Schienen (Adelsgeschlecht)

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Wappen der Herren von Schienen
 
1335/1345:
(aus der Züricher Wappenrolle, hier: nach Runge, 1866)
 
1450-1480:
(nach dem Scheiblerschen Wappenbuch)

Die Herren von Schienen (auch Herren von Schinen, Schynen, Scheinen, Schynau, Schünau, Schinau, Schienau, Schinav, Schinow, Schÿnow, Schenna, Schemen oder ähnlich) waren ein schwäbisches Reichsrittergeschlecht, Ministerialen des Klosters Reichenau und Mitglied bei der Gesellschaft zum Leitbracken.

Geschichte

Im Jahre 1211 wurde das Geschlecht zuerst urkundlich erwähnt. Mit Georg Rudolf von Schienen erlosch das Geschlecht im Jahre 1638 im Mannesstamm, in weiblicher Linie 1676.[1]

Ein Eintrag im Kirchenbuch besagt: 1638, 19. Dezember ist zu Schrotzburg (auf dem zur Burg gehörigen Hof?) andächtig verschieden Junker Rudolph von Schinen seines Stammes und Namen der letzte.[1]

Der ursprüngliche Stammsitz der Herren von Schienen ist unklar.

„Von einer Burg Schienen findet sich nirgends eine Spur mehr, und es läßt sich mit Wahrscheinlichkeit behaupten, daß sie schon früh abging, indem sie im Jahre 1441 nicht unter den Burgen genannt ist, auf denen sich die Edelleute von den Reichsstädtern enthielten.“

Ottmar Friedrich Heinrich Schönhuth (1851)[2]

Ausbreitung und Besitzungen

Ruine Schrotzburg (Lage47.7029166666678.8992888888889) mit Infotafel bei Schienen

Die Besitzungen der Herren von Schienen lagen primär im Ritterkanton DonauW-Logo.png. Nach Otto von Alberti waren die Herren von Schienen in folgenden Oberämtern begütert:[3]

Sie waren „mit dem Meieramt über die Güter des Klosters ReichenauW-Logo.png“ beauftragt und besaßen die Zehntrechte zu Überlingen am RiedW-Logo.png, in Bankholzen, in MoosW-Logo.png und in Weiler.[4] In der Literatur und in regionalen Veröffentlichungen von GeschichtsvereinenW-Logo.png werden unter anderem folgende Lehen, Höfe, Güter, Besitzungen et cetera kolportiert:

SchienenW-Logo.png Das Adelsgeschlecht wurde nach dem Ort Schienen benannt (heutiger Ortsteil der Gemeinde Öhningen im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg in Deutschland an der Grenze zur Schweiz); die Herren von Schienen waren Besitzer der in der Nähe des Ortes liegenden Burg SchrotzburgW-Logo.png (Lage47.7029166666678.8992888888889). 1441 wurde die Schrotzburg (vom schwäbischen StädtebundW-Logo.png als „Raubnest“ bezeichnet) drei Tage belagert und nach der Aufgabe durch die fliehenden Verteidiger niedergebrandt. Die Angreifer zerstörten die Burg noch weiter und verwüsteten das Dorf Schienen.

1333 verabredete ein Ulrich von Schienen und die Probstei Schienen eine Stiftung und „im Jahre 1369 stellt Kuenz von Schienen der Probstei einen Revers aus.“[2] „In Schienen, waren sie auch Lehnsherren über den Kehlhof, über die Mühle in Schienen, über den Hof Bühlarz und den Hof Unterbühl.“[4]

ÖhningenW-Logo.png In Öhningen und in WangenW-Logo.png bei Öhnigen besaßen die Herren von Schienen Eigengüter[4]
DiessenhofenW-Logo.png

„Ein H. de Schynau wird im Jahre 1338 Bürger zu Diessenhofen, desgleichen ein H. de Schynow im Jahre 1350 (..)“

