Stadionsches Wappenbuch

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Stadion'sche Wappenbuch
Wappen derer von Grünenberg (Seite 325, hier: nach sw-Aufriss v. 1887)
Wappen derer von Grünenberg (Seite 325, hier: nach sw-Aufriss v. 1887)
Originalausgabe
Genre Wappenbuch
Autor Anonymous
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr ca. 1585
Anzahl Seiten 466 Seiten
(222 Blätter; 1887)
Abmessungen (H x B) 44 cm x 30 cm
Standort Hauptstaatsarchiv StuttgartW-Logo.png
Inventarnummer J 1 Nr. 382

Das Stadionsche Wappenbuch (oder Stadion'sche Wappenbuch; auch das Wappenbuch des Georg Wilhelm von Stadion zu Magolsheim, Codex Stadion oder ähnlich genannt) ist ein aus mehrere Teilen und verschiedenen Quellen zusammengesetztes Wappenbuch, das nach seinen ursprünglichen Auftraggebern/Besitzern (Georg Wilhelm von Stadion zu Magolsheim oder Eittel Ludwig von Stadion zu Mosbayrn und Arneckh, beide aus dem Geschlecht derer von StadionW-Logo.png) benannt wurde.

Geschichte/Herkunft

Als Entstehungszeit des Codex Stadions wurde 1887 im Deutschen Herold vage die „zweite Häfte des 16. Jahrhunderts“ datiert;[1] 1980 grenzt Michael Klein den Ursprung mit dem Ausdruck „wohl um 1585“ genauer ein.[2]

Nach Klein benötigte Georg Wilhalm von Stadion zuo Mageltzhaim († 1595) als Hofmarschall des Bischofs von Augsburg (ab 1582) ein Wappenbuch, das später in den Besitz der Flugi von AspermontW-Logo.png gelangte:

„Dieses Wappenbuech hatt mir, Johann Andreas Flugi von Aspermont (* 1623; im Jahre 1655 verheiratet mit Ursula von Stadion ..) verehrt mein Herr Schwager Eittel Ludwig von Stadion zu Mosbayrn und Arneckh (..)“

Zitiert nach: Michael Klein (1980)[2]

Die Autoren des Deutschen Herold deuteten 1887 die Übergabe des Werks genau andersherum:

„Der erste nachweisbare Besitzer war Johann Andre Flugi von Aspermont, welcher es ca. 1657 seinem Schwager Eittel Ludwig von Stadion zu Mosbach und Arnekh schenkte.“

Deutscher Herold (1887)[1]

Der Verbleib des Wappenbuchs zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert ist unklar beziehungsweise nicht im Detail erforscht. Exlibris im Wappenbuch legen nahe, dass es im Besitz folgender Personen war:

  1. Antonio Maria Luis Felipe Juan Florencio d’Orléans (1866–1930)
    -- so in einem Auktionskatalog von 1960 gedeutet, Enkel von König Louis-Philippe I.W-Logo.png[2]
  2. Graf Henry Chandon de Briailles (1898-1937) bzw. Cte. Chandon de Briailles

1887 gelangte das Wappenbuch angeblich aus der Sammlung des Schlosses Trautmannsdorf in den antiquarischen Handel (bei Herrn J. A. Stargardt, Zimmerstraße 19, Berlin).[1] 1898 wird es im Catalog 100 von Ludwig Rosenthal's Antiquariat unter der Nr. 427 aufgelistet.[3] Zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert war es offensichtlich vielen Personen zugänglich (zahlreiche Nennungen im Werk von Julius Kindler von Knobloch und im Neuen Siebmacher sowie einzelne [veränderte] Nachzeichnungen bei Otto von Alberti).[2] Das Landesarchiv Baden-Württemberg erwarb das Werk 1960 auf der 96. Buchauktion von Dr. Ernst Hauswedell in Hamburg für 6670,- Deutsche Mark und restaurierte es noch im gleichen Jahr (im Archiv unter der Signatur J 1 Nr. 382 geführt).[4]

