Morrien

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{{Dieser Artikel|behandelt das Adelsgeschlecht (von) Morrien. Für weitere Bedeutungen, siehe Morrien (Begriffsklärung)W-Logo.png

Wappen derer von Morrien

Die Herren von Morrien gehörten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu den führenden westfälischen Adelsfamilien (Ritterstand). Der Name ist ein Übername und entstand aus Morian, da die von Morrien überzeugt waren, von einem der Heiligen Drei Könige, dem Mohr Melchior, abzustammen. Zwischen 1350 bis 1691 hatte die Familie das Amt des Erbmarschalls des Fürstbistums Münster inne. Die Familie besaß Nordkirchen bei Lüdinghausen und seit 1521 den Falkenhof in Rheine. Daneben war sie im 17. und 18. Jahrhundert auch im Herzogtum Kleve begütert.

Wappen

Das Wappen der von Morrien zeigt im silbernen Schild einen schwarzen Schrägbalken (Turnierkragen) mit vier Lätzen und in der oberen Ecke einen sechseckigen roten Stern. Im Helmschmuck steht den Rumpf eines Mohren zwischen zwei Straußenfedern. Der schrägrechte, vierlätzige Tunierkragen und der silberne Hintergrund wurden offensichtlich von den Herren von Senden übernommen und werden noch heute im Sendener Gemeindewappen verwendet.

Geschichte

Stammlinie zu Nordkirchen

Ältester Namensträger war Johann Morrien zu Lüdinghausen (* vor 1271, † 1337). Er wurde um 1252 in Lüdinghausen geboren. Sein Vater Bernhard von Senden zu Lüdinghausen war Ritter und Vasall des Bischofs von Münster und des Grafen von Ravensberg. Johann wurde Ritter und erhielt vom Bischof den Oberhof Selm als Pfand. Vom Kloster Werden wurde er mit dem Oberhof Nordkirchen und den Höfen tor Horst und Bertelswich belehnt und führte seitdem den Titel Herr zu Nordkirchen. Er war zudem Burgmann auf der Burg Botzlar, wo er ein Steinhaus besaß. Um 1284 heiratete er seine Frau Adelheid. Seine älteren Brüder wurden Knappen, sein jüngster Bruder Alexander von Morrien wurde Priester in Lüdinghausen, Propst des Stiftes St. Mauritz und schließlich Dompropst in Münster. Johann starb 1337 in Nordkirchen.

Sein einziger Sohn Johann II. (1324-1350 erwähnt) wurde Knappe und ebenfalls Burgmann in Botzlar. 1324 war er Herr zu Nordkirchen und 1347 erhielt er von der Abtei Werden den Hof Nordkirchen auf Lebenszeit zur Pacht. 1350 kaufte er von Conrad von der Recke das Erbmarschallamt des Fürstbistums Münster. Er war verheiratet mit Druda (Gertrud), mit der er einen Sohn Johann hatte.

Johann III. (1378-1398 erwähnt) wurde um 1325 geboren. Nach dem Tode seines Vaters um 1353 trat er dessen Nachfolge als Herr zu Nordkirchen, Burgmann zu Botzlar und Erbmarschall von Münster an. Um 1363 heiratete er Richmode Hake und übernahm 1370 die Vogtei mit der Gerichtsbarkeit und Verwaltung von Nordkirchen. 1393 wurde ihm der Hof Nordkirchen pfandweise überlassen.

Gerhard (1363-1424 erwähnt), heiratete 1388 die Alleinerbin Ida von Bevern und gelangte so in Besitz von Westbevern. Um 1398 beerbte er seinen Vater als Erbmarschall, Herr von Nordkirchen und Botzlar und ließ im gleichen Jahr die erste Burg Nordkirchens im Bereich Hirschpark erbauen. 1413 wurde er durch die Fürstabtei Herford mit dem Hof Ostenfelde belehnt. 1424 erwarb er die Höfe Capelle nebst den Höfen Dieckmann, Schlotmann und Kamphove.

Gerhard II. (1417-1489 erwähnt) erbte um 1426 das Erbmarschallamt und wurde Herr zu Nordkirchen. Durch Heirat der Erbtochter Margaretha von Borghorst im Jahre 1427 kam er an ihren Burgsitz in Horstmar. 1444 wurde er zum Drosten des Amtes Werne ernannt und im gleichen Jahr überließ die Abtei Werden ihm und seinen Erben den Hof Nordkirchen in Erbpacht. Während der Münsterischen Stiftsfehde 1450-1457 unterstützte er Bischof Walram von Moers, was zu einem weiteren Aufstieg der Familie beitrug. 1489 wurde er Amtmann zu Werne und Botzlar.

Seine Söhne Dietrich (* 1428; † 1482) und Alexander (Sander) (* um 1435; † 1498) waren Domherren in Münster. 1482, nach Dietrichs Tod, wurde Alexander münsterscher Erbmarschall zu Nordkirchen. Er heiratete 1487 Frederune Wulff von Lüdinghausen.

