverändert 1638 kopiert zu haben.[3]

Vulson de la Colombière behauptete zudem, dass er Petra Sancta in der Vergangenheit sein Schraffursystem gezeigt habe. 1644 stellte er ein weiteres mal Ideen zu einer Schraffierungsmethode vor.

Rezeption

Offen ist, ob das heraldische Schraffursystem überhaupt eine originäre Idee von Vulson de la Colombière oder Petra Sancta ist, oder nicht. Einiges spricht dafür, dass sie die Idee für ein heraldisches Schraffiersystem aus den bestehenden Schraffierungsmethoden der niederländisch-belgischen und anderer Kupferstecher und Graveure entwickelten. Möglicherweise kannten jene Kunsthandwerker, die im Auftrag der beiden Heraldiker deren Werk betreuten, die Wappen-Schraffursysteme von Jan Baptist Zangrius und Jacob Francquart, die in den Jahren 1600 und 1623 entwickelt wurden, also Jahre vor den Schraffursystemen von de la Colombière und Petra Sancta. Den praktischen Nutzen einheitlicher oder ähnlicher „heraldischer Schraffuren“ für Wappen in unterschiedlichen Werken sollten die Kupferstecher im Prinzip vor ihren Auftraggebern erkannt und von Handwerker zu Handwerker weitergereicht haben; womöglich erörterten die jeweiligen Kupferstecher mit ihren Auftraggebern die Vor- und Nachteile bestimmter Wappenschraffuren und Zangrius, Franquart, Petra Sancta und Colombière „erfanden“ nicht etwas Neues, sondern verallgemeinerten in ihren Werken lokale und zeitgenössische Wappenschraffurtechniken bestimmter Kupferstecherzünfte.

Um die Frage, wer „der wahre“ Erfinder des heute gültigen heraldischen Schraffursystems ist, wurde in der heraldischen Literatur hinein heftig gerungen (teilweise bis heute). Allerdings ist diese Frage nur Teil eines Fragenkomplexes. Es geht nicht nur darum, wer der Erfinder des Schraffursystems sei, sondern auch darum, welches „das beste“ Schraffursystem sei, für welche Farben man neben den klassischen heraldischen Tinkturen noch eindeutige Schraffuren benötigt, ob die Deutschen oder die Franzosen die Erfinder des Schraffursystem sind et cetera. Zudem versuchte die heraldische Literatur ab dem 18. Jahrhundert, sich in der Auseinandersetzung über die Schraffursysteme der Altvorderen von deren „überholten“ Verständnis von Heraldik abzugrenzen. Als aufschlussreich sei in diesem Zusammenhang ein Beitrag von Johann Christoph Gatterer aus dem Jahre 1766 angeführt, der das Ringen um die Schraffursystem-Erfindung zwischen Vulson de la Colombière und Petra Sancta kommentiert.[4]

