Länder der Ungarischen Krone

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Länder der heiligen Stephanskrone: in der Mitte das ungarische Wappen; außen (im Uhrzeigersinn) die Wappen Kroatiens, Siebenbürgens, das Wappen von Rijeka, Bosnien und Herzegowinas, Slawoniens und Dalmatiens

Die Länder der Heiligen Ungarischen Stephanskrone, ungarisch Szent István Koronájának Országai, A Magyar Szent Korona Országai, kroatischW-Logo.png Zemlje krune Svetog Stjepana, slowenisch Krajiny Svätoštefanskej koruny, auch Ungarische Reichshälfte, nach 1867 inoffiziell Transleithanien (lateinisch „Land jenseits der Leitha“) genannt, war der südöstliche Teil der Habsburgermonarchie, das Königreich Ungarn mit seinen Nebenländern.

Die vereinigten Länder der Stephanskrone umfassten im Laufe der Geschichte das gegenwärtige Ungarn einschließlich Slowakei, Karpatenukraine, Banat, Vojvodina und Burgenland sowie Siebenbürgen, im nordwestlichen Teile von Rumänien, winzige Teile des heutigen Polen, und als Landesteil Kroatien und Slawonien und Fiume. Im Gegensatz zu den anderen Teilen der Habsburgermonarchie lagen diese Länder außerhalb des Heiligen Römischen Reichs.

Übersicht

Die Heilige Krone ist die Stephanskrone, die alte Staatsinsignie des Königs zu Budapest, die auf den Heiligen Stephan I. zurückgeht.

Das Gebiet der Ungarischen Tiefebene wurde ab etwa 900 durch die Magyaren erobert, mit Großfürst Árpád begründet sich die Dynastie der Árpáden. Der Árpáde Stephan, der Heilige, errichtet das Königtum, und tritt zum Christentum über. Der ungarische Landtag bestand größtenteils aus magyarischen Adeligen und hatte das Recht, den König zu wählen. Auch ein vereinigter Landtag des Königreichs Slawoniens und des Königreichs Kroatien hatte dieses Recht, unabhängig von der Auswahl Ungarns.

Schon 1102 entsteht die Personalunion mit dem Königreich Kroatien. Mitte des 13. Jahrhunderts folgen der Mongolensturm, dann Personalunion mit Polen unter Anjou und Jagiellonen, Herrschaft der Luxemburger, jagiellonische Personalunion mit Böhmen, und Eroberung durch die Osmanen (Türkenkriege). Hierbei fällt Lajos II., und 1526 wird der Habsburger Erzherzog Ferdinand von Österreich zum König in Ungarn gekrönt, der Großteil des ungarischen Adels hatte aber Johann Zápolya zum König berufen. Nach Bürgerkrieg folgten 150 Jahre der Dreiteilung in das Habsburgische Königreich, einer Provinz Ungarn des Osmanischen Reiches und Siebenbürgen als Vasallenstaat.

1687, während des Großen Türkischen Kriegs, erklärte der ungarische Landtag die Heilige Ungarische Stefanskrone für erblich. Als Gegenleistung mussten die Habsburger dem ungarischen Adel erhebliche Konzessionen zugestehen: Der Landtag musste regelmäßig einberufen werden, Ungarn durfte sich teilweise selbst regieren und die Adeligen wurden von der Steuerpflicht befreit. Dadurch erhielt Ungarn einen besonderen Rang innerhalb der Habsburgermonarchie, den es bis 1867 zumeist bewahren konnte. Nach dem Kuruzenaufstand 1703–1711 wurde mit der Pragmatischen Sanktion von 1713 der habsburgische Erbanspruch an Ungarn endgültig anerkannt, wenn auch mit formeller Wahl und eigener Krönung mit der Wenzelskrone.

Bis zum Ende der Türkenkriege im Frieden von Belgrad 1739 wurde da ganze alte Königreich zurückerobert, und im Süden die Militärgrenze eingerichtet (diese wurde erst 1881 endgültig aufgelöst und teils in Ungarn, teils Kroation-Slawonien integriert). 1745 wurde das Dreieinige Königreich Dalmatien, Kroatien und Slawonien – Teile Kroatiens waren nie von den Osmanen erobert worden – wieder installiert, aber 1777 als Königreich Illyrien aus der Ungarischen Krone ausgelagert.

