Flegel (Heraldik)

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ca. 1340: Zwei Flegel
(redendes Wappen derer von Pflegelberg; nach Züricher Wappenrolle)
Domašinec.png
etwa 1270: Dreschen mit Dreschflegeln
14. Jhr.: Dreschen; Tacuinum Sanitatis

Der Flegel (regional auch „Dreschschwengel“, „Schwengel“, „Pflegel“ oder ähnlich genannt; frz.: fléau; engl.: flail) ist in der Heraldik eine gemeine Figur, die in zwei Ausprägungen in Wappen vorkommen kann:

  • als bäuerliches Werkzeug zum Dreschen des Getreides: Dreschflegel,
  • als zur Behelfs-/Reserve-/Angriffswaffe umgearbeiteter Flegel : Streit-/Kriegsflegel („Ketten-Morgenstern“)

Wenn nichts anderes gemeldet wird, ist im Wappen ein vollständiger Dreschflegel darzustellen. Erscheinen ein Kriegsflegel oder nur Teile eines Dreschflegels in einem Wappen, ist dies explizit zu melden unter genauer Angabe der spezifischen Form, Position und so weiter.

Darstellung

Dreschflegel

Das Motiv kann in jeder heraldischen Farbe erscheinen, oft ist der Dreschflegel aber in Silber oder Gold dargestellt. Zu melden ist, ob der Stiel, das bewegliche Bauteil, an dem der eigentliche Flegel/Holzprügel befestigt ist oder der Flegel selbst in einer anderen heraldischen Farbe als der Rest des Motivs dargestellt wird. Der Flegel erscheint oft mit einem zweiten Flegel oder mit einem anderen Arbeitsgerät (Hacke, Sense, Heugabel), einer Waffe (Morgenstern, Stangenwaffe), einer Garbe oder ähnlichem im Wappen. In diesen Fällen sind die Positionen der gemeinen Figuren zueinander zu melden (gekreuzt, nebeneinander, übereinander, zugekehrt, überdeckt und so weiter).

Flegel (Tafel XXX. Figur 60.) ist der Dreschflegel, in Süddeutschland mehrfach in Wappen vorkommend (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Streit-/Kriegsflegel

ca. 1475–1500: Streit-/Kriegsflegel im Wappen der Herren von Königsfeld (nach Wernigeroder Wappenbuch)
Mitte 16. Jh.: Streit-/Kriegsflegel, dessen Flegel benagelt ist

Die Figur Kriegs-/Streitflegel (frz.: fléau d'armes; engl.: scorpion oder military flail) sollte im Gegensatz zum Wappenmotiv Dreschflegel „benagelt“ aufgerissen werden; Streit-/Kriegsflegel, die nicht mit Nägeln durschlagen sind, sollten angezeigt werden („verstümmelter/unbenagelter Streit-/Kriegsflegel“). Das Wappenmotiv ist der gleichnamigen mittelalterlichen Stangenwaffe nachempfunden, die im 12. Jahrhundert aus dem bäuerlichen Dreschflegel entwickelt wurde (vgl. → Flegel (Waffe)W-Logo.png in der Wikipedia). Besonder Merkmale der Figur (zum Beispiel eine Ausstattung mit Klinge oder mit Kette beziehungsweise Stange statt dem Lederband zwischen Griffstück und Schlagkopf) sollten gemeldet werden.

Flegel als Nebenfigur

Der Flegel erscheint teilweise auch als Nebenfigur, die von einem Tier, einem Menschen (Bauer) oder einer anderen Hauptfigur benutzt wird (gehalten, geschultert oder ähnliches).

Flegel in der Helmzier

In einigen Wappen wird das Flegelmotiv im Oberwappen dargestellt.

Symbolik

Der Dreschflegel symbolisiert außerhalb der Heraldik oft Landwirtschaft oder steht für eine bäuerlich geprägten Ort oder ein entsprechendes Gebiet; der Kriegsflegel kann als Zeichen der (bäuerlichen) Wehrhaftigkeit interpretiert werden.

„Ein Flegel im auf eine Person übertragenen Sinn ist jemand, der rücksichtslos verbal leeres Stroh drischt oder sich nach Ansicht vieler anderer Personen den üblichen Verhaltensformen zuwider benimmt. Als Ausruf zeigt das Wort subjektive Betroffenheit von dem Verhalten. Die Herkunft des Begriffes Flegel als Bezeichnung für einen Menschen ist nicht gesichert, seine Verwendung in diesem Sinne dagegen eher nachweisbar.[2]

Deutschsprachige Wikipedia (2016)[3]

Wappenbilderordnung

Weblinks

 Commons: Der Flegel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Streit-/Kriegsflegel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Dreschflegel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur und Einzelnachweis

  • Wolfgang Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. Verlag Georg D. W. Callwey, München 2001, ISBN 3-8289-0768-7
  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Zum Beispiel: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts
  3. Seite „Dreschflegel“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. April 2016, 12:26 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Dreschflegel&oldid=153872753 (Abgerufen: 12. Oktober 2016, 09:46 UTC)