Sternerkrieg

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Der Sternerkrieg begann im August 1372 und zog sich bis zum Ende des Jahrhunderts hin. Die Hauptakteure auf Seiten des Ritterbundes vom Sterne waren die Grafen von Ziegenhain, Fürst Otto von Braunschweig-Göttingen, die Grafen von Nassau, die Abtei Hersfeld, das Bistum Mainz und eine große Zahl von Rittern aus Oberhessen und der Wetterau.

Ihr Hauptgegner waren die Hessischen Landgrafen und die Markgrafen von Meißen, die auch den Landgrafen von Thüringen stellten. Hermann II. von Hessen begegnete dieser Bedrohung, indem er 1373 eine Erbverbrüderung mit den Markgrafen von Meißen einging, die von Kaiser Karl IV. bestätigt wurde. Dies hatte auch zur Folge, dass nun die gesamte Landgrafschaft Hessen zum Reichslehen wurde; zuvor beruhte die hessische Reichsfürstenwürde nur auf den Reichslehen Eschwege und Boyneburg (bei Sontra).

Kriegshandlungen in Hessen

Das Hauptereignis dieses Krieges in Hessen bahnte sich an der Burg Herzberg an. Wegen ihrer strategisch bedeutsamen Lage an der Heer- und Handelsstraße der Kurzen Hessen und zwischen den Interessensgebieten der Landgrafschaft Hessen, der Abtei Hersfeld, der Grafschaft Ziegenhain und der Abtei Fulda wurde die Burg ein bedeutender Stützpunkt der Sterner. Um sie gegen Angriffe zu sichern, schickte Otto von Braunschweig-Göttingen ab 1371 Soldaten und seinen Hauptmann Breido Rantzow auf die Burg.

Diesen strategischen Punkt brauchte aber auch der hessische Landgraf Hermann II.. Um die Kontrolle über die Burg wieder zu erlangen, griff er im August 1372 die dort stationierten Sterner an. Er und Balthasar von Thüringen belagerten die Burg mit etwa 1000 Mann. Da die die Belagerung länger dauerte, konnten die Sterner ein Entsatzheer mit etwa 1500 Mann aufstellen, das unter Führung von Graf Gottfried VII. von Ziegenhain von der Schwalm her auf die Burg vorrückte. Es schnitt dem hessischen Heer damit die Rückzugs- und Versorgungswege nach Alsfeld und Marburg ab. Hermann war gezwungen, die Belagerung abzubrechen und sich in Richtung Hersfeld zurückzuziehen. Da der Hersfelder Abt auch ein Sterner war, hoffte Gottfried, das hessische Heer zwischen sich und der befestigten Stadt Hersfeld aufreiben zu können. Hermann zog aber mit einem Teil seines Heeres durch das enge Tal der Aula hoch und durchbrach die Linien der Sterner auf dem Gebiet der Grafschaft Ziegenhain; Neukirchen und Schwarzenborn wurden dabei niedergebrannt. So kam er 1373 rechtzeitig in Marburg an, um den Sternern im westlichen Hessen entgegenzutreten.

Die andere Hälfte des hessischen Heeres, unter Balthasar von Thüringen, zog vor das befestigte Hersfeld. Als Balthasar um Einlass in die Stadt bat, gab sich der Hersfelder Abt Berthold II. von Völkershausen, der seine Mitgliedschaft bei den Sternern bisher geheim gehalten hatte, vor den Bürgern offen als Bundesgenosse der Sterner zu erkennen. Die Bürger ihrerseits waren dadurch gezwungen, sich Verbündete gegen den Abt zu suchen, um ihre Unabhängigkeit nicht zu verlieren. Sie entschieden sich daher, gegen den Willen des Abtes, dem landgräflichen Heer innerhalb der Stadtmauern Schutz zu gewähren. Die Sterner wagten es nicht, die Stadt anzugreifen.

Kleinere Scharmützel fanden aber weiterhin statt. So gingen die Ritter von Buchenau gegen die landgräfliche Stadt Rotenburg an der Fulda und deren Umgebung vor. Sie konnten die Stadt jedoch nicht einnehmen und wurden auf dem Rückzug vor Hersfeld von landgräflichen Truppen geschlagen.

Später trafen hessische Truppen vor den Toren Hersfelds, bei der Nikolauskirche, erneut auf die Sterner. Als die Landgräflichen vor einer Niederlage standen, gewährten die Bürger Hersfelds ihnen erneut Schutz innerhalb der Mauern der Stadt. Dieses mehrmalige Eingreifen der Stadt zu Gunsten der Landgrafen brachte ihr die Feindschaft mit dem Abt und dem Ritterbund ein. So kam es am 28. Januar 1373 zu einem Schutz- und Trutzbündnis der Stadt mit dem Landgrafen von Hessen und am 24. Oktober 1373 mit dem Landgrafen von Thüringen. Nach diesen Verträgen entsandte der hessische Landgraf 60 Glevener (Lanzenreiter mit mehreren berittenen Knechten, im Gegensatz zum gewöhnlichen einspännigen Landsknecht) nach Hersfeld, und sowohl der hessische als auch der thüringische Landgraf sicherten der Stadt zu, je 20 weitere Glevener zu schicken, wenn sie angegriffen würde. Die Stadt nahm in den Verträgen aber den Abt und das Stift aus.

Ansonsten wurde der Krieg weniger durch Auseinandersetzung unter bewaffneten Truppen geführt, sondern mit Streifzügen und Plünderungen im feindlichen Gebiet. Ein Beispiel war die Plünderung im April 1373 durch ziegenhainische Truppen, die von Schwarzenborn aus die Dörfer des Gerichtes Rohrbach (das spätere Gericht Ludwigseck) überfielen. Das Gericht gehörte zum Teil dem Landgrafen und zum anderen Teil der Abtei Hersfeld. Abt Berthold II. schrieb daher an Ludwig von Wallenstein, seinen Lehnsmann, der an diesem Überfall mitgewirkt hatte, und forderte ihn zur Wiedergutmachung des der Abtei entstandenen Schadens auf.

Vitaliskeuz in Bad Hersfeld

Die Ereignisse aus den Jahre 1372 und 1373 führten letztlich zum Angriff der Sterner auf Hersfeld. Damit erhoffte der Abt, wieder die Kontrolle über die Stadt gewinnen zu können. Der Angriff in der Vitalisnacht konnte aber zurückgeschlagen werden, da Simon von Haune die Stadt vor den anrückenden Sternern warnte. Ein Anführer der Sterner, Eberhard von Engern, wurde durch einen Armbrustschuss tödlich getroffen. Seine durchlöcherte Sturmhaube hing lange Zeit am Rathaus; heute wird sie im Stadtmuseum Bad Hersfeld ausgestellt. Am Rathaus hängt nun eine Nachbildung des Helms als Andenken an dieses Ereignis.

Durch die großen militärischen Aufgebote von Hermann II., auch im Westen von Hessen, brach die flächendeckende Front gegen ihn schon Ende 1373 zusammen. Friedrich von Lißberg verglich sich als erster mit Hermann II., die Herren zu Eisenbach folgten.


Einzelnachweise


Weblinks


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Sternerkrieg“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 29. März 2011 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.