Rosskamm

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Schwarzer Kamm (oder Rosskamm), schrägrechts, mit den Zinken nach unten (Stammwappen derer von Anrepp)

Die Bezeichnung Rosskamm (auch Mähnenkamm, Pferdekamm genannt) ist im Wappenwesen für eine seltene gemeine Figur gebräuchlich, die in mindestens drei Varianten in Wappen erscheint.

Abgrenzung

  • Grundsätzlich sind die Rosskamm-Figuren von der Figur Pferdestriegel zu unterscheiden.

Darstellung

Die Kammzinken des Rosskamms können in unterschiedlicher Anzahl und gerade oder gebogen sein. Meist wird er ohne Stiel dargestellt.

„Der Rosskamm(Tafel XXX. Figur 6-8.) entweder wie Figur 6. in gerader Form (Schildfuss des Wappens der Fürsten Schwarzburg) oder wie Figur 7. (Wappen der Freiherren von Anrep und von Ayx) mit gebogenem Handgriff. Ob der Kamm in Figur 8. ein Kamm für die Damen zum Hineinstecken ins Haar, oder auch ein Rosskamm sein soll, wagen wir nicht zu entscheiden. Ersteres dürfte wahrscheinlicher sein.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Rosskamm mit kleiner, abgerundeter Handhabe

Rosskamm mit länglich-gerader Handhabe

Die Figuren, die sich im Wappen des Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen und in den davon abgeleiteten Wappenderivaten befinden und als Rosskamm oder Kamm in Kombination mit einer Seifengabel (bzw. einer Streugabel) bezeichnet werden, besitzen eine länglich-gerade Handhabe. Im Wappen von Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt befindet sich die Figur im Schildfuß unter einer Seifengabel bzw. Streugabel. Im erstgenannten Wappen ist sie in Rot, im anderen in Silber. Weitergereicht wurde sie ins Wappen von Helbedündorf durch die Zugehörigkeit zum Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen. Andreas Ludwig Jacob Michelsen führt im Jahre 1854 aus, dass die Figur nicht als Kamm, Rosskamm, Rechen, Harke, Kamm-Balken/Rechen-Balken (Götze) zu blasonieren sei, sondern als „Zwinger“ (abgeleitet von: fascia inferius pinnata, une fasce bastillée).[2]

Schmuck-Rosskamm

Der Rosskamm im Wappen von Loipersdorf-Kitzladen ist einem Schmuckstück aus Messing nachempfunden, das von den Bauern in das Kummet des Leitrosses angesteckt wurde. Ein länglicher Rosskamm, dessen Handhabe mit einem Kreuz geschmückt ist, erscheint bei den Rolland Wappen-Illustrationen zum Rietstapp beim Wappen Marstaller (die eigentlich einen Pferdestriegel führen)

Heraldischer Rosskamm

1560: Wappen Igel, Regensburg
um 1600: Wappen Igel, Regensburg

Als Rosskamm bezeichnet man in der Heraldik auch eine Figur mit vier, bis fünf starken, spitzen Zinken/Zacken, die aus einem breitem Rechteck auslaufen, das am anderen Ende einen Stiel oder eine Tülle mit oder ohne Kreisring bzw. einem Quersteck besitzt. Diese Figur erscheint unter anderem in Siegeln alter Geschlechter wie den von Chefringer (Köfering) oder den von Igel. Derivate dieser Figur finden sich in aktuellen Kommunalwappen.

Symbolik

Die Stellung im Schildfuß wurde im 18.Jahrhundert als Regalie für die Reichsstallmeisterwürde fehlgedeutet[4]. Der Rosskamm wird zur Mähnen- und Schweifpflege bei Pferden benutzt. Im übertragenen Sinn wurde ein „Pferdehändler“ oder ein „Rosstäuscher“ mit Rosskamm bezeichnet (so etwa der Michael Kohlhaas in Heinrich von Kleists gleichnamiger Erzählung) [5].

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Kämme in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Michelsen, Andreas Ludwig Jacob: Ueber die Ehrenstücke und den Rautenkranz als historische Probleme der Heraldik: Programm zu der am 6. August 1854 in Gotha zu haltenden Generalversammlung des Vereins für Thüringische Geschichte und Alterthumskunde. 1854. S. 18 ff.
  3. Ministerialentschließung vom 13. Februar 1957 (Nr. I B 1-3000-29 O/9)
  4. Lexikon der Heraldik, Gert Oswald, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1984
  5. Ökonomische Enzyklopädie von J. G. Krünitz, 1773 - 1858


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Rosskamm“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 10. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.