Heinrich (Sachsen)

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Heinrich der Fromme, Porträt von Lucas Cranach d.Ä.
Herzog Heinrich
Portrait von Lucas Cranach d.Ä.: Herzog Heinrich mit seiner Frau Katharina von Mecklenburg

Heinrich der Fromme (* 16. März 1473 in Dresden; † 18. August 1541 ebenda) aus dem Hause der albertinischen Wettiner war von 1539 bis 1541 Herzog von Sachsen und als Heinrich V. auch Markgraf von Meißen.

Leben

Herkunft und Familie

Heinrich war der zweite Sohn des Herzogs Albrecht des Beherzten von Sachsen (1443–1500), der in der Leipziger Teilung die albertinische Linie des sächsischen Hauses begründet hatte. Heinrichs Mutter Sidonie (1449–1510), war eine Tochter des Königs Georg Podiebrad von Böhmen aus dessen Ehe mit Kunigunde von Sternberg.

Heinrichs älterer Bruder Georg der Bärtige beerbte seinen Vater 1500 als Herzog von Sachsen; seine ältere Schwester Katharina war seit 1484 mit Erzherzog Siegmund von Österreich vermählt; sein jüngerer Bruder Friedrich wurde 1498 Hochmeister des Deutschen Ordens.

Gubernator von Friesland

Im Jahr 1498 unternahm Heinrich eine Wallfahrt nach Jerusalem und wurde im Jahr darauf von seinem Vater zum Gubernator von Friesland bestimmt. Infolge unangemessener Steuerforderungen widersetzten sich aber die Friesen seiner Herrschaft und Heinrich verzichtete dort 1505 auf die Herrschaft, nachdem er in der Residenz Franeker zeitweise belagert wurde.

Albrecht der Beherzte hatte in seinem Testament („Väterliche Ordnung“) bestimmt, dass im Falle des Verlustes von Friesland sein älterer Bruder Georg Heinrich mit Schloss, Stadt und Ämtern Freiberg und Wolkenstein und einer Jahresrente von zunächst 12.500 Gulden zu entschädigen hatte.

Freiberg

Nach dem „Brüderlichen Vertrag“ mit Georg 1505, bezog Heinrich das Schloss Freiberg. Er war begeisterter Jäger und sammelte mit Leidenschaft Handwaffen und Geschütze. Am 6. Juli 1512 heiratete Heinrich in Freiberg Prinzessin Katharina (1487–1561), Tochter des Herzogs Magnus II. zu Mecklenburg. Über finanzielle Engpässe halfen Elisabeth von Rochlitz, der Rat der Stadt Freiberg und auch die Ernestiner der Familie hinweg.

1521 ließ Heinrich die Bergstadt Marienberg im Erzgebirge gründen, nachdem dort reiche Silbererzvorkommen entdeckt wurden. Er beauftragte Ulrich Rülein von Calw, der die regelmäßige Stadtanlage mit einem zentralen, 1 ha großen Marktplatz und jeweils senkrecht abgehenden Straßen plante. Neben dem dortigen Rathaus ließ sich Heinrich ein eigenes Haus errichten, in dem er sich oft mit seiner Familie aufhielt.

Einführung der Reformation

1536 bekannte sich Heinrich nach langjährigem Drängen seiner Ehefrau Katharina zur Lehre Luthers. Unterstützt von Kurfürst Johann Friedrich und dem Rat Adam von Schönberg führte er in seinen Territorien die Reformation ein. Heinrich geriet damit in Widerspruch zu seinem Bruder Georg den Bärtigen, der als erklärter Feind Luthers weiter am Katholizismus festhielt und seinen jüngeren Bruder überwachen ließ.

Am Neujahrstag des Jahres 1537 wurde im Freiberger Dom das Abendmahl zum ersten mal auf lutherischer Weise gereicht. Im selben Jahr wurden Heinrich und sein ältester Sohn, auf Vermittlung seiner Gemahlin, Mitglieder im Schmalkaldischen Bund. Georg der Bärtige, der zunächst Geldmittel gestrichen und die Bezahlung der evangelischen Geistlichen verhindert hatte, lenkte im Herbst 1538 schließlich ein, nachdem seine Söhne Johann und Friedrich gestorben waren und Heinrich als sein präsumtiver Nachfolger feststand. Für die Katholische Liga und Beibehaltung des alten Glaubens im Land konnte er Heinrich allerdings nicht gewinnen.

