Helm (Heraldik)

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Wappenhelm
(Beispiel: Pranckher/Pranker HelmW-Logo.png)
KHM Wien B 74 - Great helm of Albert von Prankh, 14th century, front.jpg
als echter Funeralhelm
(um 1350; KHM, WienW-Logo.png)
als bildliche Darstellung
(nach Siebmacher, 1904)
(Der Pranker-Helm wurde wohl nur bei Turnieren verwendet; die
Hörner mit den Kämmen (Helmkleinod) gehören zwar demselben
Geschlechte an, stammen aber aus dem Anfang des 15. Jhr.)
[1]

Der Wappenhelm (auch kurz [heraldischer] Helm genannt; von mhd., ahd. helm, = ‚der Schützende‘, ‚der Verbergende‘; französisch heaume; englisch [armorial] helmet oder helm) ist in der Heraldik

  • eine Schutzwaffe (Kampf-, Turnier-, Funeralhelm etc.), die als Teil der Rüstung eines Ritters diente und zur Charakterisierung ihres Trägers mit einem plastisch-heraldischen Helmschmuck (vormals mit Bemalung) versehen war.
  • ein wohldefinierter, gebräuchlicher bildlicher Bestandteil im Oberwappen eines Wappens („Helm über dem Wappenschilde“)[2]
  • eine gemeine Figur im Wappenschild

Abgrenzung

Kein Wappenhelm Wappenhelm
Ancient German armour helmet.jpg
Helm ohne heraldische Attribute
Originaler Topfhelm des 12./13. Jhr.
deutschprachiger Kulturraum
Helm mit heraldischen Attributen
  • Turnierhut und Löwe

Originaler Helm des 14. Jhr.
von Edward of WoodstockW-Logo.png
englischprachiger Kulturraum

„Wappenhelme“ können von Helmen ohne heraldische Attribute abzugrenzt werden, wobei die Besonderheiten des jeweiligen Wappenkulturraums zu beachten sind. Im deutschsprachig geprägten Wappenkulturraum ist beispielsweise ein Helmschmuck für einen „Wappenhelm“ zwingend erforderlich („ohne Kleinod kein Wappenhelm und ohne Helm kein Kleinod!“ - Maximilian Gritzner, 1889);[3] im Wappenkulturraum der Britischen Inseln haben „Wappenhelme“ dagegen eine untergeordnete Bedeutung, sogar das Weglassen eines „Wappenhelms“ ist dort in Wappendarstellungen zu finden (vgl.: Englische Heraldik und Crest).

Grundsätzlich erhält ein „echter“ Helm heraldischen Charakter und wird zum „heraldischen Helm“, sobald sein Oberfläche mit heraldisch-stilisierten, farbigen Bildern bedeckt oder er oben mit einer plastischen Helmzier geschmückt ist, die als besonderes Kennzeichen die Person, Familie etc. des jeweiligen Helmträgers kenntlich machen. Aus der blossen Schutzwaffe „Helm“ wird zugleich ein „Wappenhelm“. Gleiches gilt für die bildliche Darstellung eines Helms, beispielsweise in einem Siegel oder einem Wappen.

  • Helm mit heraldischer Bemalung (Wappenhelm, bildliche Darstellung)

„Schon die Emailplatte des 1151 gestorbenen Gottfried PlantagenetW-Logo.png zeigt uns den Ritter mit einem auf die Seite seines konischen Helmes gemalten Löwen aus seinem Wappen.“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[4]
Beispiel
Konischer Helm des 12. Jahrhunderts (Darstellung auf Grabplatte von 1151; hier nach einer Grafik von 1695)
Geoffrey Anjou.jpg
  • Helm mit (heraldischem) Helmkleinod (Wappenhelm)

Beispiel
Echter Stechhelm von 1541 des Sir John GostwickW-Logo en.png, † 1545, in der Kirche zu Willington, Bedfordshire, mit Helmkleinod (nach Hugo Gerhard Ströhl, 1899 bzw. nach Arthur Charles Fox-Davies, 1909)

Complete Guide to Heraldry Fig592.png
  • Bildliche Darstellung: Wappenhelm neben dem Wappenschild und als gemeine Figur im Wappenschild