Ottmar Friedrich Heinrich Schönhuth (1851)[2]
GamerschwangW-Logo.png 1435 erhielten die Herren von Schienen Gamerschwang bei Ehingen und werden daher in der Literatur teilweise als „Herren von Gamerschwang“ angesprochen. Nach der Niederbrennung der Schrotzburg siedelten die Herren von Schienen zwischen 1450 und 1604 in Gamerschwang (aber auch in Radolfzell)
Moosbeuren
(OberstadionW-Logo.png)
Zwischen 1425 und 1591 war der Ort Moosbeuren im Besitz der Herren von Schienen:

„Zwischen 1375 und 1425 übergab Jopp von Halle, Bürger zu Ulm (..) seiner Tochter Ursula von Halle und seinem Schwiegersohn Ulrich von Schienen (nach 1435 „von Gamerschwang“ genannt) anstelle einer Mitgift Moosbeuren nebst Hausen und Rusenberg. Der Ort muss den damals recht finanzschwachen Herren von Stadion entglitten sein. 1571 steht den Herren von Schienen hohe und niedere Obrigkeit über Schloss und Dorf Moosbeuren unter der Bedingung zu, dass sie die genannten Güter samt Blutbann, Stock und Galgen von Österreich und der Landvogtei Schwaben zu Lehen nehmen würden. Mit Sebastian von Schienen vom Schienerberg starb 1591 der Moosbeurer Zweig dieser Familie aus;“

Gemeinde Oberstadien: Moosbeuren (2018)[5]
ÖpfingenW-Logo.png Lehensreverse über Höfe/Güter im Staatsarchiv Ludwigsburg; 1461 kaufte Ulrich von Schienen Güter in Öpfingen von Marquard von Öpfingen.
RuppertshofenW-Logo.png Zwei Güter; Lehensreverse im Landesarchiv Baden-Württemberg. 1447: Ulrich von Schienen; 1463: Sixt und Conrad von Schienen; 1496: Haug von Schienen; 1526/1528 Wernher und seine Brüder Sixt Wernher und Job Wernher von Schienen; um 1576: nicht mehr in Nutzung der Familie.
BuchW-Logo.png Johann und Konrad von Schienen verkaufen im Jahre 1391 dem Stift Schienen ihren Hof zu Buch um 125 Pfund Heller“[2]

Wappen

 
um 1460: von schynow (nach Berliner Wappenbuch)
 
um 1480: von Schemen (nach Grünenberg)

Das Wappen der Herren von Schienen variiert in der Gestaltung durch die Jahrhunderte.

  • In der Züricher Wappenrolle von 1335/1345 erscheint in Blau ein achteckiger goldener Stern, belegt mit einem silbernen Dreiberg. Auf dem Helm (mit goldener Helmhaube, ohne Decken) ein rotes Kissen, darauf der Stern wie im Schilde, die nicht ruhenden sieben Strahlen je mit einem schwarzen Hahnenbusch besteckt.[6]

Im 15. Jahrhundert wird im Schild aus dem achstrahligen Stern ein sechstrahliger, der nicht mehr mit einem Berg belegt ist, sondern sich auf dem Berg befindet. Je nach Wappenaufriss erscheint im Wappen ein anderer Berg (Dreiberg, Sechsberg, teils schwebend, teils als Heroldsbild im Schildfuß), andersfarbige Decken sowie eine Helmzier, die im Detail abweichend gestaltet ist. Das rote Kissen und der Berg in der Helmzier des 14. Jahrhunderts werden im 15. Jahrhundert durch einen blauen Hut mit silbernen Stulp (teils hermelin-gestulpt) ersetzt, der mit einem Stern besetzt ist (dessen Strahlen manchmal mit Hahnenfedern besteckt sind).

Die Darstellungen des Schienen-Wappens in Wappenbüchern (WB) des 15. Jahrhunderts können sich von Epitaphgestaltungen aus dem gleichen Zeitraum unterscheiden. Beispielsweise wurde 1960 eine Wandmalerei mit Schienen-Wappen „in einer breiten, stichbogig geschlossenen Nische in der Südwand“ der St. Genesius Kirche in Schienen wiederentdeckt, auf vor 1450 datiert „und 1997/98 unter Beseitigung schädlicher Zementkittungen letzmals restauratorisch gereinigt.[7] Die Wandmalerei zeigt unter anderem die vier Wappen von Konrad IV. von Scheinen und seinen Söhnen den Rittern Werher von Scheinen, Ulrich von Scheinen und Sixt von Scheinen, wobei sich 2018 die Farben ihrer Wappenschilde folgendermaßen darstellen: In Blau ein goldener (nicht silberner) Sechsberg, darauf ein roter (nicht goldener) sechstrahliger Stern.[Anmerkung 1]

