Henneberg (Adelsgeschlecht)

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kloster Veßra: Rekonstruiertes Eingangswappen

Die Grafen von Henneberg waren ein fränkisches Adelsgeschlecht. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts, zirka 200 Jahre nach der fränkischen Ostkolonialisierung, dehnten sie im Zuge des Zerfalls der fränkischen Grafschaftsverfassung und dem Verschwinden des fränkischen Reichsguts, im Gebiet zwischen Thüringer Wald und Main ihr Herrschaftsgebiet aus und gründeten die gleichnamige Grafschaft Henneberg. Erstmals wurden die vermutlich dem Geschlecht der Popponen entstammenden Grafen im Jahre 1078 chronikalisch und 1096 urkundlich erwähnt.

Entwicklung des Hauses

Wappen nach dem Scheibler'schen Wappenbuch
Kloster Veßra Eingangswappen

Stammburg der Henneberger Grafen war die Henneburg auf dem Henneberg bei dem gleichnamigen Dorf im heutigen thüringischen Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Das Geschlecht derer „von Henneberg“ ist erstmals 1096 mit dem Würzburger Burggrafen Godebold II. fassbar. Die Henneberger waren wohl schon ab 1057 Burggrafen in Würzburg; diese Position ging dann im Machtkampf mit den Würzburger Bischöfen um die Mitte des 13. Jahrhunderts verloren.

1190 teilte sich das Geschlecht in die Linien Henneberg, Botenlauben und Strauf. 1274 erfolgte eine erneute Teilung in die Linien (Henneberg-Schleusingen, Henneberg-Aschach-Römhild, Henneberg-Hartenberg). Die mächtigste Linie war die Schleusinger mit Sitz auf Schloss Bertholdsburg, die auch den längsten Bestand hatte. Im Jahre 1310 wurde Berthold VII. von Henneberg-Schleusingen, der 1274 die Henneburg erhalten hatte, in den Fürstenstand erhoben. Zeitweise war er Bevollmächtigter Kurbrandenburgs und Kursachsens, Verwalter Böhmens und Vormund des Wittelsbacher Kaisersohns Ludwig von Bayern. Zeitweilig waren die Henneberger die größte weltliche Macht im Fränkischen Reichskreis.

Die bedeutendsten Städte der Grafschaft waren Schmalkalden, Meiningen (ab 1542), Coburg und Suhl. Suhl bildete mit umfänglichem Bergbau und der Waffenfabrikation das wirtschaftliche Zentrum, in Meiningen war das Textil- und Metallhandwerk sowie der Handel stark vertreten, während die anderen Städte als Residenzen und Zentren von Kultur und Kunst dienten. Geistliches Zentrum der Grafschaft war das von den Hennebergern im Jahre 1131 gegründete Prämonstratenserkloster Veßra (jetzt Hennebergisches Museum Kloster Veßra), das fast allen Generationen als Grablege diente.

Nach dem Aussterben der Herzöge von Andechs-Meranien im Jahr 1248 fielen Gebiete rings um Sonneberg und Coburg an die Grafen von Henneberg. Zwischen beiden Häusern bestanden auf Grund der Ehe von Poppo VI., dem Vater von Otto von Botenlauben, mit Sophie von Istrien verwandtschaftliche Beziehungen. Graf Hermann I. von Henneberg (1224–1290) erhielt das Gebiet um Schmalkalden mit der Kleinherrschaft Hallenberg nach dem Aussterben der Ludowinger als Ausgleich für den Verzicht eigener Ansprüche an das Reichsfürstentum 1249 von seinem Stiefbruder, dem Markgrafen Heinrich III. von Meißen, der dies am Ende des Erbfolgekrieges 1260 bestätigte. Damit entstand die „Neue Herrschaft“. Im Schalkauer Land wurden die Schaumberger Mitte des 14. Jahrhunderts von den Hennebergern verdrängt.

