Schützenschnur

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Schützenschnur Heer/Luftwaffe (silbernes Metallgespinst) in Stufe Gold

Die Schützenschnur der Bundeswehr ist eine Auszeichnung für besondere Schießleistungen, die an alle Soldaten verliehen werden kann. Sie wird jedoch nur von Mannschaften und Unteroffizieren zum Dienstanzug getragen.

Die Bedingungen zum Erwerb sind in der ZDv 3/12 „Schießen mit Handwaffen“ (Anlage 7 „Die Schützenschnur“), die Trageweise in der ZDv 37/10 „Anzugsordnung in der Bundeswehr“ (Kap. 5, Abschn. XII, Buchstabe c) geregelt.

Geschichtliches

Die Geschichte der Schützenschnur geht auf den Achtzigjährigen Krieg zurück. Auf Befehl des spanischen Königs sollte jeder Niederländer, der mit einer Muskete angetroffen würde, sofort gehängt werden. Daraufhin begannen die spanischen Musketiere Stricke mit sich zu führen, die sie über der linken Schulter trugen.

Die Idee einer Auszeichnung für besonders gute Schützen geht auf den preußischen König Friedrich Wilhelm I. zurück. Anfang 1720 trugen die Ausgezeichneten silberne Schnüre zu ihrer Uniform, im Siebenjährigen Krieg wurden Schützenschnüre erstmals im großen Umfang verliehen. Nach der Besetzung Preußens durch die Franzosen unter Napoléon Bonaparte wurde unter Scharnhorst die preußische Armee umstrukturiert und das Schützenabzeichen fester Bestandteil des neuen Militärs.

Seit dem Jahre 1864 wurde die Schützenschnur erstmals in drei verschiedenen Stufen verliehen: Bronze, Silber und Gold. Diese Regelung existiert bis heute.

Mit der Gründung des Deutschen Reiches wurde die deutsche Armee erneut umstrukturiert. Erst unter dem Kaiser Wilhelm II. wurde die Schützenschnur, nunmehr in vier Stufen verliehen, in die gesamtdeutsche Armee eingeführt. Die Anzahl dieser Auszeichnungen wurde stärker reglementiert, um die Menge zu verleihender Schnüre zu reduzieren. Außerdem mussten seit diesem Jahr die Leistungen für Auszeichnung jedes Jahr aufs Neue erbracht werden.

In der Reichswehr und späteren Wehrmacht wurde die Schützenschnur unter starken Veränderungen der Verleihungskriterien beibehalten. Bis 1945 wurde die Schnur in zwölf verschiedenen Stufen und unterschiedlichsten Ausführungen verliehen. Auch mussten die Leistungen nicht jährlich neu erbracht werden und Offiziere durften keine Schützenschnüre mehr tragen.

Im Mai 1957 wurde die Schützenschnur auch beim Bundesgrenzschutz (BGS) eingeführt.

Auch in der NVA und den Grenztruppen der DDR wurde eine sehr ähnliche Schützenschnur an Mannschaften und Unteroffiziere verliehen. Die Schießprüfung konnte bis zu zwei Mal wiederholt abgelegt werden, dies wurde durch an der Schützenschnur befestigte ebenfalls silberfarbige Eicheln kenntlich gemacht.

Aktuelle Bestimmungen

Datei:PlaketteGold.JPG
Plakette in Gold

Seit 1965 existiert die Schützenschnur in der heutigen Form in der Bundeswehr. Sie wird für herausragende Schießleistungen in drei Stufen verliehen:

  • 1. Stufe mit Plakette in Bronze
  • 2. Stufe mit Plakette in Silber
  • 3. Stufe mit Plakette in Gold und bei Wiederholung mit eingeprägter Zahl in Fünferschritten (5, 10, 15, …)

Die Schützenschnur in Silber oder Gold kann verliehen werden, ohne vorher die anderen Stufen zu durchlaufen. Unabhängig von der erreichten Stufe besteht die Schützenschnur bei Heer und Luftwaffe aus einem matten aluminiumfarbenen Gespinst, bei der Marine aus einem blauen Textilgespinst. Im Oberteil der Schnur wird die Aluminiumplakette der jeweils erreichten Stufe eingesteckt. Die Schnur wird nur beim ersten Erwerb einschließlich der jeweiligen Plakette ausgehändigt; wenn man nachfolgend höhere Stufen erreicht, erhält man die entsprechende Plakette zum Austausch.

Für die Schützenschnur in Bronze muss der Soldat je eine Wertungsübungen in zwei Waffen der Gruppe 1 mit Bronze (oder höher) erfüllen.

Für die Schützenschnur in Silber muss der Soldat alle Wertungsübungen der Waffe der Gruppe 1 mit Silber (oder höher) erfüllen, mit der seine Einheit standardmäßig ausgerüstet ist, sowie alle Wertungsübungen einer beliebigen Waffe der Gruppe 2 mit Silber (oder höher) erfüllen.