Idealerweise ist der bildliche Wappenhelm -- heraldisch stilisiert -- der echten Kopfbedeckung „Wappenhelm“ nachempfunden, die im Mittelalter als Teil der Rüstung eines Ritters diente und der zum Beispiel schützende, schmückende oder identitätsstiftende Funktion zukam. Zuweilen findet man bildliche Wappenhelme nicht im Oberwappen, sondern neben dem Wappenschild gestellt oder in anderer Gestaltung dem eigentlichen Wappen beigeordnet.
Beispiel
Topfhelme (Wappen LitschauerW-Logo.png; nach Codex Manesse von 1305-1315)

1475–1500: Bügelhelm als gemeine Figur (Wappen der von Sassenhausen nach Wernigeroder Wappenbuch)

Geschichte

Nach Gert Oswald waren im 13. Jahrhundert der „Wappenhelm mit Helmschmuck“ einerseits und der „Wappenschild“ andererseits noch nicht als zwei zusammengehörende Bestandteile eines vollständigen Wappens bekannt; seiner Meinung nach wurde ein Helm (mit Helmschmuck) erst seit dem 14. Jahrhundert wichtigster Bestandteil des Oberwappens beziehungsweise zweiter Hauptbestandteil eines „ganzen“ Wappens.[5] Die sogenannte Helm-/Wappenschau, die bei Turnieren unter anderem zur Feststellung der Turnierfähigkeit und Ritterbürtigkeit diente, wertete den Helm als Kennzeichen seines Trägers auf.

Nach dem Untergang des Rittertums fanden zunehmend Helmformen und Helmausprägungen Einzug in die Heraldik, die in der Realität nie existierten, die aber auf Papier der Gesamtgestaltung eines Wappens zuträglich waren beziehungsweise einem ästhetisch-historischen Geschmacksideal folgten (vgl. Papierheraldik). Später und dann durch Verleihung des Landesherrn haben auch Frauen und Gemeinden die Möglichkeit bekommen, den Helm auf ihren Wappen zu zeigen.

Heraldische Helmtypen

Bei einer Wappendarstellung ist die Wahl eines Helms nicht gleichgültig. Sie sollte nach den heraldischen Regeln erfolgen. Nicht jeder Helm ist „heraldisch richtig“. Zu den Wappenhelmen werden solche genommen, die mit einem Helmkleinod geziert und bei den Turnieren von den Rittern getragen worden sind. So rechnet man den aus dem frühen Mittelalter bekannten Kübelhelm und Topfhelm dazu. Der Spangenhelm oder Kolbenturnierhelm und der Stechhelm spielen eine wichtige Rolle. Alle beiden Helme sind seit Mitte des 15. Jahrhunderts bekannt. Ihre Verwendung als „Wappenhelme“ beginnt etwa ein Jahrhundert später.

Den Rang aus der Art und Stellung des Helmes zu erkennen, ist nur in Frankreich und England möglich. Versuche in Deutschland waren nicht so erfolgreich. Hier wurde den adligen Familien der Spangenhelm und den bürgerlichen Wappen der Stechhelm aufgesetzt. Über die verschiedenen Zeitepochen war der Bügelhelm für bestimmte Gruppen von Wappenträgern gebräuchlich. Doch die Unterscheidungen verwischten immer wieder. Napoleon versuchte, mit einer Wappenreform den Helm durch federgeschmückte Barette zu ersetzen. Sein Untergang besiegelte diese Reform.

Bildliche Darstellung von Wappenhelmen

Grundsätzlich sollten in einem Wappen der Stil des Wappenhelms, der Helmzier, der Helmdecke und des Wappenschildes miteinander übereinstimmen.

„Stilistische Einheit: Stilistische Kongruenz des Helmes mit dem Rest des Wappens ist wichtig. Man kann nicht einen gotischen Topfhelm zu einer zersplissenen Decke des Manierismus verwenden, und man kann nicht einen Bügelhelm des Renaissance mit einem einfachen ungeteilten Tuch kombinieren. Die einzelnen Elemente sollten so etwa der selben Zeit entstammen. Weiterhin sollen die Teile auch länderspezifisch im Stil aufeinander abgestimmt sein. Es gibt Helme und Schildformen, die nicht in Deutschland in Gebrauch waren. Auch deren Verwendung für ein deutsches Wappen wäre ein Stilbruch. Die Verwendung unpassender Helme kann ein ganzes Wappen ruinieren. Sie kann aber bei Darstellungen auch ein Indiz für Fälschungen sein, so gibt es eine ganze Reihe von stereotypen Fälschungen, die eine amerikanische Firma einst verkauft hatte, die neben anderen Fehlern einen schottischen Esquire-Helm mit meist viel zu mickriger Helmzier verwendet.“

