Goliardischer Orden

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein goliardischer Orden (italienisch: ordine goliardico) ist eine studentische Traditionsvereinigung in Italien, die in gewisser Weise den im deutschsprachigen Raum verbreiteten Studentenverbindungen entspricht. Es gibt zurzeit (Stand 2002) etwa 80 Vereinigungen dieser Art in allen Teilen des Landes in etwa 25 Universitätsstädten, vorwiegend jedoch in Nord- und Mittelitalien (Bologna, Modena, Padua, Florenz, Turin, Triest). In letzter Zeit strahlt die Bewegung auch in die italienischsprachigen Teile der Schweiz (Tessin und Graubünden) aus.

Die Erscheinung des studentischen Verbindungswesens insgesamt wird in Italien auch mit dem Abstraktwort goliardia benannt.

Die goliardischen Orden haben sowohl männliche als auch weibliche Mitglieder.

Geschichte

Während die Bewegung ihren Ursprung im Jahre 1888 in Bologna anlässlich der 800-Jahr-Feier der dortigen Universität genommen hat, sind doch die meisten der heute bestehenden Orden zwischen 1946 und 1950 entstanden.

Organisation

In der Regel gibt es an den Universitätsorten einen Dachorden (ordine sovrano), der etwa zehn einzelne Orden (ordini vassalli) am Ort oder in unmittelbarer Nähe unter sich vereinigt.

Der Vorsitzende eines Ordens trägt einen Titel wie Pontefice („Pontifex“), Conte („Graf“) oder Gran Maestro („Großmeister“). Ihm stehen Stellvertreter, Schatz- und Zeremonienmeister zur Seite.

Eine organisatorische Einbeziehung der ehemaligen Studenten (vecchi, deutsch: „die Alten“) gibt es bei den goliardischen Orden nicht, obwohl vereinzelt auch Ehemalige an Veranstaltungen teilnehmen.

Eine Ausnahme bildet der Sovrano Ordine dei Clerici Vagantes, der im Jahre 1962 als überregionale Organisation mit lebenslanger Mitgliedschaft gegründet wurde.

Literatur

  • Bologna University Press (Hrsg.), Gaudeamus igitur, studenti e goliardia 1888–1923, Bologna 1995
  • G. Boschetti, Storie della goliardia bolognese dall´orbace alla contestazione, Bologna 1988
  • M. Bortolotti, Studenti e goliardia, Museo degli Studenti, Bologna 1997
  • G. Gottwals, Der Sprachgebrauch der ordini goliardici (Abschlussarbeit), Heidelberg 1998
  • G. Gottwals, Ordini goliardici, in: GDS-Archiv für Hochschul- und Studentengeschichte, Band 4, Köln 1998, S. 168–170
  • G. F. Moscatelli, La goliardia in Bologna dal 1945 al 1996, Bologna 1996
  • Il Punto (Hrsg.), I canti goliardici, Edizione Biblioteca P., Turin 1997
  • U. Volpini, La Goliardia, canti e tradizioni, Neapel 1994.

Weblinks

Quellenhinweis

Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Goliardischer_Orden“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 01. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.