Ulrich von Hutten

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Ulrich von Hutten (Holzschnitt von Erhard Schön, zirka 1522)

Ulrich von Hutten (* 21. April 1488 auf Burg Steckelberg; † 29. August 1523 auf der Ufenau) war Humanist, er wird auch als erster Reichsritter bezeichnet.

Leben

An Ulrich von Huttens Geburtsort, der Burg Steckelberg, angebrachte Gedenktafel
Abbildung in „Illustrierte Literaturgeschichte“ (1880)

Die frühen Jahre

Obwohl ihm als Erstgeborenem eigentlich das Erbe zustand, wurde er 1499 von seinem Vater Ulrich in das Kloster Fulda verfügt, wo er nach Erreichen des entsprechenden Alters Mönch werden sollte. Diese Maßnahme traf die Familie wohl hauptsächlich aus praktischen Erwägungen: Der junge Ulrich schien sich aufgrund seiner körperlichen Verfassung nicht für den Dienst als Ritter zu eignen und sollte daher eine geistliche Laufbahn einschlagen, die Versorgung und zahlreiche Aufstiegsmöglichkeiten versprach.

Hutten wandte sich aber nach Aufnahme eines – zunächst vom Stift finanzierten – Studiums vom Klosterleben endgültig ab. Im Sommer 1506 studierte er an der Universität Erfurt, wo er sich dem Kreis der Humanisten anschloss, dem unter anderem der Dichter Eobanus Hessus angehörte. Im Winter war er an der Frankfurter Viadrina eingeschrieben. Dann zog er weiter an die Universität Leipzig.

Die ersten literarischen Werke

In Leipzig infizierte sich Hutten offenbar im Jahr 1508 mit der Syphilis; er verließ daraufhin überstürzt die Stadt und reiste ohne bestimmtes Ziel umher. Während der Reise entstand 1509 das Manuskript seiner ersten bedeutenden Schrift, dem Nemo, in der er seine Reiseerlebnisse und den ungastlichen Empfang durch seine Verwandten verarbeitete.

1511 verfasste Hutten in Wittenberg eine kleine Schrift über die Verskunst (De Arte Versificandi), die als Lehrbuch auch im Ausland rasch Anerkennung fand. Sie begründete zugleich seinen Ruhm bei den Zeitgenossen als lateinischer Schriftsteller. Er reiste nach Wien und weiter nach Italien. 1512 folgten Aufenthalte in der Venedig und Pavia, und darauf in Bologna. Dort nahm Hutten das Rechtsstudium auf, sehr wahrscheinlich auf Wunsch des Vaters, der sich davon für seinen Sohn eine Anstellung in fürstlichen Diensten versprochen haben dürfte. Die Auswirkungen der Italienischen Kriege schnitten den jungen Hutten aber von den Zahlungen aus der Heimat ab, so dass er gezwungen war, sein Studium aufzugeben und seine Rückreise nach Deutschland über Söldnerdienste zu finanzieren. Während dieser Zeit verfasste Hutten auch seine ersten national motivierten Mahnschreiben an Kaiser Maximilian und die deutschen Fürsten, den Krieg in Italien fortzusetzen.

Hofdienst

1514 erhielt Hutten, mit Unterstützung seiner beiden Gönner Eitelwolf von Stein und Frowin von Hutten, die Aussicht auf eine Anstellung beim neuen Erzbischof von Mainz, Albrecht von Brandenburg. In Mainz traf Hutten auch zum ersten Mal persönlich mit Erasmus von Rotterdam zusammen. Diesem überreichte er zur kritischen Durchsicht das Manuskript der Epistolae obscurorum virorum (Dunkelmännerbriefe), die er in Zusammenarbeit mit anderen Humanisten zur Verteidigung Reuchlins abgefasst hatte. Der darin enthaltene scharfe Spott gegenüber den Anhängern der Scholastik sollte noch große Nachwirkungen zeigen. Auf Wunsch seines Dienstherrn in spe reiste Hutten 1515 erneut nach Italien, um seine Studien fortzusetzen. Nach knapp zwei Jahren aber, im Sommer 1517, verließ er Italien erneut, ohne einen akademischen Grad erlangt zu haben, und kehrte nach Deutschland zurück. Maximilian I., der Hutten wahrscheinlich in sein eigenes Propagandaprogramm integrieren wollte, zeichnete ihn mit der Dichterkrone aus. Hutten trat nun endgültig in die Dienste des Mainzer Erzbischofs, wo ihm aber genug Freiraum gelassen wurde, um sich weiter der Schriftstellerei zu widmen. Im Jahr 1519 beteiligte Hutten sich an einer Familienfehde gegen Herzog Ulrich von Württemberg, an der auch der Schwäbische Bund maßgeblich mitwirkte. Den Anlass hierfür hatte vor allem die Ermordung des Hofjunkers Hans von Hutten, eines Vetters von Ulrich, durch den Herzog im Jahr 1515 aufgrund eines Eifersuchtsdramas gegeben[1]. Ulrich von Hutten betätigte sich als Propagandist und veröffentlichte in diesem Zusammenhang den Phalarismus, einen in der Unterwelt angesiedelten Dialog zwischen dem antiken Despoten Phalaris und einem deutschen Tyrannen – ungenannt, aber unverkennbar Ulrich von Württemberg.