Schriften

  • De la Puissance du pape et des libertés de l'Église gallicane. Par Marc de Vulson, conseiller du roi en la cour de parlement de Dauphiné. (deutschW-Logo.png Von der Macht des Papstes und den Freiheiten der gallikanischen Kirche. Von Marc de Vulson, dem Berater des Königs am Gericht des Dauphine-Parlaments). Genf, Iean de Tournes & Iaques de la Pierre, 1635. (Google)
  • Recueil de plusieurs pièces et figures d'armoiries obmises par les autheurs qui ont escrit jusques icy de cette science, blasonnées par le sieur Vulson de La Colombière,... suivant l'art des anciens roys d'armes, avec un discours des principes et fondemens du blason, et une nouvelle méthode de cognoistre les métaux et couleurs sur la taille-douce. (deutschW-Logo.png Sammlung von mehreren Stücken und Wappenfiguren, die von den Autoren verwendet wurden, die bisher über diese Wissenschaft geschrieben haben und die vom Sieur Vulson von La Colombière prachtvoll gestaltet wurden ... nach der Kunst der alten Wappenkönige mit einer Rede über die Prinzipien und Grundlagen des Wappens, und eine neue Methode zur Erkennung von Metallen und Farben auf dem Tiefdruck.) Paris, M. TavernierWp France moderne.png, 1639. (Google) - In-4°, pièces, Lim., 14 S., Wappen, 75 tlg. Wappen, die meisten von ihnen farbig, frontisp. gr. von Abraham BosseW-Logo.png. (Neue Edition, Paris, 1689)
  • La Science heroique, traitant de la noblesse, de l'origine des armes de leurs blasons, & symboles, des tymbres, bourlets, couronnes, cimiers, lambrequins, supports, & tenans, & autres ornements de l'escu ; de la deuise, & du cry de guerre, de l'escu pendant & des pas & emprises des anciens cheualiers, des formes differentes de leurs tombeaux ; et des marques exterieures de l'escu de nos roys, des reynes, & enfans de France, & des officiers de la couronne, et de la maison du roy. Paris 1639 und 1644
  • Le vrai Théâtre d'honneur et de chevalerie, ou le miroir héroïque de la noblesse... par Marc de Vulson, sieur de La Colombière... Paris, in: A. Courbé, 1638. - 2 Bände fol. (Band 2: Google)
  • Carte métodique et introduction succinte à la cognoissance des premières regles du blazon et des principales pieces qu'on employe pour la construction des armoiries, avec les termes dont on se sert pour parler pertinemment de ceste heroïque science... Par Marc de Vulson, sieur de La Colombiere. Paris: M. Van Lochom, 1645
  • Le palais des curieux, ou l'algebre et le sort donnent la decision des questions les plus douteuses, et ou les songes et les visions nocturnes sont expliquez selon la doctrine des anciens. Donné au public par le Sieur VV. D. L. C. Paris, 1646
  • De l'Office des rois d'armes, des hérauts et des poursuivants ; de leur antiquité, de leurs priviléges, et des principales cérémonies où ils sont employés par les rois et par les princes. Avec le nom et les armes de tous les rois et princes souverains de la chrétienté et de la plupart des provinces qui relèvent d'eux. Par Marc de Vulson, Sr de La Colombiere. Paris: P. Lamy, 1645. (Google)
  • Les Oracles divertissans, où l'on trouve la decision des questions les plus curieuses pour se rejouïr dans les compagnies, avec un Traité tres recreatif des couleurs, aux armoiries, aux livrées et aux faveurs, et la signification des plantes, fleurs et fruits, le tout accommodé à la diction française. Par M. W. D. L. C. Paris: A. Courbé, 1647. (Google)
  • Le Palais des curieux, où l'algebre et le sort donnent la décision des questions les plus douteuses, et ou les songes et les visions nocturnes sont expliquez selon la doctrine des Anciens. Seconde édition. Corrigé & augmenté d’un Traité de la physiognomie. Paris: bei Pierre Lamy, 1660
  • The court of curiositie wherein by the algebra and lot, the most intricate questions are resolved, and nocturnal dreams and visions explained according to the doctrine of the antients : to which is also added A treatise of physiognomy published in French by Marck de Vulson ; translated into English by J.G., Gent. London: Gedruckt bei J. C. für William Crook(e), 1669.
  • Die dritte Ausgabe. London: Gedruckt für William Crook(e), 1681

Weblinks

Commons: Marcus Vulson de la Colombière – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. "G. de Rivoire de La Batie: Armorial et Histoire de Dauphiné, Fam. de Vulson, S. 815"
  2. Thomas MouleWp France moderne.png: Bibliotheca heraldica Magnæ Britanniæ. London, 1822. S. 616.:
    „Ayant un jour surpris sa femme en adultere, il la tua elle et son gallant; il vint en poste à Paris solliciter sa grace, qu'il obtint. Cet evénement arriva à Grenoble en 1618. Depuis l'on menaçoit dans cette ville les femmes coquettes da la vulsonade.“
    (Comp. Chaudon, L. M. [Louis Mayeul]: Dictionnaire universel, historique, critique, et bibliographique, XVIII, Paris, 1812, S. 149.)
  3. Colombière schreibt 1644 in dem Werk Le vrai Théâtre d'honneur, S. 37:

