Gustav Adolf Closs

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gustav Adolf Closs Entwurf Reiter Preußen.png
Geharnischter Ritter mit Wappen für Preußen,
entworfen von Gustav Adolf Carl Closs

Gustav Adolf Carl Closs (* 6. Mai 1864 in Stuttgart; † 3. September 1938 in Berlin-Wilmersdorf) war ein deutscher Maler, Illustrator, Heraldiker und Künstler. Closs war ein bedeutender Künstler zur Zeit des deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik.

Leben

Closs' Leben bis zum Studienende (Herbst 1886)

Closs wurde am 6. Mai 1864 in Stuttgart als Sohn von Adolf Georg Cloß (Cloß war die ursprüngliche Schreibweise die Gustav Adolf später in Closs abändern sollte) geboren. Allerdings finden sich auch widersprüchliche Angaben, die Adolf Georgs Zwillingsbruder Gustav Paul als Vater Closs' führen. Gustav Adolf Closs gab jedoch stets (auch schriftlich) an, dass Adolf Georg sein Vater sei, so dass diese Aussage als zutreffend konstatiert werden kann. Die Zwillingsbrüder kamen am 14. November 1840 in Stuttgart zur Welt. Adolf Cloß unterhielt ein renommiertes Atelier für Holzschnitzarbeiten in Stuttgart. Er war in erster Ehe mit Mathilde (geb. Groß) verheiratet und zeugte mit ihr, neben Gustav Adolf, zwei weitere Kinder: Helene Augustine Pauline (* 20. Januar 1866; † 8. April 1945) und Marie Auguste (verstarb bereits im Alter von zwei Jahren). Der Holzkünstler Adolf Cloß verstarb Anfang 1894.

Gustav Adolf Closs besuchte von 1872 bis 1882 das königliche Realgymnasium in Stuttgart, wo er am 13. September das Zeugnis erhielt.

Direkt nach dem Abschluss des sekundären Bildungswegs immatrikulierte sich Closs am 20. November 1882 bei der Eberhard-Karls-Universität Tübingen für Staats- und Politikwissenschaften (damals "Regiminalwissenschaft"). Außerdem wurde Closs beim Corps Franconia Tübingen aktiv. Dort bekleidete er unter anderem die Charge des Conseniors. Im Sommersemester 1885 studierte er für ein Semester an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, kehrte aber bereits im kommenden Wintersemester nach Tübingen zurück. Mit seinem Wechsel nach Freiburg wechselte Closs von den Regiminalwissenschaften auf das Fach der Rechtswissenschaften. Jedoch führte er auch dieses Studium nicht zu Ende und beendete seine studentische Laufbahn vor dem Wintersemester 1886 vorzeitig.

Künstlerische Ausbildung (1886 bis 1890/1891)

Unmittelbar nach seiner Studienzeit wurde Closs in der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe aufgenommen. Obwohl sich schon hier sein Talent für die Landschaftsmalerei zeigte, wurde er nicht Schüler beim populären Gustav Schönleber, sondern Schüler von Ernst Schurth, der sich mehr der Figurenmalerei und Historiendarstellung widmete. Dort verblieb Closs jedoch lediglich ein Jahr, da er ab dem 17. Oktober 1887 an der Akademie der Bildenden Künste in München weiterlernte. Zu dieser Zeit war dort Karl Theodor von Piloty der wohl herausragendste Künstler. Closs' Lehrer an der Münchener Kunstakademie war Wilhelm von Diez. Allerdings gibt es keinerlei Anzeichen, dass Closs in die Münchener Secession und deren Folgen eingebunden war. Von Diez rezipierte Closs insbesondere dessen Betonung von Illuminations- und Farbelementen in Genrebildnissen. Außerdem bildete sich bei ihm ein deutlicher Hang zu realistischer, unverfälschter und sehr detaillierter Darstellungsweise heraus, die natürliche Lebenssituationen bestmöglich nachbilden sollte. Auch Closs bevorzugte die Abbildung von eher unbedeutenden Persönlichkeiten in typischen Situationen ihres ganz alltäglichen Lebens. Bereits zur Zeit als Schüler an der Münchener Akademie fertigte Closs einige Illustrationen für namhafte Zeitungen an. Nachdem Closs die Akademie 1891 verlassen hatte, ließ er sich in Stuttgart nieder.

