Veste Coburg

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veste Coburg
Westansicht

Westansicht

Alternativname(n): Fränkische Krone
Entstehungszeit: 10. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Herzöge
Ort: Coburg
Geographische Lage 50° 15′ 50″ N, 10° 58′ 53″ O50.26388888888910.981388888889464Koordinaten: 50° 15′ 50″ N, 10° 58′ 53″ O
Höhe: 464 m ü. NN
Veste Coburg (Bayern)
Veste Coburg

Die Veste Coburg (auch Fränkische Krone genannt) überragt die Stadt Coburg im bayerischen Grenzgebiet zu Thüringen. Sie ist mit einer Ausdehnung von ca. 135×260 m eine der größten und zählt zu den am besten erhaltenen Burganlagen Deutschlands. Die Burg liegt 167 m über dem Stadtzentrum auf einer Höhe von 464 m über dem Meeresspiegel. Am Hang des Burghügels erstreckt sich in Richtung Stadt der Coburger Hofgarten.

Die Veste Coburg wurde in ihrer Geschichte niemals erobert, allerdings wurde sie im Dreißigjährigen Krieg im März 1635 durch den General von Lamboy nach fünfmonatiger Belagerung mit Hilfe eines gefälschten Briefs, in welchem Herzog Johann Ernst die Übergabe befahl, eingenommen.

Geschichte

Alter Druck „Coburg von der Südseite“
Veste Coburg - Westansicht
Veste Coburg, Nordansicht

Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Veste Coburg im Jahre 1225 als Besitz der Herzöge von Meranien, die ältesten heute noch erhaltenen Teile der Burg stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Archäologische Untersuchungen verlegen die Ursprünge zurück in das 10. Jahrhundert, es sind aber weder Bauten noch Schriftstücke erhalten. Erzbischof Anno von Köln gründete 1074 auf dem Veste-Berg das Nebenkloster Sankt Peter und Paul, Propstei des Klosters in Saalfeld. Im 12. Jahrhundert ging der Besitz an die Grafen von Dießen-Andechs, die späteren Herzöge von Meranien, über, 1248 an die Grafen von Henneberg, 1291 an die Markgrafen von Brandenburg und 1312 erneut an die Grafen von Henneberg. 1353 kam sie durch Erbschaft an Friedrich III. den Strengen aus dem Hause Wettin, in dessen Besitz sie bis zum Ende der Monarchie 1918 blieb. Danach übernahm sie 1919 die Coburger Landesstiftung, die die Veste seit 1941 als Außenstelle der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung betreut.

Im Jahre 1530 hielt sich der Reformator Martin Luther mehrere Monate auf der Veste Coburg auf. Noch heute kann man das Lutherzimmer im Rahmen einer Burgführung besichtigen. Auch ein Steinrelief mit dem Kopf Luthers erinnert an seinen Aufenthalt.

Baugeschichte

Entwicklung der Veste 1250-2007
Veste Coburg vom Hofgarten aus gesehen
Fürstenbau um 1895
Fürstenbau 1959
Die Veste von Außen
Außenansicht
Eingang
Innenhof mit Fürstenbau, Brunnen und Kapelle
Fürstenbau von Bastei aus gesehen
Innenhof II

Im Jahre 1225 erschien erstmals in einer Urkunden-Übersetzung das Wort sloss für die Coburg. 1489 wurde das schon früher erbaute Hohe Haus (Zeughaus), erneuert. Nach einem Brand im Fürstenbau und in der Steinernen Kemenate im Jahre 1500 wurden diese in der Folgezeit wiederaufgebaut. Nach dem Schmalkaldischen Krieg wurden die Befestigungsanlagen verstärkt; die Veste Coburg wurde zur Landesfestung ausgebaut. 1614 wurden die Basteien Rautenkranz und Bunter Löwe neben dem südlichen Zugang zur Veste errichtet.

Nach der zweiten Belagerung, Besetzung durch die Kaiserlichen im Dreißigjährigen Krieg und Rückgabe der Veste am 30. Mai 1635 an Herzog Johann Ernst wurden die Befestigungsanlagen erheblich verstärkt. 1671 wurde das Prunkportal vor dem südlichen Haupttor vollendet. Im Jahre 1782 wurde im Hohen Haus ein Zuchthaus eingerichtet, Nebengebäude dienten als Kranken- und Irrenanstalt. 1820 wurde der Status der Festung aufgehoben, 1827 bis 1838 der 10 bis 12 Meter tiefe Wallgraben eingeebnet und ein Promenadenweg rund um die Veste angelegt. Nach Umgestaltung der Veste im Stil der Romantik im Jahr 1838 wurden die jetzigen Kunstsammlungen dort untergebracht. 1851 wurden die fränkischen Fachwerkbauten in den Innenhöfen abgebrochen, die Luther-Kapelle wurde im neugotischen Stil umgebaut. Anstelle eines um 1680 entstandenen Dachreiters wurde 1857 der Torturm, der heutige Bulgarenturm, und 1859 die steinerne Brücke zum Haupttor errichtet. Herzog Carl Eduard ließ die Veste von 1908 bis 1924 nach Plänen von Bodo Ebhardt restaurieren, wobei die historisierenden Zutaten des 19. Jahrhunderts beseitigt und durch Elemente des 20. Jahrhunderts ersetzt wurden.

