Melden

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Melden ist ein heraldischer Fachausdruck für: [in einer Wappenbeschreibung besonders] „bezeichnen“, „angeben“, „erwähnen“, „anführen“, „kund machen“, „verkündigen“, „kundtun“, „anzeigen“, „beschreiben“.

Meldung

„Gemeldet“ wird etwas Besonderes, Ungewöhnliches, etwas, was sich bei der Darstellung einer Wappenfigur nicht von selbst versteht beziehungsweise von der heraldisch-normalen Erscheinung der Figur abweicht. Beispielsweise zeigt in einem Wappen die Stiefelspitze eines Stiefels, wenn nichts weiter gemeldet wird, stets zum heraldischen rechten Rand des Wappenschildes; wenn sie aber nach heraldisch links zeigt, ist dies in der Wappenbeschreibung zu erwähnen („zu melden“).

Melden, das heißt besonders bezeichnen, erwähnen muss man beim Blasonniren alles Dasjenige, was sich nicht von selbst versteht und was doch nöthig ist, um nach einer solchen Beschreibung das betreffende heraldische Object gebührend bildlich darstellen zu können - nota bene: wenn eine Wortbeschreibung überhaupt in erschöpfender Weise möglich ist, was freilich mitunter nicht der Fall ist. Bei der Frage über Melden oder Nicht-Melden kann man füglich nach Analogie eines ähnlichen juristischen Sprüchwortes sagen: „Ordinaria praesumenda, extraordinaria nuntianda sunt“.“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[1]

melden nennt man dasjenige bei der Blasonierung angeben, was nöthig ist. Was nicht nöthig ist, das heißt sich von selbst versteht, ergiebt jedes heraldische Handbuch und schließlich die eigene Erfahrung.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Melden: in der Heraldik Ausdruck für „besonders bezeichnen“. Beim Blasonieren (vergleiche Blasonierung) muß alles, was sich nicht von selbst versteht, jedoch für eine aus einer solchen Beschreibung anzufertigende bildliche Darstellung nötig ist, besonders gemeldet werden. Alle klar aus der heraldischen Terminologie ersichtlichen Dinge werden bei einer guten Blasonierung nicht gemeldet, zum Beispiel die Rechtswendung einer Wappenfigur, der im Schildhaupt schwebende Turnierkragen und anderes.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

„„Blasonieren“ heißt demnach, alle Teile eines Vollwappens in der richtigen Reihenfolge formal und farblich vollständig beschreiben. „Melden“ (Hervorhebung durch die Redaktion) ist die zusätzliche, sachliche und eindeutige Benennung aller Sonderheiten, die vom Normalen abweichen oder sich nicht von selbst erklären, um auch sie vorschriftsmäßig und fehlerlos darstellen zu können (..)“

Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst (1978/2000)[4]

Nicht-Meldung

„Nicht gemeldet“ wird etwas Tradiertes, Gewöhnliches, durch die heraldischen Regeln implizit Bestimmtes, etwas, was sich bei der Darstellung einer Wappenfigur von selbst versteht beziehungsweise der heraldisch-normalen Erscheinung der Figur entspricht.

Nicht gemeldet wird z. B. dass der Turnirkragen drei Lätze hat und im Schildeshaupte schwebt; dass Mondsicheln mit ihren Hörnern aufwärts gekehrt sind (obschon Anton Peter in Troppau diese Regel nicht zu kennen scheint); dass ein Stern sechs (bei den Franzosen fünf) Strahlen, ein Lilienscepterstern aber acht Strahlen hat; dass im aufrechtstehenden und im rechtsgelehnten Schilde die Figur, z. B. ein Thier, nach rechts gekehrt ist; dass die blauen Eisenhütlein stehen und die silbernen gestürzt sind; dass der gewöhnliche heraldische Löwe die Pranken vorwirft, die (rothe) Zunge ausschlägt, den Zogel rückwärts windet, überhaupt znm Grimmen geschickt ist; dass drei Figuren im Schilde in der Ordnung 2. 1. steben; dass die Sonne gebildet, oder dass der Mond oder ein Stern ungebildet ist; - und so weiter.“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[1]

Siehe auch

Weblinks

Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Melden. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).

Wiktionary Wiktionary: melden – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Atlas der heraldischen Begriffe in französisch und englisch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 87 f.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 270
  3. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 269.
  4. Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 347 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).