1347 ging ein bedeutender Teil der Grafschaft, die Pflege Coburg, als Erbe Katharinas († 1397) bei ihrer Hochzeit mit Friedrich dem Strengen an das Haus Wettin. Der aus dieser Ehe hervorgegangene Friedrich IV. war der erste Kurfürst aus dem Haus Wettin. Die Herrschaft Schmalkalden wurde 1360 vom Landgrafen Heinrich II. von Hessen gemeinsam mit Elisabeth von Henneberg, der Witwe des Burggrafen Johann II. von Nürnberg, im Zuge eines gegenseitigen Erbvertrages erworben und fiel mit dem Tod des hennebergischen Fürstgrafen Georg Ernst im Jahre 1583 endgültig an das Haus Hessen.

Die Grafschaft Henneberg befand sich von jeher im Reibungsbereich mittel- und süddeutscher Mächte. Dies zwang Wilhelm IV. von Henneberg-Schleusingen zur Durchsetzung der Reformation im 16. Jahrhundert. Geldmangel führte zu einer Schuldverschreibung mit dem wettinischen Haus, da im sonst katholischen Franken kein Partner gefunden werden konnte. Am 1. September 1554 wurde im Rathaus zu Kahla zwischen den Ernestiner Herzögen Johann Friedrich II., Johann Wilhelm I. und Johann Friedrich III. dem Jüngeren einerseits und den Grafen Wilhelm, Georg Ernst und Poppo von Henneberg andererseits die ernestinisch-hennebergische Erbverbrüderung beschlossen. Dieser sogenannte „Kahlaer Vertrag“ mit den Wettinern sah die Übernahme Hennebergs durch Sachsen bei Ableben der Henneberger Linie vor. Dieser Fall trat 1583 ein.

Stammliste

Stammtafel derer von Henneberg

Von Poppo I. bis Heinrich I. (11. Jh. bis 1262)

  1. Poppo I. († 1078), Graf von Henneberg
    1. Gotebold II. († 1144)
      1. Poppo IV. († 1156) ∞ Irmgard aus dem Hause der Udonen
        1. Berthold I. († 1159)
          1. Poppo VI. († 1190), ∞ Sophie von Istrien
            1. Berthold II. († 1212)
              1. Berthold III. († um 1218)
            2. Poppo VII. († 1245) ∞ Jutta von Thüringen
              1. Hermann I. von Henneberg-Coburg († 1290) ∞ Margarete von Holland, Schwester Wilhelms von Holland
                1. Poppo d. J. von Henneberg-Coburg († 1291), 1290–1291 Graf von Henneberg-Coburg
                2. Jutta von Henneberg-Coburg, ∞ Otto von Brandenburg
              2. Heinrich I. von Henneberg-Schleusingen († 1262) (weiter siehe unten)
              3. Berthold I. von Henneberg, Bischof von Würzburg 1267–1274, Weihbischof in Mainz 1307–1312
            3. Otto I. von Botenlauben (1177–1245), Minnesänger, Kreuzfahrer und Klostergründer
              1. Otto II. von Botenlauben
          2. Irmingard von Henneberg († 1197), ∞ mit dem ersten Pfalzgrafen bei Rhein Konrad dem Staufer
        2. Gebhard von Henneberg († 17. März 1159), 1150–1159 Bischof von Würzburg
        3. Günther von Henneberg († 16. August 1161), 1146–1161 Bischof von Speyer
        4. Otto II. von Henneberg, 1190–1200 Bischof von Speyer
  2. Gotebold I. († 1091)
    1. Poppo II. († 1118) → Nebenlinie (Frankensteiner, bis 1354?)

Von Heinrich I. an (1262 bis 1583)

