Zürcher Wappenrolle

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Zürcher Wappenrolle
Z wappenrolle 00.jpg
(Pergamentstreifen I Rückseite)
Details
Synonym(e) • Armorial de Zürich
• rôle de Zürich
Abkürzung ZUR
(oder Z, ZW, ZWR sowie MHZ)
Erscheinungsjahr Zwischen 1330 und 1345
Autor(en) Unbekannt
Inhalt Wappen des hohen und niederen Adels aus der Nordschweiz, aus Süddeutschland und dem westlichen Österreich
Wappenanzahl 450 Wappen (früher 559) und 28 Fahnen
Typ Wappenrolle (Dokumentrolle)
Klassifizierung Allgemein
Abmessungen 450 cm × 125 mm
Material PergamentW-Logo.png
Provenienz, Standort
Herkunftsort OstschweizW-Logo.png
Vorbesitz Johann Jakob ScheuchzerW-Logo.png
Standort,
Signatur
a)  Schweizerisches Nationalmuseum, ZürichW-Logo.png; Signatur: AG 2760 (Original, 14. Jhr.)
b)  Gräflich Königsegg'schen Domanial-Kanzlei, Aulendorf (‚Aulendorfer Kopie‘, 16. Jhr., inkl. im Original fehlender Wappen)
c)  Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich; Signatur: Hs. H 60 (‚Bernhauser Kopie‘, 1797, im Stil des 14. Jhr., inkl. 109 im Original fehlender Wappen)
d)  Privat (um 1850 im Besitz von Staatshauptmann Schulthess)
e)  Privat (10-Meter-Rolle, von Alfred Grenser 1860 hergestellt [559 Wappen, 28 Banner]; später im Besitz von Otto Hupp; wahrscheinlich von Runge verwendet)
Wappen verschiedener Linien der Tübinger Pfalzgrafen
Probe aus der Züricher Wappenrolle
(aus: Hugo Gerhard Ströhl: „Heraldischer Atlas“. Stuttgart 1899. Tafel 20)

Die Zürcher Wappenrolle (englisch Zürich armorial) wurde zwischen 1335 und 1345 von einem unbekannten Chronisten als Wappenverzeichnis in Form einer langen Pergamentrolle angefertigt.

Entstehungsgeschichte

Auch wenn Auftraggeber und Ursprung nicht gesichert sind, werden St. Gallen, Konstanz oder PfäfersW-Logo.png als mögliche Entstehungsorte vermutet. Der Zürcher Naturforscher und Historiker Johann Jakob ScheuchzerW-Logo.png (1672–1733) war der erste namentlich bekannte Besitzer der Wappenrolle. Sein Neffe, der Schaffhauser Amtmann Johannes Schleuchzer, vermachte sie um das Jahr 1750 der Burgerbibliothek (Stadtbibliothek) in Zürich. Der Heraldiker Heinrich Runge beteiligte sich im Jahr 1860 an der Faksimile-Publikation durch die Antiquarische Gesellschaft Zürich.

Inhalt

Die Zürcher Wappenrolle gilt als die wichtigste und ist vermutlich die älteste, erhaltene Wappensammlung des hohen und niederen Adels des Mittelalters. Die dargestellten Wappen stammen mehrheitlich aus der deutschsprachigen Schweiz, aus der Umgebung des Bodensees, aus dem Elsass und aus der Markgrafschaft Baden. Unter den abgebildeten Wappen sind die Linien der Tübinger Pfalzgrafen, Bistümer und Adelsgeschlechter sowie auch heute noch in Deutschland, Österreich und der Schweiz verwendete Gemeindewappen.

Von den einst vier aneinander genähten Pergamentstreifen von 12,5 Zentimetern Höhe und insgesamt rund vier Metern Länge sind drei mit 559 Wappen und 28 Bannern von Bistümern erhalten geblieben. Die 108 Originalwappen des verlorenen Streifens sind in Kopien überliefert.[1][2]

Oberwappen in der Züricher Wappenrolle

Im März 2020 untersuchte Dirk Faltin, wieviele Wappen der Zürcher Wappenrolle in der Helmzier das Schildbild spiegeln und kam zu dem nachfolgenden Ergebnis:

65% der Wappen spiegeln direkt das Schildbild in der Helmzier.
20% der Wappen zeigen eine komplett andere Figur in der Helmzier als im Schild.
10% der Wappen zeigen einen Federschmuck, der nichts oder wenig mit dem Schildbild zu tun hat.
5% der Wappen zeigen einen Hut in einer anderen Farbe als der Schild.

Verbleib

Heute ist die Zürcher Wappenrolle als Leihgabe der Antiquarische Gesellschaft in Zürich im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich zu sehen. Kopien der Wappenrolle befinden sich in der Gräflich Königsegg'schen Domanial-Kanzlei in Aulendorf sowie eine vom Maler Hans Conrad Bernhauser (1698–1761) im Stil des 14. Jahrhunderts angefertigte Replik in der Zentralbibliothek Zürich. Beide Kopien enthalten den verloren gegangenen Teil der Originalrolle mit weiteren 108 Wappen..[3]

Siehe auch

Literatur

  • Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Heinrich Runge: Die Wappenrolle von Zürich. Ein heraldisches Denkmal des vierzehnten Jahrhunderts in getreuer farbiger Nachbildung des Originals mit den Wappen aus dem Hause zum Loch. Selbstverlag der Gesellschaft; Druck von D. Bürkli, 1860; Neuausgabe Walther Merz, Friedrich Hegi. Orell Füssli, Zürich 1930 (mit Lithographien nach dem Original[4]; Online in der Google-Buchsuche und Digitalisat der ULB Düsseldorf – mit einer Umzeichnung des vollständigen Wappensatzes).
  • Michel Popoff (Hrsg.): Le role d'armes de Zurich, Editions du Léopard d'or, Paris 1986, ISBN 978-286377055-9 (= Documents d'heraldique medievale, 9).
  • Friedrich zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst: Culturhistorische Bilder aus der Züricher Wappenrolle. In: Neues Jahrbuch. Band 8. Heraldisch-Genealogische Gesellschaft „Adler“ (Hrsg.). 1881. S. 1 ff.

Weblinks

 Commons: Zürcher Wappenrolle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wappen. In: Historisches Lexikon der SchweizW-Logo.png., abgerufen am 3. Januar 2009
  2. Zürcher Wappenrolle auf ahnegruebler.ch, abgerufen am 3. Januar 2009. Antwortet mittlerweile [06. September 2015] mit Internal Server Error.
  3. Das Land Steiermark: Züricher Wappenrolle, abgerufen am 3. Januar 2009
  4. 4°, Folio. LXXXVIII, 316 S.; mit 32 lithographierten Wappentafeln in Farbe mit erläuternder Numerierung und Namen auf Zwischenpapieren und 8 s/w. Siegeltafeln mit erläuterndem Text auf Zwischenpapieren, sowie zahlreichen Textabbimldungen. Erste, einzige und auf 800 limitierte Auflage der im Auftrage der Antiquarischen Gesellschaft herausgegebenen umfangreichsten und ausführlichsten Abhandlung über die berühmte Wappenrolle von Zürich. In hervorragenden Farblithographien facsimiliert. Die Steine wurden nach dem Druck abgeschliffen.
Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Zürcher_Wappenrolle“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 11. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.