15. Jhr. Grünenberg
(Mchn. WB) Grünenberg Herren von Schienen.jpg
Berliner
(Wappenbuch)00000230.jpg
St. Gallen
(Wappenbuch)Wappenbuch Rösch csg-1084 315.jpg
Ingeram
(Wappenbuch)Ingeram Codex 130.jpg
Scheibler
(Wappenbuch)Schönau Scheibler103ps.jpg
Wernigeroder
(Wappenbuch)Wernigeroder Wappenbuch 304.jpg
Wandmalerei
(Schienen)Epitaph Familie von Schienen.jpg
Schildbild
Bergform Sechsberg,
schwebend
Sechsberg Sechsberg Dreiberg Sechsberg,
schwebend
Sechsberg Sechsberg
Bergfarbe 
Silber

Silber

Silber

Silber

Silber

Silber
 od. 
Gold/Rot
Stern perspektivisch,
facettiert
zweidimensional,
-
zweidimensional,
-
zweidimensional,
-
zweidimensional,
facettiert
zweidimensional,
-
perspektivisch,
facettiert
Helmzier
Decken 
blau-silbern

blau-silbern

blau-silbern

blau-golden

blau-golden

blau-silbern
(unklar)
Hahnen­federn 0 (keine)  3
(nur oben)
 3
(nur oben)
 3
(nur oben)
 5
(rundherum)
 3
(nur oben)
(unklar)
Stulp ohne Pelz­werk Hermelin ohne Pelz­werk ohne Pelz­werk Hermelin ohne Pelz­werk (unklar)
Helm
Helmtyp Bügelhelm Bügelhelm Bügelhelm Bügelhelm Stechhelm Bügelhelm (unklar)
Helmfarbe 
Eisenfarbe

Silber

Silber

Silber

Eisenfarbe

Silber
 od. 
Gold/Rot
Spangen­farbe o. ä. 
Eisenfarbe

Gold

Gold

Gold
- 
Silber
-

Im 16. Jahrhundert erscheint der Berg im Wappen des Hans Konrad von und zu Schienen nicht mehr in Silber, sondern in Gold (vgl. dessen Epitaph von 1578). Und im 19. Jahrhundert, lange nachdem das Geschlecht derer von Schienen ausgestorben ist, vertauscht man die Farbgebung. So wird das Wappen des in der Schlacht von Sempach gefallenen Hug von Schienen in der Schlachtkapelle SempachW-Logo.png im Jahre 1886 nicht mehr in der tradierten Farbkombination aufgerissen: Statt in Blau einen silbernen/goldenen Berg zu zeigen, wird in Silber ein blauer Berg dargestellt.

Wappen mit Bezug zum Geschlecht der von Schienen

Das Wappenwesen kennt eine Reihe von Wappenderivaten mit Bezug zum Schiener Wappen. Beispielsweise wurde das Wappen der Vögte von PraßbergW-Logo.png und Summerau 1674 um das Wappen der Herren von Schienen vermehrt, als sie in den österreichischen Freiherrenstand erhoben wurden. Auch das Erscheinungsbild einiger Kommunalwappen lehnt sich an das Familienwappen derer von Schienen an oder übernimmt Bestandteile aus deren Wappen (zum Beispiel das ehemalige Kommunalwappen von Schienen und das Wappen von Öhningen).

