Hanf (Heraldik)

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Beblätterter grüner Hanfstengel mit goldenem Blütenstand (Wangen-Brüttisellen)
Hanf (Cannabis sativa)
Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen

Hanf (Lehnwort aus dem griech. lat. κάνναβις, cannabis; ahd.: hanaf, hanif, hanuf; mhd.: hanef; lokal: Hahn, Hänfin, Hanfhahn, Honef, Mäsch, Mesch, Saatbogen, Saathemp, Sehmer, Tregel, Bästling, Bast, Bösling, Feimlein, Femmel, Fimme, Fimmel, Geilhemp, Geilsjehemp, Güstehemp, Hämpinne, Hanfhenne, gelje/fröhripe Hemp, Henne, Maschgelt, Pastök, Semmelhanf, Trigel oder anders; frz.: chanvre; engl.: hemp) ist im neueren Wappenwesen ein unpräziser Ausdruck für diverse gemeine Figuren, die im weitesten Sinn einer Hanfpflanze oder einem Teil derselben (zum Beispiel einem Hanfstengel, einem Hanfblatt, einer Hanfblüte oder ähnlichem) nachempfunden sind.

In der Früh- und Hochblüte der Wappenkultur beziehungsweise zur Zeit der Gotik bis zum Anfang der Renaissance sind keine oder nur wenige Wappenmotive gebräuchlich, die zweifelsfrei einer hanfartigen Figur zuzuordnen wären.

Darstellung

Im Wappenwesen dominieren drei heraldisch stilisierte Darstellungen der Pflanzengattung Pflanzengattung HanfW-Logo.png (cannabis) beziehungsweise der Pflanzenart HanfW-Logo.png (cannabis sativa; auch gewöhnlicher Hanf, selten echter Hanf genannt):

  • die Figur Hanfstengel
  • die Figur Hanfblüte
  • die Figur Hanfblatt

Neben den Pflanzenfiguren erscheinen im Wappenwesen auch Geräte zur Verarbeitung von Hanf, wie zum Beispiel die HechelW-Logo.png.

Hanfstengel

Die Figur Hanfstengel wird gewöhnlich als heraldisch stilisierte Hanfpflanze mit aufrechtem Stängelstiel ohne Bewurzelung aufgerissen, aus dem fünf bis sieben der charakteristischen Hanflaubblätter verzweigen. Erscheint das Motiv mit Blütenstand, sollte dies gemeldet werden, insbesondere wenn dieser eine andere heraldische Farbe besitzt als der Rest der Figur. Das Wappenwesen unterscheidet gewönlich nicht botanisch genau zwischen einer männlichen oder weiblichen Hanfpflanze, sondern betont, ohne Augenmerk auf ein eindeutiges Geschlecht zu legen, jene Merkmale, die die Erkennbarkeit des Gesamtmotivs gewährleisten. Bevorzugte Farbgebung für die Figur sind Grün und Gold, wobei die Wappenfigur grundsätzlich auch in einer anderen heraldischen Farben gemeldet werden kann.

Hanfblüte

Die Figur Hanfblüte ist gewöhnlch einer an einem Blüstenstiel hängenden männlichen Hanfblüte mit eiförmigen bis lanzettlichen Kelchblättern nachempfunden, wobei der Blütenstiel zum oberen Schildrand gewendet ist (= „hängende“/„gestürzte“ Hanfblüte); bei einer „aufrechten“ oder „mit abwärts gekehrtem Blütenstiel“ beschriebenen Figur zeigt der Blütenstiel dagegen zum unteren Schildrand. Hanfblüten erscheinen in Wappen in Ein-, Zwei- oder Dreizahl, seltener in Mehrzahl. Hanfblüten in Dreizahl werden gewöhnlich 2:1 gestellt, erscheinen aber auch 1:2, garbenweise oder ähnlich. Überwiegend erscheint das Motiv in Gold (andere Farben sind möglich). Eine Andersfarbigkeit der Kelchblätter ist stets zu melden (beispielsweise: Goldene Hanfblüte mit silbernen Kelchblättern).

