Schachbauer (Heraldik)

Aus Heraldik-Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schachbauer
 
gemäß Siebmacher

Die Schachfigur Bauer (auch Schachbauer, Schauchbauersmann, Pion, Fendlin oder Vende(n) genannt; frz.: pion; engl.: pawn) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Geschichte

In der Heraldik ist die Form der gemeinen Wappenfigur Schachbauer nicht wohldefiniert oder eindeutig überliefert.

In den Anfängen des Schachs entsprach der Schachbauer dem „Fußsoldaten“, was in der Figurenbezeichnung mancher Sprachen bis heute nachklingt („Padàti“, „Pedati“, „Pyâdah“, ‏پیاده نظام‎ , „Piadeh“, „Baidaq“, „Pedes/Pedinus“, „Pawn“). In der Früh- und Blütezeit der Heraldik (11. bis 15. Jahrhundert), als Schach zu den sieben Tugenden der Ritter gehörte, ist ein Spielstein in der Form eines „Fußsoldaten“ im abendländischen Schach nicht verbreitet. Statt dessen erscheint der „Schachbauer“ hauptsächlich in einer abstrakt-geometrischen, eher turmartigen, nach oben spitz-, kugel- oder kegelförmig zulaufenden Form, die jedoch nach Zeitgeist, Kultur, Mode und lokaler Tradition variiert. Der Vorteil eines Spielsteins in derart einfachen Formen liegt auf der Hand: Er ist aus vielen Materialien schnell herzustellen. Inwiefern diese abstrakten Formen des „Schachbauern“ Einfluß auf heraldische Motive hatten, ist nicht ausreichend untersucht oder belegt.

Im 19. Jahrhundert erörtert die heraldische Literatur die grundsätzliche Frage, ob neben der Schachfigur Roch andere Schachfiguren zur Heraldik gehören. Der Diskurs kommt zu keinem abschließenden und konsistenten wissenschaftlichen Ergebnis. Einige Quellen halten jede Form eines Schachspielsteins, der im Wappen erscheint für einen Roch; andere identifizieren lediglich drei Schachspielsteine in Wappen (Läufer, Bauer und Roch); wieder andere führen Beispiele für alle Schachfiguren an oder legen eine andere Theorie nahe, welche Form eines Schachspielsteins heraldisch / unheraldisch ist.[1]

Darstellung

Beispiele für Schachbauern
 
als Lewis-SchachfigurW-Logo.png (zweite Hälfte 12. Jahrhundert);
 
als unheraldische Staunton-FigurW-Logo.png
(1849 eingeführt)

Da es in der Heraldik keinen Konsens über eine allgemeingütlige Grundform eines Schachbauern gibt, ist nicht die zeichnerische Darstellung eines „Schachbauern“ im Wappen maßgeblich, sondern die exakte Blasonierung. Wird ein Wappenmotiv zweifelsfrei als Schachbauer beschrieben, dann empfiehlt es sich, die Figur nicht in einer Form darzustellen, die es zur Blütezeit der Heraldik nicht gab. Beispielsweise ist ein Schachbauer in Form einer detailtreuen Staunton-FormW-Logo.png „zeitwidrig“ oder „unzeitgemäß“ (und damit in gewissem Sinne unheraldisch), weil sich die Staunton-Form erst seit dem Jahre 1848 zum Standardtyp für Schachfiguren entwickelte.

Es empfiehlt sich, die Darstellung eines Schachbauern in einem Wappen an Originalen wie den Lewis-SchachfigurenW-Logo.png oder den Figuren aus dem Schachspiel Karls des GroßenW-Logo.png oder aus dem Osnabrücker SchachspielW-Logo.png anzulehnen. Auch zeitgenössische Werke der bildenden Kunst mit Schachbauern eignen sich in gewissem Sinne als Vorbild für das gleichnamige Wappenmotiv. In diesem Fall stehen zeitgemäße Bildvorlagen aus dem abendländischen Europa für die deutschgeprägte Wappenkultur im Vordergrund, morgendländische Quellen eignen sich nur bedingt als Vorlagen oder nur da, wo der Einfluß auf die abendländische Heraldik explizit nachweisbar ist.

Siebmacher

„(..) daß uns bisher in Wappen drei Figuren Figuren des Schachspiels aufstossen, nämlich: der Bauer (Pion oder Vende), der Roch (oder Thurm) und der Läufer. Nach den, von Graf Hoverden seiner a. a. O. angegebenen Abhandlung beigefügten Abbildungen alter Schachfiguren möchten wie unsere unmaßgebliche Meinung dahin abgeben, das Figuren 32. und (siehe Hoverdens Abhandlung) auch die von uns oben als „Kegel“ blasonierten Figuren (Tafel XXVII. Figuren 28. bis 30.) wegen der großen Ähnlichkeit mit Figur 32. Bauern (Venden oder Pions) (..) darstellen sollen (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Galerie

Wappenbilderordnung

Der Schachbauer wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) unter der Nr. 9953 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

Commons: Bauer (Schach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Vgl. unter anderem zum Beispiel:
    • Vierteljahrsschrift fur Heraldik, Sphragistik und Genealogie, Berlin 1873
    • Vierteljahrsschrift fur Heraldik, Sphragistik und Genealogie, Berlin 1875
    • J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 127.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.