Reichstage zu Speyer

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Im Ratshof zu Speyer wurden mehrere Reichstage abgehalten

Reichstage zu Speyer wurden im Laufe der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zunächst als Hoftage (bis 1495) seit der Zeit der Salier mehr als fünfzig abgehalten. Der erste Hoftag in Speyer wurde von Ludwig dem Frommen im Jahre 838 abgehalten. Bekannter sind aber nur diejenigen aus der Zeit der Religionsstreitigkeiten, die zur Trennung von Katholiken und Protestanten führten. Letztere tragen diesen Namen wegen der Protestation auf dem Speyerer Reichstag von 1529.

1526

Der Reichstag dauerte vom 25. Juni bis 27. August. Das Wormser Edikt wurde auf diesem Reichstag ausgesetzt. Es wurde beschlossen, den Ständen auch die Entscheidung in der Glaubensfrage in Verantwortung vor Gott und Kaiser zu überlassen. Daraufhin entstanden unter anderem die lutherischen Landeskirchen, die den Landesherren nun neben der weltlichen auch die höchste geistliche Gewalt in seinem Territorium einräumten.

1529

Die neugotische Gedächtniskirche in Speyer erinnert an die Protestation

Der Reichstag dauerte vom 15. März bis zum 22. April. Es erfolgte die Wiedereinsetzung des Wormser Ediktes. Daraufhin fand auf diesem Reichstag die Protestation zu Speyer statt, in welcher die protestantischen Fürsten und Reichsstädte gegen die Verhängung der Reichsacht gegen Martin Luther protestierten – von dieser Aktion leitet sich der Begriff des „Protestantismus“ ab. Das Wiedertäufermandat ist eine Sammlung von Beschlüssen des Reichstages, die die religiöse Bewegung der Täufer bekämpfen soll.

Heute erinnert die neugotische, 1893-1904 erbaute Gedächtniskirche an die Protestation.

1542

Der Reichstag dauerte vom 29. Dezember 1541/8. Februar 1542 bis 11. April 1542. Die Bedrohung des Reiches durch die Türken (Eroberung Ofens im September 1541) war der Grund für die Einberufung. Der Reichstag fand in Abwesenheit Kaiser Karls V. und unter Leitung König Ferdinands I. und zweier kaiserlicher Kommissare statt. Die Türkenhilfe war das vorherrschende Thema. Die Reichsstände entschieden sich zur Finanzierung des Reichsheeres für eine allgemeine Vermögenssteuer (Gemeiner Pfennig). Gegenüber der Dringlichkeit der Türkenhilfe traten die Verhandlungen mit den Protestanten in den Hintergrund.

1544

Der Reichstag dauerte vom 20. Februar bis 10. Juni. Auf diesem Reichstag werden dem Kaiser Hilfen gegen Frankreich sowie für eine Offensive gegen die Osmanen bewilligt. Als Zugeständnis dafür werden frühere antiprotestantische Reichsabschiede und -prozesse suspendiert und die Verwendung von säkularisiertem Kirchenvermögen ermöglicht. Es wird ein Nationalkonzil in Aussicht gestellt. Darüber hinaus kommt as am 23. Mai 1544 zum Frieden zu Speyer, bei dem das Haus Habsburg auf die Danisch-Norwegische Krone verzichtet und den Holländern der Zugang zur Ostsee gewährt wird.

1570

Der Reichstag beschloss, Druckereien nur noch in Reichs-, Residenz- und Universitätsstädten zu erlauben.

Ein Teil des vom Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen konfiszierten Landes soll auf Beschluss des Reichstages an seine Kinder Johann Casimir und Johann Ernst zurückgegeben werden. Dabei erhält Johann Casimir das Coburger Land.

Literatur

  • Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe, hg. durch die Historische Kommission bei der Königlichen (später: Bayerischen) Akademie der Wissenschaften.
    • Bd.12: Der Reichstag zu Speyer 1542, bearb. von Silvia Schweinzer-Burian, München 2003
    • Bd.15: Der Speyrer Reichstag von 1544, bearb. von Erwein Eltz, Göttingen 2001
    • Der Reichstag zu Speyer 1570 (Deutsche Reichstagsakten. Reichsversammlungen 1556-1662). Erster Teilband: Protokolle. Zweiter Teilband: Akten und Abschied, bearb. von Maximilian Lanzinner, Göttingen 1988, ISBN 978-3-525-35279-3

Weblinks

Heinz Angermeier, Erich Meuthen und Eike Wolgast: Die Reichstagsakten-Edition - Zum Stand des Forschungsunternehmens der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Reichstage_zu_Speyer“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 21. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.