Zangersches Wappenwerk

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1925: Das Zangerersche Wappenwerk, Beitrag von Dr. Hermann Losch

Das (große) Zangersche Wappenwerk (auch Zangerersches Wappenwerk, Zangerers Wappenbuch Schweizerisches Wappenwerk oder ähnlich genannt) ist eine schwäbisch-alemannisch-schweizerische Wappensammlung des 18. Jahrhunderts mit ca. 11.000 Wappen, deren fiktiver oder echter Charakter nicht wissenschaftlich veri- oder falsifiziert ist. Die Sammlung wurde vorwiegend im 19. Jahrhundert für Handlungen im Zusammenhang mit dem Wappenschwindel benutzt.

Provenienz

Das »Zangersche Wappenwerk« 

„(..) stammt von dem Graveur Johannes Anton Georg Zangerer (* Kettenacker 21.01.1756), dessen Eltern als »vagi« (= Herumziehende) bezeichnet werden. Sein Werk umfaßt 11.000 handgezeichnete und kolorierte Wappen in sieben Bänden, vornehmlich von Schweizer und schwäbischen Familien, entstanden in der Zeit von 1792-1825, enthält jedoch keinerlei Quellenhinweise. Vermutlich handelt es sich dabei hauptsächlich um heraldische Arbeiten, die Zangerer selbst für seine Kunden anfertigte.“

Herold (Hrgs.) / Jürgen Arndt (1997)[1]

Große Kurz´sche Wappensammlung

Der Wappenschwindler Christian Kurz (1836-1886) erwarb auf unbekannte Weise spätestens seit 1881 das „Zangersche Wappenwerk“. Er und sein Sohn, Karl Eugen Kurz (1864-1928) mißbrauchten das Werk, indem sie ihre Wappenzeichnungen unter Angabe des Bandes und der Seite beziehungsweise des Blattes zitierten, um Kunden die Authenzität oder zumindest Ähnlichkeit durch die vermeintlich seriöse Quellenangabe für einen gesuchten Familiennamen zu suggerieren. In der Literatur geht man davon aus, dass die Vater und/oder Sohn Kurz das Zangerersches Wappenwerk um ihre Wappenfälschungen ergänzten und als „Große Kurz´sche Wappensammlung“ darboten. Auch andere Wappenschwindler (Conrad Schüßler, 1853-1923; Paul Gründel, 1857-1880 etc.) verwendeten manchmal das Zangersche Wappenwerk zur Legitimation ihrer Wappenfälschungen, indem sie es als Quelle nannten.

Verbleib

Wo die Zangerer-Wappensammlung heute aufbewahrt wird, ist unklar.

„Das Wappenbuch befindet sich nach vorübergehender Verwahrung im Stadtarchiv Ulm wiederum im Besitz einer Graveurfamilie, die es unter Verschluß hält.“

Herold (Hrgs.) / Jürgen Arndt (1997)[1]

Im Internet wird kolportiert, dass das „Große Zangerer’sche Wappenwerk im Zweiten Weltkrieg verbrannt“ und „aus der Kurz-Sammlung entstanden sein solle“.[2]

„Die Kurz`sche Wappensammlung befindet sich im Besitz der Stempelfabrik Eugen Kurz in Ulm. Das nach dieser Vorlage angefertigte Zangerer`sche Wappenwerk ist im Zweiten Weltkrieg verbrannt.“

Rolf Bidlingmaier (1992/2002)[3]

Auf der Homepage des Cassiodor Antiquariats wird 2017 ein Konvolut von 100 Reprofotos aus dem Jahre 1990 vorgestellt, die vorgeblich Seiten des Zanger-Kurz-Werks abbilden:

„Zangerer Wappenschwindel! 100 Reprofotos von Wappenabbildungen 1797, ca. 1990: Konvolut von farbigen Abzügen à ca. 9x13. Guter Zustand. Teils auf Papier montiert. Es handelt sich um Repros von Wappenabbildungen aus dem Zangerer-Kurz-Werk. Bild 1 zeigt die Titelei, oben steht „Nach Chr. Kurz III. Theil ... IV. Band, 1 & 2. Theil enthaltend 2913 Wappen“, unten „Des Neuen Wappenbuchs 2. Theil mit Schweitzer und Reichs-Wappen, gesammelt und gezeichnet Johannes Audone Gregoire Zangerer ... anno 1797“.
Die Photos sind verso nicht nummeriert, jedoch finden sich auf den Seiten oben Seitenzahlen. Letztere sind teils schwer lesbar, sodaß nicht gesagt werden kann, ob der Titel hier komplett wiedergegeben ist. Im Ganzen sind 14 (Stadt Bern, pag. 1-14) und ca. 100 verschiedene Blatt abphotographiert (erste Paginierung „1“, letzte „105“). Dazu kommen 38 auf Papier montierte Dubletten. Auf den meisten Seiten sind 18 Wappen aufgemalt, ca. 15 Blatt zeigen ganzseitige Darstellungen von Fürsten- oder Länderwappen. Die Seiten sind oben betitelt, genannt Schwäbische [„Schwäbesche“], Zürcher, Zürcher und Schwäbische, Schwäbische und Tiroler, Schweizerische, Tiroler, Ulmer, Bairische [Baieresche], Regensburgische, Regensburgische u. Straßburgische, Straßburgische, teils ohne Titel (..)“

Ingo Hugger (2009)[4]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Herold, Verein für Heraldik (Hrsg.); bearbeitet von Jürgen Arndt: Der Wappenschwindel, seine Werkstätten und ihre Inhaber - Ein Blick in die heraldische Subkultur. Verlag Degener & Co. Neustadt an der Aisch. 1979. ISBN 3-7686-7013-9 S. 82
  2. Erledigtes Angebot im Zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher (www.zvab.com). Dort war die vermeintliche Große Kurz'sche Wappensammlung angeboten („Zusatzband/Zangerer_sches Wappenwerk, Index. Wappenschwindel! 2x Kopie Marke Copyshop (Okart.) eines privaten Faksimile Nachdrucks. Kurz/Zangerer“) sowie ensprechend beworben. Internet. Abgerufen: 16. Juli 2017.
  3. Bidlingmaier, Rolf: Das Familienwappen Bidlingmaier. In: Familienbuch Bidlingmaier. 1992. Fußnote [4]. Internet: bidlingmaier-online.de. Erstellt: 2002. Abgerufen: 16. Juli 2017.
  4. Hugger, Ingo: Zangerer Wappenschwindel! 100 Reprofotos von Wappenabbildungen 1797, ca. 1990. Internet: www.cassiodor.com. Artikel-Nr. 07478. Angelegt: 2009. Abgerufen 16. Juli 2017.
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