Namensträger

  • Werner von Schienen (1410-1496),
    berühmter „Raubritter“: „Im Jahre 1441 wird Wernher von Schienen unter den Edelleuten genannt, welche den Reichsstädten ihr Gut auf dem UnterseeW-Logo.png raubten.“[2]
  • Sixt von Schienen
    („Herr Sixt von Schienen kommt vor als Mitglied des St. Jörgenschilds im Jahre 1487 und 1488. Mit Anna von Hohenlandenberg zeugte er den Sixt von Schynow, der im Jahre 1512 lebte und mit Waldburga von Stadien eine Tochter, Maria Jakobe, zeugte.“)[2]
  • Konrad von Schienen
    („einer der Letzten des Geschlechts war Konrad von Schienen, der im Jahre 1563 lebte.“)[2]

Paraheraldik

Parawappen mit dem Wappen derer von Schienen

Obwohl das Schienen-Geschlecht seit Jahrhunderten ausgestorben ist, dient deren Wappen abgewandelt bis heute als Identifikationsmotiv für den gleichnamigen Ort. Zum 1. Mai und Vatertag 2018 warben beispielsweise Veranstalter mit einem Plakat für ein Burgfest bei der Ruine Schrotzburg. Es zeigte unter anderem ein Parawappen mit der natürlichen Burg Schrotzburg vor natürlichem Hintergrund als frei erfundene Fiktion (das historische Aussehen der Burg ist nicht belegt), oben rechts vom Wappen der Herren von Schienen (nach der Züricher Wappenrolle) und oben links vom Ortswappen Schienen begleitet, darüber im golden bordierten blauen Schildhaupt in Fraktur gesetzt der Text „Schrotzburg“. Als Armatur erschienen hinter dem Parawappenschild zwei goldene, schrägkreuzweise gestellte Trompeten.

Weblinks

 Commons: Wappen der Familie von Schienen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Gerfried Schellberger: Der Wallfahrtsort Schienen im Spiegel der Geschichte, 750–2000. Kleine Geschichte eines Dorfes, eingebettet in die große Geschichte seines Landes. 2 Bände. Öhningen 2006–2008, ISBN 3-00-017825-2.
  • Mathias Köhler: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Genesius in Schienen. Lindenberg 2005, ISBN 3-89870-214-6.
  • Herbert Berner (Hg.): Öhningen 1988. Beiträge zur Geschichte von Öhningen, Schienen und Wangen. Singen 1988, ISBN 3-921413-85-0.
  • Peter Greis: Aus alter Zeit. Öhningen, Schienen, Wangen. Konstanz 1991, ISBN 3-87685-133-5.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Informationstafel: Öhningen. Schrotzburg, Frankenburg und Burg Kastenbühl. 12. Mai 2018.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Ottmar Friedrich Heinrich Schönhuth: Neuer Führer um den Bodensee und zu den Burgen des Höhgaus. Stettner. 1851. S. 167 ff.
  3. Otto von Alberti (Begr.): Württembergisches Adels- und Wappenbuch. Kohlhammer, Stuttgart 1889–1916. S. 685. (Digitalisat)
  4. 4,0 4,1 4,2 Freie Reichsritterschaft Sankt Georgenschild e. V. bzw. Die Hegauritter e. V.: Die Schrotzburg. Abgerufen am 30. Oktober 2020 (erstellt zwischen 2008 und 2013).
  5. Gemeinde Oberstadien: Moosbeuren. Abgerufen am 30. Oktober 2020.
  6. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 2. Abteilung; Abgestorbener Württemberger Adel; Verfasser: G. A. Seyler; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1911. Seite 231 (Tafel 129)
  7. Mathias Köhler: Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Genesius in Schienen. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg. 2005. S. 19-20, 24. ISBN 3898702146

Anmerkung

  1. Ein Foto im Werk Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Genesius in Schienen von Mathias Köhler von 2005 zeigt die Wappen der Wandmalerei nicht einheitlich tingiert. Einerseits erscheint dort das Wappen von Konrad IV. mit einem goldenen Stern auf einem naturfarbenen Berg; beim Wappen seines ersten Sohnes hat es den Anschein, als ob ein goldener Stern auf einem goldenen Berg zu sehen ist und die Wappen der anderen beiden Söhne zeigen jeweils einen roten Stern auf einem goldenen Berg. Ob die Farbgebung mit der Buchreproduktion zusammenhängt, Folge eines anderen Prozesses ist oder die Söhne tatsächlich anders tingierte Wappen führten als der Vater, ist unklar. Welche Tinkturen ursprünglich für die Wappen verwendet wurden, welche nachträglich aufgetragen wurden, ist wissenschaftlich noch zu klären.