Halskleinod

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt Halskleinod; zu anderen Kleinodien siehe Kleinod.
Halskleinod
Halskleinod, sowohl im Schild als auch in der Helmzier im Wappen der Katharina von Wildungen (zu Großenglis)

Das Halskleinod (lat. monile = „Halsband“; frz.: médaillon; engl.: medaillon) ist in der Heraldik ein um den sogenannten Helmhals gelegtes Schmuckstück.

Darstellung

Ein Halskleinod erscheint als MünzeW-Logo.png, Schaumünze, MedailleW-Logo.png, MedaillonW-Logo.png, Goldstück oder sonstiges, manchmal rosetten- oder rautenförmiges Schmuckstück an einem Band oder einer Kette um einen Helm gelegt. Bei der Blasonierung bleiben Halskleinode unerwähnt, da sie in der Früh- und Blütezeit des Wappenwesen und auch heute heraldisch ohne Bedeutung sind. Der überwiegende Teil der heraldischen Literatur empfiehlt, Halskleinode, wenn überhaupt, nur im Zusammenhang mit adligen Familienwappen, nicht aber mit Bürgerwappen darzustellen (oder in Ausnahmefällen, wenn ein urkundlicher Nachweis vorliegt).

Abgrenzung

Das Halskleinod, das erst seit der Renaissance (15./16. Jahrhundert) in der bildenden Kunst, insbesondere auf Epitaphien und Wappen immer häufiger dargestellt wird, ist von anderen Anhängern zu unterscheiden. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Anhängern oder anderen Ehrenzeichen ist ein Halskleinod immer um den Hals eines Helmes gelegt.

Der Gebrauch von gefundenen Anhänger-Artefakten mit Wappenbildern, die teilweise bis ins 13. Jahrhundert oder noch früher datiert werden, ist umstritten. Sie könnten, was Aussehen und Form anbetrifft, Halskleinodien sein; sie lassen sich aber auch als Schmuckstücke am Zaumzeug von Pferden („Pferdegeschirranhänger“), als Anhänger an Standarten oder ähnliches deuten.

Unstrittig ist, daß vor dem 15. Jahrhundert nur sehr wenige oder gar keine Abbildungen von Wappen überliefert sind, bei denen ein Halskleinod um einen Helmhals liegt. Ganz im Gegensatz zu den Darstellungen von „runden, durchbrochenen, tropfenförmigen, vierpassförmigen, blütenförmigen und peltaförmigen Schmuckscheiben“[1], die auch vor dem 15. Jahrhundert in Werken der bilden bildenden Kunst als Schmuck an den Brustriemen oder am Zaumzeug von Pferden zu sehen sind.

Bedeutung

Allgemein interpretiert man ein Halskleinod als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Turniergesellschaft. Sie werden auch als ein Art Preis oder Prämierung gedeutet, die der Sieger vom Besiegten während oder nach dem Turnier erhielt. Es gibt Spekulationen, daß die Angehörigen eines Turniers Kleinodien mit Wappenbildern als eine Art Erfolg-/Abwurfsmarkierung am Zaumzeug oder Brustriemen der Pferde anbrachten, um so anzuzeigen, wie viele Gegner sie ausgeschaltet hatten oder wie viele Turniere sie erfolgreich durchgeführt hatten (eine Art Trophäe/Trefferquote, vergleichbar den inoffiziellen AbschussmarkierungenW-Logo.png beim Militär). Wissenschaflich fundierte und konsistente Nachweise zu diesen Thesen sind bislang nicht erbracht.

Aufällig ist, daß das gehäufte Auftreten von Halskleinodien mit vergleichbaren Objekten wie Schaumünzen und dem bereits geschwundenen Ideal des alten burgundischen Rittertums zusammenfällt. Ob es in diesem Zusammenhang Bedeutungsüberschneidungen oder Wechselbeziehungen gibt, ist in der heraldischen Literatur nicht ausreichend untersucht.

