Burg Breuberg

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Burg Breuberg
Burg Breuberg, Hauptburg und Torbau.

Burg Breuberg, Hauptburg und Torbau.

Entstehungszeit: um 1150
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ort: Neustadt
Geographische Lage 49° 49′ 13″ N, 9° 2′ 24″ O49.8202777777789.04306Koordinaten: 49° 49′ 13″ N, 9° 2′ 24″ O
Höhe: 306 m ü. NN
Burg Breuberg (Hessen)
Burg Breuberg
Burg Breuberg im Sommer 2006, Ansicht von Südosten.
Burg Breuberg, Merian-Stich 1648.
Der 25 m hohe Bergfried.
Die Rentschreiberei wird aufgrund ihres auffälligen Fachwerks zu den ältesten Fachwerkgebäuden des Odenwaldes gerechnet.
Blick in den Zwingergraben mit Contrescarpe und Geschützturm.
Armbrustschütze im Portal des Wertheimer Zeughauses, 1528.

Die Burg Breuberg ist eine Burg auf dem im Gebiet der Stadt Breuberg (Odenwaldkreis) gelegenen Burgberg. Sie gehört wegen ihres guten Erhaltungszustands zu den eindrucksvollsten Burganlagen in Südhessen bzw. im Odenwald. Prägend für die Geschichte der Burg war nach dem Aussterben der Herren von Breuberg der geteilte Besitz verschiedener, teilweise konfessionell unterschiedlicher Adelsgeschlechter. Große Teile der Substanz dieser Epoche sind erhalten, von denen besonders die Bauten der Gotik und Renaissance von Bedeutung sind. Regionale Bekanntheit besitzt die Burg als Jugendherberge sowie Sitz und Museum des Breuberg-Bundes, der die geschichtliche Erforschung des Odenwaldes fördert.

Geographische Lage

Die Burg steht im hessischen und somit nördlichen Teil des Odenwalds auf dem 306 m hohen Breuberg, unmittelbar nördlich bzw. oberhalb von Neustadt, das ein Stadtteil von Breuberg ist. Sie erhebt sich oberhalb eines Abschnitts des Main-Zuflusses Mümling, der den Burgberg in einem weiten Linksbogen in West-Nord-Richtung umfließt. Mit den nördlich gelegenen Hügeln ist die Burg über einen schmalen Sattel verbunden. Dort verlief auf der Höhe die „Alte Frankfurter Straße“, ein mittelalterlicher Handelsweg, der schon seit der Römerzeit benutzt wurde.

Geschichte der Burg

Gegründet wurde Burg Breuberg wahrscheinlich um 1160, ebenso wie die Veste Otzberg von der Reichsabtei Fulda unter Abt Markward I., um fuldische Besitztümer im Odenwald wie das Kloster Höchst zu sichern. Die Vogtei besaßen die örtlich begüterten Edelherren von Lützelbach, die sich daraufhin Herren von Breuberg (auch Reiz von Breuberg) nannten. 1118 wird erstmals urkundlich Conradus Reis de Lucelenbach (v.F. Gudenus, Cod. dipl. Moguntinus I, 1743, 294) erwähnt, später im Jahre 1222 ein Konrad II., der mutmaßliche Sohn des Erbauers, als Konrad Reizo von Bruberc.

Bereits 1323 starb das Geschlecht der Breuberger mit Eberhard III. von Breuberg im Mannesstamm aus. Der Besitz fiel zur Hälfte an Konrad von Trimberg, je ein Viertel an die Grafen von Wertheim und die Herren von Weinsberg. Die Zersplitterung des Besitzes wird an den komplizierten Besitzverhältnissen der folgenden Zeit deutlich: 1336 gehörte die Burg zu drei Vierteln zu Wertheim, Trimberg und die Herren von Eppstein hielten je ein Achtel. Etwas mehr als 50 Jahre, zwischen 1497 und 1556 besaßen die Grafen von Wertheim die Burg vollständig. Viele Baumaßnahmen fallen in diese Zeit.

Mit dem Aussterben der Grafen von Wertheim 1556 wurde die Burg erneut geteilt. Sie befand sich nun je zur Hälfte im Besitz der Grafen von Erbach (seit 1747 der Linie Erbach-Schönberg) sowie der Grafen zu Stolberg-Königstein. Mit Beginn des 17.Jahrhunderts fiel der Stolberg-Königsteinische Anteil an der Burg an die Grafen von Löwenstein-Wertheim (später Löwenstein-Wertheim-Rosenberg). 1940 erwarb das Deutsche Jugendherbergswerk die Anlage. Im Zweiten Weltkrieg waren hier Zwangsarbeiter untergebracht, an die eine Tafel am Eingangstor sowie Ritzungen in kyrillischer Schrift auf dem Bergfried erinnern. 1949 ging Burg Breuberg in den Besitz des Landes Hessen über. Die Burg wird weiterhin als Jugendherberge genutzt.

Anlage

Kernburg

Der älteste Teil der Burganlage aus dem 12. Jahrhundert ist der etwas verschobene rechteckige Grundriss der Hauptburg mit Resten des Burggrabens und der Ringmauer, der quadratische Bergfried und das Säulenportal am Torbau der Kernburg. Der Bergfried steht frei innerhalb des inneren Burghofes. Seine 2,50 m dicken Mauern bestehen aus Buckelquadern und bossierten Sandsteinen. Die welsche Turmhaube sowie der obere Abschluss mit Wehrplattform und Zinnen stammen aus dem Jahr 1612.

