Urne (Heraldik)

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In der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens sind Urnenfiguren nicht gebräuchlich.
1878, rechts unten und in der Helmzier: „zweigehenkelte Graburne“
(„Aschenkrug“; Familienwappen Heiligenstein; nach Siebmacher)
Typische Feuerbestattung
(die Knochenreste und die Asche der Verbrannten werden in eine Urne geschüttet und im Urnengrab bestattet.)
Urnen der jüngeren Bronzezeit
(Fundort: Lahnberge; heute: Botanischer Garten Marburg)

Urne (auch Graburne, Totenurne, Aschenurne, Aschenkrug, Todesgefäß, Leichentopf, Leichaschentopf, Totentopf oder ähnliche genannt; aus lat.: urna = Wasserkrug/Krug/Topf/halbe Amphora entlehnt; frz.: urne; engl.: urn) ist im neueren Wappenwesen

  • einerseits ein Oberbegriff, unter welchem gefäßartige, urnenförmige Wappenfiguren in einer Gruppe zusammengefaßt sind („die Urnen“W-Logo.png)
  • andererseits steht er für eine seltene gemeine Figur, deren genaue Form nur vage bestimmt beziehungsweise nicht eindeutig vorgegeben ist.

Darstellung

Eindeutige heraldisch stilisierte Formen und Erscheinungen der Wappenfigur Urne sind trotz vereinzelter Ansätze in der Heraldik nicht systematisch, konsistent und erschöpfend bestimmt. Sie sollten sich im Prinzip an Urnen-Vorbildern orientieren, die zur Früh- und Blütezeit des Wappenwesen (11. bis 15. Jhr.) gebräuchlich sind. Das sind keine Bestattungsurnen im eigentlichen Sinn, weil zu jener Zeit Feuerbestattungen abgelehnt wurden (Neuregelungen im Jahre 786 zur Bestattungskultur durch Karl den Großen verbieten die Verbrennung von Toten; in der Folge sind über Jahrhunderte keine Feuerbestattungen mit Urnen, sondern Erdbestattungen gebräuchlich, angelehnt an die Grablegung Jesu Christi).

Urnen-Figuren in Wappen, die man eindeutig Feuerbestattungen und einer Zeit vor dem Wappenwesen zuordnen kann, widersprechen in gewisser Weise einem eher traditionellen Heraldikverständnis bzw. gelten manchen Heraldikern als unheraldisch. Gleichwohl erscheinen in vielen Kommunalwappen Urnen-Figuren, die regionalen historischen Urnen oder archäologischen Urnenfunden nachempfunden sind, deren Ursprünge Jahrhunderte bis Jahrtausende vor dem eigentlichen Wappenwesen liegen. Typische Vorbilder für die Urnen-Figuren sind schlichte Standbodenurnen, selten schmal, schlank und hoch, eher breit, bauchig und flach, gewöhnlich ohne Handhaben/Henkel, mit eiförmigen, häufiger doppelkonischen Körpern; der „Doppelkonus“ erscheint je nach Wappen und Ausprägung mit einem mehr oder weniger scharf ausgebildeten Umbruch, wobei Ober- und Unterteil unterschiedlich hoch/tief aneinander anschließen. Besondere Urnen beziehungsweise Urnen mit charakteristischen Merkmalen sollten mit ihren Eigennamen, einer archäologischen Bezeichnung oder unter Angabe beschreibender Attribute gemeldet werden (zum Beispiel Zylinder-, Trichter-, Kegelhalsurne, GesichtsurneW-Logo.png, HausurneW-Logo.png, KragenurneW-Logo.png, KordonurneW-Logo.png, amphorenartige Urne et cetera).

In der Regel erscheint die Wappenfigur Urne ohne Deckel, Schale oder ähnlichem; falls einer Abdeckung für die Urne in einem Wappen relevant ist, kann sie explizit angezeigt werden. Weist das Wappenmotiv eine mehr oder weniger komplexe, eingeritzte, eingedrückte, gravierte, aufgedruckte oder herausgearbeitete geometrische Dekoration auf, sollte diese unter Angabe der Verzierungsform gemeldet werden (zum Beispiel: vertikal angebrachte Strichgruppen, einzeilige waagerechte, bogenförmige, schräge oder andere Ritz-/Wellen-/Zickzacklinien et cetera ... in der Mitte bzw. am Ober- oder Unterteil der Urne).

Urne in Hügelgrab/Grabhügel

Öfter belegt die Figur Urne im Schildfuß oder im unteren Wappenschild (seltener in der Schildmitte) das Feld einer klassischen Wappenfigur (Hügel, Dreiberg oder ähnliches). Diese Motive werden symbolisch manchmal mit einem „Hügelgrab/Grabhügel“ gleichgesetzt und verweisen auf Bestattungssitten, nach denen Urnen mit Knochenresten und der Asche der Toten in Hügelgräbern/Grabhügeln oder ähnlichem bestattet wurden („Urnengrab“).

Urne in Hünengrab/Steinpackungsgrab

Ab und an erscheint die Figur Urne zusammen mit der Figur Hünengrab (Großsteingrab/Megalithgrabanlage) in einem Wappen.

Wappenbilderordnung

  • Die Urne wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Andere Erzeugnisse von Menschenhand: Haus- und Küchengeräte unter der Nr. 9152 aufgenommen.

Weblinks

 Commons: Urne in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Urne im Wappen Twedt deutet auf Aushebungen in Twedt um einen Grabhügel herum hin und ist einer Urne nachempfunde, die zirka aus dem 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus stammt.
  2. Das Urnengräberfeld wurde beim Bau der Kreisstrasse 12 Anfang des 20. Jhr. und beim Bau der Bundesstrasse 404 im Jahr 1956 entdeckt.
  3. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Detmold, Jahrgang 1953, Nr. 5 (= 2. Februar 1953), S. 50.