Mit den Teilungen Polens 1772 und 1795 kam Galizien im Nordosten an Habsburg, wurde aber nicht dem ungarischen Reichsteil zugeordnet, ebenso 1774 die Bukowina, den Osmanen abgenommen. Die Zeit von Maria Theresia über die Ausrufung des Kaisertum Österreich 1804 und die Napoleonische Kriege zeigen wenig Änderungen im Staatswesen und ein weitgehend ruhiges Verhältnis Wien–Budapest. 1818 wird Illyrien wieder aufgelöst, und das Königreich Kroatien und Slawonien als Kronland (Österreich) wieder dem Ungarischen Reichsteil angegliedert, 1849 das Kronland Serbische Wojwodina auf Ungarn und Kroatien-Slawonien aufgeteilt.

Erst die Revolutionsjahre 1848/49 zeigen wieder Revolte des ungarischen Adels, und 1867 fand im Österreichisch-Ungarische Ausgleich die Umwandlung des Kaisertum Österreich in die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn statt, sodass Ungarn 1867–1918 zur vollen inneren Selbstständigkeit gelangte. Seit damals spricht man von der Zweiteilung Transleithanien, von den Gebieten Cisleithaniens und dem Territorium Bosnien und Herzegowina abgegrenzt. Nach der Vereinigung mit Siebenbürgen 1867 – in den Jahren 1848/49 war das schon einmal proklamiert worden – umfasste der Terminus Ungarische Krone lediglich noch das Königreich Ungarn und das Königreich Kroatien-Slawonien.

Am 29. Oktober 1918 verkündete das kroatische Parlament das Ende dieser Union und erklärte die Schaffung des Staates der Serben, Kroaten und Slowenen (später in Königreich Jugoslawien umbenannt).

Karten

Österreich-Ungarn mit Cisleithanien (gelb), Transleithanien (rosa) und Bosnien-Herzegowina (orange), D. H. Lange: Volksschul-Atlas. 1899
Österreich-Ungarn im 20. Jahrhundert – Ungarische Krone: 16. Kgr. Ungarn, 17. Kgr. Kroatien und Slawonien (Kronland

Liste

Lage Land Hauptstadt Ethnien Religion Anmerkungen Wappen
Ungarn Donaumonarchie.png Königreich Ungarn Pressburg
Buda (deutsch damals: Ofen, ab 1784)
Ungarn, Slowaken, Serben, Deutsche, Ruthenen, Rumänen römisch-katholisch, calvinistisch 1526–1541 aufgeteilt zwischen Ferdinand I. und Johann Zápolya. 1541–1699 teilweise vom Osmanischen Reich besetzt.
Coat of arms of Hungary.png
Königreich Slawonien Agram Kroaten, Serben römisch-katholisch, griechisch-orthodox 1526–1699 größtenteils vom Osmanischen Reich besetzt, 1849 mit Kroatien zum Kronland Kroatien-Slawonien vereinigt.
CoA of Slavonia (Habsburg Monarchy).png
Kroatien und Slawonien Donaumonarchie.png Königreich Kroatien Zagreb (Agram) Kroaten, Serben römisch-katholisch, griechisch-orthodox 1097–1918 zumeist Personalunion, seit 1867 auch Realunion mit dem Königreich Ungarn. Seit 1849 Königreich Kroatien und Slawonien.
Fiume Donaumonarchie.png Stadt Fiume mit Gebiet
(heute Rijeka)
Fiume
Wappen Fiume.png
Siebenbuergen Donaumonarchie.png (Groß-)Fürstentum Siebenbürgen (Transsylvanien) Kolozsvár (Klausenburg), Nagy-Szeben (Hermannstadt) Rumänen, Szekler (Magyaren), Siebenbürger Sachsen (Deutsche) rumänisch-orthodox, Lutheraner, calvinistisch, römisch-katholisch 1687 erobert. Bis 1711 unter eigenem Fürsten. 1765 zum Großfürstentum erhoben.
Coat of arms of Transylvania.svg
Banat Temesvar Rumänen, Ungarn, Deutsche, Serben römisch-katholisch, serbisch-orthodox 1526–1718 vom Osmanischen Reich besetzt. 1718–1779 eigenes Kronland, dann Teil Ungarns.
Woiwodina Donaumonarchie.png Woiwodschaft Serbien und Temeser Banat Serben, Rumänen, Deutsche, Ungarn serbisch-orthodox Wojwodina und Banat, 1849 durch Abtrennung aus Ungarn und Gebiete der serbischen Militärgrenze, 1849–1860 eigenes Kronland, dann zwischen Ungarn und Kroatien-Slawonien aufgeteilt.[1]

Siehe auch

Einzelnachweise