An der Nordseite, neben dem Tor, findet sich der „Altbau“ (15./16. Jahrhundert) mit Treppenturm und Brunnenhalle, dessen hölzernes Schöpfwerk aus dem Jahr 1560 stammt. Die Tiefe des Brunnens beträgt 85 m. Östlich schließt sich die bereits 1357 erwähnte Kapelle an. Der „Kapellenbau“ (auch „Neubau“) ist jedoch ein Neubau des 16./17. Jahrhunderts. An der östlichen Schmalseite des Hofes liegt der „Obere Saalbau“, auch „Frauenhaus“ genannt. Ein spätgotischer Erker datiert das Gebäude in das 15/.16. Jahrhundert. In der Mitte der Südseite steht das „Erbachsche Herrenhaus“ von 1568 mit gewölbtem Saal im Erdgeschoss und Wohnräumen im Obergeschoss.

Im westlichen Anschluss wurden die „Rentschreiberei“ (Ende des 15. Jahrhunderts), die Burgküche (15. bis 16. Jahrhundert) und – neben dem Torbau – die „Münze“ (Oberbau von 1709) errichtet. Der Riegelbau mit Burgküche und Rentschreiberei enthält ein sehenswertes Fachwerk mit viertelkreisförmigen Fußbändern und an der Giebelseite verblatteten Kopf- und Fußstreben. Zusammen mit dem „Preussischen Hof“ in Michelstadt von 1450 dürfte er zu den ältesten Fachwerkgebäuden im Odenwaldkreis gehören.

Vorburg

Unter den Grafen von Wertheim und später den Grafen von Erbach wurden mehrere Umbauten vorgenommen. So entstand Ende des 14. Jahrhunderts das Vorwerk mit doppeltem Vortor, das ursprünglich mit einer hölzernen Zugbrücke versehen war, die im Jahre 1812 durch eine Steinbrücke ersetzt wurde. Obwohl die Vorburg wahrscheinlich wesentlich früher angelegt wurde, datiert der heutige Baubestand zwischen die Jahre 1528 und 1620. Gebäude im romanischen und gotischen Stil innerhalb der Vorburg sind der langgestreckte „Föppelsbau“ und das angrenzende Wertheimer Zeughaus. Das Zeughaus weist ein renaissancezeitliches Portal mit der Jahreszahl 1528 und einem leicht beschädigten Armbrustschützen auf. Es ist als Werk des Hans Stainmiller bezeichnet. Der Föppelsbau, ein winkelförmiges Wohnhaus von 1560, steht als Ruine, wie auch einige Teile der westlich davon gelegenen äußeren Vorburg mit dem erbachischem Zeughaus.

Zwischen 1606 und 1613 wurde der „Johann-Casimir-Bau“ in Nachbarschaft zum Tor der Vorburg mit gut erhaltener Steingalerie errichtet, in dessen Obergeschoss sich der Rittersaal befindet. Er ist mit einer reich stuckierten Decke ausgestattet, die neben der Wappenfolge der Ahnen des Grafen Johann Casimir zwischen Leisten und Rankenwerk allegorische Figuren und Szenen der klassischen Mythologie enthält. Die Stuckaturen zählen zu den bedeutendsten Arbeiten der Spätrenaissance und des Manierismus im süddeutschen Raum. Sie wurden vermutlich von Eberhard Fischer aus Babenhausen zwischen 1610 und 1624 geschaffen, der auch die Decke des Einhard-Hauses in Seligenstadt stuckierte. Ein Figurenfries an den Wänden zeigt antike Gottheiten. Im Keller befindet sich heute das Breuberg-Museum.

Zwinger

Zwischen 1480 und 1530 wurde Burg Breuberg den veränderten Bedingungen durch die Einführung von Feuerwaffen angepasst. Die mittelalterliche Burganlage erhielt als Zwinger eine polygonale Umwehrung mit 10–14 m hohen, bastionierten Böschungsmauern (Contrescarpe) und davorliegendem trockenem Ringgraben. Vier mächtige Geschütztürme wurden zwischen 1480 und 1507 erbaut. Aus dieser Zeit stammt auch das Vorwerk mit Tor, wo sich der „Spottkopf“, im Volksmund „Breilecker“ genannt, befindet (am Torbau der Vorburg über der Steinbrücke).

Literatur

  • Wolfram Becher und Alfred F. Wolfert: Die Stuckdecke im Rittersaal des Johann Casimir-Baus auf Burg Breuberg. Breuberg-Bund, Neustadt im Odenwald 1979.
  • Anja Dötsch, Christian Ottersbach: Burg Breuberg im Odenwald: vom stauferzeitlichen Adelssitz zur Residenzburg und Festung. Schnell und Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2025-3 (Edition der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen 28).
  • Hans Teubner und Sonja Bonin: Kulturdenkmäler in Hessen. Odenwaldkreis, Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Vieweg, Braunschweig/ Wiesbaden 1998 (Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland) S. 33 und 211–217. ISBN 3-528-06242-8
  • Winfried Wackerfuß (Hrsg.): Burg Breuberg im Odenwald. Breuberg-Bund, Breuberg-Neustadt 1979.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Breuberg Castle – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Burg_Breuberg“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 09. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.