Brustharnisch

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Dieser Artikel befasst sich mit der Wappenfigur Brustharnisch, andere Bedeutungen unter Harnisch (Begriffsklärung).
 
1528: Plattner, Harnischmacher
(hier: Jorg Hofman)
 
1889: Brustharnisch, nach rechts in Dreiviertel-/Halbprofil gedreht
(nach Siebmacher)
 
um 1535: Plattner oder Harnischmacher (in den Nürnberger Hausbüchern)
 
1882: Brustharnisch im Wappen Golubzow

Der Brustharnisch (auch Brustpanzer oder mißverständlich bzw. kurz Panzer, Harnisch, Brünne, Halsberc, Haubert oder ähnlich genannt; frz.: armure; engl.: armour) ist in der neueren Heraldik eine seltene gemeine Figur, die im frühen Wappenwesen nicht gebräuchlich ist.

Brustharnisch: Bis in das 19. Jahrhundert zum Schutz des Oberkörpers getragener Eisenpanzer. Der Brustharnisch kommt hauptsächlich in der neueren Heraldik vor (..)“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

Bedeutungsentwicklung des Ausdrucks „Harnisch“

Der mehrdeutige kurze Ausdruck „Harnisch“, der aus dem Romanischen in die deutsche Sprache eingedrungen ist und erst gegen das 13. Jahrhundert das einheimische geserwe „=Rüstung“ verdrängt[2], ist nur bedingt für die Beschreibung einer Wappenfigur geeignet. Seine Bedeutung schwankt im Laufe der Jahrhunderte. Wird er in einem Blason verwendet, kann unter Umständen unklar sein, welche Figur exakt gemeint ist:

Harnisch (Bedeutungswandel) Beispiel
  • Ursprünglich bedeutet Harnisch soviel wie „Eisen“ (mhd.: der und das harnas, harnasch, harnisch, hernisch; kymrisch: »haearn«; hernez, harnez „=Eisenzeug“, das ist Gesamtheit von eisernen Gegenständen, Dingen, Geräten, Werkzeugen).[3]
Maximiliand at armour smiths.jpg
Waffenschmiede mit Eisenzeug
(eisernen Werkzeugen, Rüstungsteilen et cetera)
  • Im weitesten Sinne wird unter Harnisch die gesamte kriegerische Ausrüstung einer Person (meist eines Ritters) verstanden (inkl. Helm, Schwert, Lanze, Rüstung, Schild, Pferderüstung et cetera).[2][3]
Codex Rossianus 711 example2.jpg
Ritter mit kompletter Ausrüstung
  • Im engeren Sinne bezeichnet der Ausdruck die gesamte körperbedeckende Rüstung eines Ritters (die zum Schutz angefertigte Kriegsschutzkleidung des Rumpfes und der Glieder, mit Ausschluss des Schwertes, Schildes und Helms)[2][3]
Götz Rüstung.jpg
Die den Körper bedeckende Rüstung
(hier von Götz von Berlichingen)
  • Im engsten Sinne bedeutet Harnisch das aus Ringen bestehende Panzerhemd (auch Kettenrüstung, Kettenpanzer, Ringpanzer oder ähnlich genannt; lat.: loricaW-Logo.png), „also das Brustkleid, das durch die Jahrhunderte eine merkwürdige Wandlung zu bestehen hatte und endlich durch die Handfeuerwaffe und durch die neuere Taktik verdrängt wurde“.[2][3]
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WBO-Code 9612: Panzerhemd (Oberhausmuseum, Passau 15.-16. Jahrhundert)
  • In der Heraldik steht das Wort Harnisch gewöhnlich in der Bedeutung Brustharnisch (Bruststück eines Plattenpanzers bzw. Brust- und Rückenstück desselben respektive Kürass) und ist von der zuvor erwähnten, eigenständigen Figur Panzerhemd zu unterscheiden.
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WBO-Code 9611: Brustharnisch

Darstellung

1574: „Harnisch“ bestehend aus Helm, Kehlstück, Halsberge, Brustharnisch, Oberarmschienen, Bauchreifen mit Beintaschen
(Wappen des Buchhändlers Matthaeus Harnisch; nach Flores Hesperidum)

Die Figur Brustharnisch ist gewöhnlich dem Bruststück eines Plattenpanzers beziehungsweise dem Brust- und Rückenstück desselben respektive einem Kürass nachempfunden. Teile wie Bauchreifen mit Beintaschen und Gesäßreifen oder Vorder-/Hinterflüge, die direkt in Verbindung mit dem Brustharnisch stehen, können im Rahmen der Gesamtharmonie eines Wappens die Figur hinzugefügt sein, sollten aber gemeldet werden, wenn sie wesentlich für ein Wappenbild sind; andere Rüstungsteile (Helm, Beinzeug, Panzerhandschuhe o. ä.), die nicht unmittelbar mit dem Brustharnisch verbunden sind, sollten in jedem Fall angezeigt werden, wenn sie in einem Wappen mit der Figur Brustharnisch zu einem gemeinsamen Motiv kombiniert sind. Beispielsweise zeigt die redende Figur im Wappen des Matthaeus Harnisch nach dem Flores Hesperidum von 1574 des Buchdruckers Christian EgenolffW-Logo.png nicht nur einen Brustharnisch, sondern einen Harnisch bestehend aus Helm, Kehlstück, Halsberge, Bruststück, Oberarmschienen, Bauchreifen mit Beintaschen.

