Turnierhut

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Turnierhut
(im Wappen derer von Neunkirch, 1450-1580)

Der Turnierhut (auch niederer Hut, Kappe oder Edelsmannhut genannt; frz.: chapeau de tournois; engl.: chapeau oder cap of maintenance) ist in der Heraldik

Darstellung

Der Turnierhut ist allgemein ein flacher, teilweise mit hermelingestülpter Hut mit einer verlängerten Rückseite.

Der Turnierhut war im Mittelalter bei Turnieren als Helmzier („Helmkleinod“) beliebt. In vielen Wappen ist er mit Pfauenfedern, gelegentlich mit Büffelhörner oder anderen Ziergegenständen besteckt. Oft wächst ein Wappentier oder eine andere gemeine Figur aus ihm empor.

„Der niedere Hut auch Turnierhut genannt (Tafel XXV. Figur 70 bis 73.): und vielfach angewandt; aus ihm ist durch Unkenntnis und falsche, oder zu hohe Vorstellungen von der ehemaligen Stellung sehr oft: der Kurhut oder Fürstenhut gemacht worden (von Witzleben, von Wangenheim).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]


Gestürzter Turnierhut

Ein gestürztes Turnierhutmotiv erscheint im Oberwappen derer von WeilerW-Logo.png (auf dem Helm mit rot-silbernen Decken zwei gestürzte rot-gestulpte silberne Turnierhüte, besteckt mit je drei silbernen Pilgerstäben mit goldenen Knöpfen).

Verwendung

Heraldischer Turnierhut (ein blauer Chapeau eignet sich in der schottischen Heraldik für die Erben alter fürstlicher Familien, die nicht mehr Eigentümer der Liegenschaften sind).

Samtene Turnierhüte, die mit Hermelin gesäumt sind, wurden in anglo-amerikanischen Kulturen von bestimmten Personen als Zeichen des Adels getragen oder wurden als besondere Ehre (zum Beispiel an Peers) verliehen. Die sogenannte Cap of MaintenanceW-Logo en.png ist beispielsweise eine Insigne der britischen Monarchie. Ursprünglich erschienen derartige Insignen nur in Rot, später auch in anderen heraldischen Farben.

Varianten und Nachfolger

Beispiel eines Turnierhuts als Helmzier, darauf ein wachsender Löwe zwischen einem Flug (Wappen derer zu Eltz)[2]

Als spätere Varianten werden das Barett, der Doktorhut und die Toque angesehen[3].

Wappenbilderordnung

  • Die gemeine Figur Turnierhut wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Gegenstände der Bekleidung sowie Schmuck unter der Nr. 9705 aufgenommen.

Siehe auch

Einzelnachweis

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Pfarrkirche St. Martin und Severus in Münstermaifeld: Grabplatte für Kuno von Eltz. Internet. Erstellt: 2010. Abgerufen: 19. Dezember 2017
  3. Lexikon der Heraldik, Gert Oswald, Bibliographisches Institut Mannheim, 1985, ISBN 978-3-411-02149-9