Maria Adelaide von Savoyen

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Porträt Maria Adelaides von Savoyen von Jean-Baptiste Santerre, 1709
Porträt Maria Adelaides von Savoyen von Jean-Baptiste Santerre, 1709

Maria Adelaide von Savoyen (französisch: Marie-Adélaïde de Savoie) (* 6. Dezember 1685 in Turin; † 12. Februar 1712 im Schloss Versailles) war aufgrund ihrer Abstammung von Geburt an Prinzessin von Savoyen und aufgrund ihrer Heirat seit 1697 Herzogin von Burgund, sodann seit 1711 Dauphine von Frankreich. Sie war die Mutter des Königs Ludwig XV. von Frankreich.

Abstammung

Maria Adelaide war die älteste Tochter von Viktor Amadeus II., Herzog von Savoyen, und dessen erster Frau Anne Marie von Orléans. Damit war sie mütterlicherseits Enkelin des Herzogs Philipp I. von Orléans und Großnichte des französischen Königs Ludwig XIV. Wie ihre jüngere Schwester Maria Luisa, die 1701 Philipp V. von Spanien heiraten sollte, wurde Maria Adelaide von der Gräfin Dunoyer erzogen. Sie hatte noch weitere Geschwister, u. a. Karl Emanuel, der 1730 König von Sardinien-Piemont wurde. Eng befreundet war sie mit ihrer Großmutter väterlicherseits, Maria Baptista von Savoyen-Nemours, mit der sie auch nach ihrer Übersiedlung nach Frankreich Kontakt hielt.

Heirat

1696 suchte Ludwig XIV. den Pfälzischen Erbfolgekrieg zu Ende zu bringen und zu diesem Zweck mittels Friedensgesprächen Viktor Amadeus II. als ersten Monarchen aus der feindlichen Koalition herauszulösen. Nach harten Verhandlungen kam im zunächst geheim gehaltenen Vertrag von Turin ein Separatfrieden zwischen dem französischen König und dem Herzog von Savoyen zustande, der u. a. die Vermählung von Maria Adelaide mit Ludwig von Frankreich, Herzog von Burgund, dem ältesten Enkel Ludwigs XIV., vorsah. Die Heirat fand am 7. Dezember 1697 mit großem Prunk in Versailles statt. Die erst zwölfjährige Braut trug dabei ein silbernes, mit Rubinen übersätes und mit einer 8 Meter langen Schleppe versehenes Kleid. Die Ehe sollte wegen der Jugend der Braut vorläufig noch nicht vollzogen werden. Sie wurde zur weiteren Erziehung für einige Zeit nach Saint-Cyr geschickt.

Leben am Hof

Bis zu ihrem Tod war Maria Adelaide erklärter Liebling des alternden Königs Ludwig XIV., den sie ständig zu unterhalten und aufzuheitern verstand. Schon als er das geistreiche und ausgelassene elfjährige Mädchen zu ihrer bevorstehenden Hochzeit abgeholt hatte, war er von ihr begeistert gewesen und hatte seiner Lebensgefährtin, der Madame de Maintenon, geschrieben, dass Maria Adelaide sehr anmutig und gut gewachsen sei, lebhafte Augen und schöne blonde Haare habe und dass sie sich ihm gegenüber ausgesprochen höflich und manierlich benommen habe. Bald konnte sie auch die Madame de Maintenon für sich einnehmen, die sie vertraulich als „ma tante“ anredete. Sie genoss in Versailles Freiheiten wie kaum ein anderes Mitglied der königlichen Familie. Der König zog sie sogar seinem Enkel vor. Sie berichtete ihrer Familie häufig brieflich über ihr außerordentlich freundschaftliches Verhältnis zu dem König, das dessen uneheliche, aber legitimierte Töchter geärgert haben soll.

Wegen des noch vor ihrer Ankunft in Frankreich erfolgten Todes der Königin Maria Theresia (1683) und ihrer Schwiegermutter Maria Anna von Bayern (1690) galt Maria Adelaide noch vor ihrem Aufstieg zur Dauphine als First Lady des Königreichs. In Versailles bewohnte sie die Gemächer der verstorbenen Königin Maria Theresia, die nach ihrem Geschmack renoviert wurden und im gleichen Stockwerk wie jene des Königs und seiner Lebensgefährtin lagen.