Gerhart III. (* um 1500; † 1591) erbte die Herrschaft Nordkirchen und das Erbmarschallamt. 1526 ließ er zum Schutz seiner Burg die Nordkirchener Pfarrkirche mit dem Friedhof und das alten Dorf Nordkirchen abbrechen und um einen Kilometer verlegen, da er fürchtete, dass der Kirchturm im Kriegsfall zur Beschantzung genutzt werden könnte. Trotz Genehmigung durch Papst Clemens VII. brachte ihm das einen langen Rechtsstreit mit seinen adeligen Nachbarn, insbesondere denen Meinhövel, von Merveldt und von Ascheberg ein. 1528 errichtete er die Wasserburg Nordkirchen mit seinem Baumeister Henric de Suer. 1551 wurde der Rechtsstreit vor dem bischöflichen Gericht zu Morriens Gunsten entschieden. 1556 stiftete er das "Armenhaus zu Nordkirchen" für fünf arme Leute. 1561 ging der Hof Nordkirchen endgültig an die Herren von Morrien durch Abkauf der Erbpacht über. 1564 heiratete er die Erbin von Davensberg, Johanna von Büren und erwarb dadurch die Hälfte der Davensberger Gerichtsbarkeit.

Gerhard IV. (* um 1565; † 1607) heiratete 1591 Adolpha von Ketteler und wurde Erbmarschall und Herr zu Nordkirchen. 1607 geriet er in eine Auseinandersetzung über Jagdrecht und Gebietsgrenzen mit seinem Nachbarn Dietrich von Galen, Vater des späteren Bischofs Christoph Bernhard von Galen, in dessen Folge am 17. Juli 1607 Gerhard auf dem münsterschen Domplatz von Dietrich von Galen erstochen wurde. Der Fall zog Kreise und landete schließlich auf Betreiben der Witwe Morrien vor dem Reichskammergericht in Speyer. Auf einer der ältesten Stadtansichten von Münster aus dem Jahr 1585, die sich heute im Stadtarchiv von Bad Homburg befindet, wurde der Vorgang nachträglich eingetragen.

Johann IV. (* um 1592; † 1628) wurde so bereits 1607 Erbmarschall und Herr zu Nordkirchen. 1623 heiratete er Anna Sophia von Limburg-Styrum. Bei den münsterischen Fürstbischöfen Ernst von Bayern und Ferdinand von Bayern fiel er in Ungnade, weil er sich offen zum Protestantismus bekannte. Im Dreißigjährigen Krieg paktierte 1627 mit dem dänischen König gegen den Fürstbischof, weshalb man ihm Untreue und Landesverrat vorwarf. 1628 ertrank er angeblich im Schlossteich; nach einer anderen Version starb er nach einem Sturz vom Pferd.

Sein Sohn Ferdinand (* um 1625; † 1688) erbte Nordkirchen und das Hofmarschallamt. Er wurde bei der Belagerung Münsters 1661 Kommandant im Belagerungsheer. 1670 wurde er und seine Familien vom Kaiser in den Reichsfreiherrenstand erhoben. 1677 geriet er in Nordkirchen in ein Pistolenduell mit seinem Bruder Johann Bernhard und verlor das Amt wieder. Bei dem anschließenden Prozess wurde er jedoch mangels Beweisen freigesprochen und wieder in seine Güter und Ämter eingesetzt. Er starb kinderlos.

Johann Bernhard (* um 1630; † 1691) beerbte seinen Bruder. Da auch er 1691 kinderlos starb, erlosch mit ihm die männliche Linie der Erbmarschälle. Der Besitz Nordkirchen kam zunächst an die Familie seine Schwagers, Freiherrn Ferdinand von Weichs.

1694 erwarb der Landesherr, Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg den gesamten Morrienschen Besitz in Nordkirchen für 250.000 Taler, dazu noch im gleichen Jahr das Haus Meinhövel, das Haus Botzlar in Selm, das Haus Geisbeck in Südkirchen für 125.000 Taler und die Halbscheid des Hauses Davensberg einschließlich der vollständigen Gerichtsbarkeit sowie das Gericht Capelle für 27.636 Taler.

Linie Falkenhof

Dietrich II. (* um 1490; † vor 1560) wurde Droste zu Cloppenburg. Er heiratete 1521 Anna von Valke. Hierdurch gelangte die Familie von Morrien auch in Besitz des Falkenhofes in Rheine, den sie zu neuer Blüte brachte.

Die Linie Falkenhof ist Ende des 18. Jahrhunderts erloschen.

Weitere Namensträger

Literatur

  • Bartmann, Karl: Zur Geschichte der Familie Bartmann aus Herbern, Wuppertal 1992
  • Dierkes, Frank: Der Fall Galen contra Morrien (1607-1621), in: Streitbar und Ehrenfest, Zur Konfliktführung im münsterländischen Adel des 16. und 17. Jahrhunderts, Münster 2007
  • Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adelslexikon Bd.6 Leipzig, 1865 S.356
  • Volmer, Walter: "Die Heiligen Drei Könige im Münsterland und der Morrien´sche Stern am Kölner Dreikönigenschrein"; in: Pulheimer Beiträge zur Geschichte, Band 34, Pulheim 2009, S. 61 ff.

Weblinks


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Morrien“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 22. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.