Am 10. und 11. April 1945 wurde die Veste durch US-amerikanische Truppen beschossen, wobei schwere Gebäudeschäden entstanden. In den 1950er Jahren wurde der Herzoginbau vereinfacht wiederhergestellt. 1969 wurde der Umbau des Carl-Eduard-Baus vollendet und dieser als Museum eingerichtet. Von 1970 bis 1972 wurde das Hohe Haus für die Aufnahme der Direktion, der Verwaltung, der Bibliothek und der Museumswerkstätten hergerichtet, von 1981 bis 1985 die Steinerne Kemenate renoviert und ausgebaut. Dabei wurden im Erdgeschoss mächtige, bisher unbekannte Fundamente ausgegraben. Umfassende Sanierungsarbeiten an den äußeren Wallgräben wurden 1987 abgeschlossen.

Verteidigung

Die Veste Coburg verfügt über eine Vielfalt von Verteidigungswaffen. Fallgatter, Eisentore und ein zehn Meter hohes Eingangsportal sind von außen zu erkennen. Im Inneren verbergen sich unter anderem Laufgänge und Pechgruben. Durch diese und andere Maßnahmen ist es nie gelungen, die Festungsanlagen zu überwinden. Auch die großen Bastionen (Löwenbastion) und die tiefen Gräben und hohen Brücken, die bis heute erhalten sind, zeigen, welches Handwerksgeschick und welche Planung in dieser Burg stecken.

Sammlungen

Der Freistaat Coburg schloss nach seiner Gründung 1919 mit dem Herzog Carl Eduard einen Abfindungsvertrag in Höhe von 1,5 Millionen Reichsmark über dessen Besitztümer. Damit ging die Veste in das Eigentum des Staates über. Die Kunstschätze der Coburger Herzöge, die zu den bedeutendsten kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen Deutschlands gehören, wurden in die Coburger Landesstiftung übertragen.

  • Gemälde und Skulpturen

Die Gemäldesammlung enthält unter anderem Werke Lucas Cranachs des Älteren, der sich Anfang des 16. Jahrhunderts häufiger auf der Veste Coburg aufhielt, und von Tilman Riemenschneider.

  • Kupferstichkabinett

Das Kupferstichkabinett umfasst eine Sammlung von rund 330.000 Blättern mit Aquarellen, Handzeichnungen und Druckgraphiken vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, darunter Werke von Martin Schongauer, Albrecht Dürer, Cranach und Albrecht Altdorfer. Als Spezialsammlungen findet man Flugblätter der Reformation und Gegenreformation sowie Bestände aus der Zeit Martin Luthers und zu Luthers Leben.

  • Glassammlung

Die Glassammlung enthält etwa 2700 kostbare Gläser. Schwerpunkte sind venezianische Gläser in einer der umfangreichsten Sammlungen außerhalb Venedigs, bemaltes und geschnittenes Glas des Barock und des Rokoko und Gläser des 19. Jahrhunderts, des Jugendstils und des Art Deco.

  • Münzkabinett

Das Münzkabinett enthält ungefähr 20.000 Exemplare.

  • Rüstungs- und Waffensammlung

Sie umfasst Teile der fürstlichen Rüstkammer, die Jagdwaffensammlung der Coburger Herzöge, Bestände des bürgerlichen Zeughauses der Stadt und die Türkenbeute des Prinzen Friedrich Josias. Älteste Stücke sind gotische Holzschilde. Die Sammlung Rohmann besteht vor allem aus Grazer Waffen. Aus dem Dreißigjährigen Krieg stammen schwere Hakenbüchsen, Feldharnische und Geschütze; an das höfische Leben erinnern reich verzierte Turnierharnische, Stangenwaffen und der Harnisch eines Hofzwerges. Außerdem ist dort eine „Emma“ genannte Kanone mit 49 Schussröhren zu sehen.

  • Prunkwagen und Turnierschlitten

Im Herzoginnenbau ist eine beachtliche Sammlung von Prunkwagen und Turnierschlitten untergebracht, darunter zwei reich dekorierte vergoldete Hochzeitskutschen aus der Renaissance.

Sonstiges

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Veste Coburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Veste_Coburg“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 20. Juli 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.