Saufeder (Heraldik)

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Klingen einer Sau-/Schweinsfeder
 
Gemäß Siebmacher
 
Hinten (im Wappen von Madfeld)
Klinge einer Saufeder, um 1430, Länge 42 cm.

Das Jagdinstrument Saufeder beziehungsweise die Waffe Schweinsfeder (engl.: boar spear) sind in der Heraldik seltene gemeine Figuren.

Darstellung

Die Sau-/Schweinsfeder kann als Ganzes oder nur als Teil im Wappenfeld dargestellt werden. Als Teil eignet sich die markante Waffenspitze/-klinge, die meist kräftig und breit und mit einer Parierstange ausgearbeitet ist, aber auch in anderen Ausprägungen als gemeine Figur in der Heraldik erscheint.

Die heraldische Tingierung der Saufeder ist nicht auf eine Farbe festgelegt.

Siebmacher

Saufeder (Tafel XXVI. Figur 55.) ein bekanntes Jagdinstrument, besonders zur Saujagd und Bärenhatz gebraucht und zum „Abfangen“ benutzt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Galerie

Die Saufeder findet sich als Wappenmotiv auch bei der Familie von Reichenstein in der Schweiz [2] sowie auf dem "Pfalzgrafenkreuz". d. i. ein Denkmal bei Zscheiplitz (Burgenlandkreis,Sachsen-Anhalt)[3].

Abgrenzung

Die überlieferten Wappen-/Siegelabbildungen der Herren von Thülen (auch: Raab genannt von Thülen) aus dem 14. bis 17. Jahrhundert zeigen oft undeutliche Wappenmotive, die nur schwer oder gar nicht identifizierbar sind. In der Literatur finden sich zahlreiche Deutungen dazu:

„Die von Thülen genannt Raab (Rabe) führen ein eigentümliches Wappen, nämlich ein Speereisen (Partisanenspitze) mit Widerhaken daran, von Einigen für eine Krampe oder Maueranker gehalten, vielleicht aber eine sogenannte Tülle zum Aufstecken eines Lichtes, wodurch das Wappen ein redendes sein würde.“

Archivrath von Eltester: Siebmacher (III. 11. I. Baltische Ostseeprovinzen; 1898)[4]

Außerdem wird die undeutliche Figur als „Griff einer Laute“, „Armschiene“ oder als „Saufeder“ gedeutet. Letztere Deutung legten das Amt Thülen und Stemel ihren Wappen zugrunde, obwohl sich das Motiv ganz deutlich von den gewöhnlichen Darstellungen einer Saufeder unterscheidet.

Theorienbildung
Die Redaktion des Heraldik-Wiki schließt sich keiner dieser Deutungen an, sondern fügt eine weitere hinzu und vermutet, daß das fragliche Motiv im Wappen/Siegel derer von Thülen eine Tülle zur Aufnahme eines Beilkopfes (vgl. Tüllenbeil) oder eines anderen „degen-/schwertbrechenden“ (sic!) Werkzeug-/Waffenkopfes darstellt (und nicht zum Aufstecken eines Windlichts), wodurch das Wappen ebenfalls ein redendes sein würde. Insbesondere die in manchen Darstellungen klar erkennbaren „Klingenfanghaken“, die in der Klingenform fest eingearbeitet sind, weisen darauf hin, daß die reale Vorlage des Motivs ein Art „Degenbrecher“W-Logo.png gewesen ist. --Rudelzau 09:38, 7. Dez. 2011 (UTC)

Bildende Kunst

Das Aussehen der klassischen Saufeder ist in vielen historischen Bildern zur Wildschweinjagd dokumentiert:

Wappenbilderordnung

Saufeder wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) unter dem Stichwort Jagdspieß (frz.: épieu, vouge; engl.: hunter's spear, hog spear) beziehungsweise unter der Nr. 9656 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Saufeder in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wildschweinjagd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Saufeder im Wappen „Peter Reich von Reichenstein“ (altbasel.ch)
  3. Saufeder auf dem "Pfalzgrafenkreuz", Denkmal bei Zscheiplitz (Burgenlandkreis,Sachsen-Anhalt)
  4. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, III. Band, 11. Abteilung, 1. Teil: Der Adel der Russischen Ostseeprovinzen: Die Ritterschaft (M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1898.


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Saufeder“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 10. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.