Rosette (Heraldik)

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Rot-silberne zu zwölf Plätzen geständerte Rosette mit silbernem Mittelknopf
(Familienwappen Jung, Erbach/Rheingau)[1]

Die Rosette (frz.: rosace; engl.: rosette) ist in der Heraldik eine Wappenfigur.

Darstellung

Rosetten in der Ornamentik

Die RosetteW-Logo.png als Ornament ist viel älter als das Wappenwesen. Sie erscheint nicht nur in der griechischen und römischen Antike, sondern ist bereits in Babylon und in Ägypten als dekoratives Element gebräuchlich. Inwieweit die Rosetten der vorheraldischen oder gleichzeitigen OrnamentikW-Logo.png und ArchitekturW-Logo.png in Wechselbeziehung mit dem Wappenwesen stehen, ist wissenschaftlich nicht gesichert oder bislang nicht ausreichend erforscht.

In der Heraldik war die Wappenfigur Rosette vermutlich ursprünglich ein verzierender oder die Festigkeit von Kampfschilden erhöhender (zumeist metallener) Schildbeschlag in rosettenartiger Form (beispielsweise als von einem Zentralbuckel/Knauf strahlenartig gesetzte blattförmige Verstärkungsstreifen). Derartige und andere „rosettige“ Formen findet man in Siegeln zuhauf, sei es, daß sie das Siegelfeld mit dem eigentlichen Siegebild umlaufen, sei es, daß sie das eigentliche Motiv betreffen. Je nach Siegel beziehungsweise Wappen ist eine „Schildbeschlag-Rosette“ nicht immer exakt gleich ausgeführt, sondern variiert mehr oder weniger deutlich, erscheint teils einfach, teils streng geometrisch, teils ornamental gefällig oder verspielt. Die Ähnlichkeit mit anderen, konkreten Motiven führt dazu, daß die Rosette in der Literatur oft mit einer „Sonnenblume“, einer „Rose“, einer „Sonne“ oder ähnlichem verglichen oder verwechselt wird, obwohl die Ausdrücke als „unzutreffend“ abzulehnen sind. Im Wappenbild der von der Helle ist eine gewisse Wandelbarkeit des Motivs durch mehrere Siegel-/Wappenbilder vergleichsweise anschaulich überliefert:

In den einzelnen Wappengeschichten veränderte sich das eher abstrakte Rosetten-Motiv manchmal oder wurde durch konkrete beziehungsweise dekorative Figuren verdrängt. Beispielsweise zeigt Siebmacher für das Wappen von Hagenest erstaunliche Varianten:

Wenn die Wappenfigur Rosette in einem Wappen erscheint, empfiehlt es sich, die Anzahl und Art der Rosettenblätter in der Wappenbeschreibung genau zu erläutern (zum Beispiel: „[Astern-]Rosette aus acht Blütenblättern“).

Beispiele

Bänder mit Rosetten

Fensterrose

Rosetten erscheinen in der Heraldik teilweise explizit als FensterrosenW-Logo.png beziehungsweise sind kreisrunden verglasten Fenstern mit Maßwerkfüllung nachempfunden. In diesen Fällen empfiehlt es sich, die Motive in der Wappenbeschreibung auch als Fensterrose zu melden oder die dargestellte heraldische Figur im Blason entsprechend zu erläutern.

Fächerrosette

Teilweise erscheinen in der Heraldik auch halbkreisförmige Rosetten respektive sogenannte FächerrosettenW-Logo.png. Die Fächerrosetten sind von Palmetten (franz. „Palmbäumchen“) zu unterscheiden.

Stahlschnittrosette

Einzigartig als gemeine Figur ist die kreisrunde gotische Stahlschnittrosette im Wappen von Großlobming, die einem Motiv aus dem Gitter des spätgotischen Sakramenthäuschens der St. Lamberti Kirche von Großlobming nachempfunden ist.

Kerbschnittrosette

Teilweise erscheinen in der Heraldik auch Rosetten, die Kerbschnitt-RosettenW-Logo.png nachempfunden sind.

Ottobeurische Rosette

Die alte Reichsabtei Ottobeuren führt als heraldische Figur eine eigentümliche vierblättrige goldene Rosette auf schwarzem Grund. Diese findet sich auch in diverse lokalen Wappen.

