Agilolfinger

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Die Agilolfinger (auch Agilulfinger genannt) waren die erste bayerische Herzogsdynastie. Sie regierten vom 6. bis zum Ende des 8. Jahrhundert, anfangs als Amtsherzöge, später als Stammesherzöge, und betrachteten sich selbst als von den Merowingern eingesetzt (Lex Baiuvariorum, Titel III) – mehrere Versuche, diese Oberhoheit abzuschütteln, die mit dem Aufstieg der Karolinger noch intensiviert wurden, blieben allerdings ohne Erfolg. Die Residenz der Agilolfinger stand in Regensburg.

Geschichte

Als Stammvater der Familie gilt Agilulf, dessen Lebensdaten nicht bekannt sind. Garibald I. ist der erste historisch greifbare Herzog aus der Familie, über die es heißt:

Die bayerischen Herzöge gehörten dem Geschlecht der ARNULFINGER an, das mit Garibald I. (ca. 530-590) seinen ersten urkundlich fassbaren Ahnherrn hat und Bayern bis 788 regierte. Seine Herkunft ist nicht erhellt: In langobardischen Quellen ist fränkische Abstammung bezeugt.[1]

Es ist nach der Forschungslage zu Garibald[2] anzunehmen, dass hier die fränkischen Arnulfinger nach Bischof Arnulf von Metz gemeint sind, aus denen die frühen bayrischen Herzöge, die üblicherweise als Agilolfinger bezeichnet werden, hervorgegangen sein mögen. Die faktische Herkunft der Familie ist allerdings ungeklärt, ebenso ihre Beteiligung an der bayrischen Landnahme und Stammesbildung. Sicher ist jedoch, dass sie schon sehr früh intensive dynastische und politische Beziehungen zu den Franken und den Langobarden pflegten – die Verbindung zu den Langobarden war so eng, dass eine Nebenlinie der Agilolfinger von 652 bis 712 deren Krone trug.

Die historische Leistung der Agilolfinger besteht in

Bereits im Jahr 624 gerieten die Agilolfinger, damals vertreten durch Chrodoald, einen austrischen Adligen (von dem Fredegar schreibt: „ex proceribus de genet nobili Agylolfingam“), in Konflikt mit den Karolingern, bzw. deren ältesten bekannten Vorfahren, dem Bischof Arnulf von Metz (Arnulfinger) und Pippin dem Älteren (Pippiniden), die im Bündnis miteinander die fränkische Reichspolitik zu dominieren trachteten. Die Süddeutschland beherrschenden Agilolfinger standen im eigenen Interesse auf Seiten der schwachen Merowinger, das Erstarken des Hausmeiertums der Karolinger konnte nicht in ihrem Sinn sein. Die erste große Machtprobe von 725, als Karl Martell in Bayern einrückte, ging für den Herzog Hugbert verloren, die zweite von 743, jetzt unter der Führung von Karls Söhnen, verlor Herzog Odilo.

Der trotz geschlossener Verträge mit den Karolingern nicht endende Versuch, eigenständige Politik zu betreiben, führte schließlich im Jahr 788 dazu, dass Karl der Große Herzog Tassilo III. absetzte und ins Kloster steckte, das Herzogtum Bayern aufhob und dem fränkischen Reich einverleibte.

Herzöge von Bayern aus der Familie der Agilolfinger

Könige der Langobarden aus der Familie der Agilolfinger

Einzelnachweise

  1. Lexikon des Mittelalters: Band I, Spalte 1696
  2. Andreas Kraus: Geschichte Bayerns von den Anfängen bis zur Gegenwart 3. Aufl., C.H.Beck, München 2004, ISBN 3-406-51540-1, S. 23ff.: Herzogtum Bayern. Das Herzogtum der Agilofinger

Siehe auch

Literatur

  • B. Sepp, Die bayerischen Herzöge aus dem Geschlecht der Agilulfinger, Oberbayerisches Archiv 50, 1897
  • E. Zöllner, Die Herkunft der Agilulfinger, Zur Geschichte der Bayern, 1965
  • K. A. Eckhardt, Merowingerblut II, Agilolfinger und Etichonen, 1965
  • W. Störmer, Adelsgruppen im früh- und hochmittelalterlichen Bayern, 1972
  • W. Goez, Über die Anfänge der Agilulfinger, Jahrbuch für fränkische Landesforschung 34/35, 1975
  • A. Reiser: Die Agilolfinger, 1985
  • J. Jarnut: Agilolfinger-Studien, Untersuchungen zur Geschichte einer adligen Familie in 6. und 7. Jahrhundert, 1986
  • J. Jahn: Ducatus Baiuvariorum, Das bairische Herzogtum der Agilolfinger, 1991

Weblinks

Quellenhinweis

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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Agilolfinger“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 05. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.