Hanfblatt

Handförmig zusammengesetzte (palmate), am Rand gesägte Hanfblätter erscheinen im Wappenwesen nur wenig stilisiert, sind gewöhnlich aber gut erkennbar. Die Anzahl der Blättchen an einem Blatt kann gemeldet werden (im Wappenwesen gewöhnlich 5, 7 oder 9, selten weniger oder mehr).

Hanf im Wappen Ziegesar

In der heraldischen Literatur wird teilweise davon ausgegangen, dass im Wappen derer von Ziegesar drei nebeneinander stehende grüne Hanfstengel oder Hanfblätter erscheinen:

Hanf (Tafel XXIV. Figur 16.) das heißt dessen Blätter führen zum Beispiel die Ziegesar (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

In den meisten überlieferten Darstellungen des Ziegesar-Wappens fehlen gewöhnlich zweifelsfreie Merkmale für den Hanf (beispielsweise erscheinen keine charakteristischen, handförmig zusammengesetzte (palmate), am Rand gesägte Hanfblätter). Auch andere Interpretation des Wappenmotivs (zum Beispiel im Siebmacher drei grüne Eichblätter, drei Pappelbäume, drei Weiden-/Wegblätter) sind wenig überzeugend.

Die Redaktion des Heraldik-Wiki geht entgegen aller diese Interpretationen davon aus, dass die Familie von Ziegesar ein sprechendes Wappen führt und die drei Figuren daher keine Hanfstengel/-blätter sind. Der Name der Familie schreibt sich erst seit 1582 Ziegesar, kommt davor jedoch in anderen Schreibweisen vor (Ziesar, Seygesar, Segesere, Seyser, Jezere, Seyezer, Zegeser, Tzigeser, Tzygeser). Diese Namensformen könnten beispielsweise mehr oder weniger redend auf die „Kirchererbse“ als Wappenmotiv verweisen (lat. cicer; ahd.: chicherâ, chichirâ, chichurâ, chichuriâ und ähnlich auch kihhira, chicher; vgl. auch: Zieser, Ziesererbse, Kicherling, Kickerling. Kicherkraut). Dazu paßt, dass die drei nebeneinandert stehenden Figuren in überlieferten Ziegesar-Wappen drei unpaarig gefiederten Kichererbsenblättern (jeweils mit mehrzähligen Teilblättchen und einem abschließenden Endblättchen) ähneln.

Hechel

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Hechel (Heraldik)

Die Figur Hechel ist einem kammartigen landwirtschaftlichem Gerät mit spitzen Zinken („Hechelzähne“) nachempfunden, durch welches Hanffasern zum Reinigen („Hecheln“) durchgezogen werden.

Wappenbilderordnung

Symbolik

Außerhalb der Heraldik gilt der Hanfstengel unter anderem als Mittel gegen die Sagenfigur SchabbockW-Logo.png:

„Als Abwehrmaßnahme gilt (..) ein Hanfstengel im Kinderbett (..) Des Weiteren empfahl die Großmutter der Frau Hafner in Soboth, die Wickelkinder zur Abwehr des Schabbocks mit Schabbockskraut und Hanfstengeln einzuräuchern, da der Schab auf Hanf allergisch reagiert.“

Dt. Wikipedia (2015)[3]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Wappenbeschreibung: „Geviert mit von Gold, Blau und Silber geteiltem Herzschild; in Schwarz eine goldene Hanfblüte, in Gold ein rot bewehrter, schwarzer wachsender Adler, in Gold drei eins zu zwei gestellte rote Kugeln, in Rot ein silberner Ring.“
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 107
  3. Seite „Schabbock“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 16. Oktober 2015, 20:52 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schabbock&oldid=147071605 (Abgerufen: 14. November 2015, 13:03 UTC)