Nürnberger Trichter

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Mit dem Nürnberger Trichter wird eher scherzhaft eine mechanistische Weise des Lernens und Lehrens bezeichnet. Damit ist vor allem die Vorstellung verbunden, ein Schüler könne sich mit dieser Form von Didaktik Lerninhalte einerseits fast ohne Aufwand und Anstrengung aneignen und ein Lehrer andererseits auch dem „Dümmsten“ alles beibringen.

Etymologie

Das geflügelte Wort „Nürnberger Trichter“ geht auf den Titel eines Poetiklehrbuchs des Begründers des Pegnesischen Blumenordens und Nürnberger Dichters Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658) zurück, das unter dem Titel Poetischer Trichter. Die Teutsche Dicht- und Reimkunst, ohne Behuf der lateinischen Sprache, in VI Stunden einzugießen [1] 1647 in Nürnberg erschien. Auf Grund der Verbreitung des Werks wurde der Ausdruck „Nürnberger Trichter“ eine gängige Redewendung.

Die übertragene Redewendung etwas eintrichtern oder etwas eingetrichtert bekommen ist noch älter als das Bild des „Nürnberger Trichters“; sie ist wohl zuerst in der Sprichwörtersammlung von Sebastian Franck aus dem Jahr 1541 – noch ohne einen Bezug auf die Stadt Nürnberg – belegt.[2]

Trivia

Zugleich ist Nürnberger Trichter auch der Name einer 1909 in Nürnberg gegründeten Karnevalsgesellschaft, siehe Nürnberger Trichter Karnevalsgesellschaft. Sie verleiht jährlich den Goldenen Trichter an namhafte Persönlichkeiten.

Literatur

  • Franz Kaiser: Der Nürnberger Trichter. Bilder v. Emeli Werzinger. Nürnberg: Sebaldus-Verlag, 1946, 12 Bl., IDN: 354205862.
  • Hans Recknagel, Rolf Veit: Wagenseils Nürnberger Trichter. Zur Geschichte einer Redensart. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft e.V., Heft 1, 2001, S. 571–581.
  • Dagmar Hirschfelder: Der „Nürnberger Trichter“ – Ein Allheilmittel gegen die Dummheit? In: KulturGUT – Aus der Forschung des Germanischen Nationalmuseums, Heft 8, 2006, S. 3–5.

Quellen

  1. Georg Philipp Harsdörffer: Poetischer Trichter. Die Teutsche Dicht- und Reimkunst/ ohne Behuf der Lateinischen Sprache/ in Vl. Stunden einzugiessen. Samt einem Anhang Von der Rechtschreibung / und Schriftscheidung/ oder Distinction. Durch ein Mitglied der hochlöblichen Fruchtbringenden Gesellschaft. Zum zweiten Mal aufgelegt und an vielen Orten vermehret. Nürnberg/ Gedruckt bey Wolfgang Endter, Nürnberg 1648–1653 [Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums, Sign. 80 01 164/1, Slg. N 943] Erste Auflage: 1647.
  2. Vgl. Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 3: Homer - Nutzen. Freiburg, Basel, Wien: Herder Verlag 1994, S. 1103

Weblinks