Maria Adelaide liebte Schmuck und Vergnügungen, nahm an zahlreichen Bällen, Jagden und Banketten teil und war oft der Mittelpunkt des von ihr bezauberten Hofes. Sie teilte überhaupt nicht die frommen Neigungen ihres Gatten und bemerkte einmal zu Ludwig XIV., dass sie, wenn sie vor ihrem Gemahl stürbe und danach wieder auf die Erde zurückkehren könnte, ihn mit einer Klosterschwester verheiratet fände.

Der französische Bildhauer Antoine Coysevox verfertigte 1710 eine Statue von Maria Adelaide, die sie als Göttin Diana darstellte und im Louvre aufbewahrt wurde.

Maria Adelaide nahm an vielen politischen Beratungen teil und war daher oft in bedeutende Staatsgeheimnisse sowie Beschlüsse eingeweiht. Laut dem französischen Historiker Charles Pinot Duclos soll sie ihr Wissen missbraucht haben, indem sie ihrem Vater alle für ihn interessanten Informationen mitteilte. Dies sei nach ihrem Tod aufgrund der Durchsicht ihrer Briefe ans Tageslicht gekommen. Dementsprechend soll Ludwig XIV. gegenüber der Madame de Maintenon geäußert haben, dass ihn das „kleine Frauenzimmer“ getäuscht habe.

Nachkommen

Mit dem Herzog von Burgund hatte Maria Adelaide drei Söhne:

  • Ludwig, 1. Herzog der Bretagne (* 25. Juni 1704, † 13. April 1705)
  • Ludwig, 2. Herzog der Bretagne (* 8. Jänner 1707, † 8. März 1712)
  • Ludwig, Herzog von Anjou (* 15. Februar 1710, † 10. Mai 1774), seit 1715 als Ludwig XV. König von Frankreich.

Tod und Nachfolgefrage

Als der bisherige Thronfolger, der Grand Dauphin, am 14. April 1711 an den Windpocken starb, rückte sein Sohn, der 29jährige Herzog von Burgund, zum Kronprinzen und dessen Gemahlin Maria Adelaide zur Dauphine auf, eine Stellung, die sie nur zehn Monate innehaben sollte. Denn 1712 brach eine Masern- oder Scharlachepidemie aus, und sowohl der Herzog als auch die Herzogin von Burgund erlagen dieser Krankheit, ebenso wie ihr ältester noch lebender Sohn, der fünfjährige Herzog der Bretagne. Maria Adelaide starb am 12. Februar, ihr Mann am 18. des gleichen Monats und der Herzog der Bretagne am 8. März. Kurz vor ihrem Ableben soll die erst 26jährige Maria Adelaide zur Herzogin von Guise gesagt haben: „Auf Wiedersehen, schöne Herzogin. Heute [bin ich] eine Dauphine und morgen ein Nichts!“ („Adieu, belle duchesse : aujourd’hui Dauphine et demain rien!“) Vielleicht wurden alle drei Todesfälle durch die von übereifrigen Ärzten angeordneten, anscheinend zu heftig durchgeführten Aderlässe verursacht. Nur der jüngste Sohn Maria Adelaides, der kleine Herzog von Anjou, überlebte, weil Kammerfrauen ihn der tödlichen Fürsorge der Ärzte entzogen. Für Ludwig XIV. waren diese innerhalb so kurzer Zeit erfolgten familiären Todesfälle eine Tragödie. Besonders trauerte er um die verstorbene Dauphine und teilte seinen Kummer auch brieflich König Philipp V. von Spanien mit.

Da bis auf den erst zweijährigen Herzog von Anjou alle legitimen Erben Ludwigs XIV. verstorben waren, erhob der alte König seine illegitimen Söhne 1714 in den Rang der Prinzen von Geblüt und stellte ihnen nach einem eventuellen Tod des Herzogs von Anjou sogar die Thronfolge in Aussicht. Dieser Fall trat allerdings nie ein, da aus dem Herzog von Anjou 1715 König Ludwig XV. von Frankreich wurde.

Maria Adelaide wurde in der Basilika Saint-Denis bestattet.

Literatur

  • Warren Hamilton Lewis: Ludwig XIV. Der Sonnenkönig. Heyne, München, ISBN 3-453-55034-X.

Weblinks

 Commons: Maria Adelaide von Savoyen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Maria_Adelaide_von_Savoyen“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 10. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.