Bernhard Peter 2004/2007/2010)[6]

Helm im Oberwappen

Der Helm ruht bei einer bildlichen Wappendarstellung gewöhnlich auf dem oberen Schildrand eines Wappenschilds und ist nach vorn (frontal) zum Betrachter gekehrt. Grundsätzlich kann er auch im Profil oder im Drei-/Halb-/Viertel-Profil dargestellt werden. Die Drehung wird in der Wappenbeschreibung gewöhnlich nicht gemeldet, kann aber angezeigt werden. Der Helmschmuck sollte stets mit der Drehung des Helms übereinstimmen (beispielsweise ein frontaler Helm mit einer frontalen Helmzier, ein Helm im Profil mit einer Helmzier im Profil), wobei bei einem halbgedrehten Helm eine Helmzier im Profil möglich ist.

„Die tatsächliche Stellung des Helmes richtet sich auch nach der Helmzier: Beide müssen in die selbe Richtung schauen! Perspektivische Darstellungen der Helmzier werden nicht als guter Stil angesehen! Denn die Heraldik entspringt einer Zeit, in der die Zentralperspektive noch nicht erfunden war (..)
Helmzier im Profil und Helm frontal ist genauso falsch wie Helmzier frontal und Helm im Profil. Immer daran denken: Die Helmzier schaute früher das Gegenüber im Turnier gerade an!“

Bernhard Peter 2004/2007/2010)[6]

Auf dem Helm wird die Helmdecke aufgelegt. Diese wird dem Zeitgeschmack mal strenger oder voluminös flatternd in Farbe für die Oberseite und Metall (Gold oder Silber) die Unterseite dargestellt. Die Helmdecke erweckt den Eindruck eines in Streifen geschnittenen und schnörkelig herabhängenden Tuchs.

Hierauf wird in manchen Fällen eine entsprechende Helmkrone aufgesetzt und die anderen Dinge zum Helmschmuck folgen. Bei fehlender Helmdecke oder Krone oder Helmwulst setzt die Helmzier direkt auf dem Helm oben auf. Wappenhelme werden gewöhnlich in blasser „Stahlfarbe“ (selten silbern) dargestellt, die Innenseite bevorzugt rot-/violettgefüttert. Vorwiegend Adlige bedeutender Familiengeschlechter führten den Helm gelegentlich vergoldet und offen, liesen also die Spangen vom Helm fort.

1335/1345: Topfhelm
(Wappen Suls;
nach Züricher Wappenrolle)
etwa 1380: Gekrönter Helm
(Haus Lorraine;
nach Armorial Bellenville)
um 1480: Bügelhelm
(‚König von Ungarn‘;
nach Grünenberg)
um 1901/1934: Stechhelm
(Haus Baden;
nach Otto Hupp)

Mehrere Helme im Oberwappen

Sind mehrere Helme über dem Schild, werden sie bis auf den mittleren ranghöchsten nach innen auf Profil gewendet. Helme über belehnte Schilde sind immer im Profil. Die Anzahl nahm nach der Blütezeit der Heraldik bedeutend zu. Die Blasonierung mehrerer Helme über dem Wappen erfolgt von der Mitte aus im Wechsel von rechts und links des ersten oder Mittelhelmes.

 
 
 
 

Helm als gemeine Figur im Wappenschild

Als gemeine Figur ist der Helm im Wappenschild selten.

Topfhelm im Wappenschild

Kübelhelm im Wappenschild

Stechhelm im Wappenschild

Spangenhelm im Wappenschild

Helm als sprechendes Motiv (historische Darstellung am Alten Rathaus in Helmstadt; die Darstellung geht zurück auf ein Siegel Helmstadts aus dem Jahr 1748)
 
Spangenhelm im Stammwappen derer von EssenW-Logo.png (1663)
 
Spangenhelm im Wappen derer von FreseW-Logo.png
 
Wappen derer von HiddessenW-Logo.png

Besonderheiten und besondere Helmformen

Helm in Vogelform (Wappen derer von BernstorffW-Logo.png; nach Otto Hupp, 1903)

Besondere Helmformen wie (beispielsweise eine Beckenhaube, der MorionW-Logo.png etc.) sind stets unter ihrem Eigennamen zu melden; auch Besonderheiten wie ein NasenschutzW-Logo.png oder ein „durchbohrter“ Helm sollten in der Wappenbeschreibung erwähnt sein.