Zitate

„Eben so wenig bindet man sich in Deutschland an die Regel, welche die Franzosen von der Beschaffenheit des an dem Helme befindlichen Halskleinodes (Monile) ertheilen.“

Johann Christoph Gatterer (1774)[2]

„Die in Deutschland nicht angenommene Regel der Franzosen vom Halskleinod besteht darin: daß die Könige, wenn sie Großmeister eines Ordens sind, das Ordenszeichen als eine Halskleinod führen sollen; der hohe Adel einen herunterhängenden Diamant; der niedere Adel ein Halskleinod ohne Diamant.“

Johann Christian Siebenkees (1789)[3]

„Es erübrigt mir noch von den sogenannten Halskleinoden zu sprechen, von jenen münzen- und rosettenförmigen Goldstücken, die wir häufig an Ketten um den Hals der Helme gehängt finden. Man glaubt heutigen Tages kaum, dass es möglich sei, einen Wappenhelm ohne dieses Anhängsel zu malen, und weiss doch selten, warum. Noch im 15. Jahrhundert findet man an den wenigsten Helmen diese Halskleinode (monilia), und mit Grund, denn sie waren ursprünglich und damals noch blos die Zeichen der Turniergesellschaften, und wurden von den jeweiligen Vögten dieser Gesellschaften als Ehrenkleinode um den Hals, später auch um den Helm getragen. Es ist also gewiss unpassend, heutzutage Geschlechtern, deren Vorfahren nie Turniere, vielweniger Gesellschaftsvögte gewesen waren, dergleichen Kleinode zu gestatten, und wenn auch in allen Adelsbriefen dieser Kleinode jedesmal ausdrücklich erwähnt wird, so geschieht dies doch nur aus Unwissenheit und hat keinen haltbaren Grund hinter sich.“

Otto Titan von Hefner (1855)[4]

Halskleinod (Heraldik), der am Helm an einer Schnur oder Kette hängende Schmuck. Nach französischer Heraldik sollen Könige etc. die Zeichen des Ordens, von dem sie Großmeister sind, der hohe Adel einen Diamant, der niedere ein Halskleinod ohne ihn führen; jedoch wird dies nicht allgemein befolgt. Die Wappenbriefe führen es an, ohne die Gestalt vorzuschreiben, und es wird meist medaillenförmig gestaltet. Es fehlt bei offnen Helmen nie, wohl aber bei Stechhelmen und denen von abweichender Form.“

Pierer's Lexicon (1857–1865)[5]

„Zum adeligen Turnierhelm (Bügelhelm) wurde seit dem 15. Jahrhundert vielfach ein Halskleinod, d. h. eine an einer Kette um den Hals des Bügelhelmes hängende Schaumünze, geführt. Dabei handelt es sich wahrscheinlich seinem Ursprung nach um ein Abzeichen der Turniergesellschaften, das von den Turniervögten um den Hals getragen wurde. Das Halskleinod braucht bei der Blasonierung nicht besonders aufgeführt zu werden, seine Darstellung bleibt dem Geschmack des Wappenzeichners überlassen.“

Adolf Matthias Hildebrandt; Ludwig Biewer (1887/2002)[6]

„Das Halskleinod ist eine unwesentliche, wenngleich in den spätern Diplomen regelmäßig erwähnte Zugabe des Helms, ein an einer Kette um das Halsstück gelegtes Medaillon, wohl ein Zeichen der Turniergesellschaften oder eins jener Turnierkleinode, die der Preis des Siegers im Einzelkampf waren.“

Meyers Konversationslexikon (1885-1892)[7]

Halskleinod (lat. monile), in der Heraldik das dem Turnierhelm mittels Kette anhängende Kleinod, das jetzt ein notwendiger Bestandteil eines Wappen-Helmes ist. Das Halskleinod wurde zur Anbringung des Abzeichens oder Wappens der adligen Genossenschaft oder Turniergesellschaft des Trägers benutzt.“

Brockhaus' Konversationslexikon (1894-1896)[8]

„Die Münze am Helmhals deutet die Zugehörigkeit zu einer Turniergesellschaft an und gehört nicht an den Helm eines Bürgerwappens, da Bürger nicht turnierfähig waren.“

Heinrich Hußmann (1973)[9]

„Bügelhelme aus dem 15. Jahrhundert tragen vielfach um das Halsstück an einer Kette oder einem Band eine Medaille oder einen rosettenförmigen Anhänger, das sogenannte Halskleinod. Als ursprüngliches Abzeichen von Turniergesellschaften oder Rittervereinigungen, auch als persönliches Ehrenzeichen, sollte es den adeligen Helmen vorbehalten bleiben oder nur dann erscheinen, wenn ein urkundlicher Nachweis vorliegt. Das Halskleinod ist kein wesentlicher Bestandteil des Helmes, häufig nur ein Schmuckstück, dem Sieger vom Besiegten im Turnier überlassen.“

Walter Leonhard (1978/2003)[10]

