Wappenscheibe

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Wappenscheibe im Rathaus in Ravensburg (Haupteingang)

Eine Wappenscheibe (auch Wappenfensterscheibe, Wappenglasscheibe o. ä.) ist ein Flachglas mit einem oder mehreren Wappenabbildungen oder anderen heraldischen Symbolen, das z. B. als Fensterglas, aber auch als Produkt für Spiegel- und Glastüren et cetera Verwendung findet.

Eine Wirkung der Wappendarstellung in vollem Umfang kommt erst durch das durchscheinende Licht zustande. Die Wappenscheiben-GlasmalereiW-Logo.png hat einen besonderen Stellenwert in der Heraldik, denn keine andere Malart kann eine so hohe Farbleuchtkraft und so große Helligkeitsunterschiede zeigen wie ein durchsichtiges Glasbild. Kontrastumfang und Farbbrillanz sind stärker als beim Diapositiv im Vergleich zum Papierfoto.

Darstellung und Geschichte

Wappenscheiben wurden ursprünglich in den Fenstern von Schlössern, Klöstern, Kirchen und Rathäusern eingebaut, fanden aber bald auch in den Fenstern von anderen öffentlichen, privaten oder gewerblichen Gebäuden (z. B. in Gasthäusern) Verwendung. Dementsprechend bestimmen Jacob und Wilhem Grimm den Ausdruck „Wappenscheibe“ in einem engen Sinn als

„(..) Fensterscheibe mit Wappenmalerei (..)“

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm (1854-1960)[1]

Wappenfenster

Maßwerk mit mehreren Wappen­fen­stern/-scheiben (Lorenzkirche, Nürnberg)

Unter einem Wappenfenster verstehen die Brüder Grimm dagegen, ein ..

„(..) Fenster, in dem ein Wappen in Glasmalerei eingefügt ist (..)“

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm (1854-1960)[2]

Diese Bestimmung greift zu kurz, wie man am Beispiel von Fenstern zeigen kann, in denen nicht nur ein, sondern mehrere Wappen oder ein bzw. mehrere heraldische Figuren in Glasmalerei eingefügt sind -- und die ebenfalls als „Wappenfenster“ zu bezeichnen sind.

Wappenscheiben im Rahmen der Spenden-, Funeral- und Erinnerungskultur

Die Darstellung von Wappen aller Art auf Wappenscheiben und -fenstern gehört zu den gebräuchlichen Anwendungsbereichen des Wappenwesens und zu den wichtigen Quellen der Heraldik. Sie wurde von Adligen und Bürgern gleichermaßen in Auftrag gegeben, sei es, um im Rahmen einer ErinnerungskulturW-Logo.png und einer Funeralheraldik an verstorbene Persönlichkeiten und Ahnen zu erinnern, sei es, um den Kirchenbau mit einer Spende zu unterstützen (Wappenscheiben/-fenster waren häufig mit dem Wappen des Spenders versehen und wurden wie eine Art „Spenderliste“ verstanden).

„Die Sitte der Fenster- und Wappenschenkung war vorrangig auf die Schweiz beschränkt. Diese Sitte begann im 15. und erhielt sich bis in das 17. Jahrhundert. Die hier entstandenen Wappenscheiben sind eine Hauptursache dafür, daß die Glasmalerei in der Schweiz eine Höhe der Technik erreichte, wie sie wohl kaum anderswo anzutreffen war. (..) Die große Beliebtheit dieser Kunsterzeugnisse beweist die Tatsache, daß im Jahre 1516 in Zürich zehn, 1568 sogar 21, in Schaffhausen um 1610 zwölf Glasmaler tätig waren.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]


Restauration

Zum täglichen Handwerk eines Glasmalers gehört auch die Restauration von alten Wappenscheiben.

Webseiten

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Wappenscheibe. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  2. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Wappenfenster. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  3. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 433