    „Et afin que le Lecteur se satisfasse entierement, ie luy presente les deux metaux, les cinq couleurs, & les deux pennes graués en la page suiuante, & luy fais voir l’inuention de laquelle ie me suis seruy au premier liure de blazon, que ie fis imprimer pour connoistre les metaux & les couleurs par la taille douce, laquelle a ésté imitée & practiquée par le docte Petra Sancta, au liure intitulé, Tessera gentilitia, qu’il a composé en Latin, & fait imprimer à Rome; Aupaurauant l’on se seruoit des lettres capitales des metaux, & des couleurs pour les denoter, mais cela enlaidissoit l’armoirie, & apportoit de la confusion, & tout au contraire ceste inuention remplit & ombrage les pieces bien mieux qu’elles n’estoient auant qu’on la practiquât; & contente la veuë auec plus d’agréement: Et il seroit necessaire que d’ores-en-auant tous les graueurs d’vn commún consentement se seruissent de ceste methodo, & la practiquassent inuiolablement lors qu’ils grauent des Armoiries en des lieux où l’on ne peut dechiffrer leurs blazons, ny exprimer leur émail. L’or est pointillé; l’argent est sans aucune haschure: car denotant le blanc, l’on ne sçauroit le mieux faire connoistre, qu’en n’y faisant rien du tout; l’Azur est hasché en fasce; le gueules en Pal, le Synolpe en bande, le Sable est hâché doublement, & le Pourpre en barre, les deux pennes ou fourrures sont assez connoissables par tout; Si bien que sans peine, sans enluminure, sans charger sa memoire, & sans beaucoup embarrasser son esprit, l’on pourroit connoistre l’émail de toutes les Armoiries, pourueu qu’on se rende ceste table familiere. I’ay practiqué cela dans la plus grande partie de celles qui sont grauées dans ce liure, y en ayant pourtant beaucoup, & particulierment à celles où il y a des animaux, où ie me suis contenté de faire simplement le trait, afin que ceux qui desireront de les enluminer, lepuissent faire auec moins de peine & d’incommodité“


    Im Jahre 1690 gibt Philipp Jakob Spener in seinem Werk Insignium Theoria Seu Operis Heraldici Pars Generalis die Bemerkungen von Vulson de la Colombières folgendermaßen wieder:

    „Je lui fais voir l'invention, de laquelle je me suis seruy au premier livre de blason, que je fis imprimer, pour connoître les metaux & les couleurs par la taille douce laquelle a été imitée & pratiquée par le docte Petra Sancta: auparavant l'on se servoit des lettres capitales. Ostendi ei inventionem, quâ (an à se invenia, an aliunde mutuo sumpta,) usus eram in primo de insignibus quem edideram libro, ut metalla & colores sculptorum lineolis exprimerentur: secutus est Doct. Petra Sancta: cum prius literis initialibus uti in more esset.“

