Wiedehopf (Wappentier)

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1394-1420: Wiedehopf (Wappen Wiehoph, nach Wappenbücher von St. Christoph auf dem Arlberg)
Wiedehopf in der Natur

Der Wiedehopf (auch veraltet und umgangssprachlich Hupup, Puvogel, Hoppevogel, Krammetsvogel, Langwiede, Wehdwinde, Hupatz oder anders genannt; frz.: huppe; engl.: hoopoe, griech.: epops; lat.: upapa) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

Erkennbar ist der Wappenvogel an der typischen langen aufgerichteten Federhaube auf seinem Kopf, deren Enden gewöhnlich in einen schwarzen Abschluss auslaufen (auch wenn dabei die heraldischen Farbregeln verletzt werden). Weitere heraldische Kennzeichen sind ein langer, gebogener Schnabel und gegebenenfalls in den heraldischen Farben gebänderte, kontrastreiche Flügel (wobei ebenfalls kleinere Verstöße gegen die Farbregeln geduldet sind). Die gemeine Figur Wiedehopf erscheint in der Regel in der Seitenansicht, dabei teils schwebend, teils auf einer Sitzgelegenheit (Dreiberg, Zweig/Ast/Baumstumpf, Palisadenzaun). Die Hauptblickrichtung geht nach heraldisch rechts. Andere Blickrichtungen sind zu melden.

Der Wiederhopf tritt im Wappenschild, aber auch im Oberwappen in Erscheinung. In der neueren Heraldik erfolgt die Tingierung nicht immer in den heraldischen Farben (wobei Gold, Rot oder Silber bevorzugt sind), sondern in Naturfarbe, insbesondere wenn die Figur im Oberwappen dargestellt wird.

Verbreitung

Wiedehopf
(gemäß Siebmacher)
Wiedehopf im Wappen der Familie Poppendorf (gemäß Siebmacher)

Einen Wiedehopf führten in der einen oder anderen Form (in der Helmzier oder als gemeine Figur im Schild) zum Beispiel die Familien Dudy[1], Haan[2], Hopf (Oberstetten-Weikersheim)[3], Hopf[4], Hopital[5], Hupp[6], Hüppe[7], von der Mühll[8], Poppendorf[9] und andere.

Wiedehopf (Tafel XX. Fig. 5.): kommt unseres Wissens in den Wappen der Poppendorf (Oesterreich), Klauer in Hessen und Hopfnets in Bayern vor.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[10]

Max Grube führt in seinem Beitrag „Der Wiedehopf als Wappentier“ noch folgende Familien an:

Hupe, Diedrich, gest. 1498, war Ratsherr in Lübeck und führte in Gold auf grünem Boden oder Zweig einen natürlichen Wiedehopf (Siebmacher III, 3 hat irrtümlich eine Gans gezeichnet), auf dem Helm eine wachsenden Mannesrumpf.
Bänhop, Nikolaus, 1787 in Lübeck, führte im Schilde den Hupup.
Kapup, ein im 14. Jahrhundert in Perleberg, im 16. und 17. Jahrhundert in Köslin als Patrizier bezeichnetes Geschlecht, führte im Schild und auf dem Helm den Wiedehopf. Hier könnte neben dem Namensklang auch die Kappe, welcher der Vogel auf dem Kopf trägt, zu seiner Wahl veranlaßt haben.
Köhnen, Katharina, gestorben 1587, Gattin des lübeckischen Bürgermeisters Johann Brokes, führte im Schild und auf dem Helm den Wiedehopf. Da hier auch bei bestem Willen keine Namensähnlichkeit zu entdecken ist, muß ein anderer Grund zur Wappenwahl vorgelegen haben. Der ist auch unschwer zu finden, wenn man beachtet, daß die Mutter der Katharina Köhnen eine geborene Hupe war. Der Verfertiger der bronzenen Grabplatte des Bürgermeisterehepaars, von der wir das Wappen allein kennen, hat mangels eines väterlichen Wappens bei der Katharina Köhnen auf ihr mütterliches zurückgegriffen, dabei aber doch den Unterschied gemacht, daß er ihr die Schildfigur und nicht das Hupesche Mannsbild als Helmschmuck gegeben hat.
Wedemhof, aus Westfalen nach Lübeck gekommenes Geschlecht. Das Wappen begnügt sich nicht mit einem einfachen Wiedehopf, sondern es setzt ihn auf einen Weidenbaum, der von einem Palisadenzaun umgeben ist, auf dem Helm wiederholt sich der Baum mit dem Vogel. Es ist also ein zweifach redendes Wappen entstanden, zum ersten der Weidenhof und zum anderen der Wiedehopf, beide nicht ganz genau den Namen deckend, aber doch offenbar der bürgerlichen Heraldik jener Zeit genügend.“