Rosette oder Fensterrose als Nebenmotiv bei Gebäuden

Wenn Rosetten oder Fensterrosen Bestandteil eines andere heraldischen Hauptmotivs sind, sollten sie in der Wappenbeschreibung erwähnt werden.

Rosette in der japanischen Heraldik

Viele Mon der japanischen Heraldik erscheinen als stilisierte Darstellungen von Pflanzen und ähneln den Rosetten der abendländischen Heraldik. Beispielsweise ist das Mon der kaiserlichen Familie (Nationales und Kaiserliches Siegel JapansW-Logo.png) einer stilisierten Chrysantheme mit 16 Blütenblättern nachempfunden und könnte auch als „zu 16 Plätzen geständerte Rosette mit Mittelknopf“ blasoniert werden.

Wappenbilderordnung

  • Die Rosette wurde zusammen mit der Kokarde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Herrschafts-, Rang- und Würdezeichen unter der Nr. 9892 aufgenommen. Diese Einordnung ist aus mehreren Gründen problematisch: Einerseits ist die Rosette in der Heraldik kein Herrschafts-, Rang- und Würdezeichen, andererseits hat die Figur was Gestalt, Geschichte, Form etc. anbetrifft etwas ganz anderes als eine Kokarde.

Einzelnachweise

  1. Wappenbeschreibung (ADW, Band V. 1983. Seite 287): „In Grün ein goldenes Schrägkreuz, an der Herzstelle überdeckt von einer rot-silbern zu zwölf Plätzen geständerten Rosette mit silbernem Mittelknopf. Auf dem Helm mit rechts rot-silbernen und links grün-goldenen Decken ein Flug, rechts silbern mit roten, links golden mit grünen Schwungfedern.“
  2. Wappenbeschreibung: „In Blau eine goldene Spitze, belegt mit einer halben roten Spitze, darin eine zwölfblättrige goldene Rosette; oben rechts und links je ein goldener Felsbrocken.“
  3. Wappenbeschreibung: „In Gold eine achtblättrige rote Rosette, deren Kelch von einer silbergefassten blauen Scheibe gebildet wird, aus deren Mitte acht goldene Strahlen sternförmig zum Rand auf die silbernen Mittelrippen der Rosettenblätter zulaufen.“[4] Die Flagge ist Rot-Gelb-Blau mit eingearbeitetem Wappen.“
  4. Wappenbeschreibung: „In Silber der schwarze Großbuchstabe L, überdeckt mit einem pfahlweis gestellten, linksgekehrten roten Winzermesser, links beseitet von einer roten Rosette.“
  5. Wappenbeschreibung: „Im schwarzen Schildhaupt ein silbernes, zweistrangiges, kreisförmig verschlungenes und mit silbernen Rosetten gefülltes Flechtband, durch einen silbernen Faden abgesetzt unten in Rot ein silberner, dem Mosaik von Teurnia nachgebildeter auffliegender Vogel mit linksgewendetem Haupt, in seinen Fängen ein silbernes T haltend.“
  6. Wappenbeschreibung: „In Silber über einer schwarzen Krähe erhöht balkenförmig ein rotes Ornamentband von drei Fünfpaßrosetten.“
  7. Wappenbeschreibung: „Über schwarzem Schildfuß und einem erniedrigten goldenen, unten dreifach gezinnten und mit zwei schwarzen je dreiteiligen Ährengruppen belegten Balken in Rot ein goldenes Rundfenster in Form einer Rosette aus zwölf ringförmig durchbrochen auslaufenden Strahlen, das Kreiszentrum mit einer goldenen sechsblättrigen heraldischen Rose belegt.“
  8. Wappenbeschreibung: „Durch einen beiderseits eingeschweiften silbernen Balken von Blau und Rot geteilt. Oben ein silberner Kranich im Flug, unten ein kreisrundes silbernes Kirchenfenster mit schwarzen, eine sechsteilige Rosette bildenden Stegen. “
  9. Wappenbeschreibung: „In Gold über einer unterhalben roten Rosette ein mit vierblättriger weißer Blüte belegtes rotes Herz.“
