Vigil Raber

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Sterzing: Geburtshaus des Vigil Raber (Bild: Matthias Süßen, 2017)

Der Maler Vigil Raber (* um 1490 in Sterzing, Südtirol; † vor 14. Dezember 1552 ebenda[1]) ist wegen seiner Tätigkeiten als Autor, Sammler, Verleger und Spielleiter von weltlichen und geistlichen Theaterstücken sowie wegen eines von ihm erstellten Wappenbuchs bekannt.

Leben

Vigil Raber, „Universalkünstler der FrührenaissanceW-Logo.png[2], wurde in Sterzing im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts als Sohn eines Bäckers geboren. Zunächst besuchte er vermutlich die Sterzinger Lateinschule, dann erlernte er den Malerberuf. Von 1510 bis 1522 arbeitete er in Bozen als Maler und Restaurator. Ab 1524 lebte Vigil Raber mit Unterbrechungen wieder in seiner Heimatstadt Sterzing, wo er weiterhin als Maler arbeitete. Raber starb wahrscheinlich 1552.[3]

Werk

Von Rabers Arbeit als Maler ist wenig erhalten, das ihm eindeutig zugeordnet werden könnte.

Spielwesen

Im Lauf seines Lebens sammelte er zahlreiche geistliche und weltliche Spiele, u. a. die Bozener EmmausspieleW-Logo.png, die er abschrieb und zum Teil auch selbst bearbeitete und erweiterte.[4] Daneben agierte er auch als Spielleiter und Schauspieler. Raber wirkte nicht nur an Spielen in Bozen und Sterzing mit, sondern auch in Klausen (Südtirol), Trient und Cavalese im Fleimstal.

Heraldik

Raber erstellt über viele Jahrzehnte ein nach ihm benanntens Wappenbuch (Titelblatt von 1522, rund 450 Blätter, 30x21 Zentimeter, in schwarzem Lederband) mit

„(..) über 7500 Wappen, von denen aber viele doppelt sind, weil Konzept und Reinschrift zusammengebunden wurden (..) Auf S. 278 die wichtigste Bemerkung, daß im Jahre 1548 in der Herberge auf dem Arlberg fünf verwahrloste Bruderschaftsbücher lagen, aus denen Raber Wappen kopierte. Er entnahm aber leider nur Wappen und Namen; die Beiträge, Jahreszahlen, Urkunden und kulturwissenschaftlich wichtigen Einträge ließ er unberücksichtigt, wie denn überhaupt der weitaus größte Teil seiner Sammlung anderen und späteren Quellen entnommen ist.“

Siebmacher's Grosses Standardwerk. Band D. Beiträge zur Geschichte der Heraldik (1939/1972)[5]

Beispiele für Wappendarstellungen aus Rabers Wappenbuch:

  • Virgil Raber: Wappenbuch der Arlberg-Bruderschaft. 1548, fol. 220. Klassik Stiftung Weimar Herzogin Anna Amalia Bibliothek, mit 7244 Wappen. A° 1679 Ag. 14 Nouember habe ich (...) von vatter (...) Seliger diesen waben buch bekommen welches ich mit mein Eingen (!) hant gezelt habe sind in allen waben gezelt worten 7244 große und klein (...)
  • Sterzinger Spiele. Nach Aufzeichnungen des Vigil Raber. Herausgegeben von Oswald ZingerleW-Logo.png. 2 Bde.: 1. Fünfzehn Fastnachts-Spiele aus den Jahren 1510 und 1511. 2. Eilf Fastnachts-Spiele aus den Jahren 1512–1535. Wien 1886. (Wiener Neudrucke 9 und 11).
  • Die geistlichen Spiele des Sterzinger Spielarchivs. Bearbeitet von Walther LipphardtW-Logo.png und Hans-Gert RoloffW-Logo.png. 6 Bände, Bern u. a., Lang-Verlag 1981–1996.

Literatur

  • Josef Eduard Wackernell: Raber, Vigil. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 53, Duncker & Humblot, Leipzig 1907, S. 182–184.
  • Norbert H. Ott: Raber, Vigil. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, S. 70 f. (Digitalisat).
  • Vigil Raber. Zur 450. Wiederkehr seines Todesjahres. Herausgegeben von Michael Gebhardt und Max Siller. Innsbruck, Wagner 2004. (Schlern-Schriften 326). ISBN 978-3-7030-0388-2
  • Susanne Siebert: Raber, Vigil. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 1173–1175.
  • Harwick W. Arch: Vigil Rabers Sterzinger Wappenbüchl: Forschungen der Abteilung für Mittelalterliche und Neuzeitliche Archäologie am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Innsbruck (= Nearchos. Beiheft 5). Golf-Verlag, Innsbruck 1999, ISBN 3-900773-22-X (80 S., literature.atDazu: HS 29 - Liste unbekannten Inhalts).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Norbert H. Ott: Raber, Vigil. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, S. 70 f. (Digitalisat).
  2. Raimund von KlebelsbergW-Logo.png (Hrsg.): Festschrift zu Ehren Konrad Fischnalers. Wagner, Innsbruck 1927. (Schlern-Schriften 12), S. ?.
  3. Susanne Siebert: RABER, Vigil. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 1173–1175.
  4. Hannes ObermairW-Logo.png: The Social Stages of the City. Vigil Raber and Performance Direction in Bozen/Bolzano (Northern Italy) – a Socio-historical Outline. (PDF; 155 kB) In: CMA. Band 7, 2004, S. 193–208
  5. E. Frhr. v. Berchem, D. L. Galbreath, Otto Hupp: Siebmacher's Grosses Standardwerk. Band D. Beiträge zur Geschichte der Heraldik. Neustadt a/d Aisch. 1939/1972. S. 24.


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Vigil_Raber“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 18. April 2016 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.