Max Grube (1916)[11]

Wappenbilderordnung

Paraheraldik

Der Dortmunder Stadtteil BrechtenW-Logo.png zeigt traditionell ein wappenartiges Zeichen („Parawappen“), in dem zwei Wiedehöpfe in Naturfarbe erscheinen. Das Motiv wird als Symbol für die beiden Brechtener Teile Unter- und Oberdorf interpretiert, findet sich in einem Straßennamen und auch im Vereinswappen des SV Brechten e. V.

Symbolik

Außerhalb der Heraldik symbolisiert der Wiedehopf Unterschiedliches:

  • Er gilt in der rabbinischen und der islamischen Literatur (zum Beispiel Koran 27:20+28) als Liebesbote, gemäß einer Legende, die von einem Wiedehopf erzählt, der zwischen König Salomon und der Königin von Saba hin und her pendelt („Salomonvogel“, persisch morgh-e Soleymān).
  • Die Bibel zählt an ein, zwei Passagen den Wiedehopf zu den unreinen Tieren, die nicht gegessen werden sollten.
  • Bevor man sich dem Islam zuwandte, war der Wiedehopf den Inguschen und Tschetschenen ein heiliger Vogel und ein Symbol für TusholiW-Logo en.png, der Göttin des Frühlings, der Fruchtbarkeit und Geburt.
  • Der Wiedehopf wurde in Deutschland Vogel des JahresW-Logo.png 1976.
  • Der Wiedehopf ist seit dem 29. Mai 2008 der Nationalvogel Israels[12].

„Wiedehopf (..) Zugvogel der Mittelmeerländer, der als unreinlich galt, weil er aus dem Dung Larven herauspickt, ebenso als Feind der Bienen.

Nach Ovids »Metamorphosen« war er ein thrakischer König (TereusW-Logo.png), der in einen Vogel verwandelt wurde, weil er Untaten begangen hatte (seine Gattin Philomele, die er mit dem gezogenen Schwert verfolgte, wurde zur Nachtigall).

Ihm wurde in der Antike die auch in der mitteleuropäischen Sagenwelt bekannte »Springwurzel« zugeschrieben, die alle Schlösser öffnen kann, und man brachte ihn mit dem Wachstum der Weinreben in Verbindung.

Im frühchristlichen »PhysiologusW-Logo.png« heißt es, daß Jungvögel ihren greisen Eltern die alten Federn ausreißen und ihnen die trüben Augen belecken, bis die alten Vögel wieder jung werden. Sie sagen zu ihren Eltern: »Wie ihr uns als Junge aufgezogen und euch bis zur Erschöpfung gemüht und uns gefüttert habt, so tun wir euch dasselbe. Wie können Menschen so verständnislos sein, nicht ihre eigenen Eltern zu lieben, die sie versorgen und in der Herzenserkenntnis erziehen?« Diese Geschichte ist auch im mittelalterlichen Tierbuch (»BestiariumW-Logo.png«) enthalten, wo es jedoch auch heißt, der Wiedehopf sei ein schmutziger Vogel, der im Kot herumwühle, und damit ein Symbol der Sünder, die sich hartnäckig am Schmutz der Sünde ergötzen. Außerdem soll er die Traurigkeit lieben, und diese bewirke »den Tod des Geistes«.“

Knaurs Lexikon der Symbole (1989/1994/1998)[13]

