Schuppenpanzer

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Detail eines originalen römischen Schuppenpanzers
Armbrustschütze mit Schuppenpanzer während der Belagerung der Wartburg (Manessische Handschrift, 1305-1340)

Ein Schuppenpanzer (auch Jazeran oder Jaseran[1]) ist eine Rüstung, die aus zahlreichen Metallplättchen besteht, welche auf einer festen Unterlage wie zum Beispiel Stoff oder Leder angebracht sind. Aus dem Schuppenpanzer entwickelte sich im fernen Osten der Lamellenpanzer, der aus zahlreichen miteinander verbundenen Metallplättchen besteht, die nicht an eine feste Unterlage vernäht oder vernietet sind. Bei diesen beiden Rüstungstypen handelt es sich um die ältesten Arten von Metallrüstungen in der Geschichte der Menschheit.

Beschreibung

Bereits die alten Ägypter verwendeten ungefähr seit dem 16. Jahrhundert v. Chr. Schuppenpanzer. Diese Schuppenpanzer bestanden aus zahlreichen Bronzeplättchen, die auf verstärkte Kleidung oder einen Lederpanzer genietet oder genäht wurden. Es gab sogar Schuppenpanzer, die aus gehärteten Lederplättchen bestanden, welche auf einen Leinenpanzer genäht wurden. Auch bei den alten Griechen wurden manchmal Schuppenpanzer benutzt. Zunächst aus Bronzeplättchen, nach dem Anbruch der europäischen Eisenzeit auch aus Eisenplättchen. Wichtiger war er aber im Osten, z.B. bei der schweren Kavallerie der alten Perser und bei anderen Völkern des heutigen Irans. Die Römer verwendeten ebenfalls den Schuppenpanzer, welcher von ihnen als Lorica Squamata bezeichnet wurde. Auch hier kam als Material sowohl Bronze als auch Eisen zum Einsatz. Eine Besonderheit der römischen Schuppenpanzer stellt die fischschuppenartige Form der Metallplättchen dar. Neben diversen anderen Rüstungsarten verwendeten die Römischen Legionen bis zum Untergang des Weströmischen Reiches Schuppenpanzer. In Byzanz wurde diese Rüstung danach weiter verwendet. Im Frühmittelalter, zur Zeit der Karolinger Franken, erlebte der römische Schuppenpanzer in verändertem Aussehen eine Renaissance. Er wurde vor allem von der Spezialeinheit der Panzerreiter verwendet. Das Aussehen dieser Rüstungen kennt man lediglich aus Schrift- und Bildquellen (Psalter). Funde wurden bisher nicht gemacht. Im Hochmittelalter war nach weit verbreiteter Meinung der bewegliche Kettenpanzer die bevorzugte Metallrüstung der Ritter, doch wurden auch während dieser Epoche Schuppenpanzer verwendet, die leichter herzustellen und billiger waren als Kettenpanzer. Im späten Mittelalter kamen verschiedene Sonderformen des Schuppenpanzers auf, die allesamt deutlich erschwinglicher waren als ein Plattenpanzer und deshalb vor allem vom einfachen Fußvolk verwendet wurden. Als Beispiel sei hier die Brigantine genannt, die aus hunderten dicht übereinanderliegenden Eisenplättchen besteht, die zwischen zwei Textilschichten eingenäht und vernietet wurden. Eine Brigantine konnte gegen Armbrustbolzenbeschuss getestet werden.

Noch schneller als der Plattenpanzer verlor der Schuppenpanzer seine Existenzberechtigung. Erst im Ersten Weltkrieg wurde wieder verstärkt mit Rüstungen experimentiert, wobei auch Rüstungstypen erprobt wurden, die an Schuppenpanzer erinnerten - jedoch ohne nennenswerten Erfolg.

Literatur

  • Ortwin Gamber, Waffe und Rüstung Eurasiens: Frühzeit und Antike : ein waffenhistorisches Handbuch, Verlag Klinkhardt & Biermann, 1978, Seite 118, 188, 422
  • Evgeniĭ Vasilʹevich Chernenko, Die Schutzwaffen der Skythen, Prähistorische Bronzefunde, Verlag Franz Steiner Verlag, 2006, ISBN 978-3-515-08659-2
  • Hans-Günter Buchholz, Joseph Wiesner, Kriegswesen, Band 1, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 1977, Seite 92, 95, 96, ISBN 978-3-525-25404-2

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 214. [1]

Weblinks

 Commons: Schuppenpanzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Schuppenpanzer“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 11. Juni 2012 (Permanentlink: [2]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.