Tor (Heraldik)

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um 1340: Tor mit offenen Torflügeln (Wappen Portegalien; wird Portugal zugeschrieben; nach Züricher Wappenrolle, Figur 10.)
ca. 1475–1500: Tor mit offenen Torflügeln (Wappen der Herrschaft Portenau / Pordenone)
1450-1480: Zinnenturm mit Tor und offenen Torflügeln (Wappen derer von Niderthor/Niederthor)
MagdeburgW-Logo.png mit offenen Türen und gezogenem Gatter

Das Tor (auch Pforte, Portal, Toröffnung, gelegentlich Tür-/Türöffnung oder ähnlich genannt; französisch portail; englisch port, gate, gelegentlich doorway) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

Das Tor erscheint in Wappen als einzelne Figur oder bei einem anderen Wappenmotiv (zum Beispiel als Gebäudebestandteil bei einer Burg, einer Mauer, einem Turm oder ähnlichem). Die Art und Weise, wie ein Tor dargestellt wird, ist zu melden (geöffnet, geschlossen und so weiter).

Siebmacher

„(..) zu melden ist jedenfalls, wie überhaupt bei allen Gebäuden, stets, ob das Tor Torflügel hat, oder nicht, und ob dieselben verschlossen oder geöffnet sind.
Ein Tor : (Tafel XXV. Figur 18.:) oder Pforte führt zum Beispiel die Grafschaft Portenau im grossen Österreichischen Wappen.
Ein byzantinisches Tor (Tafel XXV. Figur 19.) führten die Gruber von Hulstet.
Ein Burgtor (Tafel XXV. Figur 20.) war das Bild der † Torberg.
Festungstor (Tafel XXV. Figur 21.), das heißt ein Tor, über welchem sich die Zinne wölbt und zu dessen beiden Seiten Tortürme stehen, ist zum Beispiel das Wappenbild der von Amsberg.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Geschlossenes Tor

Ein geschlossenes Tor wird oft dargestellt, indem es in einer anderen heraldischen Farbe tingiert erscheint als die Grundfarbe des Schildes. Ist beispielsweise der Schild Silber tingiert, könnten sowohl das Tor als auch die Einrichtung zum Schließen der Toröffnung (die „Tür“ des Tores) in der Farbe Rot erscheinen, um den geschlossenen Zustand des Tores anzudeuten.

Ein geschlossenes Tor mit einer Tür „ohne Türflügel" wird ohne Strich in der Tormitte dargestellt; ein geschlossenes Tor inklusive einer Tür „mit Türflügeln" erscheint mit einem Strich in der Tormitte.

Offenes Tor

Ein offenes Tor erscheint türlos, indem das Tor in einer anderen, die Tormitte in der gleichen Farbe wie der Schild tingiert ist. Ist beispielsweise der Schild Silber tingiert, könnte die Tormitte, wo sich gewöhnlich eine Tür befindet, ebenfalls Silber, die Tordarstellung jedoch in der Farbe Rot erscheinen. Bedeckt ein offenes Tor ein Heroldsbild, so kann dieses in der Tormitte sichtbar sein.

Erscheint ein „offenen Tor mit Torflügeln“, ist dies zu melden. Diese sind meist rechts und links vom Tor zu sehen und häufig mit Beschlägen oder Scharnieren am Tor befestigt. Die Tinktur der Befestigung ist zu melden, wenn sie von der Farbe des Tores abweicht.

Nachbildungen eines realen Tores

Nachbildungen eines realen Tores im Wappen müssen in der Wappenbeschreibung nicht explizit erwähnt sein. Es reicht aus, die Nachbildung in der klassischen Kunstsprache der Heraldik genau so zu umschreiben, daß das Motiv in einem Wappen entsprechend stilisiert wiedergegeben werden kann.

Beispiel: Porclas Cumbel („Frauentor“)
Blason: „In Rot ein silbernes Tor mit schwarzem Dach und schwarzem Fallgatter.“ Ein ergänzender Ausdruck „Frauentor (Porclas Cumbel)“ ist in der Wappenbeschreibung im Grunde überflüssig. Er gehört nicht in den Blason, sondern in eine vom Blason unabhängige „Symbolbeschreibung“ zum Wappen.

Abgrenzung

Die gemeine Figur Tor sollte man nicht mit einem Fallgatter/-gitter oder dem Heroldsbild Gitter (Heraldik) verwechseln.

Wappenbilderordnung

Das Tor besitzt in der Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) die Nummer 8081.

Weblinks

 Commons: Tore in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Tor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Wappenbeschreibung: „In Rot zwischen zwei silbernen Zinnentürmen, deren Sockel aus silbernen und blauen Quadern bestehen, ein geschlossenes goldenes Tor mit Einlasspförtchen in silberner Mauer. “
  3. Wappenbeschreibung: „Auf rotem Grund über grünem Boden mit silbernem Fluss ein silbernes Tor mit goldener Gittertür. Die pyramidenförmig zugespitzten Torpfosten sind (heraldisch) rechts mit einem schwarzen Hut, links mit einer roten Rose belegt. Dazwischen befindet sich schwebend das Wappenschild des Landes Lüneburg, das auf goldenem, mit roten Herzen bestreuten Grund einen blauen, rotbewehrten und rotbezungten Löwen zeigt.“
  4. Wappenbeschreibung: „Im Blau und Grün durch eine erniedrigte (gesenkte) silberne Wellenleiste geteilte Wappenschild ist im oberen Feld eine goldene fünftürige Pforte in Spitzbogenmanier dargestellt. An den Enden und mittig ist je ein Kreuz aufgesetzt.“