Für die Schützenschnur in Gold muss der Soldat alle Wertungsübungen der Waffe der Gruppe 1 mit Gold erfüllen, mit der seine Einheit standardmäßig ausgerüstet ist, sowie alle Wertungsübungen einer beliebigen Waffe der Gruppe 2 mit Gold erfüllen.

Die Waffengruppen gelten für alle Teilstreitkräfte außer den Soldaten des Sanitätsdienstes, der Feldjägertruppe, des Militärmusikdienstes, der Kommando Spezialkräfte und Angehöriger anderer Wehrverwaltungs- und Unterstützungsbereiche, wie zum Beispiel dem Streitkräfteunterstützungskommando. Sie lauten wie folgt:

Soldaten oben genannter Einheiten schießen die Schützenschnur jeder Stufe nur in der Waffengruppe Eins.

Der Soldat muss die Leistungen für die Schützenschnur innerhalb von zwölf Monaten vollbringen. Dieser Zeitraum beginnt mit dem Tag, an dem die erste Leistung erbracht wird (d.h. nicht zwangsläufig der 1. Januar!). Die Wertungsübungen darf der Soldat am selben Tag bei Nichterfüllen zweimal wiederholen, danach frühestens wieder am nächsten Tag.

Falls in einem Kalenderjahr dem Soldaten bereits eine goldene Schützenschnur verliehen wurde, so darf er keine Wertungsübungen vor dem 1. Januar des nächsten Jahres schießen.

Reservisten und Angehörige fremder Streitkräfte können die Schützenschnur unter den gleichen Voraussetzungen erwerben. Bei erfüllten Leistungen und eingereichtem Antrag wird die Auszeichnung von einem Vorgesetzten zusammen mit einer Besitzurkunde verliehen, die dann zum Tragen berechtigt. Diese Trageerlaubnis bleibt lebenslang erhalten. Grund für die Wiederholung der Schützenschnur stellt also nur persönlicher Ehrgeiz oder die bezifferte Plakette bei mehrmaliger Wiederholung dar. Die Wertungsübungen bauen auf den Schulschießübungen auf und unterscheiden sich von ihnen nur in der Beschränkung der Wiederholungsmöglichkeiten. Für die genauen Bestimmungen der Schießübungen siehe die ZDv der entsprechenden Waffe oder den Link weiter unten.

Offiziere können die Schützenschnur erwerben, tragen eine erhaltene Schützenschnur aber nicht.

Beispiel

Ein Soldat der Jägertruppe (Infanterie) hat es sich zum Ziel gesetzt, in diesem Kalenderjahr die goldene Schützenschnur zu erreichen. Dazu muss er folgende Kriterien erfüllen:

  • Da er standardmäßig mit dem G36 ausgerüstet ist, muss er die G36-S9-WÜ mit Gold bestehen. Auch wenn er zusätzlich die P8-S2-WÜ und P8-S3-WÜ in Gold schießt, berechtigt ihn dies nicht dazu, eine Schützenschnur in Gold zu bekommen, da seine Standardwaffe maßgebend ist.
  • Da nur sehr selten eine Wertungsübung im Schießen mit der Panzerfaust erfolgt, muss der Soldat die MG-S3-WÜ und MG-S4-WÜ in Gold erfüllen.
  • Er darf sich dabei nur zwei Wiederholungen (also max. 3 Durchgänge) je Übung pro Tag erlauben und die Leistungen müssen in einem Zeitraum von 365 Tagen zusammenliegen.

Wenn all diese Übungen in Gold erfüllt und ordnungsgemäß protokolliert wurden, darf er seine Schützenschnur beantragen.

Sonstiges

Auch bei manchen Schützenfesten werden Schützenschnüre verteilt.

Herstellung

  • Die deutsche Schützenschnur wird mit einem Seilstrang geknüpft bzw. „geflochten“. Der Ausgangsknoten ist eine Endacht welcher in der Länge erweitert wird. Dazu wird das Seil in eine ‚S‘-Form gelegt [1] und wie ein dreisträngiger Zopf geflochten. [2] Zum Schluß wird das Seilende durch das entstehende Auge durchgeführt und festgezogen. [3] Die seemännische Bezeichnung für diesen „Seilverkürzungsstek“ lautet Twistplatting. [4]

Abwandlung

  • Die amerikanische Honorcord oder auch „Aiguillette“ (bedeutet Fangschnur, obwohl diese Bezeichnung nur die Schnurenden betrifft - kommt aus dem Französischen und bedeutet „Spitze“ siehe engl.WP [5] und [6]) hat zusätzliche Schleifen (Loops) und besitzt am Ende Wurfknoten und „Tips“ [7](= in Hülsenspitzen gefaßte Seilenden - den Aiguilletten (Ornament))[8] Sie kann auch doppelt und zweifarbig ausgeführt (z.B. Blau/Gelb) sein. [9] [10]

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Jürgen Schmidt: Wir tragen den Adler des Bundes am Rock - Chronik des Bundesgrenzschutzes 1951 – 1971 Fiedler-Verlag, Coburg 1995 ISBN 3-923434-17-0

Weblinks

Einzelnachweise


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Schützenschnur“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 23. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.