Herzog von Sachsen

Im Alter von 66 Jahren übernahm Heinrich von seinem Bruder Georg die Herrschaft des Herzogtums. Unter seiner Regierung wurde der Protestantismus in Sachsen Staatsreligion. Heinrich bediente sich dabei nicht der kursächsischen Gottesdienstordnung sondern der so genannten „Heinrichs-Agende“, auch die Visitationen wurden in eigener Regie durchgeführt. Wer sich weigerte die neue Religion anzunehmen, wurde des Landes verwiesen oder in Haft genommen. Am 25. Mai 1539 fand in Leipzig, unter Anwesenheit Martin Luthers, die Einführungsfeier der Reformation statt.

Im November 1539 nahm Heinrich in Chemnitz an seinem einzigen Landtag teil. Damit ihm Mittel bewilligt wurden, hatte er bei seinem Glaubenszwang während der Reformationseinführung nachgeben müssen und durfte ohne Einwilligung der Stände kein Bündnis eingehen. Gemeinsam mit dem sächsischen Kurfürsten erreichte Heinrich den Verzicht der Bischöfe auf die Reichsstandsschaft, bei der der Bischof von Meißen erbitterten Widerstand geleistet hatte. Die Beschwerde der Bischöfe beim Kaiser führte schließlich zur Bestätigung ihrer Reichsunmittelbarkeit. 11 Tage vor seinem Tod bestimmte Heinrich seinen ältesten Sohn zum Mitregenten. In seinem Testament verpflichtete er seine Familie auf Treue zur Augsburger Konfession. Heinrich wurde als erster Wettiner im Dom zu Freiberg bestattet.

Heinrich war einer der wirkungsmächtigsten Wettiner, dessen wichtigste Entscheidung – die Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen – das Land bis heute prägt. Das steht in seltsamen Gegensatz zu seinen eher beschränkten Fähigkeiten, zumal seinem wesentlich bedeutenderem, reichspolitisch aktiverem Bruder Georg eine solche Nachwirkung versagt blieb.

Nachkommen

Aus seiner Ehe mit Katharina hatte Heinrich folgende Kinder:

∞ 1540 Herzog Franz I. von Sachsen-Lauenburg (1510–1581)
∞ 1533 Markgraf Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach (1484–1534)
∞ 1545 Herzog Erich II. zu Braunschweig-Calenberg (1528–1584)
  • Moritz (1521–1553), Kurfürst von Sachsen
∞ 1541 Prinzessin Agnes von Hessen (1527–1555)
∞ 1548 Prinzessin Anna von Dänemark und Norwegen (1532–1585)

Literatur

  • Elisabeth Werl: Heinrich der Fromme. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, S. 391–393 (Digitalisat).
  • Heinrich Theodor Flathe: Heinrich der Fromme. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 11, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 601 f.
  • Karl Friedrich August Nobbe: Heinrich der Fromme: ein Beitrag zur Sächsischen Reformationsjubelfeier im Jahre 1839, Verlag von Chr. Ernst Kollmann, 1839
  • Yves Hoffmann: Herzog Heinrich der Fromme (1473-1541), Sax-Verlag, 2007
  • Erich Brandenburg: Herzog Heinrich der Fromme von Sachsen und die Religionsparteien im Reiche (1577-1541), Baensch, 1896
  • Karl Wilhelm Böttiger: Herzog Heinrich der Fromme von Sachsen: Biographische Skizze, 1824 (Online)
  • C. A. Holzhaus: Herzog Heinrich der Fromme, der Gründer Marienbergs: ein Beitrag zur Geschichte des Erzgebirges, Engelmann, 1889
  • Reinhold Röhricht, Enno Littmann, Leonhard Bauer: Die Jerusalemfahrt des Herzogs Heinrich des Frommen von Sachsen (1498), 1901
  • Frank-Lothar Kroll: Die Herrscher Sachsens: Markgrafen, Kurfürsten, Könige 1089- 1918, S. 85 ff.

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
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15391541
Moritz