Helm als Nebenfigur

Es gibt Wappen, bei denen ein Helm als Nebenfigur erscheint, beispielswiese wenn ein Wappentier mit aufgesetztem Helm gezeigt wird oder Helme den Schildhaltern aufgesetzt sind („mit einem Helm verkappt“). Das Stülpen eines Helmes über den Kopf einer Wappenfigur kann eine Form der Wappenminderung sein.

„Unheraldische“ Helme

Im Wappenschild oder im Oberwappen werden zuweilen eher „unheraldische Helmfiguren“ dargestellt (beispielsweise Helmmotive, die aus einer Zeit vor oder nach der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens stammen). In diesen Sonderfällen sollte der Helm in der Wappenbeschreibung unter seinem Eigennamen angezeigt werden (zum Beispiel „korinthischer Helm“, „keltiberischer Helm“ etc.), wobei alle Besonderheiten explizit anzuführen sind.

Römerhelm

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Römerhelm

Auch die Darstellung eines Römerhelms in einem Wappen widerspricht in gewisser Weise dem eher traditionell ausgerichteten Heraldikverständnis vieler Wappenkundiger.

Raumfahrerhelm

Raumfahrerhelm
 
 
im Ober­wappen (Wappen von Julie PayetteW-Logo.png, ehemalige kanadische Astronautin)

Ein bemerkenswertes Beispiel für einen nicht-traditionellen Helm findet sich in der kanadischen Heraldik: Julie PayetteW-Logo.png, ehemalige kanadische Astronautin und seit 2017 Generalgouverneurin von Kanada, führt im Oberwappen ihres Wappens einen Raumfahrerhelm (auch Astronautenhelm genannt).

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hugo Gerhard Ströhl: Heraldischer Atlas. Stuttgart 1899. Tafel 11. „Der Helm“. (Digitalisat)
  2. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Wappenhelm. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 155
  4. Donald Lindsay Galbreath, Léon Jéquier: Handbuch der Heraldik. Battenberg Verlag, Weltbild Verlag, Augsburg 1990, ISBN 3-89441-259-3, S. 173 (französisch: Manuel du Blason. Lausanne, Lyon 1942. Übersetzt von Ottfried Neubecker).
  5. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 184 f. (Digitalisat [abgerufen am 29. Februar 2020]).
  6. 6,0 6,1 Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gute heraldische Praxis: der Helm des Wappens – Internet. Abgerufen: 05. August 2020
    Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gute heraldische Praxis: die Helmzier – Internet. Abgerufen: 05. August 2020
  7. Blason: Auf rotem Grund ein silberner Ritterhelm mit einer Adlerschwinge als Helmzier.
  8. Blason: In Rot ein mit rotem Futter ausgeschlagener silberner Spangenhelm mit goldenem Halskleinod und goldenen Beschlägen.
  9. Blason: In Silber ein rechts gewendeter blauer Spangenhelm mit goldener Helmkrone und einem natürlichen Pfauenfederbusch. Auf dem Schild ein vorwärts gekehrter, gold gekrönter blauer Spangenhelm mit blau-silbernen Decken und einem von zwei blau-silbernen Fähnchen eingeschlossenen natürlichen Pfauenfederbusch.
    Das von dem Weimarer Michael Zapfe neu gestaltete Wappen wurde am 24. November 1997 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 145 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.
  10. Blason: Im roten Schilde ein silberner Spangenhelm mit goldenen Helmdecken und zwei silbernen Büffelhörnern als Helmzier, die außen mit je sechs silbernen Lindenzweigen besteckt sind, zwischen den Büffelhörnern ein goldenes "K".
  11. Harmerz: „In Rot unter einem silbernen Schildhaupt mit schwarzem Kreuz ein silberner Topfhelm mit goldenem Steg waagrecht durchbohrt von einem silbernen Schwert mit goldenem Griff.“



Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Helm_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 17. April 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.