Umfang

Das Wappenbuch enthielt im Jahr 1887 noch 222 Blätter (zweiseitig koloriert bis Seite 442). Wenn eine Zählung Eittel Ludwig von Stadion korrekt war, beinhaltete das Werk im Jahre 1657 insgesamt 3746 Wappen, von denen heute nur noch 3578 (dazu 10 auf dem Einband) erhalten sind (im Catalog 100 von Ludwig Rosenthal's Antiquariat wird dagegen die unglaubliche Zahl von „6525 colorirten Wappenabbildungen“ genannt).[1][2][3] Den Schwund charaktisiert Klein im Jahre 1980 folgendermaßen:

„Textverluste S. 21-24, 27-40, 47 bis 48, 57-58, 63-66, 377-378; 389-390 sind bei der Zählung übersprungen, Gleiches wurde bei intakter Bindung für 57-58, 377-378 vermutet; 21-40 werden 1960 als ,ausgerissen' bezeichnet (..)“

Zitiert nach: Michael Klein (1980)[2]

Ab Seite 81 erscheinen Wappenschablonen, in welche die Wappen freihändig hineingezeichnet sind (pro Seite neun Wappen, in drei Reihen zu je drei Schilden, die Außenschilde nach innen geneigt, das Mittlere vor sich).

Inhalt

Das Wappenbuch enthält nach verschiedenen Vorlagen (Turnierbüchern u. ä.) nach einem allgemeinen Teil überwiegend Wappenschilde von Adelsgeschlechtern (teilweise von ausgestorbenen Familien) vor allem aus Schwaben und Süddeutschland. Gewöhnlich erscheinen die Namen der wappenführenden Familien (einzelner Personen besonders ab Seite 128) handschriftlich über den Zeichnungen (Angaben vermutlich zum Ende des 16. Jhr. erstellt), teilweise fehlen sie aber (besonders bei den Seiten 124 bis 126) oder sind nachträglich von anderer Hand mit Bleistift ergänzt.[2]

Seite Beschreibung
Reichsadler
(1) Geistliche Kurfürstenwappen
(2-20) 19 Motive für die Glieder des Reiches (von den Kurfürsten bis zu den Landesbannern je in QuaternionenW-Logo.png; 14 bis 19 ohne Helmzier, 20 mit Fahne)
(25-26, 42) 27 Wappen der Könige Europas (25, 26 und 42 mit Wappenkrone)
(44-51) 47 Wappen von Frankreich (45 und 51 ohne Helmzier; 44, 46 bis 50 als Kernwappen, umgeben von kleineren Schilden)
(52-53) 20 Wappen von Österreich (52 und 53 als als Kernwappen, umgeben von kleineren Schilden)
(54-55) 24 Wappen von Württemberg (54 und 55 als als Kernwappen, umgeben von kleineren Schilden)
(56) Allianzwappen der Markgrafen zu Mantua und Herzöge zu Ferrara
(59-62, 68) 45 Wappen der Herzöge Deutschlands (59 bis 68 ohne Helmzier)
(67) 9 Wappen der (teils gefürsteten) Grafen
(69-80) Wappen deutscher Grafen (von Süd nach Nord)
(81-83) Wappen der Herzöge
(83-84) Wappen der Markgrafen
(84-89) Wappen der Grafen
(89-442) Wappen von Adelsgeschlechtern (ab 175 zwanzig Wappen ohne Helmzier)
(347-438) Alphabetische Reihe, (heute) 776 Familienwappen, in 399-436 zu 8 Namen keine Wappen.
(438, 442-444) 22 leere Wappenschablonen
(445-463) Namensregister, alphabetisch; bes. bis 100 nicht vollständig.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Der Deutsche Herold: Das Stadion'sche Wappenbuch. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde. Jahrgang 18. 1887. S. 66.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Michael Klein: Die Handschriften der Sammlung J 1 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.) Band 1. Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 1980. ISBN 3-447-02026-1. S. 294 f. (Google)
  3. 3,0 3,1 Catalog 100 von Ludwig Rosenthal's Antiquariat. München. 1898. S. 79 (Digitalisat)
  4. Vgl.
    • HStA Landesarchiv Baden-Württemberg: Kanzleiakten CVd, II /_ 7.
    • E. Hauswedell: Antiquariatskatalog 150. 1960. Nr. 649 (Taf. IX: Abb. von III)
    • E. Gönner: Wappen-Symbole der Geschichte (Ausstellungskatalog 1973) 79 Nr. 95.