Hünengrab (Heraldik)

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In der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens sind Hünengräberfiguren als Wappenfiguren nicht gebräuchlich.
Hünengrab als Wappenmotiv
Eine der gängigen Theorien zur Hünengrab-Anlagenherstellung

Der Oberbegriff Hünengrab (auch Dolmen, Großsteingrab, Megalithgrabanlage, Grabkammer, Steingrab, Steintisch, Hünenbett oder ähnlich genannt; frz.: tombe mégalithique; engl.: megalithic grave) bezeichnet im neueren Wappenwesen einerseits eine Gruppe von Wappenfiguren, die erhaltenen Megalithanlagen oder Großsteingräbern nachempfunden sind (vorwiegend aus Norddeutschland, den Niederlanden, Polen und Skandinavien), andererseits steht er für eine seltene gemeine Figur.

Darstellung

Hünengrab

Die Figur Hünengrab ist einem GroßsteingrabW-Logo.png beziehungsweise einem DolmenW-Logo.png nachempfunden. In der Realität ist ein Hünengrab in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Bauwerk, andererseits ein integraler Teil einer Landschaft beziehungsweise ein Flurdenkmal. Die heraldische Darstellung in den Wappenschilden unterscheidet sich lediglich in der Anzahl der dargestellten, nicht zwingend mit dem Vorbild übereinstimmenden Steine, die aber nicht in der Blasonierung erwähnt werden. Zwei, drei oder vier Tragsteine sind die Regel, selten oder gar nicht mehr. Darüber liegt ein größerer, der den Deckstein der Grabanlage darstellt. In der Nomenklatur der Archäologie entspricht das Bild am ehesten einem PolygonaldolmenW-Logo.png. Trotz realer Vielfalt wird in der Heraldik diese einfacherer Form gewählt.

Hügelgrab/Grabhügel

Ein HügelgrabW-Logo.png (auch Grabhügel; „vorzeitliches/prähistorisches Grab“, „Gräberfeld“ oder ähnlich; latein.: tumulus, Plural: tumuli; frz.: tumulus; engl.: tumulus) erscheint im neuren Wappenwesen gewöhnlich in Form einer klassischen Wappenfigur (zum Beispiel als Hügel, Dreiberg oder anderes). Diese Wappenfiguren werden oft mit einer Urnenfigur oder einer anderen Fundfigur kombiniert. Gewöhnlich soll das Wappengesamtbild im Sinne der Wappenstifter/Wappeführenden symbolisch auf vorzeitliche beziehungsweise vorherhaldische Grabbauten verweisen; es ist aber stets mit heraldischen Fachbegriffen zu blasonieren.

Vereinzelt erscheinen im neueren (kommunalen) Wappenwesen auch eher unherhaldische Motive, die einer gestreckten, runden oder ovalen Erdaufschüttung oder anderen Hügelgräbern/Grabhügeln nachempfunden sind, unter denen bzw. in denen sich Grablegen oder andere prähistorische Monumente befinden. In der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens sind Hügelgräber oder Grabhügel nicht als Wappenfiguren gebräuchlich.

Steinhügelgrab

Im Wappen der ehemaligen finnischen Gemeinde KiukainenW-Logo.png erscheint ein SteinhügelgrabW-Logo.png beziehungsweise RöseW-Logo.png (auch dänischW-Logo.png Gravrøser; schwedischW-Logo.png Gravröser oder Roj; norwegischW-Logo.png Gravrøyser) in Form einer Wappenfigur, die einem Neunberg ähnelt.

Steinpackungsgrab

Besondere vorzeitliche/prähistorische Grabbauten in Wappen sollten mit einem archäologischem Fachbegriff beschrieben werden. Beispielsweise erscheint im Wappen von Bomlitz kein Hünen- sondern ein SteinpackungsgrabW-Logo.png.

Doppel-T-Kopfschaft

Manchmal werden Hünengräber in der Heraldik nur symbolisch angedeutet beziehungsweise verweist eine anderer heraldische Figur auf ein Großsteingrab. Beispielsweise stehen die 10 Doppel-T-Kopfschäfte im Wappen von Hünstetten für zehn Hünengräber (Fachbegriff: Dolmen) beziehungsweise für zehn ehemals selbstständige Gemeinden.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Hünengrab in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Das Urnen­gräber­feld wurde beim Bau der Kreisstrasse 12 Anfang des 20. Jhr. und beim Bau der Bundesstrasse 404 im Jahr 1956 entdeckt.
  2. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Detmold, Jahrgang 1953, Nr. 5 (= 2. Februar 1953), S. 50.
  3. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  4. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein



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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Hünengrab_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 2. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.