  10. Wappenbeschreibung: „Von Grün und Silber (Weiß) geteilt; oben die Zierform eines silbernen (weißen) stehenden Fächers (Palmette) mit dreizehn oben gerundeten Lamellen, deren erste und letzte unten schneckenförmig eingerollt sind; unten die untere Hälfte eines zerbrochenen roten Richtrades mit fünf spitz über den Radkranz hinausragenden Speichen.“
  11. Wappenbeschreibung: „In Rot silbern eine kreisrunde gotische Stahlschnittrosette, inwelcher durchbrochen ein Dreischneuß ein in sphärischem Dreieck von drei stehenden Dreiblättern umgebenes liegendes Dreiblatt umschließt.“
  12. Wappenbeschreibung: „Geteilt von Rot und Weiss, belegt mit sechsblättriger (Bärlauchblüten-)Rosette und sechs die Staubgefässe darstellende Kreise zwischen den Blättern in gewechselten Farben“
  13. Wappenbeschreibung: „Durch eine eingeschweifte, gesenkte Spitze mit den bayerischen Rauten gespalten von Schwarz und Gold; vorne eine goldene Rosette, hinten eine blaue Lilie.“
  14. Wappenbeschreibung: „Unter silbernem Schildhaupt, darin ein roter Balken, durch eine eingeschweifte silberne Spitze, darin ein blaues Ulrichskreuz, gespalten von Schwarz und Blau, vorne eine goldene Rosette, hinten eine goldene Bügelkrone mit roten Steinen.“
  15. Wappenbeschreibung: „Über silbernem Schildfuß, darin ein mit drei silbernen Majuskeln „P“ belegter schwarzer Balken, gespalten von Rot und Schwarz, vorne ein halber goldbewehrter silberner Adler am Spalt, hinten eine goldene Rosette.“
  16. Wappenbeschreibung: „Gespalten von Gold und Schwarz, vorne über einem roten Malteserpatriarchenkreuz eine gestürzt fliegende silberne Taube, hinten eine goldene Rosette. “
  17. Wappenbeschreibung: „Geteilt von Gold und Schwarz, oben zwei schräg gekreuzte schwarze Palmenzweige, unten eine goldene Mitra mit hochgelegten Bändern und aufgelegter Rosette.“
  18. Wappenbeschreibung: „Über blauem Wellenschildfuß, darin eine vierblättrige goldene Rosette, ein auf einem nach oben gekrümmten roten Balken stehender, herschauender schwarzer Löwe.“
  19. Wappenbeschreibung: „Durch eine Wellenlinie schräg geteilt; vorne eine goldene Rosette auf Schwarz; hinten ein roter Wellenbalken auf Silber.“
  20. Wappenbeschreibung: „In Silber eine zweitürmige, rote Kirche mit gequadertem Mauerwerk als Unterbau und einem mit einer schwarzen Rosette belegten offenen Doppelbogenportal. Die Türme sind mit je vier schwarzen Fenstern sowie mit bezackten, beknauften und bekreuzten Spitzdächern versehen. Zwischen den Türmen ein wachsender, schwarzbekleideter und behüteter Mönchsrumpf.“
  21. Wappenbeschreibung: „In Rot über einer durchgehenden, gezinnten, schwarz gefugten silbernen Rundmauer ein stilisierter silberner Dom mit vier spitzbedachten, golden beknauften Türmen; die mittleren Türme etwas erhöht und belegt mit einem offenen, von einem goldenen Kreuz bekrönten gotischen Kirchenportal mit linearer schwarzer Rosette; die äußeren Türme mit je drei, die mittleren mit je zwei schwarzen Rundbogenfensteröffnungen nebeneinander. Im offenen Portal auf einem Altar mit damaszierter Goldener Decke das golden nimbierte schwarzhaarige Haupt Johannes des Täufers auf einer goldenen Schale.“
  22. Wappenbeschreibung: „In Rot hinter einer durchgehenden runden schwarz gefugten silbernen Zinnemauer eine silberne Kirche; die Türme mit blauen, an den Seiten jeweils mit einer gestielten goldenen Kugel besetzten Spitzdächern und schwarzen Bogenfenstern (2:1); zwischen den Türmen ein schwarzes Tor unter spitzem Dach, darüber ein mit einem goldenen Kreuz gekrönter gewölbter Giebel mit zwei schwarzen Bogenfenstern und einer dreiblättrigen schwarzen Rosette; zu beiden Seiten der Kirche hinter der Mauer je eine silberne Pappel.“