Die Figur Brustharnisch erscheint gewöhnlich „en face“ (in Frontalansicht); Drehungen beispielsweise ins Halb- oder Dreiviertelprofil wie im Wappen Harnisch sowie ein Brustharnisch im Profil sind unter Angabe der heraldischen Richtung zu melden. Alle heraldischen Farben sind bei der Darstellung eines Brustharnisch in Wappen gebräuchlich, Silber und Gold sind bevorzugt. Zuweilen sind Teile eines Brustharnisch farblich anders tingiert, was zu melden ist. Kleinere Verletzungen der heraldischen Farbregeln werden stillschweigend geduldet. Hefner und Gritzner führen als Referenzwappen, in dem ein Brustharnisch erscheint, das Wappen des hessischen Familie von Harnier an (in Rot ein silberner, halb rechtsgedrehter Brustharnisch)[4].

Brustharnisch (Tafel XXV. Fig. 105.): kommt in einzelnen modernen Wappen vor (von Harnier in Hessen).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[5]

Die Wappenbilderordnung des Herold (Verein) führt als Referenzwappen mit „Harnisch (Brustpanzer)“ das Wappen der Familie Panzer an (DWR, Nr. 5941/64, eingetragen am 23. März 1964).

Kürass mit Kürassierrock

1815: Preußischer Gardekürassier mit Kürass und Rock

Die moderne Wappenfigur „Kürass“ (Brust- und Rückenpanzer einer KürissW-Logo.png) ist von den Ausdrücken Kurässierrock, Kürassieruniform, Kurässierjacke oder ähnlich zu unterscheiden, da er sowohl ohne als auch mit diesen kombiniert im Wappen erscheinen kann. Die jeweilige Ausprägung ist ausführlich zu melden. Beispielsweise führen die von Bockelberg in einem Schwarz/Silber schräggevierten Schild einen Kürass mit einem ganzen Kürassierrock darunter sowie zwei silberne Pistolen im Schildfuß.

„Die in Preussen geadelte Familie von Bockelberg führt sogar einen ganzen Cürassier-Rock mit Brustharnisch (Tafel XXV. Fig. 106).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[5]

Brustharnisch als Armatur

1894: Wappen von Kopenhagen, die Armatur unter anderem mit Brustharnisch

Bei einigen Wappen ist der Brustharnisch Teil der Armatur und erscheint beispielsweise neben, hinter oder unter einem Wappenschild.

„(Der Brustharnisch --Anmerkung der Redaktion) wurde auch als Bestandteil der besonderen im 18. Jahrhundert beliebten, hinter oder neben den Wappen befindlichen Armaturen (Waffen, Fahnen, Kanonenrohre, usw.) gern dargestellt.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

Brustharnisch/Harnisch als Nebenfigur

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Ritter

Der Brustharnisch erscheint in der Heraldik meist als Nebenfigur beziehungsweise als Schutzkleidung der Wappenfigur Ritter (siehe dort).

Wappenbilderordnung

Paraheraldik

Brustharnischfiguren sind in der Paraheraldik als Logos, Studentenwappen, Militärwappen oder ähnliches gebräuchlich. Beispielsweise erscheint in dem Wappen der spanischen Kavalleriekorpsinspektion (Inspección del Cuerpo de Caballería; ICAB), ein Brustharnisch.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Rüstung in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adelslexikon. Band 1, Friedrich Voigt, Leipzig 1859, S. 500.
  • Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues preußisches Adelslexicon oder genealogische und diplomatische Nachrichten von den in der preussischen Monarchie ansässigen oder zu derselben in Beziehung stehenden fürstlichen, gräflichen, freiherrlichen und adeligen Häusern mit der Angabe ihrer Abstammung, ihres Besitzthums, ihres Wappens und der aus ihnen hervorgegangenen Civil- und Militärpersonen, Helden, Gelehrten und Künstler. Band 1, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1836, S. 263.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 79.ISBN 978-3-411-02149-9
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Harnisch. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Götzinger, E.: Harnisch. Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885. S. 363-369.
  4. Otto Titan von Hefner:Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. Teil 1, Heraldisches Institut, München 1863, S. 103 und Tabelle XXIII, Abb. 1023, 1024.
  5. 5,0 5,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 118