Künstlerisches Schaffen

Als Illustrator

Als Erstlingswerk kann die im Jahre 1887 angefertigte und durch das Holzstich-Verfahren entstandene Illustration zu Eduard Mörikes "Der Feuerreiter" gelten, die im Balladensammelband "Die Gartenlaube" (1888) auftauchte. Ebenfalls in der "Gartenlaube" wurde im Jahre 1889 ein Bild Closs' mit dem Titel "Blutige Ostern im Jahr 1525" veröffentlicht, sowie im Jahre 1893 eines mit dem Namen "Die Zerstörung des Klosters Hirsau durch die Franzosen unter Mélac". Daneben finden sich dort zahlreiche weitere Historienmalereinen Closs'. Des Weiteren schuf er auch viele Illustrationen zu Beiträgen für Über Land und Meer, zu einer illustrierten Ausgabe von Wilhelm Hauffs "Lichtenstein", zu Homers Odyssee, zu dem Karl May Roman "Die Sklavenkarawane" und zu späterem Zeitpunkt folgten Illustrationen für die "Fliegenden Blätter", einer sehr populären, humoristischen Zeitschrift der Kaiserzeit. Ab Herbst 1897 gehörte Gustav Adolf Closs zu den gefragtesten Illustratoren der Fliegenden Blätter. Er arbeitete nachweislich ca. 20 Jahre für die Fliegenden Blätter. Nach seiner Heirat (s.u.) arbeitete er verstärkt für die Zeitschrift "Die Lustige Woche", die eine höhere Druckqualität bot und somit den künstlerischen Ansprüchen Closs' mehr gerecht wurde. Die xylografische Umsetzung der Illustrationen besorgte (zumindest bis zu seinem Ableben) größtenteils Closs' Vater Adolf Georg Cloß mit seinen Gehilfen in seinem Stuttgarter Atelier.

Er war 1898 Preisträger beim ersten Preisausschreiben von Ludwig Stollwerck für Entwürfe von Stollwerck-Sammelbildern. Preisrichter waren die Professoren Emil Doepler d.J., Woldemar Friedrich, Bruno Schmitz und Franz Skarbina aus Berlin sowie ein Teilhaber der Firma Stollwerck. Weitere Preisträger waren Adolf Münzer aus München, Oskar Zwintscher aus Meissen, A. Haas aus München, August Unger aus Berlin, W. Wulff aus Karlsruhe, Helene Schulz aus Berlin, Hans Anker aus Berlin, A. Bauer jr. aus Düsseldorf, P.O. Engelhard aus München, A. Höfer aus München, A. Klingner aus Berlin, H. Krause aus Berlin, E. Neumann aus München, F.P. Schmidt aus Dresden, Ad. Wagner aus Kassel und P. Wendling aus Friedenau. [1]

Im Jahre 1907 heiratete Gustav Adolf Closs die dreizehn Jahre jüngere Tochter eines Instrumentenmachers Martha Pauline Karoline Pfaff in Stuttgart und zog mit ihr nach Berlin. Die Beiden hatten keine Kinder und man kann davon ausgehen, dass das Verhältnis auch darüber hinaus eher kühl und distanziert war.

Als Maler

Neben seiner Tätigkeit als Illustrator, die er augenscheinlich lediglich als Mittel zum Verdiensterwerb verstand, sah sich Closs vorrangig als Maler. Er fertigte in den ersten zehn bis fünfzehn Jahren seiner malerischen Tätigkeit (ab 1892) unter anderem einige große Wandgemälde der Schlösser Rapperswil und Schöckingen (siehe auch Ditzingen) an. Den Auftrag für Schloss Schöckingen erhielt Closs wohl durch eine Freundschaft zu Friedrich Freiherr von Gaisberg-Schöckingen (* 1857; † 1932), die aus seiner Aktivenzeit bei den Tübinger Franken herrührte. Die Arbeiten in Schöckingen (ab 1892/1893) sind denen in Rapperswil am Zürichsee (ca. ab 1896) zeitlich vorgelagert. An der Nordseite des Schlosses in Rapperswil fertigte Closs zwei große Wandgemälde (2 X 4 m) an, die nicht nur aufgrund des tadellosen Zustandes als einige seiner Hauptwerke im Bereich der Wandmalerei zu betrachten sind. Weitere Wandgemälde, wie z.B. ein ca. 4 X 2,25 m großes Gemälde im Königsbau in Stuttgart, sind, vorrangig durch die Gebäudezerstörung in den beiden Weltkriegen, verlorengegangen.

Zwischen 1890 und 1910, wo Closs vorwiegend als Illustrator und Wandmaler in der Öffentlichkeit in Erscheinung trat, fertigte er auch zahlreiche Gemälde an. So z.B. für die Villa Hartmann in Heidenheim an der Brenz. Die drei für die Villa Hartmann angefertigten Gemälde: "Heimkehr von der Jagd nach Schloß Hellenstein", "Empfang eines Ritters an der Spitze seines Heeres durch die Stadtväter von Heidenheim" und "Spätmittelalterlicher Tanz auf der Bastion des Schlosses" befinden sich nunmehr im Besitz des Schlosses Hellenstein Heidenheim.