„Pfaffenkrieg“ und Lebensende

Zürichsee, Insel Ufenau: Kirche St. Peter und Paul, die letzte Ruhestätte Ulrichs von Hutten

Bereits während seiner ersten Italienreise hatte Hutten das weltliche Auftreten des Papsttums erlebt und angeprangert. In den Folgejahren verschärfte sich diese Gegnerschaft: In Huttens Schriften trat an die Stelle einer humanistisch-aufgeklärten Kirchenkritik der Wunsch nach einem radikalen Befreiungsschlag, der die verweltlichte Kirche zur Räson bringen sollte (vgl. die Schriften im Gesprächbüchlin). Hutten verfasste Aufrufe an die deutsche „Nation“, sich dem Kampf gegen die so genannten „Kurtisanen“, also die Profiteure der säkularen Herrschaft der Kurie, anzuschließen. Von den Zeitgenossen wurde er deshalb, trotz inhaltlicher Differenzen, an die Seite Luthers gestellt. Die Wendung an eine breitere Öffentlichkeit bedingte auch die Übertragung von Huttens Schriften ins Deutsche – späterhin verfasste er direkt in deutscher Sprache (vgl. zum Beispiel die Clag und Vormanung).

Hutten fand in Franz von Sickingen einen einflussreichen Gesinnungsgenossen. Der mächtige Ritter und Söldnerführer förderte die reformatorische Bewegung und plante, wenn auch wohl eher politisch motiviert, einen Anschlag auf das Kurfürstentum Trier. Hutten schloss sich Sickingen 1520 an, als ihm der kirchliche Bann angedroht wurde. Während des Wormser Reichstags von 1521 konnten die beiden Ritter noch ruhig gehalten werden. Im Folgejahr aber schlugen sie los: Hutten sagte den „ungeistlichen Geistlichen“ die Fehde an und hoffte, durch gewagte Einzelaktionen die Ritterschaft zu bewegen, ihm beizustehen. Sickingen eröffnete derweil den Krieg gegen Trier, wurde aber von einer Fürstenopposition zurückgeschlagen und erlag zwei Tage nach seiner endgültigen Niederlage seiner im Kampf erlittenen Verwundung[2]. Dies markiert zugleich das vorzeitige Ende von Huttens „Pfaffenkrieg“.

Er floh vor der Exekution der inzwischen gegen ihn erwirkten Reichsacht und zog sich schließlich in die Schweiz zurück, wo er von Zwingli aufgenommen wurde. Am 29. August 1523 erlag Ulrich von Hutten auf der Insel Ufenau im Zürichsee seiner schweren Syphiliserkrankung.

Nachwirkung

Ulrich von Hutten war seinen Zeitgenossen in erster Linie als lateinischer Dichter bekannt. Den Humanisten galt er als größte Hoffnung auf diesem Gebiet. Umso enttäuschter reagierten sie auf die Hinwendung Huttens zum politischen Geschehen und seine aggressive Agitation gegen die römische Kirche. Dieser Zwiespalt äußert sich am deutlichsten in Huttens letzter (erhaltener) Schrift, der Expostulatio, in der er die Zurückhaltung der Humanisten, insbesondere des Erasmus von Rotterdam, im Kampf gegen die Kurie beklagt.

Als Angehöriger einer ritterschaftlichen Familie sah Hutten im (bewaffneten) Kampf gegen Rom die vornehmste Aufgabe für seine Standesgenossen. Seine Appelle richteten sich zwar an alle Stände des Reiches, doch träumte er tatsächlich von einem starken Kaisertum, gestützt auf die Ritter. Aus diesem Grund glaubt man in ihm den Exponenten einer Bewegung zu erkennen, die schließlich zur Formung der Reichsritterschaft führte.

Größte Nachwirkung aber hatte zweifellos die Begründung eines „Nationalmythos“ durch Hutten: In seiner Schrift Arminius – die allerdings erst nach seinem Tod erschien – feierte er den Sieger der Varusschlacht als „ersten unter den Vaterlandsbefreiern“,[3] der „das römische Joch“ abgeworfen und Germanien von der Fremdherrschaft befreit hätte. Das historische Ereignis erfuhr eine Deutung, die vor allem das national bewegte 19. Jahrhundert begeisterte.

Auch im Nationalsozialismus wurde Hutten aufgegriffen. So wählte Rudolf Heß ein Zitat aus Huttens Clag und Vormanung („Ich hab's gewagt“) als Grabspruch (Grabstätte in Wunsiedel). Weiterhin benutzt Julius Friedrich Lehmann, nationalsozialistischer Verleger, das gleiche Motto „Ich hab´s gewagt“ als Signet für alle im J.F. Lehmanns Verlag erschienenen medizinischen und rassekundlichen Bücher.

