Palette (Heraldik)

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Palette (nach WBO, Nr. 9941)

Die Palette (auch Farb[en]palette, Farb[en]brett, Farb[en]scheibe, Farb[en]tafel, Mal[er]palette, Politte, Tavoletta, Tavolozza oder ähnlich genannt; aus frz.: palette, =„kleines rundes Brett“; von lat.: pala, =„Schulterblatt, Schaufel, Spaten, Grabscheit“; engl.: palette) ist in der neueren Heraldik eine gemeine Figur. In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens ist die Palette kein gebräuchliches heraldisches Motiv.

Darstellung

1595: Pictura, Allegorie der Malerei und der Inspiration: Ein weiblicher Akt mit Palette und Künstlerwappen, von einem Teufel mit Feuer angeblasen.

Die Figur Palette ist der gleichnamigen ovalen, seltener viereckigen, dünnen Platte/ScheibeW-Logo.png mit Loch oder Daumenöffnung nachempfunden, worauf ein Maler die Farben mischt (im Original meist aus poliertem Nußbaum-, Ahorn-, Mahagoni-, Birnbaumholz, seltener aus Horn, Porzellan, Elfenbein, Schildkrötenschale oder ähnlichem bestehend). Der Ursprung der Palette ist unklar. Es gibt die Vermutung, dass Tierknochen (zum Beispiel Schulterblätter von Bären) bereits in der Frühzeit der Menschheit als erste Paletten dienen, insbesondere wenn sie eine nach Innen gewölbte Höhlung besitzen, durch die ein Daumen zum Halten solcher Palettenvorformen gesteckt werden kann. Eine exakte erste zeitliche und örtliche Einordnung der „Erfindung“ Palette ist indess zur Zeit nicht möglich. Ein Zusammenhang zwischen der Palette und dem Wappenwesen ist spätestens seit dem 16. Jhr. unmittelbar gegeben, als in den Werken der bildenden Kunst Pictora, die Allegorie/Muse der Malerei, der InspirationW-Logo.png und der ImaginationW-Logo.png, manchmal mit Palette und Künstlerwappen dargestellt wird.

Die Figur Palette erscheint in der Regel frontal mit einem „Daumenloch“ respektive einer „Daumenöffnung“ beziehungsweise einem frei bleibenden (rund/oval durchbrochenen) Motivteil nahe dem einen Ende der längeren Palettenseite, durch die die Tingierung des Schildes (oder des Feldes) erkennbar ist. Wo genau im Wappenschild die Öffnung erscheint, wird gewöhnlich nicht besonders gemeldet. Allgemein richten sich die Stellungen von Öffnung und Palette nach den zur Verfügung stehenden räumlichen Gegebenheiten beziehungsweise nach der Gesamtharmonie im jeweiligen Wappen und obliegt dem Wappenkünstler. Im Einzelfall kann die Stellung der Palette im Wappen mittels der heraldischen Terminologie genauer angezeigt werden. In der Normalform der Figur erscheinen keine Farbkleckse auf dem Motiv. Falls in einem Wappen vorhanden, sollten diese, ihre Anzahl und Tinktur gemeldet werden.

Symbolik

Innerhalb der Heraldik verweist die Palette möglicherweise auf den Namen oder den Beruf des Wappenführenden. Beispielsweise erscheint im Wappen und im Selbstporträt von Jacques-Louis David, einem französischen Historienmaler des Klassizismus, eine Palette.

Palette in Zunft-/Gildenwapppen

Nach Siebmacher führen in der neueren Zeit einzelne Zünfte/Gilden im Gegensatz zu den drei Schilden, die im Maler-/Künstlerwappen erscheinen, das Motiv der Palette in ihren Zunft-/Gildenwappen:

„Einzelne Gilden führen Paletten, durch deren Daumenöffnung mehrere Pinsel gesteckt sind. Die Palette scheint mir nur dann toleriert werden zu können, wenn sie in ornamentaler Anordnung erscheint, wie in den Entwürfen 3 und 4 auf Tafel 16 angedeutet ist: Vier in den Vierpass gestellte Paletten, getrennt durch vier in Form eines Kreuzes mit dem Stiel nach innen gestellte Pinsel. Oder drei Paletten (1,2) dreiblattartig gestellt, getrennt durch drei Pinsel. Der Punkt, wo die Figuren in der Mitte zusammentreffen, ist mit einer Rose verdeckt.“

Siebmacher/Seyler (1898)[1]

Wappenbilderordnung

Weblinks

Commons: Paletten in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, I. Band, 7. Abteilung; Berufswappen; Verfasser: G. A. Seyler; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1898. Text: S. 21. Tafel: S. 16.