Eines seiner wohl bekanntesten Bilder ist "Der Sturz des Roland von Berlin" (1906/1907), das er auf expliziten, bei einer persönlichen Audienz ausgesprochenen Wunsch seiner Majestät Kaiser Wilhelm II. anfertigte. Darüber hinaus fertigte Closs für den Kaiser noch zwei weitere Bilder mit den Titeln: "Vor Roßbach" und "Garde du Corps" an, was sehr verwunderlich ist, da Kaiser Wilhelm II. eigentlich jedwede Anklänge von Impressionismus und Jugendstil, wie sie in Closs' Bildnissen auftauchten, kategorisch ablehnte. Zu dem, dem Heer zugeneigten Kronprinzen Wilhelm von Preußen und seiner Frau, der Kronprinzessin Cecilie, konnte Closs sogar eine Art Freundschaft aufbauen, was sich in der Anfertigung zahlreicher Bildnisse niederschlug. Des Weiteren fertigte Closs Arbeiten für den rumänischen König Karl I. an.

Als Heraldiker

Durch Closs' Hang zur Historiendarstellung, sowie geschichtsgetreuen, detaillierten Ausgestaltung seiner Bildnisse lag die Beschäftigung mit der Heraldik bereits nahe. Eingeführt in diese Hilfswissenschaft wurde Gustav Adolf Closs durch Kurt Freiherr Seutter von Lötzen. Später arbeitete er intensiv mit seinem Freund Freiherr von Gaisberg-Schöckingen auf dem Gebiet der Heraldik zusammen. Beide waren auch Mitglieder im "St. Georgen-Verein der Württembergischen Ritterschaft". Im Oktober 1893 wurde Closs Mitglied im Deutschen Herold. Dort war sein Engagement so groß, dass er es unter anderem im Jahre 1923 zum stellvertretenden Vorsitzenden brachte. Es wurden zahlreiche heraldische Zeichnungen von ihm veröffentlicht, so z.B. in den "Familiengeschichtlichen Blättern", den "Heraldisch-Genealogischen Blättern" und dem "Deutschen Roland". Nach dem Tod von Adolf Hildebrandt 1918 übernahm Closs die Wappenmalerei im Deutschen Geschlechterbuch. Des Weiteren wurde Closs vom Deutschen Gemeindetag als sachverständiger Heraldiker eingesetzt, dem die Aufgabe zugedacht war die vorhandenen Wappen zu überprüfen, zu verbessern und ggf., wenn noch kein Wappen vorlag, eines zu erschaffen. Sein Können und seine profunde Heraldikkenntnis zeigten sich, wie auch bei seinen sonstigen Werken, in der detaillierten, authentischen und getreuen Darstellung. Gustav Adolf Closs gilt neben Otto Hupp und Eduard Lorenz als bester Heraldiker seiner Zeit und hat auch über seine Lebensgrenzen hinaus eine weitreichende Reputation erworben.

Gustav Adolf Closs starb am 3. September 1938 in Berlin-Wilmersdorf. Bei der Trauerfeier nahmen neben Wilhelm von Preußen und Closs' Corpsbrüdern aus Tübingen zahlreiche weitere Vertreter von Mitgliedschaften und Ehrenämtern, die Closs innegehabt hatte, teil. Sein eingeäscherter Leichnam wurde nach Stuttgart überführt und auf dem Fangelsbachfriedhof beigesetzt. Sein Grab wurde noch nicht aufgelassen und befindet sich noch immer dort.

Auszeichnungen

  • 25. Februar 1897: Closs bekommt die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Friedrichsordens des Landes Württemberg verliehen
  • Mai 1905: Closs wird mit dem Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens ausgezeichnet

Auswahl einzelner Werke

Literatur

  • Lorenz, Detlef: Gustav Adolf Closs - Leben und Werk des Malers, Illustrators und Reklamekünstlers mit einem Exkurs über das Reklame-Sammelbilderwesen in: Beiträge zur Kunstwissenschaft Bd. 22 (ISBN 3892350221), 1988 Scaneg Verlag München
  • Schneider-Horn, Wilhelm Heinrich: Die Tübinger Franken, VATF e.V. 1969, ASIN B-000-0BUK6-P
  • Thieme, Ulrich/Becker, Felix: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 7: Cioffi - Cousyns, 1912 Engelmann Verlag Leipzig

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hofacker, Prof. Karl: Kunstgewerbeblatt 9. Jahrgang, Leipzig, 1898.

Quellenhinweis

Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Gustav_Adolf_Closs“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 03. Mai 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.