Der historische Name Ulrich von Hutten wird seit 1983 von einer rechtsextremen Organisation gebraucht, dem von Otto Ernst Remer und Lisbeth Grolitsch gegründeten Freundeskreis Ulrich von Hutten, der auch eine Zeitschrift mit dem Namen Huttenbriefe publiziert.

Ulrich von Hutten wurde und wird durch die Rezeptionsgeschichte in ein Licht gerückt, das es lange Zeit schwierig machte, seine literarischen Leistungen, aber auch seine politischen Ziele unvoreingenommen zu beurteilen. Erst in jüngerer Zeit findet sein Leben und Wirken wieder Beachtung, vornehmlich im Bereich der Politikgeschichte und Forschungen zur Entwicklung des Nationalismus.

Ein literarisches Denkmal wurde von Hutten durch den Satiriker Oskar Panizza geschaffen. Seine burleske Tragödie Das Liebeskonzil ist Ulrich von Hutten gewidmet.

Trivia

Briefmarkenblock der DDR (1988) zum 500. Geburtstag

Siehe auch

Werkauswahl

  • Nemo. 1510/1518.
  • Epistolae obscurorum virorum. 1514/1516 (Mitwirkung).
  • Phalarismus. 1517.
  • Aula. 1518.
  • Epistola suae vitae rationem exponens. 1518 (vgl. den Artikel Lehnsmann).
  • Arminius. 1519/1529 (posthum veröffentlicht).
  • Clag und Vormanung gegen den übermäßigen unchristlichen Gewalt des Bapsts zu Rom. 1520.
  • Gesprächbüchlin (eigene Übersetzung von: Febris I & II, Vadiscus, Inspicientes). 1521.
  • Ain new lied her Ulrichs von Hutten. 1521.
  • Expostulatio. 1523.

Literatur

Werkausgaben und -übersetzungen

  • Martin Treu (Hrsg.): Ulrich von Hutten: Die Schule des Tyrannen. Lateinische Schriften. Darmstadt 1996. ISBN 3-534-13315-3.
  • Peter Ukena (Hrsg.): Ulrich von Hutten: Deutsche Schriften. München: Winkler 1970.

Sekundärliteratur

  • Eckhard Bernstein: Ulrich von Hutten, Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten ,Rowohlt, 1999, ISBN 3499503948
  • Hajo Holborn: Ulrich von Hutten. 2. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1968.
  • Peter Laub und Ludwig Steinfeld (Bearb.): Ulrich von Hutten: Ritter – Humanist – Publizist (1488–1523). Katalog zur Ausstellung des Landes Hessen anläßlich des 500. Geburtstages. Kassel 1988.
  • Johannes Schilling und Ernst Giese (Hrsg.): Ulrich von Hutten in seiner Zeit. Kassel: Evang. Presseverband 1988.
  • Volker Press: Ulrich von Hutten: ein deutscher Held oder gescheiterter Außenseiter?. Frankfurt/M.: Hessischer Rundfunk 1988.
  • Günter Scholz (Hrsg.): Ulrich von Hutten (1448–1523): glanzvoller Humanist, gescheiterter Reichsreformer. Böblingen: Stadtarchiv 1989 (Ausstellungskatalog).
  • Heinrich Ulmann: Hutten, Ulrich von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 464–475.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Ulrich von Hutten. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1222–1226.

Belletristik

  • Otto Flake: Ulrich von Hutten ,S. Fischer Verlag, 1929 (1985), ISBN 3-596-25836-7
  • Rudolf Gottschall: Ulrich von Hutten. Ein Drama. Königsberg: Theile Verlag 1843.
  • Kurt Eggers: Der junge Hutten. Berlin: Weisse 1938.
  • Kurt Eggers: Hutten: Roman eines Deutschen. Dortmund: Volkschaft-Verlag 1943.
  • Conrad Ferdinand Meyer: Huttens letzte Tage. Stuttgart 1988. ISBN 3-15-006942-4.

und in: Conrad Ferdinand Meyer: Das Gesamtwerk – vollständig auf 5 MP3-CDs gelesen von Klauspeter Bungert. ISBN 978-3-00-024887-0. Trier: Bungert 2008

  • Franz Rueb: Der hinkende Schmiedegott Vulkan: Ulrich von Hutten 1488–1523. Zürich 1988. ISBN 3-250-10104-4.
  • Gerd Salmen: Ulrich von Hutten: ein dramatisches Gedicht. Brandenburg/Havel: Thalia-Theater-Verlag 1997.

Einzelnachweise

  1. vgl. Otto Zierer: 'Bild der Jahrhunderte', Bertelsmann-Verelag, o.J., Band 14, S.75f
  2. vgl. Otto Zierer: 'Bild der Jahrhunderte', Bertelsmann-Verlag, o.J., Band 14, S.137
  3. nach M. Treu, Ulrich von Hutten: Deutsche Schriften, S. 230

Weblinks

 Commons: Ulrich von Hutten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Quellenhinweis

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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Ulrich_von_Hutten“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 10. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.