Namensherleitung

„Der deutsche Name hat weder mit WiedeW-Logo.png noch mit hüpfen oder, wie trivialetymologisch ebenfalls oft vermutet wird, mit Schopf etwas zu tun. Am wahrscheinlichsten ist ein althochdeutsches, lautmalerisches wūthūp als Ursprung anzunehmen. Die ahd. Bezeichnung ist jedoch bereits wituhopfa (mhd. wit(e)hopfe, widhopfe, altsächsisch widohoppa), in dem ein altes Wort für „Holz, Baum“ (vgl. altenglisch widu, wudu, anord. viðr, altirisch fid) enthalten ist, möglicherweise schon in dieser Zeit volksetymologisch. Der wissenschaftliche Gattungsname ist ebenfalls onomatopoetischer Natur; epops ist der altgriechische Name des Vogels, upupa der lateinische. Weitere etymologisch anschließbare deutsche Namen sind Hoppevogel, Puvogel sowie das schlesisch/ostpreußische Huppup (vgl. a. ndl. hop, afrikaans hoephoep, engl. hoopoe und frz. huppe) und das niedersorbische Hubbatz/hupac. Die Herleitung der Schlachtrufe „Hipp hipp“ bzw. „Hup hup“ oder „Hopp hopp“ (im englischen, niederländischen und deutschen Sprachraum) aus dem Ruf des Wiedehopfes ist zwar weit verbreitet, aber möglicherweise ebenso volksetymologisch.“

Wikipedia (2013)[14]

Weblinks

 Commons: Wiedehöpfe in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Wiedehopf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise und Literatur

  1. Deutsche Wappenrolle: Band VI. Seite 39.
  2. Allgemeine Deutsche Wappenrolle: Band XV (1999 - 2001). Seite 115.
  3. Allgemeine Deutsche Wappenrolle: Band III. Nr. 80310.
  4. Allgemeine Deutsche Wappenrolle: Band V (1983). Seite 271.
  5. Rietstap: Pl. CCXXII. H.
  6. Deutsche Wappenrolle: Band: XXVII. Seite 20.
  7. Allgemeine Deutsche Wappenrolle: Band XI (1989). Seite 348.
  8. Wappenbuch der Stadt Basel
  9. Bartsch, Zacharias: Steiermärkisches Wappenbuch
  10. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  11. Max Grube: Der Wiedehopf als Wappentier. In: Herold 47. 1916. S. 63.
  12. Boten in einer geschundenen Welt: Vögel ohne Grenzen, Nationalvogel Wiedehopf „(…) Die Israelis, die den Nationalvogel gewählt haben - darunter Kinder, Soldaten, Akademiker und Knesset-Abgeordnete -, lehnten die Wahl eines Raubvogels (vor allem des vom Aussterben bedrohten Gänsegeiers) ab, da sie nicht an einem kämpferischen Image interessiert waren. Und auch die Eule wurde abgelehnt, da sie nach arabischem Glauben Unglück bringt. (…) Die Idee, dass Vögel als Boten in einer geschundenen Welt fungieren können – wie die Taube und der Rabe, die von Noah ausgesandt wurden –, hat Israels Entscheidung motiviert, als Teil des Gedenkens an die Staatsgründung vor 60 Jahren einen Nationalvogel anzunehmen. Auf Hebräisch lautet der Name des Vogels ‚duchifat’, auf arabisch ‚hud hud’. Und sein englischer Name ‚hoopoe’ klingt, wie Emily Dickinson bemerkt hat, nach ‚hope’ (Hoffnung). (…)“; Jonathan Rosen, Haaretz, 13. Juni 2008
  13. Lexikon der Symbole: Wiedehopf. Knaurs Lexikon der Symbole. Vgl. LdS, S. 483. 1989/94/98. S. 1193.
  14. Seite „Wiedehopf“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. November 2013, 11:04 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wiedehopf&oldid=124386345 (Abgerufen: 20. November 2013, 17:08 UTC)
  • Bernhard KoernerW-Logo.png: Der Wiedehopf als Wappenvogel. In: „Der deutsche Roland“ 8. 1920. S. 203.