Halskleinod (lat. monile): ein um den Wappenhelm an einem Band oder einer Kette hängendes Medaillon. Anfangs war das Halskleinod ein Abzeichen oder Wappen einer adligen Turniergesellschaft, das zu tragen nur deren Mitglieder berechtigt waren. Später verlor es seine ursprüngliche Bedeutung und wurde im Laufe der Zeit an fast jedem Wappenhelm als Verzierung angebracht.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[11]

„In der Heraldik pflegt der Turnierhelm mit einer Goldmünze an einer goldenen Kette verziert zu sein. Dies wird Monile genannt, hat keine besondere heraldische Bedeutung und wird deshalb auch nicht blasoniert.“

Milan Buben (1986)[12]

„Um den Helmhals werden zuweilen Münzen gehängt; sie deuten an, dass das Geschlecht einer Turniergesellschaft angehörte. Da nur Adlige an Turnieren teilnehmen durften, gehören sie eigentlich nicht an Bürgerwappen.“

Viktor Schobinger (1993)[13]

„Die kleine Münze am Helmhals (Schaumünze, Halskleinod) ist ein Kennzeichen einer Mitgliedschaft in einer Turniergesellschaft der Rittervereinigung. Sie sollte nur von denen dargestellt werden, deren Vorfahren hätten Mitglied sein dürfen (i. d. R. nur der Adel). Bürger waren nicht turnierfähig. Sie ist i.d.R. nur nachweisbar bei Wappen des Uradels und Hochadels. Entsprechend paßt sie bei Neugestaltungen auch nicht zum Helm der Bürgerlichen, sondern zum Bügel- oder Gitterhelm derer, die damals hätten Mitglied in einer solchen Rittervereinigung sein können. Bürgerliche sollten es nur dann führen, wenn ein urkundlicher Nachweis vorliegt. Also: Bei heute neu geschaffenen Bürgerwappen: So schön das auch aussieht – lieber Finger davon lassen! Achtung Verwechslungsmöglichkeit: Dies ist das HALSkleinod, nicht das HELMkleinod (=Helmzier). Es handelt sich auch nicht um eine Ordenskette o.ä., denn die wird außen um den Schild gelegt. Eine Schaumünze bzw. ein Halskleinod wird nicht blasoniert, auch das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein wird bei der Blasonierung nicht angegeben. Es ist kein wesentlicher und bedeutungstragender, also unterscheidender Wappenbestandteil, die Darstellung ist eine Frage des Stiles und der Angemessenheit.“

Bernhard Peter (2004-2007)[14]

Einzelnachweise / Literatur

  1. Küntzel, Thomas: Landeswappen aus der Grube. Ein Askanischer Pferdegeschirranhänger aus der Wüstung Marsleben. Internet: auf der Seite des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie. Landesmuseum für Vorgeschichte. Abgerufen am 14. September 2012.
  2. Gatterer, Johann Christoph: Johann Christoph Gatterers Abriß der Heraldik oder Wappenkunde: Zum Nuzen der studierenden Jugend entworfen und zuerst mit acht Kupfertafeln erläutert. 1774.
  3. Siebenkees, Johann Christian: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. 1789.
  4. Hefner, Otto Titan von: Grund-Saeze der Wappenkunst. (J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, neue Aufl.). 1855
  5. Pierer's Universal-Lexikon, Band 7. Altenburg 1859, S. 887.
  6. Hildebrand, Adolf Matthias : Handbuch der Heraldik. Wappenfibel. Berlin 1887. 19. Auflage. Bearbeitet von Biewer, Ludwig. Neustadt an der Aisch. 1887/2002. S. 80.
  7. Meyers Konversationslexikon. Autorenkollektiv. Verlag des Bibliographischen Instituts. Leipzig und Wien. Vierte Auflage. 1885-1892.
  8. Brockhaus' Konversationslexikon. Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896. 8. Band: Gilde - Held.
  9. Hußmann, Heinrich: Über Deutsche Wappenkunst. Wiesbaden. 1973.
  10. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 1978/2003. S. 296. ISBN 3-8289-0768-7
  11. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 173.
  12. Buben, Milan: Heraldik. Prag. 1986.
  13. Schobinger, Viktor: Zürcher Wappenkunde - Das Wichtigste über Familienwappen. Zürich. 1993.
  14. Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Abschnitt Mitgliedschaft in Turniergesellschaften – In: Gute heraldische Praxis: der Helm des Wappens. Internet: www.welt-der-wappen.de. Aufgerufen am 19. Dezember 2017.

Weblinks

 Commons: Halskleinod – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Halskleinod“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 22. April 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.