  1. Heinrich I. von Henneberg-Schleusingen († 1262), verheiratet mit Sophia, einer Tochter seiner Stiefmutter Jutta von Thüringen
    1. Heinrich II. von Henneberg-Hartenberg († 1317), 1262–1317 Graf von Henneberg-Hartenberg, verkauft sein Drittel von Würzburg
      1. Poppo X. von Henneberg-Hartenberg († 1348), 1317–1348 Graf von Henneberg-Hartenberg
        1. Berthold († 1378), 1348–1378 Graf von Henneberg-Hartenberg, verkauft Hartenberg 1371 an Hermann III. von Henneberg-Aschach
    2. Hermann II. von Henneberg-Aschach († 1292), Graf von Henneberg-Aschach 1262–1292
      1. Hermann von Henneberg-Aschach, Graf 1292–1306 mit seinem Bruder Heinrich
      2. Heinrich III. von Henneberg-Aschach, († um 1355), Graf von Henneberg-Aschach 1292–1352
        1. Hermann III. († 1403), Graf von Henneberg-Aschach 1352–1403, verkauft Aschach 1390, kauft Hartenberg 1371
          1. Friedrich I. († 1422), Graf von Henneberg-Aschach 1403–1422
            1. Georg († 1465), Graf von Henneberg-Aschach 1422–1465
              1. Friedrich II. († 1488), Graf von Henneberg-Aschach 1465–1488
                1. Hermann IV. († 1535), Graf von Henneberg-Aschach 1488–1535
                  1. Berthold († 1549), verkauft Römhild 1548 an Mansfeld, dies 1555 an Sachsen
                  2. Albrecht († 1549), ∞ Katharina Gräfin von Stolberg, sie erbt Schwarza, das dann durch Testament an Stolberg fällt
              2. Otto († 1502)
              3. Philipp von Henneberg-Aschach, Bischof von Bamberg 1475–1487
              4. Berthold von Henneberg-Aschach, Erzbischof von Kurmainz 1484–1504
    3. Berthold III. von Henneberg-Schleusingen († 1284)
      1. Berthold IV./VII. († 1340), 1310 in den Fürstenstand erhoben
        1. Heinrich IV./VIII. († 1347) ∞ Jutta von Brandenburg, Enkelin der Jutta von Henneberg-Coburg
          1. Elisabeth von Henneberg-Schleusingen, Erbin von Irmelshausen ∞ Graf Eberhard von Württemberg
          2. Katharina von Henneberg, Erbin von Coburg ∞ Friedrich der Strenge von Meißen
          3. Sophie von Henneberg, Erbin von Hildburghausen und Schmalkalden († 1372) ∞ Albrecht der Schöne († 1361), Burggraf von Nürnberg
          4. Jutta von Henneberg, Äbtissin im Kloster Sonnefeld
        2. Johann I. († 1347) ∞ Elisabeth von Leuchtenberg
          1. Heinrich V. († 1405)
            1. Wilhelm I. († 1426)
              1. Wilhelm II. († 1444)
                1. Wilhelm III. († 1480)
                  1. Wilhelm IV. († 1559), ∞ Anastasia von Brandenburg, Tochter von Kurfürst Albrecht Achilles
                    1. Johann III., Fürstabt von Fulda 1521/1529–1541
                    2. Georg Ernst († 1583), ∞ I. 1543 Elisabeth von Braunschweig, ∞ II. Elisabeth von Württemberg
                  2. Johann II. von Henneberg-Schleusingen, Fürstabt von Fulda 1472–1507
        3. Elisabeth († 1377 ) ∞ Johann II. Burggraf von Nürnberg

Mitglieder des Grafenhauses

Georg Ernst Fürst zu Henneberg
Graf Wilhelm der IV. von Henneberg Schleusingen
Apollonia von Henneberg († 1548)

Linie Henneberg–Schleusingen

Linie Henneberg–Aschach–Römhild

Edle von Henneberg

Seit 1738 gibt es auch eine briefadelige Familie von Henneberg, die den erbländisch-österreichischen Adelsstand mit "Edler von Henneberg" erhielt [2]

Siehe auch

Literatur

  • Johannes Mötsch: Regesten des Archivs der Grafen von Henneberg-Römhild. Teilbände 1 und 2. Böhlau, Köln etc. 2006, ISBN 978-3-412-35905-8
  • Heinrich Wagner: Zur Abstammung der Grafen von Henneberg von den Putelndorfern, Entwurf einer Genealogie der Grafen von Henneberg, in: Jahrbuch 1996 des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins, Veßra 1996

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Das Datum des Todestages weicht in den verschiedenen Quellen leicht ab und wird zwischen dem 7. und 9. Januar angegeben
  2. siehe Adelslexikon Bd. 5/1984


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Henneberg_(Adelsgeschlecht)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 27. März 2011 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.