    Philipp Jakob Spener
    : Insignium Theoria Seu Operis Heraldici Pars Generalis. Frankfurt am Main, 1717. S. 113. (Erste Edition, ebenda 1690; Google)
  4. „(..) so hat sich gewß derjenige recht sehr um die Heraldik verdient gemacht, der die Schrafirungen (Hachures), das ist, den Gebrauch der Puncte und Striche, als Zeichen der Tincturen, eingedührt hat. Die Ehre dieser Erfindung eignet sich ein Franzose Marcus Vulson de la Colombiere in einem 1639. herausgegebenen Werk mit einem grossprechenden Auctorstone selbst zu, und der sel. Prof. Köhler (in seinem Progr. de auctoribus incisurarum) hat sich von ihm zu seinem Vortheile einnehmen, oder vielmehr verführen lassen. Andere machen den Jesuiten, Silvester Petra Sancta zum Erfinder. Dieser hat auch wirklich noch vor dem Colombiere (nämlich in seinen 1638. herausgekommenen Testeris gentilitiis) die Schrafierungen zu Bezeichnung der Tincturen gebraucht: allein Colombiere behauptet, er hatte dem Petra Sancta seine Erfindung sehen lassen, und gebührete also nicht diesem, sondern ihm die Ehre der Erfindung. Hingegen Ménestrier will weder den einen, noch den anderen für den Erfinder anerkennen, sondern hält vielmehr den ersten Urheber der Schrafierungen für unausgemacht, weil er den Gebrauch derselben schon vor 1638 wahrgenommen. Köhler sezt hier mit Recht den dem Ménestrier aus, daß er diejenigen Bücher nicht genannt hat, in welchen er noch vor dem Petra Sancta die Schrafirungen gesehen. Ich glaube indessen doch, daß dem Ménestrier solche Bücher müssen bekannt gewesen seyn: wenigstens kenne ich dergleichen. Ich will das älteste derselben nennen. Es ist Jacob Francquarts pompa funebris Alberti Pii Austriaci (Bruxell, 1623, in fol.). In diesem prächtigen Werke befindet sich auf der 47sten Kupfertafel ein viereckigtes Täfelein, in welchem die Schrafierungen eben so angezeiget werden, wie ich sie Figur 16. abgebildet habe. Von der Absicht dieses Quadri oder Tafeleins schreibt der Verfasser im Texte selbst p. 23. also: Ut insignia Prouinciarum in signis et equis, suis coloribus depingi possint, obseruandum quadrum, iuxta Currum (exequiarum) positum. Excipe tamen, quorum hic sit mentio. Vexilla enim quae Cornette de couleurs, le Guidon et Estandart de Couleurs vocantur, has notas non habent, ut maiore cum decore colorari possint. Quare pingetur pars superior, rubro: media, albo etc. Wann man die Schrafierungen des Francquarts mit denen des Colombiere, das ist, mit denen noch jetzo gebräuchlichen, vergleicht (Figur 16.), so sind sie zwar nicht ganz einerley; indessen erhellet doch so viel daraus, daß Colombiere nicht der Erfinder der Schrafirungen überhaupt gewesen, ob er wol das Glück hat, daß seine Schrafirungen allgemein Beyfall gefunden, und denselben noch jetzo haben; ungeachtet Gelenius 1645. eine andere Art der Schrafirungen (Figur 16.) einführen wolte. Weil nun Francquart die Schrafirungen zu Brüssel an einem Teutschen Hofe unter allen mir bekannten Schriftstellern zuerst bekannt gemacht; so halte ich denselben so lange, bis man mir einen älteren Schriftsteller nennen kan, für den Erfinder Schrafirungen, und die Erfindung selbst für eine Teutsche Erfindung. Die jezo in den Wappen gebräuchlichen Schrafirungen des Colombiere kan man sich leicht aus den Abbildungen derselben (Figur 16.) bekannt machen. Der sel. Rink zu Altdorf hat zu den Schrafirungen des Colombiere noch zwo, nämlich das Zeichen der natürlichen (Figur 19.) und der Eisenfarbe (Figur 20.), hinzugesetzt: ich halte jedoch die erstere für überflüssig, die andere aber um deswillen für unerweislich, weil ich aus alten Wappenbriefen gelernt habe, daß die Herolde, wenigstens in Teutschland, die Eisenfarbe und die weise Farbe, das ist, Silber, als gleichgültige Ausdrücke gebrauchen. Zur Erläuterung dieser Abhandlung vom Ursprunge der Schrafirungen dient das oben angeführte Köhlerische Programm. Das Zeichen der Tinctur des Pelzwerkes, sowohl des gemeinen, als Hermelins hat mit dem Urbilde, selbst als Gattung der natürlichen Farbe (§ 10.), eine Aehnlichkeit (Figur 17. und 18.). Wann die Hermelinschwänze nicht schwarz auf einem silbernen Grunde, sondern von Silber auf schwarzem Grunde sind, so heißt man es Gegenhermelin. Es gibt auch Hermelin von andern Tincturen, z(um) E(xempel) von Golde, roth etc.“

    Johann Christoph Gatterer (1766): Abriß der Heraldik oder Wappenkunde zum Nutzen der studirenden Jugend entworfen (..) Johann Christoph Gatterer der Geschichte ordentlichen Lehrers zu Göttingen. Nürnberg, bei Gabriel Nicolaus Raspe, 1766. S. 11 f. (Google)
Muster-Kolbenkreuz.png

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