Doppelwolkenschnitt

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Im Doppelwolkenschnitt ..
Araldiz Manno 221R.png
 
geteilt
(gemäß WBO, Nr. 0151-165)
 
gespalten
(gemäß WBO, Nr. 0101-165)

Der Doppelwolkenschnitt (auch doppelwolkenförmig .., doppelgewolkt .., mit doppelt krausen Wolken .. oder ähnlich [ geteilt/gespalten .. usw.]; auch veraltet Nebelschnitt, Nebel oder benebelt genannt; frz.: [coupé] nebulé; engl.: [per fess] [double]-nebuly) ist in der Heraldik ein Wappenschnitt, der zum Beispiel bei Schildteilungen, Heroldsbildern angewendet wird.

Die Schnittlinie im Doppelwolkenschnitt ist als besondere, sich in einem gleich bleibenden Rhythmus wiederholende „Doppelwolken“ gestaltet, welche im Gegensatz zur Wolke oben und unten nicht nur einmal kreisrund ausgeformt sind, sondern oben und unten jeweils durch zwei mehr oder minder „eingedrückte“ bis nahezu „herzbogenförmige“ Umrisse dargestellt werden. Diese erscheinen je nach Gestaltung mal mehr, mal weniger flach bis rund gequetscht und erinnern durch die Wiederholung an ein „herz-“ bis „wolken-/nebelförmiges“ Ziermuster.

Geschichte

Der Doppelwolkenschnitt leitet sich aus dem Doppelwolkenfeh ab, das seinerseits eine Abart des Wolkenfehs beziehungsweise ganz allgemein des Feh ist. Feh als „Pelzstoff/Pelzfutter“ war spätestens seit dem Hochmittelalter Teil der Kleidung. Jacob Falke geht in seinem Werk „Die deutsche Trachten- und Modewelt“ davon aus, daß der Gebrauch im frühen Wappenwesen fortgesetzt wurde und unter anderem Feh-Fell als Überzug oder zur Verzierung von Schilden genutzt wurde. In der Folge diese Gebrauchs fing man später an, die Schilde und Wappen im Muster des ursprünglichen Fells zu bemalen (zum Beispiel als silisierte „heraldische Wolken“). Doppelwolken-Motive sind aus der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens jedoch nicht bekannt. Sie finden sich im Wappenwesen erst als Varianten des gemalten, heraldischen Wolkenfehs:

„Die Doppelwolken sind (..) der mittelalterlichen Heraldik vollkommen fremd. Alle Wappen-Diplome, in welchen dieselben vorkommen, sind erst aus dem 16. Jahrhundert, wie zum Beispiel das Adels-Diplom der Tannstetter von Thenau von 1531 (..), Apian in Bayern (..), zum Tagstern in der Schweiz und Andere.“

Friedrich-Karl zu Hohenlohe-Waldenburg (1867)[1]

Darstellung

Die Anzahl der Doppelwolken ist als solche nicht festgelegt und wird gewöhnlich nicht gemeldet. Ist die genaue Ausprägung der Doppelwolken wesentlich für eine Wappendarstellung, kann diese aber auch angegeben werden. Allgemein richtet sich die Anzahl nach den zur Verfügung stehenden räumlichen Gegebenheiten beziehungsweise nach der Gesamtharmonie im jeweiligen Wappen. Im Normalfall beträgt die Anzahl der Doppelwolken mindestens zwei und ein halbe nach oben und nach unten, kann aber auch beträchtlich darüber liegen.

Farbflächen, die durch Schildteilungen, Heroldsbilder oder ähnlichem mit Begrenzungslinien im Doppelwolkenschnitt im Wappen erscheinen, sind meist in Blau oder in Silber tingiert, kommen aber auch in anderen heraldischen Farben vor.

Doppelwolken-Teilung/-Spaltung

Doppelwolkenförmig geteilt (Tafel III. Figur 76.) heißt der Schild, wenn die Teilungslinie im Doppelwolkenschnitt geführt ist.

Sind Doppelwolken (mit der Spaltung -- Anm. der Redaktion) verwandt, so würde dies vermerkt werden müssen, also heißt der Schnitt: (..) Doppelwolkenspaltung.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[4]

Doppelwolken-Schrägteilung

Doppelwolkenförmig geschrägt sagt man, wenn eine heraldisch rechte schräge Teilungslinie im Doppelwolkenschnitt gezogen ist; ist eine heraldisch linke schräge Teilungslinie im Doppelwolkenschnitt gezogen, nennt man dies doppelwolkenförmig linksgeschrägt.

Doppelwolken-Balken

„Wolken-Balken (und Doppelwolken-Balken -- Anm. der Redaktion) haben statt der geraden Begrenzungslinien solche von einfachen (..) oder Doppelwolken (Figur 36.), gehen dadurch selbstredend ihres Charakters als Balken mehr oder weniger verlustig.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[5]

Doppelwolkenkreuz

Doppelwolken können in Kreuzform in Wappen erscheinen. Es ist in der Wappenbeschreibung genau zu unterscheiden, in welcher Form die Doppelwolken gekreuzt sind. Beispielsweise kombiniert man bei einem „(gemeinen) Doppelwolkenkreuz“ nur vier Doppelwolken miteinander und das Motiv erscheint gewöhnlich in Form eines schwebenden Kreuzes im Wappen; bei einem „Kreuz im Gegen-Doppelwolkenschnitt“ wird dagegen eine unbestimmte Anzahl Doppelwolken pfahl- und balkenweise miteinander kombiniert - und zwar so, das sich die einzelnen Doppelwolken direkt gegenüber liegen. Ein „Kreuz im Gegen-Doppelwolkenschnitt“ unterscheidet sich wiederum von einem „Kreuz im Wechsel-Doppelwolkenschnitt“, bei dem sich die einzelnen Doppelwolken nicht direkt gegenüberliegen.

Doppelwolkenschragen

Doppelwolken-Schildhaupt

Doppelwolken-Bord

„(..) Doppelwolken-Bord nennt man den Bord, welcher vermittelst des (..) Doppelwolken-Schnittes vom Schilde abgetrennt ist. Ist dagegen der Bord in sich vermittelst genannten Schnittes in zwei verschiedene Färbungen abgeteilt, dann sagt man ein durch (..) Doppelwolken von Gold und Rot (Figur 88.) oder Rot und Silber (Figur 89.) abgeteilter Bord, wobei also die äußere Färbung vor der inneren genannt wird.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[7]

Einzelnachweise

  1. Hohenlohe-Waldenburg, Friedrich-Karl zu: Das heraldische Pelzwerk: Monographie: nebst einem Anhange I. die ältesten deutschen gemalten Wappen-Sammlungen und II. die heraldischen Schildformen vor dem Jahr 1450; als Manuscript gedruckt. 1867.
  2. (Miniatur aus der Geschichte des ersten Kreuzzuges des Robert de Sant-Remini, 1188/89, Vatikanstadt, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat. Lat. 2001, fol. 1r
  3. Aus der Zürcher Wappenrolle, Nachbildung von 1860
  4. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 14 und S. 21.
  5. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 25
  6. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 288. Abb. 27
  7. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 40